House of Cards 2x03

House of Cards 2x03

Im Zentrum des sechzehnten Kapitels von House of Cards steht ein kompliziertes politisches Manöver, das Frank Underwood wieder einmal als strahlenden Sieger dastehen lässt. Lucas Goodwin rennt indes bei seinen Recherchen um den Tod von Zoe Barnes gegen stumme Wände.

Fußmatte oder Matador? Frank Underwood (Kevin Spacey) weiß genau, was er sein will. / (c) Netflix
Fußmatte oder Matador? Frank Underwood (Kevin Spacey) weiß genau, was er sein will. / (c) Netflix

Der Politthriller House of Cards ist immer dann am stärksten, wenn er es schafft, komplizierte politische Zusammenhänge sexy und spannend aussehen zu lassen. In der 16. Episode der Serie steht ein politisches Manöver im Zentrum, das zunächst schwierig zu durchschauen ist. Deswegen will ich mich in diesem Review vorrangig damit beschäftigen, sowohl Zusammenhänge als auch Plausibilität zu entwirren. Ob plausibel oder nicht - das Ergebnis bleibt das gleiche: US-Vizepräsident Frank Underwood (Kevin Spacey) ist nahezu unbesiegbar.

Komplizierte Politik

Die Hintergrundgeschichte der Episode ist der Kampf zwischen Demokraten, Republikanern und den jeweils von ihnen kontrollierten Legislativorganen Repräsentantenhaus und Senat um eine Erhöhung des amerikanischen Kreditlimits. Dadurch soll verhindert werden, dass der Staat zahlungsunfähig wird und alle Leistungen an öffentlich Bedienstete einstellen muss. Das Thema ist von höchster aktueller Relevanz, gab es in den USA im Herbst des letzten Jahres doch tatsächlich für einige Tage einen sogenannten „Government Shutdown“.

In House of Cards sind die Republikaner, die den 100-köpfigen Senat kontrollieren, dazu bereit, die Zahlungsunfähigkeit der Regierung hinzunehmen, um eine starke Haltung gegenüber fiskalischer Unvernunft demonstrieren zu können. Sie erhoffen sich dadurch, breite Zustimmung aus dem Volk zu erhalten. Die Realität zeitigte indes die gegenseitige Reaktion: Im Herbst 2013 standen die Republikaner als große Verlierer da. Frank Underwood schlägt also einen Kompromiss vor: Die Republikaner bekämen ihre seit den sechziger Jahren geforderte „Entitlement Reform“ (in etwa: Arbeitsmarktreform). Diese beinhaltet, dass das Pensionsalter auf 68 Jahre und das Alter für Frühpensionierungen auf 64 Jahre angehoben wird.

Der republikanische Mehrheitsführer Hector Mendoza (Benito Martinez) stimmt dem Plan zu, schafft es aber nicht, die republikanischen Hardliner vom rechten Flügel, vor allem Senator Curtis Haas (Michael Park, dessen Figur stark an den republikanischen Senator Ted Cruz erinnert), auf seine Seite zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt sieht es danach aus, als würde der Senat mit 55 zu 45 Stimmen für den Plan der Republikaner stimmen, das Gesetz zur Erhöhung des Budgetlimits abzulehnen. Underwood muss also entweder fünf Senatoren auf seine Seite ziehen oder zehn zur Enthaltung überreden.

Mit einem Trick überrumpelt Frank Underwood (Kevin Spacey) die republikanischen Senatoren. © Netflix
Mit einem Trick überrumpelt Frank Underwood (Kevin Spacey) die republikanischen Senatoren. © Netflix

Er schafft es, zwei Republikaner zum Seitenwechsel und sechs zur Enthaltung zu überreden. Der neue Stand ist also 47 zu 47. Als Vizepräsident fällt Frank somit das entscheidende Votum zu. Haas und Mendoza haben unterdessen von Franks Plan erfahren und beschließen, den Senat - und damit den Gesetzesentwurf - zum Stillstand zu bringen. Dieser befindet sich gerade im „Quorum Call“ (etwa: Zählung einer beschlussfähigen Mehrheit), bei dem die Namen der Senatoren einzeln aufgerufen werden, um ihre Anwesenheit festzustellen. Die Republikaner bemühen sich darum, die Zählung so langsam ablaufen zu lassen wie möglich, um die Zeit bis zur nächsten Sitzungspause hinauszuzögern.

Underwood, der Magier

Dann betritt Underwood überraschend den Sitzungssaal. Als Präsident des Senats übernimmt er die Verantwortlichkeiten des „Roll Call“ (Zählung) und beschleunigt den Prozess um ein Vielfaches. Die republikanischen Senatoren beeilen sich daraufhin, die Kammer zu verlassen, damit das Quorum nicht erfüllt werden kann. In weiser Voraussicht zieht Underwood hernach seine Trumpfkarte - oder, wie er zu sagen pflegt: bedient sich mittelalterlicher Methoden. Er erteilt dem demokratischen Minderheitsführer das Wort, der den Antrag stellt, die Anwesenheit der Senatoren zu erzwingen.

