House of Cards 4x01

House of Cards 4x01

Die vierte Staffel des Politthrillers House of Cards startet mit einer vielversprechenden Episode. Die Ehe der Underwoods liegt in Trümmern und wird nur noch zum Schein aufrechterhalten. Dem Präsidenten weht von allen Seiten Gegenwind ins Gesicht. Es könnte spannend werden.

Frank Underwood (Kevin Spacey) in seinem Element / (c) Netflix
Frank Underwood (Kevin Spacey) in seinem Element / (c) Netflix

Es gibt keine Serie, die ich so sehr hopewatche wie House of Cards. Ich weiß nicht genau, woran es liegt. In meiner Kolumne habe ich mich bereits mehrfach (hier und hier) darüber ausgelassen, was das Format besser machen müsste, um sein Potential ganz auszuschöpfen. Jedoch hätte ich wohl auch weitergeschaut, wenn ich nicht darüber schreiben würde. Vielleicht fühle ich ja eine besondere Verbundenheit zu der Serie, für die ich meine erste Serienjunkies-Dienstreise nach London antreten durfte.

Live free or die

Seither hat sich bei mir ein Muster herausgebildet: Hoffnungsfrohe Erwartungen vor jeder Staffel, vielversprechende Erfüllung dieser Hoffnung am Beginn einer Staffel, Enttäuschung über nicht aufrechterhaltene Hoffnung im Mittelteil und schließlich ein Staffelende, das auf Besserung hoffen lässt. Genau so kündigt sich die vierte Staffel mit der Episode Wahlkampf nun auch wieder an. Die größtenteils durchwachsene dritte Staffel endete mit dem Versprechen auf den größten aller Konflikte - Underwood vs. Underwood.

Zu meinem großen Glück bleibt dieses Versprechen keine Eintagsfliege, es dominiert die Auftaktepisode vielmehr ab der ersten - okay, zweiten - Einstellung. Frank (Kevin Spacey) befindet sich auf der Reise nach New Hampshire, wo er einen zweistelligen Umfragerückstand auf seine innerparteiliche Konkurrentin Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) aufholen will. Das gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet, wandert die öffentliche Aufmerksamkeit doch zunehmend in Richtung der Frage, warum Frank seine Wahlkampftermine alleine absolviert.

Bisher sind ihm dafür ausreichend glaubwürdige Ausreden eingefallen, jedoch wird sich die sensationshungrige Presse wohl nicht viel länger davon abhalten lassen, die Wahrheit herauszufinden. Claire (Robin Wright) schmiedet indes Pläne für die eigene Politikkarriere post Underwood. Beobachtet wird sie dabei vom eifrigen Doug Stamper (Michael Kelly), der wieder vollwertiges Mitglied des Präsidententeams ist. Ihr Etappenziel auf dem Weg zur Präsidentschaft (?) führt sie in ihren Heimatstaat Texas.

Doug Stamper (Michael Kelly) - die emsigste Arbeitsbiene im Stock von Frank Underwood © Netflix
Doug Stamper (Michael Kelly) - die emsigste Arbeitsbiene im Stock von Frank Underwood © Netflix

Dort plant sie den schnellen Aufstieg zur Kongressabgeordneten ihres Geburtsdistrikts. Zu diesem Zweck arrangiert sie ein Treffen mit der derzeitigen Amtsinhaberin und schwarzen Bürgerrechtlerin Doris Jones (Cicely Tyson), der sie ein heikles Angebot unterbreitet. Jones hatte eigentlich ihrer Tochter schon seit zehn Jahren versprochen, ihr den Sitz zu überlassen, sobald sie sich aufs Altenteil verabschiedet hat. Nun bittet Claire die Tochter um weitere zwei Jahre Geduld - dann werde sie sich um das Amt der texanischen Gouverneurin bewerben und Celia könne ihren Platz im Kongress einnehmen.

The candidate

Jones erweist sich jedoch als unnachgiebige Verhandlungspartnerin, die sofort durchschaut, welch eiskalte Karrieristin ihr da gegenüber sitzt. Erschwerend kommt hinzu, dass Doug Stamper ohne Einladung an dem Treffen teilnimmt. Den Zugang kann er sich ganz einfach durch die präsidentielle Autorität verschaffen, die sein Posten mit sich bringt. Es darf schließlich niemand wissen, dass die Ehe der Underwoods nur noch eine Farce ist.

