House of Cards 4x08

House of Cards 4x08

Mit großem Eifer gehen Frank und Claire Underwood in der House of Cards-Episode Bauernopfer ihrem Hobby nach. Egal ob Senator, Reporter oder Lobbyistin - vor ihren Machenschaften ist niemand sicher. Das ist zwar selten nachvollziehbar, dafür aber unterhaltsam.

Journalist Tom Yates (Paul Sparks, l.) gerät in die Fänge von Underwood-Adjutant Stamper (Michael Kelly). / (c) Netflix
Journalist Tom Yates (Paul Sparks, l.) gerät in die Fänge von Underwood-Adjutant Stamper (Michael Kelly). / (c) Netflix

Im House of Cards-Universum gibt es wohl kaum einen gewöhnlicheren Episodentitel als Bauernopfer. Für Frank (Kevin Spacey) und Claire (Robin Wright) gibt es niemanden, den sie nicht als ebensolches auf dem Altar der Macht hingeben würden. Müssten sie sich zwischen dem eigenen Machterhalt und der Loyalität zum jeweils anderen entscheiden, sie würden wohl keine zehn Sekunden brauchen, um eine Entscheidung zu treffen. Gleichzeitig wissen beide, dass sie zusammen noch stärker sind - gewissenlos mal gewissenlos ergibt offensichtlich plus.

The only problem with common sense is that it's so common

Also begeben sie sich auf zwei unterschiedlichen, aber miteinander verbundenen Pfaden auf den Weg zum Episodenziel. Dieses beinhaltet hauptsächlich, einen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft zu verhindern, den die Parteispitze vorgeschlagen hat. Wie schon in der vorherigen Episode, Inlandsüberwachung, sind dafür einige unglaubwürdige Manipulationen vonnöten. Abgesehen davon dürfte es für den mächtigsten Mann der Welt doch eigentlich nicht so schwer sein, sich seinen eigenen Vize auszusuchen.

Weil es dieser Serie aber gut in die Dramaturgie passt, muss Senator Dean Austen (Sean Cullen) aus Ohio, in zweiter Karriere Marionette der mächtigen amerikanischen Waffenlobby NRA, zur Aufgabe gezwungen werden. Hierfür veranstalten Frank und Claire mehrere Verrenkungen, wobei nicht nur die gesamte demokratische Führungsspitze vorgeführt wird, sondern auch NRA-Chefin Julia Melman (Erika Rolfsrud). Es ist wahrlich erstaunlich, was Frank und Claire alles innerhalb kürzester Zeit bewegen können - würden sie auch nur die Hälfte ihrer Energie für die Durchsetzung sinnvoller Politik einsetzen, könnten sie vielleicht wirklich etwas bewegen.

Bemerkenswert ist dabei auch, wie einfach es für Claire ist, sämtliche politischen Widersacher wie Spielbälle zu behandeln. Das alles hat mit der Realität überhaupt nichts zu tun - bis auf die Tatsache vielleicht, dass es amerikanische Wahlfinanzierungsgesetze in den letzten Jahren ermöglicht haben, sich Kongressabgeordnete zu kaufen. Gehen wir jedoch weiterhin davon aus - und nichts anderes wurde uns bisher suggeriert -, dass sich der Senat fest in republikanischer Hand befindet, können Frank und Claire dort überhaupt nichts ausrichten. Sie können dort kein Gesetz stoppen, was sie ja aber auch gar nicht müssten, würden Republikaner doch niemals für die Einführung strengerer Waffengesetze stimmen.

Claire (Robin Wright; l.) macht; was sie am besten kann - anderen etwas vorspielen. © Netflix
Claire (Robin Wright; l.) macht; was sie am besten kann - anderen etwas vorspielen. © Netflix

Außerdem besetzt Claire kein offizielles Amt, sie wurde von niemandem gewählt, sie ist keine Kongressabgeordnete. Deshalb kann sie auch keine neue Gesetzgebung initiieren. Sie könnte natürlich als Ko-Autorin eines Gesetzes auftreten, aber dann würde sie nicht als deren Initiatorin angesehen werden, was ja eigentlich ihr Ziel ist. Mit solchen Details hält sich „HoC“ aber nicht gerne auf, zumal es ja völlig egal ist, ob das neue Gesetz verabschiedet wird, solange der erhoffte Machtzuwachs eintritt.

I felt like he saw me

Ebenso undurchsichtig bleibt die Suche nach einem/-r geeigneten Vizepräsidenten/-in. Nachdem Austen erfolgreich ins Abseits manövriert wurde, treffen sich die demokratischen Parteiführer erneut im Oval Office, um weitere Optionen zu besprechen. Frank schlägt dabei Außenministerin Durant vor, zählt dafür auch mehrere Argumente auf, bleibt uns Zuschauern aber eine Erklärung schuldig, warum ausgerechnet Durant - die sich bisher nicht unbedingt als besonders leicht zu beeinflussen erwies - seine Stellvertreterin werden soll.

Dieses bedauerliche Mysterium wird begleitet von einer ebenso bedauerlichen Rückkehr zweier bisher als integer erachteter Journalistenfiguren. Tom Yates (Paul Sparks) wird von beiden Seiten im Presidential Race umgarnt, entscheidet sich aber für die Underwoods, weil die ihm helfen können, ein Ende für sein Buch über deren fiktionalisiertes Leben zu finden. Aus dem Sachbuch ist mittlerweile ein Roman geworden, weshalb sich die Frage stellt, warum Yates das Ende nicht einfach erfinden kann.

Er wird sich wohl ebenso korrumpieren lassen wie Kate Baldwin (Kim Dickens), die einem ersten Angebot von Conway-Freundin Dana (Julee Cerda) noch widerstehen kann, nur um dem nächsten anheimzufallen. In Washington sind sie eben alle käuflich - alle außer Tom Hammerschmidt (Boris McGiver), der auf der Suche nach der Wahrheit um den Tod von Zoe Barnes einen kleinen Fortschritt macht. Bevor er aber irgendwelche handfesten Beweise wird ausgraben können, dürften ihm Underwoods Schergen längst zuvorgekommen sein. Zu gefährlich darf dem Kartenhaus schließlich niemand werden.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 22. April 2016
Episode
Staffel 4, Episode 8
(House of Cards 4x08)
Deutscher Titel der Episode
Bauernopfer
Titel der Episode im Original
Chapter 47
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 4. März 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. April 2016
Autor
John Mankiewicz
Regisseur
Alex Graves

Schauspieler in der Episode House of Cards 4x08

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