How I Met Your Mother 8x20

Die Episode Time Travelers versorgt die Zuschauer wahrscheinlich mit so vielen konkreten Informationen zu der Mutter wie nie zuvor - natürlich ohne sie auch nur ansatzweise zu zeigen. Aber bereits in den ersten Sekunden der Folge wird ihre Adresse verraten. Außerdem wird noch einmal wiederholt, dass sie Wirtschaft studiert, bei weitem nicht so viel Zeit in einer Bar verbringt wie Ted (Josh Radnor) und dass sie sich im April 2013 in einer Beziehung mit einem Typen namens Louis befindet.
Ted und Barneys verrückte Zeitreise aka „How I Met Your Looper“
Ted verbringt seine Zeit einsam in MacLaren's Pub und wartet quasi nur darauf, dass Barney (Neil Patrick Harris) mit seinem nächsten verrückten Einfall zur Tür reinkommt. Natürlich muss man darauf nicht lange warten und Barney schlägt vor, zu einer Spin-off-Veranstaltung von Robots vs. Wrestlers zu gehen (bekannt aus der fünften Staffel), die den Titel „Robots vs. Wrestlers: Legends“ trägt. Hier sollen alte Wrestler auf altmodische Roboter treffen. Doch das Ganze ist eigentlich nebensächlich, denn schon bald verwandelt sich die Folge in eine Art Zeitreiseepisode à la „Looper“.
Plötzlich taucht nämlich „20-Years-from-now-Barney“ auf, der Barney dabei unterstützen soll, Ted zu überzeugen. Barney stellt sich offenbar vor Entscheidungen wie dieser stets die Frage: Was würde mein Ich in 20 Jahren wohl darüber denken, wenn ich das sausen lasse?
Bald gesellt sich auch „20-Years-from-now-Ted“ dazu, der ebenfalls unterstreicht, dass der Abend, wie Barney sagt, „Legen... - wait 20 years for it - ... dary!“ wird. Nebenbei sorgen die beiden Zeitreisenden dafür, dass Barney Angst davor kriegt, bald kahl zu werden.
Um die Dinge weiter zu verkomplizieren, tauchen „20-Minutes-from-now-Barney“ - inklusive Spaghettifleck - sowie „20-Hours-from-now-Ted“ auf. Letzterer spricht sich ganz klar gegen den Abend aus, weil er sonst alkoholtechnisch über die Stränge schlägt.
Die Diskussion wird zur Nebensache, als das Coat-Check-Girl (Jayma Mays, Glee) im MacLaren's erscheint. Eine Frau, die Ted vor sieben Jahren in einem Club kennengelernt hatte, es allerdings versäumte, ihre Telefonnummer zu erfragen. Soll Ted die Chance nachholen oder es bleiben lassen? Ted zögert nicht lange und will sie ansprechen, wird jedoch bald von einer alternativen Version des Coat-Check-Girls daran gehindert. Wie bei Schrödingers Katze ergeben sich also zwei Möglichkeiten: Spricht Ted sie an, wird aus ihr eine Version „20 months from now“. Das wäre dann ein nervöses Wrack, das einfach nicht über Ted hinwegkommt und zu einer Klette wird - Ted hätte also die Schnauze voll von ihr. Oder es wird eine Version daraus, die Teds kleine Spleens schnell satthat (wie das Aufzeichnen von Nachrichtensendungen).
Jayma Mays als Coat-Check-Girl ist diesmal ein sehr gut genutzter Gaststar und die beiden Zukunftsversionen sind durchaus witzig ausgestaltet. Vor allem das Wrack, was durch ihre großen expressiven Augen wunderbar zur Geltung kommt. Doch dann kommt der Twist...
Es ist alles nur in deinem Kopf...
Wie schon in anderen Episoden, beispielsweise Tick Tick Tick aus der siebten Staffel, wird wieder mit den Zuschauern gespielt. Denn das, was Ted hier „erlebt“, stellt sich als Fantasievision heraus. Wie bereits erwähnt, ist Ted allein im MacLaren's, weil Marshall und Lily mit ihrem Sohn Marvin beschäftigt sind und Barney und Robin den Caterer für die Hochzeit besprechen. Also sitzt Ted in Wirklichkeit allein und an einem Bier nippend im Pub und hat ein einsames Ticket für Robots vs. Wrestlers bei sich.
Das hätte man sich natürlich spätestens an der Stelle denken können, als die Alternativversionen aus der Zukunft überhand genommen haben. Wie sonst hätte man das erklären können? Jemand hätte natürlich ein „Sandwich gegessen“ haben können - um im Serienvokabular zu bleiben -, aber der Effekt, den die Einsamkeit von Ted beim Zuschauer erreicht, kommt so wesentlich besser und emotional effektiver rüber. Seine besten Freunde sind in festen Partnerschaften miteinander und Ted ist das fünfte Rad am Wagen. Das ist ein Zustand, der so oder so ähnlich schon öfter eingetreten war - und Ted hat sich seit einigen Staffeln auch nicht wirklich weiterentwickeln dürfen. Mit dem feststehenden Ende der Comedy aber, gibt es nun endlich konkrete Schritte dahingehend, dass Ted „die Eine“ treffen wird.