Franks zweigleisige Anti-Claire-Taktik sieht überdies vor, Claires Wunschkandidatin für den Posten ihrer Chefberaterin, Leann Harvey (Neve Campbell), so sehr einzuschüchtern, dass sie ein Angebot ablehnt. Harvey lässt sich von den Drohgebärden des Präsidenten aber kaum beeindrucken. Trotz ihrer Vorbehalte - im tiefroten Texas ist eine demokratische Kandidatur um jedwedes Amt ein beinahe aussichtsloses Unterfangen - lässt sie sich zu Claires Wahlkampfleiterin küren. Somit kann die First Lady einen Punktsieg landen, auch wenn das Date mit Doris Jones ernüchternd verlaufen ist. Während all dieser Verhandlungen gibt sie wie gewohnt die Eiskönigin - eine Fassade, die am Ende der Episode aufbricht.

In der Heimat lässt sich ein Besuch bei ihrer Mutter Elizabeth (Ellen Burstyn) nicht vermeiden, was für Claire immer auch bedeutet, mit einem unangenehmen Teil des eigenen Lebens konfrontiert zu werden. Zunächst bleibt unklar, wieso sich Mutter und Tochter nicht verstehen, bald darauf wird dieses Bild jedoch erhellt. Doug Stamper hat die rettende Idee, wie Frank das mittlerweile äußerst fragwürdige Ausbleiben gemeinsamer öffentlicher Auftritte nachvollziehbar erklären kann. Der emsige Vorarbeiter und Teilzeitspion hat herausgefunden, dass Elizabeth bereits seit drei Jahren an Krebs leidet.

Claires Mutter Elizabeth Hale (Ellen Burstyn) wird von den Underwoods instrumentalisiert. © Netflix
Claires Mutter Elizabeth Hale (Ellen Burstyn) wird von den Underwoods instrumentalisiert. © Netflix

Bei der öffentlichen Scharade wird das dann so umgewandelt, dass Claire nicht an Franks Wahlkampf teilnehmen konnte, weil sie sich um ihre kranke Mutter gekümmert habe. Elizabeth verkommt zum reinen Instrument ihres Schwiegersohns, womit sich ihre Ablehnung ihm gegenüber wohl auch - zumindest teilweise - erklären lässt. Sie ist vielleicht die Einzige in der gesamten Serie, die Frank als das erkennt, was er ist: „Not even being President could give you any class.

Still white trash

Ganz offensichtlich macht das Autorenteam um Showrunner Beau Willimon (der die Serie nach dieser Staffel verlassen wird) nun Ernst mit dem Ansinnen, dem bisher unbesiegbaren Frank Underwood ein paar ebenbürtige Widersacher in den Weg zu stellen. Aus den TV-Nachrichten kündigt sich bereits sein republikanischer Gegenspieler Conway (Joel Kinnaman) an, der ihm wohl im Kampf um die Präsidentschaft gegenübertreten wird.

Leider wird dem Vorwahlkampf gegen Dunbar dadurch der Wind aus den Segeln genommen, können wir doch davon ausgehen, dass Frank sich durchsetzen wird - ansonsten hätte man die Figur seines republikanischen Gegenparts wohl kaum jetzt schon eingeführt. Zusätzliches Konfliktpotential verspricht indes die Entlassung von Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) aus dem realen Gefängnis in das sprichwörtliche. Er muss sich in einer tristen neuen Identität im Zeugenschutzprogramm einrichten, womit er sich wohl nicht lange zufriedengeben wird.

Ich bin wahrlich für jeden dramaturgischen Krumen dankbar, der mehr Komplexität und Spannung in diese Serie bringt. Glücklicherweise ist die Auftaktepisode der vierten Staffel so voll davon, dass wir uns beinahe schon den mitreißenden Politthriller daraus backen können, der House of Cards immer sein sollte. Begrüßenswert sind nicht nur die vielen Hürden, die Frank in den Weg gelegt wurden oder noch werden, sondern auch der offensichtliche Abschied von seiner und Claires emotionaler Verrohung: Er träumt davon, sie umzubringen; sie bricht weinend in den Armen ihrer entfremdeten Mutter zusammen.

Das alles sind äußerst positive Vorzeichen für einen befriedigenden Verlauf der neuen Staffel. Jedoch bleibe ich gewarnt - zu oft hat mich „HoC“ schon enttäuscht.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 4. März 2016

House of Cards 4x01 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 1
(House of Cards 4x01)
Deutscher Titel der Episode
Wahlkampf
Titel der Episode im Original
Chapter 40
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 4. März 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 4. März 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 4. März 2016
Autor
Beau Willimon
Regisseur
Tucker Gates

Schauspieler in der Episode House of Cards 4x01

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