House of Cards 4x07

Die beiden letzten Sätze aus der House of Cards-Episode Inlandsüberwachung hören sich an wie eine Drohung für den Zuschauer: „We're going to destroy them“, beteuert Frank Underwood (Kevin Spacey) seiner Ehefrau Claire (Robin Wright), die das mit einem lustvollen „Yes, we are“ beantwortet. Die Rede ist vom politischen Widersacher Will Conway (Joel Kinnaman), den es auf seinem Weg ins Weiße Haus aufzuhalten gilt. Dass das bis zum Ende der vierten Staffel - oder sogar früher - gelingen wird, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.
No room for doubt
Und das ist schade, bedeutet es doch, die nächsten Episoden mit müden Augen dabei zusehen zu müssen, wie den Underwoods ebendas gelingt, was ihnen bisher immer gelungen ist. Wie sie es aber schaffen wollen, an der Spitze zu bleiben, ist besonders abenteuerlich. Ich will versuchen, es einmal auseinanderzudividieren, wobei ich mich gerne berichtigen lasse, sind diese sinnlos verquasten Plotkonvolute doch schwerer zu entwirren als das Ladekabel des eigenen Laptops. Man kann dem Autorenteam förmlich dabei zusehen, wie es sich gegenseitig zu neuen hanebüchenen Höchstleistungen antreibt.
Das ISIS-Pendant in „HoC“ heißt ICO und macht große Geländefortschritte im Nahen Osten. Um die Terrormiliz auch an der Heimatfront bekämpfen zu können, will sich Frank von einem FISA-Gericht (Foreign Intelligence Surveillance Court) die Erlaubnis holen, die inneramerikanische Kommunikation noch stärker observieren zu lassen. In Wahrheit will er diese Daten aber nutzen, um sich einen Vorteil im Wahlkampf gegen Conway zu sichern - der Zugriff auf Abermillionen von Kundendaten eröffnet die Möglichkeit einer effektiven Wählermanipulation, und an nichts anderem ist Frank interessiert.
Das Armeekommando präferiert einen anderen Weg, die Terrororganisation zu bekämpfen. Ein baldiger militärischer Eingriff ermögliche es, der Schlange den Kopf abzuschlagen. Das würde für Frank jedoch bedeuten, dass er seine Spionageerlaubnis nicht bekäme, obwohl er die doch - in seinen Augen - unbedingt braucht. Nach einigem Hin und Her gibt er General Brockhart (Colm Feore) den Befehl, die Angriffe auf ICO nicht durchzuführen. Der Soldat bleibt so fassungslos zurück wie ich. Sollen wir von diesem abstrusen Handlungsbogen wirklich annehmen, dass er sich in der Realität auch nur im Entferntesten so ereignen könnte? Falls ja, dürfte uns das Autorenteam für sehr leichtgläubig halten.

Ähnlich hanebüchen geht es im Handlungsbogen von Claire weiter, die sich plötzlich für eine Verschärfung des Waffenrechts zu interessieren scheint. Sämtliche Mitglieder der demokratischen Partei, die sie dahingehend konsultiert, halten das für eine nicht zu realisierende Idee. Mit der Hilfe von Frank ignoriert Claire jedoch diese Ratschläge. Sie wird damit aller Voraussicht nach Erfolg haben, denn wenn wir eines gelernt haben, dann, dass Claire Underwood immer das bekommt, was sie sich wünscht - egal wie abwegig dieser Wunsch auch sein mag.
Our life is your life
Von Einflüsterer Frank bekommt sie den Tipp, im Meeting mit der NRA-Vorsitzenden noch entschiedener vorzugehen, als sie das ohnehin geplant hätte. Würde sich eine Politikerin wirklich so verhalten, wie Claire es tut, würde sie wohl bald unter die Räder der mächtigen Lobby-Organisation geraten. In House of Cards darf sie sich wohl aber bald für die Einführung schärferer Waffengesetze beglückwünschen lassen. Aber warum eigentlich? Habe ich da etwas verpasst? Welcher Plan steckt hinter dieser Gesetzesinitiative?
Bis wir darüber weitere Aufklärung erhalten - vielleicht ja schon hier in der Kommentarspalte -, dürfen wir Will Conway beim Scheitern zuschauen. Er bekommt Probleme wegen seiner Verwicklung mit Pollyhop, dem Google-Pendant in „Cards“. Dem Vorwurf, die daraus gewonnenen Daten zu nutzen, um sich Wählerstimmen zu ergaunern, tritt er mit einer offensiven Social-Media-Kampagne entgegen. Das mag ihm Stimmen bei der jungen Wählerschaft geben, größtenteils wirken er und seine Ehefrau Hannah (Dominique McElligott) aber wie die nervigen Facebook-Freunde, die man einst geblockt hat, weil sie jeden Tag neue Babybilder hochgeladen haben.
Und wenn alle Intrigen scheitern, kann Frank seinen Gegenspieler ja einfach umbringen, hat er damit doch ausreichend Erfahrung. Sein letztes Opfer - Zoe Barnes - liegt auch schon ziemlich lange zurück. Zu ihrem Tod recherchiert derweil noch ihr ehemaliger Chef Tom Hammerschmidt (Boris McGiver), der sich vom Besuch bei Janine Skorsky (Constance Zimmer) neuen Input erhofft, diesen aber nicht bekommt. Vielleicht ja in der nächsten Episode - dringend nötig hat es die Serie zurzeit auf jeden Fall.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 15. April 2016(House of Cards 4x07)
Schauspieler in der Episode House of Cards 4x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?