Homeland 7x05

© rĂ€sidentin Keane (Elizabeth Marvel) kann einen Erfolg fĂŒr sich verbuchen. (c) Showtime
Nach sechseinhalb Staffeln hat man als Serienmacher wohl ordentlich Selbstvertrauen in die eigene Arbeit gewonnen, was derzeit bei wenig anderen Serien so deutlich zutage tritt wie bei Homeland. Vor dem BedĂŒrfnis vieler anderer Produktionen, mit lĂ€ngerer Laufzeit immer schriller, lauter und gröĂer zu werden, ist dieses Format ganz offenbar gefeit. Hier vertraut man einfach auf die eigenen StĂ€rken und erzĂ€hlt seine Geschichte in dem Tempo, das man fĂŒr angemessen hĂ€lt. Heraus kommen dann Episoden wie Active Measures, die eine knappe Stunde lang prĂ€chtig unterhalten.
Back in business
Carrie (Claire Danes) ist ĂŒber die gesamte Folge mit einer Mission beschĂ€ftigt, die fĂŒr eine erfahrene Agentin wie sie eigentlich nicht so schwierig durchzufĂŒhren sein mĂŒsste. Dabei kommt es jedoch zu allerlei Problemen und Fehlern, was wohl der realen AgententĂ€tigkeit ziemlich nahekommt. Man sieht das in wenigen Filmen und Serien, weshalb es umso wohltuender ist, hier davon Zeuge zu werden. Die Ăberwachung und Befragung von Simone Martin (Sandrine Holt) stellt sich als nicht ganz einfache Operation heraus, die am Ende auch noch ergebnislos bleibt.
Das könnte man nun kritisieren, da damit offensichtlich ErzĂ€hlzeit geschunden wird. In einer Serie wie âHomelandâ, die sich der Spionagearbeit, ihren Anforderungen und Konsequenzen widmet, hat das jedoch durchaus seine Berechtigung. Carrie stellt also zu Beginn der Episode ihr Team zusammen, das hauptsĂ€chlich aus alten WeggefĂ€hrten besteht, mit denen sie - wie im Falle von Anson - auch schon romantisch verbandelt war. Aber das ist fĂŒr Carrie ja nichts Neues - lange dĂŒrfte es jedenfalls nicht mehr dauern, bis sie das Mittel der VerfĂŒhrung auch bei Dante (Morgan Spector) einsetzt, um ihn zu etwas zu bewegen, das er vielleicht gar nicht will.
Andererseits könnte es auch gut sein, dass sie echte GefĂŒhle fĂŒr ihn entwickelt. Immerhin kĂŒmmert er sich rĂŒhrend um sie und ihre Tabletteneinnahme, was zu einem verĂ€chtlichen Kommentar von Max (Maury Sterling) fĂŒhrt, von Carrie aber mit genuiner Zuneigung honoriert wird. Die Szene ist ein gutes Beispiel dafĂŒr, dass âHomelandâ derzeit gerne dazu bereit ist, das ansonsten sehr ernsthafte ErzĂ€hlen mit kurzen Momenten der Heiterkeit aufzulockern. Das gilt auch fĂŒr das erste Zusammentreffen von Carries Spionagetruppe. Drehbuchautorin Deborah Cahn gelingt es, eine gute Mischung zwischen Humor und Anspannung zu finden.
Der Ăberwachungsplan scheitert jedoch am Ende, weil Simone ihrem Liebhaber Wellington (Linus Roache) nichts von ihrem schockierenden nĂ€chtlichen Erlebnis erzĂ€hlt. Sie entscheidet sich viel eher dafĂŒr, sich mit Sex davon abzulenken. Dies deutet darauf hin, dass sie kĂŒhler und abgezockter ist, als das bisher den Anschein hatte. Vielleicht ist es nicht das erste Mal, dass sie in eine solch prekĂ€re Situation geraten ist. Vielleicht fĂŒhrt sie ihre Ăberwacher gezielt auf eine falsche FĂ€hrte, da sie schon ahnt, beschattet zu werden. Dies wĂŒrde bedeuten, dass sie eine auslĂ€ndische Spionin ist, was eine spannende Entwicklung wĂ€re.
We broke it. We bought it.
Könnte sie eine Verbindung zu den Russen haben? Das ist momentan reine Spekulation, könnte aber die dringend benötigte Verbindung zwischen Carrie und Saul (Mandy Patinkin) wiederherstellen. Der hat nÀmlich genau den Verdacht, dass die Russen hinter der Fake News stecken könnten, die Bo Elkin (David Maldonado) dazu animiert hat, seine FBI-Geisel hinzurichten. Wir Zuschauer tappen hier genauso im Dunkeln wie Saul - auch wir haben keine Ahnung, wer der mystery man ist, der das Video von Elkins Sohn im Krankenhaus aufgenommen hat.
Sauls Kontaktmann, der aus der in Berlin spielenden fünften Staffel bekannte Ivan (Mark Ivanir), kann oder will ihm jedenfalls nicht weiterhelfen. Trotzdem ist schwer davon auszugehen, dass wir den Russen nicht zum letzten Mal in dieser Staffel gesehen haben. Momentan bleibt Saul allerdings einen Beweis seiner These schuldig. PrĂ€sidentin Keane (Elizabeth Marvel) hat aber sowieso gerade Dringenderes zu tun. Sie muss nĂ€mlich irgendwie dafĂŒr sorgen, dass es bei der Trauerfeier fĂŒr die im Kampf gegen den Staat verstorbenen Sezessionisten nicht zu blutigen Auseinandersetzungen kommt.
Hierzu bedient sie sich der zunĂ€chst widerwilligen Witwe des ermordeten FBI-Agenten. Sie soll als Zeichen der Versöhnung an der Trauerfeier teilnehmen. Kurzzeitig sieht es danach aus, als wĂŒrde dieser Plan nicht aufgehen, bis Elkins Witwe Mary (Annie Humphrey) der ihr in Trauer Verbundenen die Hand reicht und so mit einer groĂen Geste mehr Versöhnungsarbeit leistet, als mit tausend Worten möglich gewesen wĂ€ren. Ihre EhemĂ€nner haben sich gegenseitig abgeschlachtet, sie bauen BrĂŒcken. War es jemals irgendwo auf der Welt anders? Es ist jedenfalls kein Zufall, dass am kreativen Ruder dieser Episode zwei Frauen saĂen.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 13. MĂ€rz 2018Homeland 7x05 Trailer
(Homeland 7x05)
Schauspieler in der Episode Homeland 7x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?