House of Cards 4x10

Die abscheulichsten Handlungen haben in House of Cards die geringsten Konsequenzen, obwohl es genau umgekehrt sein sollte. Nicht umsonst sind die Szenen der Film- und Seriengeschichte, die Mord, Betrug oder die Erkenntnis darĂŒber behandeln, ebenjene, an die wir uns noch Jahre spĂ€ter erinnern. Das gelingt aber nur, wenn diese Handlungen auch Konsequenzen haben, wenn es dabei um etwas geht. FĂŒr Frank Underwood (Kevin Spacey) geht es immer nur darum, den oder die nĂ€chste Anatagonist/-in aus dem Weg zu rĂ€umen. Die Frage ist nur, wieso uns das interessieren soll. Weil er ein so toller PrĂ€sident ist?
Moving forward
Das können wir nicht einschĂ€tzen, denn in diesem als Politserie deklarierten Format geht es auffallend selten um echte Politik. Es geht viel eher darum, wie zwei Machtbesessene ihre Ziele erreichen - und leider wahrlich um nichts anderes. Wenn uns doch wenigstens gezeigt wĂŒrde, warum Frank und Claire (Robin Wright) solch brillante Strategen sind, gegen die es keine ernst zu nehmende Opposition gibt... Stattdessen entscheidet sich das Autorenteam um Showrunner Beau Willimon ein ums andere Mal fĂŒr den einfachen Pfad - sobald es nicht mehr weitergeht, kommt eben Gewalt ins Spiel.
So war es bei Peter Russo, so war es bei Zoe Barnes - und so ist es nun auch bei AuĂenministerin Durant (Jayne Atkinson), wenngleich sie ein weniger tödliches Schicksal ereilt als die beiden erstgenannten. Dabei fĂ€ngt alles so vielversprechend an. Durant signalisiert Frank, dass sie ihre Forderung nicht aufgeben werde. Sogar der bevorstehende Tod von Claires Mutter Elizabeth (Ellen Burstyn) lĂ€sst sie nicht erweichen. Statt nun eine neue schlagkrĂ€ftige Opponentin fĂŒr Frank aufzubauen, wird nachfolgend auch sie von seinen kaum verhohlenen Morddrohungen eingeschĂŒchtert.
Wenngleich wir uns schon lange davon verabschiedet haben, dass in âCardsâ ein realistisches Bild der Washingtoner Politikwelt gezeichnet wird, so ist es doch haarstrĂ€ubend, was sich Frank alles erlauben kann. Bereits fĂŒr die zwei Morde hĂ€tte er ins Visier der Ermittler rĂŒcken mĂŒssen. Jetzt serviert er einer möglichen Gegenspielerin weiteres belastendes Material auf dem Silbertablett und sie kuscht sofort vor seinen DrohgebĂ€rden. Offensichtlich nimmt sie ihm jedes Wort ab, weshalb sie doch eigentlich ein gesteigertes Interesse daran haben mĂŒsste, ihn schnellstmöglich aus der politischen Arena zu verbannen.
DafĂŒr fehlt ihr jedoch der Mut, weshalb eine weitere Chance verstreicht. Statt ihre Stimmen beim Nationalkongress der Demokraten an Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) zu verteilen - die sich ja eigentlich aus dem Rennen verabschiedet hat -, sichert sie den Underwoods ihre volle UnterstĂŒtzung zu. Weil das jedoch nicht genug ist, darf Claire auch noch im Selbstmord ihrer Mutter assistieren, um deren Tod spĂ€ter öffentlichkeitswirksam auszuschlachten. Den Delegierten des Parteitags reichen offenbar ein paar eindringliche Worte aus, um ihre Bedenken gegen die ungewöhnliche Kandidatur fallen zu lassen.
The little things
Mal sehen, welche unelegante Methode die Autoren anwenden, um Tom Hammerschmidt (Boris McGiver) mundtot zu machen. Akribisch studiert er die Reiseaufzeichnungen des prĂ€sidentiellen Sicherheitspersonals, um eine Verbindung zu Zoe Barnes herzustellen. Er findet Indizien dafĂŒr, dass diese gefĂ€lscht wurden (wobei sein „Hot damn!“ im Vergleich zu dem von Andre Braugher in „Brooklyn Nine-Nine“ eher dĂŒrftig ausfĂ€llt), braucht aber handfeste Beweise, um Underwood die Möglichkeit eines SĂŒndenbocks (wie den toten Meechum) zu nehmen. Mit der undercover auftauchenden Dunbar erhĂ€lt er eine VerbĂŒndete.
Doug Stamper (Michael Kelly) muss indes mit ansehen, wie ihm seine MachtfĂŒlle in den Fingern zerrinnt. Nachdem Leann (Neve Campbell) in der letzten Episode von Pressesprecher Grayson (Derek Cecil) darĂŒber aufgeklĂ€rt wurde, dass Stamper Schmutz ĂŒber sie ausgraben will, konfrontiert sie ihren HĂ€scher nun ganz offensiv mit ihrer angeblich blĂŒtenreinen Vergangenheit. Auch Grayson selbst lĂ€sst sich von Stamper kaum noch einschĂŒchtern, was daran liegen mag, dass Frank nicht mehr allzu viel direkten Kontakt mit ihm pflegt.
Seine einstmalig ungebrochene LoyalitĂ€t könnte dadurch Risse erhalten, wie sein Flirt mit der Gefahr - eine ausnehmend generöse Spende an die Familie desjenigen, der fĂŒr Frank auf der Transplantationsliste weichen musste - zeigt. In gefĂ€hrliches Fahrwasser begibt sich derweil auch Tom Yates (Paul Sparks), der nicht nur einen besonders guten Draht zu Claires sterbender Mutter Elizabeth hat, sondern auch zur entfremdeten Tochter. Noch ahnt Frank nicht, was zwischen seiner Ehefrau und seinem Redenschreiber lĂ€uft, jedoch sollte sich Yates vorsehen. Wir wissen, wozu ein verĂ€rgerter Frank Underwood fĂ€hig sein kann...
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 6. Mai 2016(House of Cards 4x10)
Schauspieler in der Episode House of Cards 4x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?