House of Cards 1x12

House of Cards 1x12

Nach den außergewöhnlichen Vorkommnissen der letzten Episode kehrt House of Cards zum „business as usual“ zurück. Während eine eifrige Journalistin die Machenschaften Underwoods aufzudecken versucht, befindet sich dieser mitten in der Planung zu seinem nächsten politischen Coup.

Bald allein auf weiter Flur? Frank Underwood (Kevin Spacey) bläst jedenfalls erstmals richtiger Gegenwind ins Gesicht. / (c) Netflix
Bald allein auf weiter Flur? Frank Underwood (Kevin Spacey) bläst jedenfalls erstmals richtiger Gegenwind ins Gesicht. / (c) Netflix

Seit langer Zeit kehrt House of Cards mit seinem neuen Kapitel zur dramaturgischen Qualität der Auftaktepisoden zurück. Als würde Frank Underwood (Kevin Spacey) darauf Bezug nehmen wollen, paraphrasiert er eine seiner punchlines aus der zweiten Episode gleich selbst: „Tusk understands the difference between money and power. That's what makes him dangerous.

Endlich Gegenspieler für Underwood

Die neue Episode bietet vieles, was sie zu vereinzelten Zeitpunkten außergewöhnlich gemacht hat. Dies gelingt, weil sich Drehbuchautor und Serienschöpfer Beau Willimon auf das Kerngeschäft des politischen Thrillers konzentriert: spannende, realistische Handlungsbögen, die dem Zuschauer den knallharten Politikalltag näherbringen. Und endlich wird auch der seriöse Journalismus als das porträtiert, was er ist: ein unabdingbarer Grundpfeiler jeder funktionierenden Demokratie. Weiterhin stehen mehrere Charaktere mit dem Rücken zur Wand und es gibt sogar einige, die sich die Sympathien der Zuschauer erspielen können.

Janine Skorsky (Constance Zimmer) for the win! Hell yeah! © Netflix
Janine Skorsky (Constance Zimmer) for the win! Hell yeah! © Netflix

Dazu gehört selbstredend immer noch nicht Francis Underwood, der weiterhin weiß, mit abstoßendem Pathos zu faszinieren: „Why mourn for anybody? The dead can't hear us.“ Dies ist jedoch auch gut so, denn so langsam kommt Bewegung in die Geschichte. Underwood sieht sich erstmals echter Opposition entgegen. So hat man als Zuschauer nicht mehr ständig das Gefühl, dem FC Bayern München in einem Freundschaftsspiel gegen den SG Blaubach-Diedelkopf zuschauen zu müssen. Dadurch kommt erstmals echte Spannung auf, ganz abgesehen von der Tatsache, dass hier der Handlungsfortlauf mitreißend inszeniert ist.

Ehemalige Freunde Underwoods wandeln sich also zu gefährlichen Gegenspielern. Zoe Barnes (Kate Mara) schließt sich nämlich endlich mit ihrer erfahreneren Kollegin Janine Skorsky (Constance Zimmer) zusammen, um deren heiße Spur mitzuverfolgen. Zu Beginn will sie den Mutmaßungen Skorskys keinen Glauben schenken, vielleicht auch, weil sie immer noch glaubt, Underwood schützen zu müssen. Ihr neuer Weggefährte Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus) wäscht ihr jedoch rechtzeitig den Kopf, auch wenn dies aus anderen Gründen geschieht: „I probably love you, that's the fucking problem.

Die Szenen, in denen Skorsky und Barnes zusammen recherchieren, gehören zu den gelungensten der ganzen ersten Staffel. Der angebliche Selbstmord Peter Russos (Corey Stoll) hat Janine stutzig gemacht. Also beginnt sie, dessen letzte Aktivitäten von hinten aufzurollen. Dabei stößt sie auf den ungewöhnlichen Vorgang, dass er bei einer Anhörung der BRAC-Kommission (Base Realignment and Closure Commission: Kommission zur Schließung und Umlegung von Militärbasen) keinerlei Verteidigung gegen die Schließung der Werft in seinem Wahldistrikt vorgebracht hat.

Journalismus als Säule der Demokratie

Daraus schließt sie, dass Russo massiv unter Druck gesetzt worden sein muss, denn ein solcher Schachzug kommt bei einem Kongressabgeordneten politischem Selbstmord gleich. Über die Rekonstruktion der politischen Ereignisse zu der Zeit - dem Rücktritt des designierten Außenministers Kern, dem Gesetzesvorhaben zur Bildungsreform und der Kandidatur Russos als Gouverneur seines Heimatstaates Pennsylvania - stößt sie auf nur einen möglichen Verdächtigen: Frank Underwood.