Apartment 7A
Zeitreisen sind kompliziert und anders ist es auch nicht unbedingt in dieser Episode. Denn als Ted am Ende der Episode ohne seine Freunde im Pub sitzt, sieht man kurz darauf die zukünftige Version von ihm zum Apartment der titelgebenden Mutter rennen. Diese bleibt zwar bis auf eine Hand unsichtbar, bekommt dafür aber einen leidenschaftlichen Monolog zu hören.
Von diesem Zeitpunkt aus sind es laut Serienhandlung noch 45 Tage, bis Ted die Mutter kennen- und lieben lernt und womöglich von ihrem Freund eins auf die Nase bekommt. Natürlich kann man den Zeitraum noch beliebig strecken. Hierin sind die Autoren bekanntlich ebenfalls Meister. Dennoch sollte man mit Sicherheit an das Staffelfinale denken, wo es dann tatsächlich so weit sein könnte. Teds Monolog vor ihrer Haustür mag Fans von romantischen Gesten und Reden wohl begeistern, diese Methode der Informationsübermittlung ist allerdings auch wenig subtil und hätte vielleicht etwas eleganter gelöst werden können.
Minnesota Tidal Wave vs. Robin Scherbatsky
Die Geschichte um die „Minnesota Tidal Wave“ hat sich laut dem von Ted eingebildeten Barney tatsächlich ereignet - jedoch bereits vor fünf Jahren (langsam macht die Episode echt Kopfschmerzen).
Dabei geht es darum, dass Marshall (Jason Segel) einen Cocktail erfindet, der durchaus auch der weiblichen Zielgruppe schmecken könnte, und glaubt, dass die Zusammenstellung der Zutaten besonders originell sei. Als Lily (Alyson Hannigan) dem Barkeeper die Zutaten durchgibt, muss Marshall feststellen, dass es den Drink schon unter dem Namen Robin Scherbatsky (Cobie Smulders) gibt.
Marshall ist natürlich neidisch darauf, dass etwas nach Robin, aber nicht nach ihm benannt ist. Eine kleine alberne Fehde entbrennt, die darin gipfelt, dass man sich gegenseitig mit Schmierereien auf der Toilette versucht eins auszuwischen (der Punkt geht klar an Robin). Immerhin steht Marshall somit kurz davor, dass das Frauen-in-der-Toilette-Auflauern nach ihm benannt wird. Barkeeper Carl bietet ihm eine Wette an: Sollte er seinen Nachnamen kennen, werden alle Getränke auf der Karte nach ihm benannt (sinnlos, aber was soll's?). Natürlich läuft es darauf hinaus, dass Marshall, obwohl er seit Jahren Stammgast ist, nicht den Nachnamen von Carl kennt und sich die beiden Freunde schnell wieder vertragen und ein kleines Dance Off veranstalten.
Die Nebenhandlung wirkt, als Beschäftigungstherapie neben der eigentlichen großen Handlung um den Gemütszustand von Ted, beliebig und austauschbar. Wie so oft in letzter Zeit ist das stellenweise ganz nett - so etwa Robins langer Text an der Wand des Damenklos und ihre fast Barneyesque Planung eines Streiches, mit dem sie Marshall rankriegt. Auch der Spruch „You know why? Because I'm Sparkles, bitch!“ zündet. Viel schöner waren aber eben doch die Ted-Momente, vor allem im letzten Drittel der Episode: die „Was-wäre-wenn-Überlegung“ von Ted, bei Lily, Marshall und Baby Marvin sein zu können oder zusammen mit Robin und Barney den Caterer auszusuchen und - natürlich - das reichlich konstruiert wirkende, fiktive Gespräch mit seiner Zukünftigen. Auch die Idee mit den Teds und Barneys aus der Zukunft ist durchaus mal ein cleverer Ansatz, den andere Comedys ohne einen unverlässlichen Erzähler sicherlich nicht auf diese Weise nutzen könnten.
Auch wenn es willkürrlich ist: Die A-capella-Performance von „For the Longest Time“ durch die „Teds und Barneys“ stellte am Ende noch einen netten kleinen Wohlfühlmoment dar.
Fazit
Immer wenn How I Met Your Mother das Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer sucht, besteht eine 50:50-Chance, dass es schiefgehen kann. Time Travelers stellt allerdings für den Rezensenten ein gelungenes, wenn auch bisweilen leicht verwirrendes (oder nicht in letzter Konsequenz zu Ende gedachtes), kleines Erzählexperiment dar. Zudem verrät es reichlich konkrete Informationen zum Kennenlerndatum der Mutter und rückt erneut Teds Verzweiflung über seinen aktuellen Beziehungsstatus in den Mittelpunkt. Die Nebenhandlung bleibt jedoch beliebig und austauschbar.
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 26. März 2013(How I Met Your Mother 8x20)
Schauspieler in der Episode How I Met Your Mother 8x20
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