Hostages 1x01

Hostages 1x01

In Hostages wird eine ganze Familie als Geisel genommen - es geht um das Leben oder Sterben des amerikanischen Präsidenten. Wer über einige melodramatische Passagen hinwegsehen kann, wird durch eine spannende Auftaktepisode belohnt. Der Weg für kurzweilige Unterhaltung ist geebnet.

Ellen Sanders (Toni Collette) und der FBI Special Agent Duncan Carlisle (Dylan McDermott) auf einem Promobild für „Hostages“. / (c) CBS
Ellen Sanders (Toni Collette) und der FBI Special Agent Duncan Carlisle (Dylan McDermott) auf einem Promobild für „Hostages“. / (c) CBS

Die neue Serie Hostages springt mit Anlauf in den heißen Brei und offenbart auf clevere Weise die Geiselnahme, mit der sich die Ausnahmechirurgin Dr. Ellen Sanders (Toni Collette) konfrontiert sieht. Als man sich noch fragt, warum Ellen, ihr Mann Brian (Tate Donovan) und die beiden gemeinsamen Kinder Morgan (Quinn Shephard) und Jake (Mateus Ward) durch die Fernsehübertragung eines Baseballspieles so furchtbar schockiert werden, tauchen die Verbrecher mit ihren Sturmmasken im Bild auf. Auch sonst kommt in der Pilotepisode, in der Jeffrey Nachmanoff (Homeland) sowohl für das Drehbuch als auch für die Regie verantwortlich ist, keine Langeweile auf.

Das Ultimatum

Im Zuge einer Rückblende wird zunächst erörtert, wie die Familie Sanders überhaupt in diese brenzlige Situation geraten konnte. „How does it feel to be responsible for the life of the president of the United States“, fragt ein Reporter Dr. Sanders, die am Folgetag President Paul Kincaid (James Naughton) an der Lunge operieren soll. Ihr Einsatz am Skalpell ist also der Grund für die Geiselnahme, denn nur, wenn das Staatsoberhaupt im Zuge der Routineoperation stirbt, kommt die Familie von Dr. Sanders mit dem Leben davon...

Agent Superstar und Gegenspieler?!?

... Damit droht der Ärztin zumindest der düstere Anführer der Geiselnehmer, den die Zuschauer zunächst einmal aber in einer ungleich heroischeren Rolle kennenlernen: Dylan McDermott verkörpert den FBI Special Agent Duncan Carlisle, dessen wuchtiger und unmittelbar respekteinflößender Name zum ersten Mal zu dem dramatischen Aufknirschen einer Gitarre ausgesprochen wird. Als Carlisle seinen Einstand dann auch noch durch eine theatralische Drehung in Richtung Kamera vollendet, entfuhr der Rezensentin bereits ein vergnügtes Quieken.

Sofort wird deutlich: Der Agent blickt jeder noch so gefahrengeschwängerten Situation gelassen ins Auge - wahrscheinlich ohne zu blinzeln. In der Tatsache, dass Carlisle zunächst ungefähr so wirkt, wie man sich den Sohn von Chuck Norris vorstellt, schwingt zwar eine gehörige Portion unfreiwilliger Komik mit. Auch der Twist, dass der Agent ungerührt einen Unschuldigen zu erschießen scheint - der sich am Ende aber selbstverständlich als verkleideter Geiselnehmer herausstellt - büßt im Angesicht von Carlisles schier grenzenloser Coolness seine Ernsthaftigkeit ein. Zum Glück lernt man den Special Agent später noch in seiner Rolle als fürsorglicher Ehemann kennen, dessen krebskranke Frau allem Anschein nach im Koma liegt. Außerdem fungiert er als liebevoller Vater der kleinen Sawyer (Lola Cook), was seinem Charakter zu etwas mehr Lebensnähe verhilft.

