Homeland 7x04

© rett O'Keefe (Jake Weber, r.) bespricht das weitere Vorgehen mit seinen Gastgebern. (c) Showtime
Normalerweise dauert es eine halbe Staffel, bis sich langlebige Dramaserien wie Homeland eine narrative Pause genehmigen. Dann werden gerne Plots eingebaut, die nur existieren, um Zeit zu schinden, bis das Staffelfinale eingeläutet wird. Das Showtime-Format entschied sich nun aber merkwürdigerweise dazu, schon gleich am Anfang der neuen Staffel eine solche Pause einzulegen. Dem ordentlichen Auftakt folgten zwei Episoden, die ziemlich eindeutig offenlegten, dass sich das Autorenteam noch nicht sicher ist, wann es mit der eigentlichen Geschichte loslegen soll.
It's crazytown
Die Episode Like Bad At Things nimmt diesbezüglich glücklicherweise eine Kurskorrektur vor. Plötzlich ist wieder der alte Drive da, der die Serie vor allem in ihren frühen Staffeln ausgezeichnet hatte. Carrie (Claire Danes) oszilliert ständig zwischen patriotischer Pflichterfüllung, familiären Turbulenzen und persönlichen Schwierigkeiten. Es gibt eine Situation, die unbedingt friedlich gelöst werden muss, aber doch eskaliert und zu einer blutigen Auseinandersetzung führt. Zwar sind hier und da weiterhin logische Ungereimtheiten zu finden, aber die fallen dank der vielen positiven Elemente nicht allzu schwer ins Gewicht.
Zu Beginn sucht Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) ihren engsten Berater Wellington (Linus Roache) auf, weil sie glaubt, die Generäle hätten hinter ihrem Rücken den Militärschlag in Syrien angeordnet. Er gibt jedoch zu, dass dieser Befehl von ihm kam, was die einzige Möglichkeit für ihn ist, seinen Job nicht zu verlieren beziehungsweise das Gefängnis zu vermeiden. Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen, fürs Erste beschließt Keane allerdings, ihn nicht auszuliefern. Carrie bekommt das alles dank der von Max (Maury Sterling) installierten Überwachungssoftware mit.
Er ist es auch, den sie kontaktiert, um den Computerinhalt von Simone Martin (Sandrine Holt) zu analysieren, den Carrie in der letzten Episode heruntergeladen hatte. Sie begibt sich währenddessen auf den Weg nach Hazelton, wo Martin ein Strafzettel ausgestellt wurde, und das nur einen Tag, bevor General McClendon im dortigen Gefängnis ermordet wurde. Max' Recherche fördert zutage, dass sich Martin in mehreren Geldleihhäusern eine hohe fünfstellige Summe besorgte, womit ein Auftragsmörder bezahlt worden sein könnte. Das ist derzeit aber noch reine Spekulation.

Um der Wahrheit näherzukommen, muss sich Carrie weiterer illegaler Methoden bedienen, wie sie gegenüber Dante (Morgan Spector) freimütig zugibt. Weil er offensichtlich in sie verliebt ist, lässt er sich zum Mitmachen hinreißen. Zunächst besorgt sich Carrie in seinem Beisein aber ein paar Ersatzmedikamente von einem Bekannten aus einer Zeit, als sie noch Selbsthilfegruppen besuchte. Diese sollen ihr helfen, ihre bipolare Störung in den Griff zu bekommen, ohne dafür ganze Tage lang ausgeknockt zu sein. So würde sich auch ihre Schwester Maggie (Amy Hargreaves) befrieden lassen, die in dieser Staffel noch öfter als üblich den menschgewordenen erhobenen Zeigefinger gibt - und das zu Recht.
Too late
So spannend der Handlungsbogen rund um Carrie auf psychologischer Ebene ist, so packend inszeniert Regisseur Alex Graves die Auseinandersetzung um Brett O'Keefe (Jake Weber). Zwar bemühen die Autoren Chip Johannessen und Patrick Harbinson ein ziemlich unglaubwürdiges Handlungsmoment, um den großen Eklat zu provozieren, aber die daraus resultierende Action lässt darüber hinwegblicken. Weil ein übernervöser FBI-Agent den Sohn von Milizenführer Bo (David Maldonado), JJ (Colton Ryan), und dessen Hund anschießt, rüsten sich beide Seiten für einen ernst zu nehmenden stand-off.
Eine wichtige Rolle in der Eskalation spielt eine Fake News, die von einem unbekannten Agent Provocateur lanciert wird. Er schleicht sich in das Krankenhaus, in dem JJ behandelt wird, macht dort ein Foto von dem schwerverletzten, in einem kurzen Moment unbeobachteten Jungen und schickt das an die Medien weiter, die sogleich darauf anspringen. Als Bo das mitbekommt, erschießt er den als Geisel gehaltenen FBI-Mann, weil er fälschlicherweise glaubt, die Ärzte hätten seinen Sohn sterben lassen. Der leitende FBI-Agent Maslin (Matt Servitto) ordnet daraufhin die sofortige Erstürmung des Geländes an.
Dagegen kann selbst Saul (Mandy Patinkin) mit präsidentieller Verfügungsgewalt nichts tun. Überhaupt frage ich mich, warum der nationale Sicherheitsberater immer noch vor Ort sein muss, um die Situation zu überwachen. Gegenüber O'Keefe referenziert er vergleichbare berühmte Fälle aus Waco und Ruby Ridge, um ihn zum Aufgeben zu bewegen. Meines Wissens war damals aber kein solch hochrangiger Beamter zugegen. Eigentlich müsste er doch Wichtigeres zu tun haben. Aber das soll die zufriedenstellende Auflösung dieses Handlungsbogens nur minimal schmälern.
Homeland befindet sich nach einem Anfangstief in der siebten Staffel wieder auf einem vielversprechenden Weg. Carrie hat bereits angekündigt, dass sie zukünftig auf illegale Mittel zurückgreifen müssen wird, um ihren Feldzug gegen die mutmaßliche Regierungsverschwörung fortzusetzen. Sollte es im Tempo dieser Episode weitergehen, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis sie ebendiese Mittel einsetzt und sich damit in weitere brenzlige Situationen manövriert. Für uns Zuschauer kann das nur gut sein.
Trailer zu Episode 7x05, „Active Measures“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 5. März 2018Homeland 7x04 Trailer
(Homeland 7x04)
Schauspieler in der Episode Homeland 7x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?