Die Demokraten stimmen dem Antrag zu, die wenigen verbleibenden Republikaner lehnen ab. Dem Antrag wird stattgegeben und der „Sergeant of Arms“ (Vollzugsbeamter des Senats) verhaftet die „flüchtigen“ Senatoren und zwingt sie zurück in den Senat. Underwood bekommt seine beschlussfähige Mehrheit, dank seiner Überredungskünste passiert das Gesetz zur Erhöhung des amerikanischen Budgetlimits den Senat. Haas startet einen letzten Versuch, die Verabschiedung mittels „Filibuster“ (ununterbrochenes Reden zur Verschleppung von Abstimmungen) zu verhindern. Doch auch hierauf hat Frank die passende Antwort, die im Kleingedruckten zu finden ist. Dort ist notiert, dass ein „Filibuster“ bei diesem Gesetzesprozess nicht möglich ist.

Der Vorgang ist zweifelsohne sehr fragwürdig und wenig wahrscheinlich. Illegal ist er indes nicht. Trotzdem hätte Frank bedenken müssen, dass er mit einer solchen Taktik alle Brücken hinter sich abreißt. In zukünftigen Verhandlungen wären die Republikaner noch störrischer und weniger kompromissbereit. Doch das ist Frank Underwood offensichtlich egal. Mehr noch als gegen die gegnerische Partei kämpft er nämlich gegen den eigenen Vorgesetzten, Präsident Garrett Walker (Michael Gill).

Letzte Hoffnung Deep Web: Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) trifft einen Hacker. © Netflix
Letzte Hoffnung Deep Web: Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) trifft einen Hacker. © Netflix

Auch in dieser Episode wird wieder einmal offenbar, wie leicht es für Frank ist, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Es reicht eine kurze Ansprache an Walkers Freund und engsten Vertrauten Raymond Tusk (Gerald McRaney), damit der auf Franks Seite kommt und den Präsidenten dazu überredet, eine Arbeitsmarktreform vorzuschlagen, die er in wenigen Szenen zuvor noch entschieden abgelehnt hatte. Das Porträt des mächtigsten Mannes der Welt bleibt weiterhin fragwürdig. Solange es uns jedoch solch spannende und detailversessene Passagen liefert wie hier, soll es genehm sein.

Goodwin verzweifelt

Während Frank mit seinem jüngsten Werk („We should add miracle worker to your resumé.“) beschäftigt ist, versucht Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) voller Verzweiflung, belastbare Beweise gegen Underwood zu sammeln. Er fängt Russos Exgeliebte Christina Gallagher (Kristen Connolly) vor dem Kongressgebäude ab, um sie noch einmal anzuflehen, ihr bei der Suche zu helfen. Sie lehnt jedoch genauso barsch ab wie seine ehemalige Kollegin Janine Skorsky (Constance Zimmer), die nach der Nachricht über Zoes angeblichen Selbstmord die Flucht zu ihrer Mutter nach Ithaca, New York, ergriffen hat und dort als Hochschullehrerin arbeitet: „It's simpler here. It's quiet. I need that.

Parallel zu diesen Entwicklungen durchläuft Goodwin einen Prozess, den sein Kontaktmann aus dem Deep Web inszeniert, um sicherzustellen, dass er kein Mitglied einer Strafverfolgungsbehörde ist. Underwoods rechte Hand Doug Stamper (Michael Kelly) weiß indes schon, dass Goodwin einen Hack des Telefons von Underwood beauftragt hat. Er beordert einen Bekannten vom Secret Service, Goodwin aufzuspüren und mundtot zu machen. Mir graut es jetzt schon vor der möglichen Enthüllung, dass Goodwins Kontaktperson aus dem Deep Web in Wirklichkeit ein Entsandter von Stamper ist. Vielleicht denke ich dabei jedoch auch einfach zu pessimistisch.

Die ehemalige Prostituierte Rachel (Rachel Brosnahan) wird indes weiter von Stamper protegiert und geht ihrer Tätigkeit in einem Callcenter nach. Dort meldet sie sich bei ihrer Mutter, die sie wohl schon lange Zeit nicht mehr gesprochen hat. Bevor ein Gespräch zustande kommt, legt sie jedoch wieder auf. Später wird sie auf dem Nachhauseweg angesprochen, ob sie nicht in die Kirche kommen wolle. Nach anfänglicher Skepsis besucht sie den Gottesdienst und findet dort auch gleich einen Anker für ihre orientierungslose Seele.

Auch Franks Protegé Jackie Sharp (Molly Parker) bekommt eine eingehendere Charakterisierung: Sie lässt sich ein Tattoo stechen - und genießt dabei sehr offensichtlich die Schmerzen. Betrachtet sie die Aktion als Strafe für den Verrat an ihrem Mentor? Oder hat sie einfach nur masochistische Tendenzen? Hoffentlich erfahren wir darüber bald mehr. Vertiefte Charakterisierung und Figurenzeichnung können House of Cards nur guttun.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 17. März 2014
Episode
Staffel 2, Episode 3
(House of Cards 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Senatoren in Handschellen
Titel der Episode im Original
Chapter 16
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 14. Februar 2014 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 17. März 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 17. September 2014
Autor
Bill Cain
Regisseur
James Foley

Schauspieler in der Episode House of Cards 2x03

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