Geheimnisse überall

Neben dem großen Konflikt zwischen Ellen und Duncan, in dem es um Leben, Tod, Willensstärke und ein unüberwindbares moralisches Dilemma geht, wird Hostages um allerlei Hintergrundgeschichten angereichert, die die Familie Sanders betreffen. Jake vertickt mit einem Freund Gras und schuldet einem gefährlichen Dealer einen ansehnlichen Batzen Geld. Tochter Morgan führt eine Beziehung zu Boyd (Tyler Elliot Burke) und verheimlicht ihren Eltern ihre Schwangerschaft.

Wie ist FBI Special Agent Duncan Carlisle (Dylan McDermott) nur in diese verzwickte Lage geraten? © CBS
Wie ist FBI Special Agent Duncan Carlisle (Dylan McDermott) nur in diese verzwickte Lage geraten? © CBS

Selbst Vater Brian, der als scheinbar aufopferungsvoller Vater das Lacrosseteam seines Sohnes betreut, verschweigt Ellen nicht nur seine beruflichen Misserfolge, sondern auch eine Affäre mit seiner Sekretärin. Eine derartig hohe Dichte an Geheimnissen wird der Realität nicht einmal ansatzweise gerecht. Wenn man aber bedenkt, dass die erste Staffel der Serie ganze 15 Episoden umfassen wird, liegt es nahe, dass der Grundkonflikt noch um weitere Handlungsstränge ergänzt wird. Bislang fügen sich die Randgeschichten gut in die Handlung ein: Die Geiselnehmer wissen von Brians Affäre, was den Untreuen erpressbar macht. Deswegen rät er seiner Frau schließlich doch dazu, den Forderungen Folge zu leisten.

Familie vs. Verbrecher

Aufseiten der beiden Teenager kommt es aufgrund ihrer Geheimnisse zu interessanten Interaktionen mit den Geiselnehmern Archer Petit (Billy Brown), Maria Gonzales (Sandrine Holt) und Kramer Delaney (Rhys Coiro). Dabei wird auf gelungene Weise eine erste Charakterzeichnung der Verbrecher vorgenommen. Gonzales - die als einzige noch nicht zuvor mit Carlisle zusammengearbeitet hat - profiliert sich so als skrupellos und ist zum gnadenlosen Töten bereit. Delaney hingegen zeigt sein weiches Herz, indem er Jake offenbart, dass die Eindringlinge seinen Hund nur betäubt - und nicht getötet - haben. Dafür wird Kramer von Carlisle mit mysteriösen Worten zurechtgewiesen, in denen sich bereits das nächste Geheimnis abzeichnet: „Remember why we are here. Sometimes you have to do a bad thing for a good reason.“ Petit hingegen ist zunächst einmal dafür da, die Kompetenz des Anführers Carlisle hervorzuheben, der wiederum im Zusammenspiel mit der schwangeren Morgan seine weichere Seite demonstriert.

Charaktere

Während Carlisle den Zuschauern trotz seiner vorgeschobenen Härte mit der Zeit ans Herz wächst, entwickelt sich Brian dank seiner Feigheit zum Unsympath, der nun selbst im Vergleich zu den warmherzigeren Geiselnehmern den Kürzeren zieht. Diese Entwicklung erschwert es, sich in der vollkommen undurchsichtigen Auseinandersetzung eindeutig auf eine Seite zu schlagen, was der Komplexität der Serie zuträglich ist.

Toni Collette gelingt es sehr gut, die Sorgen und den inneren Konflikt ihrer Figur nach außen zu tragen. Bei ihr mag es sich zwar um einen „superstar“ im Operationssaal handeln, doch verfügt sie auch über angemessene menschliche Schwäche. So gelingt es Ellen nicht, sich in einem Moment der stummen Verzweiflung selbst einen Finger abzuschneiden, um den Plan der Geiselnehmer zu sabotieren. Das bedeutet aber nicht, dass die Chirurgin aus Angst um ihre Familie den Mord an einem Unschuldigen in Kauf nehmen würde. Mithilfe eines blutverdünnenden Mittels, das sie dem Präsident verabreichen lässt, kann sie nicht nur die Operation um zwei Wochen aufschieben. Sie nutzt anschließend auch die Gelegenheit eines Fernsehinterviews, um den Geiselnehmern unterschwellig eine entschlossene Nachricht zukommen zu lassen: „I don't give up that easily.

