House of Cards 4x03

Die Politserie House of Cards sieht aus wie ein Prestigedrama, schafft es mit seinen Inhalten aber nicht, diesen Eindruck zu bestätigen. Die Serie ist eher Scandal als The Wire. Und so ist es denn auch nicht weiter verwunderlich, dass sie versucht, in jeder Staffel neue Absurditäten in ihre Handlungsbögen zu weben. Die Sünden des Vaters in der gleichnamigen Episode sind die von Underwood senior, von dem ein Foto existiert, auf dem er mit einem Anführer des Ku-Klux-Klans zu sehen ist.
What I'm afraid of
Gegen diesen Skandal muss sein Sohn Frank (Kevin Spacey) nun ankämpfen. Das könnte interessant sein, wäre es nicht längst von der traurigen Realität überholt worden. Und die geht so: Donald Trump, wahrscheinlich nächster Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei, bekommt eine Wahlempfehlung des ehemaligen KKK-grand wizard David Duke. Er reagiert darauf, indem er behauptet, nicht zu wissen, was der „Klan“ überhaupt sei. Oder anders ausgedrückt: mit einer Antwort, die das Prädikat bullshit neu definiert.
Wenn das also unsere traurige Realität ist - wie soll uns dann eine solch abgeschwächte fiktionale Geschichte in Aufregung versetzen? Die Episode verfällt somit schnell in die langweiligen Plotverschwurbelungen der dritten Staffel, die meistens nach gleichem Muster gestrickt sind: Frank hat Problem, Frank überlegt kurz, wie er Problem lösen kann, Frank löst Problem. Was es in diesem Falle besser macht, ist die Verwicklung seiner diabolischen Ehefrau Claire (Robin Wright, die in dieser Episode auch Regie führte).
Sie spielt über den gesamten Verlauf der Episode zunächst das reuige Weibchen, was an Frank völlig unbemerkt vorbeigeht - ein weiteres Indiz dafür, dass er es mit ihr in Sachen Durchtriebenheit kaum aufzunehmen vermag. Erst am Ende kommt er ihr auf die Schliche, weil er den deutlichen - und natürlich absichtlich platzierten - Hinweis auf ihre Täterschaft findet. Claire lässt sich von seiner anschließenden Erregung nicht beeindrucken und stellt seelenruhig ihre Forderung: Sie will Vizepräsidentin werden. Woher rührt nur die Faszination der Serie für diesen unspektakulärsten aller politischen Posten? Schon Frank war auf dem Weg dorthin kaum aufzuhalten.

Es ist die stärkste Szene einer ansonsten lauwarmen Episode, weil man Frank den Hass auf seine verschlagene Ehefrau ansehen kann - und sie darauf mit maximaler Coolness reagiert. Vielleicht will Claire die Vizepräsidentschaft ja nutzen, um sich ihres Ehemanns auf ähnliche Weise zu entledigen, wie er sich einst eines innerparteilichen Kollegen oder einer aufmüpfigen Reporterin. Selbstredend wird das niemals passieren, jedoch bleibt der Eindruck, dass Claire die interessantere Figur der beiden Underwoods ist.
Only a wound
Sie ist nicht die einzige innerhalb des Präsidentenlagers, die eine eigene Agenda verfolgt. Pressesprecher Seth Grayson (Derek Cecil) arbeitet ebenfalls gegen seinen Chef, indem er weiteres Öl ins Feuer von „KKK-Gate“ gießt. Hernach beschuldigt er den armen Meechum (Nathan Darrow), worauf Frank aber nicht hereinfällt - ein einfacher Test in der Tradition von Larry David und Tuco aus Better Call Saul genügt dafür.
Apropos Öl: An der außenpolitischen Front braut sich ein massiver Sturm zusammen, der einmal mehr aus russischer Himmelsrichtung weht. Präsident Petrov lässt den Ölexport so weit drosseln, dass in den USA eine Ölkrise droht, die diejenige aus dem Jahre 1973 in den Schatten stellen würde. Die Gallone springt schnell auf den wahnwitzig überhöhten Preis von 7 Dollar (zum Vergleich: 2008, als der Ölpreis letztmalig einen Höchststand erreichte, kostete eine Gallone 4 Dollar), was Frank zu einer ebenso wahnwitzigen Idee veranlasst. Weil den Russen nur mit Angst beizukommen sei, solle der exilierte Regimekritiker Milkin bei einem Treffen mit anderen Oppositionellen in einem russischen Grenzstaat vorgeführt werden.
Ob sich Petrov davon einschüchtern lässt, bleibt abzuwarten. Der Vorschlag bewegt sich jedenfalls auf gewohntem House of Cards-crazy-Niveau. Dort befindet sich derzeit auch Lucas Goodwin aka Don (Sebastian Arcelus), der sich ins Lager von Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) einschleicht, um ihr von der wahnsinnig anmutenden Verschwörung gegen ihn zu berichten. Sie glaubt ihm kein Wort - bis sie ihn doch für nützlich hält. Was er neben unfreiwilligen sexuellen Diensten und demütigem Hilfebetteln noch alles über sich ergehen lassen muss, kann er da nur erahnen. Wir geübten „HoC“-Zuschauer wissen hingegen, dass die Zukunft wohl noch einige Erniedrigungen für ihn bereithält.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 18. März 2016(House of Cards 4x03)
Schauspieler in der Episode House of Cards 4x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?