House of Cards 3x06

House of Cards 3x06

Das starke Finale der Episode Wahrer Mut schafft es, einer ansonsten langatmigen Folge den benötigten Schwung zu verleihen. Überdies verspricht die mit harten Bandagen ausgefochtene Konfrontation zwischen Claire und Frank, House of Cards wieder neues Leben einzuhauchen.

Claire Underwood (Robin Wright) kann nicht glauben, wie kaltblütig ihr Ehemann ist. / (c) Netflix
Claire Underwood (Robin Wright) kann nicht glauben, wie kaltblütig ihr Ehemann ist. / (c) Netflix
© (c) Netflix

Die Politserie House of Cards ist in ihrer dritten Staffel händeringend auf der Suche nach einem Handlungsbogen, der dem Format neues dramaturgisches Leben einhauchen könnte. Trotz starker Auftritte der alten und neuen Darsteller schleppt sich die Serie nämlich derzeit von einem uninteressanten Handlungsbogen zum nächsten. Damit könnte jetzt Schluss sein, wenn die Autoren wahrmachen, was sie am Ende von Wahrer Mut andeuten: Ein Duell zwischen dem einstmals unseparierbaren First Couple Claire (Robin Wright) und Frank Underwood (Kevin Spacey).

It's the life we chose

Sollten sich die Autoren dafür entschieden haben, diesen Pfad weiterzuverfolgen, würde das mein Interesse an House of Cards wieder wecken. Das größte Problem nach der gewonnenen Präsidentschaft von Frank Underwood war ja, dass es nun kaum eine dramaturgische Wendung mehr geben würde, die eine ähnlich große Fallhöhe aufweisen könnte. Aber eine Trennung von oder sogar Verfeindung mit der eigenen Ehefrau würde genau dafür sorgen. Bleibt also zu hoffen, dass der Streit in der nächsten Episode nicht schon wieder vergessen ist.

Ich habe dahingehend aber ein gutes Gefühl. Die Auseinandersetzung zwischen Frank und Claire am Ende dieser Episode geriet so wüst, dass sie sich zukünftig kaum ignorieren lässt - selbst nicht von diesen Autoren, denen es selten schwerfiel, einen Handlungsbogen so umzubiegen, dass er Frank in den Kram passte. Die laute Konfrontation zwischen den beiden partners in crime ereignet sich nach einem langen Tag voller diplomatischem Kleinklein in Moskau.

An zwei Orten werden Details ausgehandelt, die eine heillos verworrene außenpolitische Krise beilegen sollen. Frank zieht sich mit seinem russischen Gegenpart Petrov (Lars Mikkelsen) in dessen Büro zurück, um das Kleingedruckte in den Verträgen zu Abrüstung in Osteuropa und Truppenstationierung im Mittleren Osten zu vereinbaren. Ganz ehrlich: Wie das alles genau zusammenhängt, habe ich nicht wirklich verstanden - es interessiert mich auch nicht. Hier leidet House of Cards weiterhin an der alten Krankheit, besonders komplizierte Plots als besonders komplexes Fernsehen verkaufen zu wollen.

Unerlässlich für das Gelingen der Verhandlungen ist indes die Freilassung des Homosexuellenrechtlers Michael Corrigan (Christian Camargo). Dafür ist Claire zuständig, hat sie doch die Bedingungen seiner Freilassung ausgehandelt. Dazu gehört jedoch, dass er sich bei Präsident Petrov für die Freilassung bedankt, was Corrigan natürlich überhaupt nicht einsieht, weil er ja nur wegen der schwulenfeindlichen Gesetzgebung des Präsidenten verhaftet wurde. Welches Argument Claire auch anbringt - Corrigan will - und kann - sich nicht umstimmen lassen.

You did the right thing

Es ist eine der spannendsten Geschichten dieser dritten Staffel, und ich hätte mir gewünscht, dass sie über mehrere Episoden ausgebreitet worden wäre. Sie hat aktuellen Bezug, ist mit einem wunderbaren Schauspieler besetzt und repräsentiert glaubhaft die diplomatischen Hürden, über die wohl auch unsere echten Außenpolitiker immer wieder springen müssen, wollen sie mit ihren russischen Verhandlungspartnern übereinkommen. Spätestens als sich Corrigan aber in eine Ecke gedrängt fühlt, aus der er keinen Ausweg sieht, ist ziemlich absehbar, dass sein Weg noch in dieser Episode enden wird.

Claire hätte sich nun kurz schütteln und wieder dem Tagesgeschäft zuwenden können - auf der Pressekonferenz besorgt aussehen und ihrem Mann den Vortritt lassen. Stattdessen entschließt sie sich kurzfristig, das Vermächtnis des toten Corrigan zu ehren und die diplomatischen Fesseln zu sprengen. Öffentlich prangert sie Petrov an: „Schämen Sie sich, Herr Präsident!“ Das sitzt - und lässt Frank vor Scham und Wut beinahe an Ort und Stelle explodieren. Zur endgültigen Explosion kommt es dann aber erst an Bord der Air Force One. Der Streit schaukelt sich langsam hoch, bis beide Dinge sagen, die sie bald bereuen könnten: „Wir sind Mörder, Francis“, platzt es aus Claire heraus.

Ich hätte dich niemals zur Botschafterin machen sollen“, erwidert Frank streng. Claire kann das aber geschickt kontern: „Ich hätte dich niemals zum Präsidenten machen sollen.“ Hier zahlt sich aus, was am Ende der zweiten Staffel noch nicht funktioniert hat: Claire Underwood hat doch ein Herz, sie ist noch nicht die perfekt geölte Intrigenmaschine wie ihr Ehemann. Daraus lassen sich für die restlichen Episoden dieser mühsam gestarteten Staffel sicherlich mitreißende Konflikte basteln.

Und das ist auch nötig: Besonders spannend ist die Suche (mittels Gesichtserkennungssoftware!) von Gavin Orsay (Jimmi Simpson) nach der entflohenen Rachel (Rachel Brosnahan) oder die Wahlkampfhilfe von Doug Stamper (Michael Kelly) für Heather Dunbar (Elizabeth Marvel) nämlich (noch) nicht.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 17. April 2015
Episode
Staffel 3, Episode 6
(House of Cards 3x06)
Deutscher Titel der Episode
Wahrer Mut
Titel der Episode im Original
Chapter 32
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 27. Februar 2015 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. April 2015
Autor
Melissa James Gibson
Regisseur
James Foley

Schauspieler in der Episode House of Cards 3x06

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