Es braucht jedoch eines handfesten Beweises, um aus der Spekulation eine stichhaltige Geschichte formulieren zu können. Hier kommt Roy Kapeniak (T.J. Edwards) ins Spiel, der in der zweiten Episode öffentlich Zeugnis darüber abgelegt hatte, dass Michael Kern (Kevin Kilner) einen ihn belastenden Leitartikel tatsächlich selbst verfasst habe. Diese Lüge führte zu einem massiven öffentlichen Aufschrei gegen Kern und schließlich zu seinem Sturz. Kapeniak ist also der Kronzeuge. Er ist jedoch nicht auffindbar, als Zoe sich auf die Suche nach ihm macht.

Christina Gallagher (Kristen Connolly) steht ungewollt im Mittelpunkt der Aufdeckung einer politischen Intrige. © Netflix
Christina Gallagher (Kristen Connolly) steht ungewollt im Mittelpunkt der Aufdeckung einer politischen Intrige. © Netflix

In einem Stripclub findet sie schließlich dessen frühere Gespielin Echo (Hazel Honeysuckle), die nach kurzem Zögern Auskunft über Kapeniak gibt und offenbart, dass Russo derjenige gewesen sei, der ihn dazu überredet habe, gegen Kern auszusagen. Der Kreis beginnt also, sich zu schließen. Mithilfe Christina Gallaghers (Kristen Connolly), die beim ersten Interviewversuch noch vom aufmerksamen Doug Stamper (Michael Kelly) überwacht wurde, soll nun ein weiteres Puzzlestück entziffert werden. Unweigerlich führen die Wege zurück zu Underwood.

Der befindet sich auf einer ganz eigenen Mission, um das Amt des Vizepräsidenten ergattern zu können. Dazu muss er sich jedoch mit dem eigenwilligen Multimilliardär Raymond Tusk (Gerald McRaney) herumschlagen. Nach tagelangem Hinhaltespiel dämmert es Frank: Das Treffen der beiden wurde von Präsident Walker (Michael Gill) inszeniert, um Underwood selbst auf den Zahn fühlen zu lassen. Walkers alter Weggefährte Tusk soll Francis aushorchen, um seine Vertrauenswürdigkeit und Eignung auf die Probe zu stellen.

In der offenen Konfrontation mit Tusk wird diese Wahrheit ans Tageslicht gespült, was für einen kurzen Moment eine positive Nachricht für Underwood darstellen sollte. Die Zustimmung Raymonds hat jedoch einen Preis, wenngleich er diesen nicht nennen möchte. Er fordert von Frank eine Art Blankoscheck für einen Gefallen, den er noch nicht äußern möchte. Da drehen die Rädchen in Underwoods Hirn schon in eine andere Richtung: Wo kann er Tusk angreifen, um ihn zu einer Empfehlung bei Walker zu zwingen?

Fazit

House of Cards erfüllt endlich wieder das Potential, das die ersten Episoden prophezeit hatten. Vor allem die Geschichte um die Aufdeckung der Underwood'schen Machenschaften durch das neue Powerduo Skorsky und Barnes erschafft eine dermaßen spannende Atmosphäre, wie sie nur in hochklassigen politischen Thrillern („Three Days of the Condor“, „Spy Game“) zu finden ist. Vor dem Hintergrund des Mordes an Russo wird der Ausspruch Zoes, wonach Underwood jeden Gegenspieler „zerstören“ würde, zu einer ganz realen Bedrohung.

Wohltuend ist auch die Tatsache, dass Underwood - und auch seiner Ehefrau Claire in deren Erzählstrang - endlich einmal Gegenwind ins Gesicht bläst. Zu lange hat es gedauert, bis die Drehbuchautoren realisiert haben, dass die Vorhaben Franks einfach zu glatt verliefen. Durch die Etablierung seiner Gegenspieler wurden zudem Figuren mit Identifikationspotential geschaffen. Wenngleich diese Forderung von mehreren Kommentarschreibern kritisch angemerkt wurde, so ist es doch wichtig für eine Serie mit einem solchen Anspruch, Identifikation zu schaffen.

Mit Janine Skorsky und Zoe Barnes ist dies den Autoren nun endlich gelungen. House of Cards verliert dadurch nichts von seiner düsteren Verruchtheit, wie es sowieso durch diese dramaturgische Entscheidung nichts verliert, sondern nur positiv gezeichnete Figuren hinzugewinnt. Die Serie besteht also nicht mehr nur aus triefendem Zynismus, sondern bietet auch einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Wäre dies viel früher passiert, hätte man sich nicht so lange damit aufhalten müssen, das rücksichtslose Charakterschwein Underwood mit immer wieder denselben Charaktermerkmalen zu kennzeichnen. Die erste Staffel von House of Cards hätte sicherlich einen interessanteren Verlauf genommen. Hätte, wäre, wenn: „Speculation is a poor form of investment and an equally poor form of politics.“ Punkt.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 22. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 12
(House of Cards 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Der Wunschkandidat
Titel der Episode im Original
Chapter 12
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 1. Februar 2013 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 22. April 2013
Autoren
Gina Gionfriddo, Beau Willimon
Regisseur
Allen Coulter

Schauspieler in der Episode House of Cards 1x12

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