Die Mitglieder der Familie Sanders werden als Geiseln genommen. © CBS
Die Mitglieder der Familie Sanders werden als Geiseln genommen. © CBS

Kritik

Bedauerlicherweise werden Dr. Sanders' herausfordernde Worte mit ihrem noch herausfordernderen Blick in die Kamera kombiniert. Durch diese übertriebene Inszenierung kommt wieder der Eindruck unterschwelliger Komik auf, von dem auch die Etablierung von Duncan als Mega-bad ass geprägt wird. Auch gibt es ein paar kleinere logische Stolpersteine zu kritisieren. Warum hat der Familienhund der Sanders beispielsweise Petit nicht bemerkt, als er die Überwachungskameras installiert? Und warum sind die Geräte nicht bereits in der Küche platziert worden, als beispielsweise die Kamera in Morgans Zimmer instand gesetzt wurde?

Zudem scheinen die Macher von Hostages ihren Zuschauern zeitweise nicht allzu viel zuzutrauen. So wäre es sicher nicht nötig gewesen, die Selbstdemaskierung der Geiselnehmer von Morgan kommentieren zu lassen: „We have seen their faces that means they are going to kill us!

Die Hintermänner

Spätestens, als sich herausstellt, dass der Familienhund überlebt hat, verlieren die Eindringlinge in Duncans Team einen Teil ihres Schreckens. Weil es sich - zumindest bei der Mehrheit der Geiselnehmer - nicht um gänzlich schlechte Menschen handelt, drängt sich die Frage auf, warum sie sich zu einem derartig perfiden Umgang mit den Sanders haben hinreißen lassen. Aus welchem Grund wollen sie den Präsidenten ausschalten? Während sich aufseiten von Carlisle abzeichnet, dass er von Quentin Creasy (Jeremy Bobb), einem Vertrauten des Staatsoberhauptes selbst, unter Druck gesetzt wird, ist noch unklar, was die diffusen Hintermänner gegen die anderen Teammitglieder in der Hand haben könnten...

Fazit

Die Pilotepisode von Hostages liefert kurzweilige Unterhaltung im Thrillerstil. Die entscheidenden Charaktere werden adäquat eingeführt, wobei die Darsteller allesamt vernünftige Arbeit leisten. Wenn man die theatralischen und überinszenierten Elemente nicht allzu ernst nimmt, kann man sich gar an ihnen erfreuen. Auch über den Irrsinn, der einem solch überfrachteten Vorkommen von privaten Geheimnissen innewohnt, kann man durchaus hinwegsehen. Obwohl Schwangerschaft, Dealerei und eine Affäre nicht die innovativsten aller Mysterien darstellen, sind aus ihnen bislang noch keine ärgerlichen Lückenfüller geworden. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch in den kommenden 14 Episoden so bleibt.

Ob es den Serienverantwortlichen gelingen wird, die Spannung des Formates über die gesamte erste Staffel hinweg durch den Kampf zwischen Ellen und Duncan aufrechtzuerhalten, ist ungewiss. Aber es deutet sich in Gestalt der Hintermänner im Umfeld von Creasy noch eine neue Gewalt an, deren bedrohliches Potential sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen lässt. Wenn das Spannungslevel der Auftaktepisode von Hostages gehalten werden kann und man dem Format mit einer ausgeprägten Toleranz für das Unglaubliche begegnet, könnte man in der Serie durchaus einen neuen Leckerbissen gefunden haben.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 25. September 2013

Hostages 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Hostages 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Operation
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. September 2013 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 3. Juli 2014
Autor
Nicole Arnell
Regisseur
Jeffrey Nachmanoff

Schauspieler in der Episode Hostages 1x01

Darsteller
Rolle
Rhys Coiro
Sandrine Holt
Quinn Shephard
Mateus Ward
James Naughton

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