Homeland 7x03

Homeland 7x03

Carrie und ihre Erkrankung stehen im Mittelpunkt der Homeland-Episode Standoff. Dabei wird ihr abermals eine dramaturgische Hürde in den Weg gestellt, die keinerlei Nachwirkungen zu haben scheint. Momentan tritt die Serie größtenteils auf der Stelle.

Saul (Mandy Patinkin, r.) während des titelgebenden „Standoff“ (c) Showtime
Saul (Mandy Patinkin, r.) während des titelgebenden „Standoff“ (c) Showtime
© aul (Mandy Patinkin, r.) während des titelgebenden „Standoff“ (c) Showtime

In der letzten Episode von Homeland wurde Carrie (Claire Danes) dank eines Hackers daran gehindert, Fortschritte in ihrer bisweilen illegitimen Arbeit zu machen. In Standoff ist es nun eine weitere Unvorsichtigkeit ihrerseits, die ihr eine Hürde in den Weg stellt. Die Drehbuchautoren Anya Leta und Ron Nyswaner stellen die Geduld ihres Publikums damit schon zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Episoden auf die Probe. Derzeit macht das Kreativteam den Eindruck, als gingen ihm die Ideen aus.

At the bottom of a black hole with no walls

Diese narrativen Umwege wären ja eigentlich kein Problem, würden sie nachhaltige Konsequenzen zeitigen. Aber weder der Hack aus Rebel Rebel noch der Einbruch aus der aktuellen Episode dürften solche nach sich ziehen. Stattdessen dienen diese Handlungsbögen als reine Ablenkungen von der Tatsache, dass die eigentliche Geschichte noch gar nicht angefangen hat. Ein Viertel der siebten Staffel ist nun schon verstrichen, aber wir haben immer noch keine Ahnung davon, welche Verschwörung Carrie dieses Mal aufdecken muss.

Momentan konzentriert sich die Serie eher darauf, ihre Krankheit mit voller Wucht ausbrechen zu lassen. Das ist zwar in höchstem Maße repetitiv, weil wir das in jeder Staffel mindestens ein Mal präsentiert bekommen, führt aber wenigstens zu einigen mitreißenden und bewegenden Szenen. Zu Beginn wartet Carrie auf ihre Therapeutin Dr. Meyer (Sakina Jaffrey), um eine neue Form der Behandlung auszuprobieren, da das Lithium offensichtlich seine Wirkung verloren hat. Zu Hause wartet indes schwer besorgt ihre Schwester Maggie (Amy Hargreaves), die keine Ahnung hat, wo Carrie steckt.

Von ihr wird sie auch dazu überredet, sofort mit der neuen Therapie zu beginnen, die erst mal beinhalten würde, mehrere Tage lang in einen komaähnlichen Zustand zu verfallen. Genau damit beginnt Carrie, jedoch wird dieser Versuch schnell von ihrem FBI-Bekannten Dante Allen (Morgan Spector) unterminiert, der herausgefunden hat, wer sich hinter der mysteriösen Frau verbirgt, die sich im Haus von Präsidentenberater Wellington (Linus Roache) herumgetrieben hat. Simone Martin (Sandrine Holt) hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags auf General McClendon in der Nähe des Tatorts auf.

Die schönste Einstellung der Episode
Die schönste Einstellung der Episode - © Showtime

Das sind genug Hinweise für Carrie, um ihre Therapiepläne über Bord zu werfen. Das allerdings ist nur der erste in einer ganzen Reihe von Fehlern, die sie in dieser Episode begeht. Als die von ihr und Dante observierte Simone die Wohnung verlässt, beschließt sie unüberlegt, dort einzusteigen. Dass sie selbst nicht in der Lage ist, die Gefahr dieses Plans zu erkennen, ist wegen ihrer Erkrankung hinzunehmen. Dass aber Dante sie nicht daran hindert, obwohl sie ihm kurz vorher von ihrer Krankheit erzählt hat, ist unverständlich. Es kommt also, wie es kommen muss: Carrie wird beim Einbrechen beobachtet und von der Polizei festgenommen.

Poisoning the conversation

Aus diesem Handlungsbogen wird jedoch nichts gemacht. Carrie weigert sich auf dem Polizeirevier, ihre Identität preiszugeben, weil sie fürchtet, ihr könne wieder die Tochter weggenommen werden. Nun bin ich der Letzte, der sich abermals einen Erzählstrang um Carries Sorgerechtsprobleme wünscht, aber es ist trotzdem ärgerlich, wenn man als Zuschauer hingehalten wird. Dank Dante und seinen Beziehungen kommt Carrie nämlich wieder frei, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Das ist ganz einfach schwaches storytelling.

Ähnlich konsequenzlos geht es beim Standoff zwischen Saul (Mandy Patinkin) und O'Keefe (Jake Weber) zu. Die beiden tauschen die gewohnten Nickligkeiten aus, bevor es wegen der Aufrüstung der Waffennarren zu einer Eskalation kommt, die aber unblutig ausgeht. Welche dramaturgischen Fortschritte wurden in diesem Handlungsbogen gemacht? Richtig: keine. Wir haben lediglich herausgefunden, dass O'Keefes Assistentin Sharon (Lesli Margherita) dazu bereit ist, ihn zu hintergehen.

Eine ähnliche Erfahrung wird sehr bald auch Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) machen, wenn sie herausfindet, dass ihr engster Vertrauter in ihrem Namen einen Militärschlag gegen syrische Waffentransporte befohlen hat. Sein Ziel ist es, damit von der negativen Aufmerksamkeit abzulenken, die die Auseinandersetzung um O'Keefe nach sich ziehen wird. Aber wie kurzsichtig ist diese Taktik bitte? Keane wird doch schnell von dem militärischen Angriff erfahren und müsste Wellington dann sofort feuern. Überdies wirkt es äußerst unglaubwürdig, dass der General sich so hinters Licht führen lässt.

Es ist kein besonders gutes Zeichen, dass Homeland schon so früh in einer neuen Staffel den Eindruck erweckt, als befinde sich sein Kreativteam in einer kreativen Krise. Natürlich kann das alles noch besser und vor allem interessanter werden, aber derzeit hat die Serie einen äußerst schalen Beigeschmack.

Trailer zu Episode 7x04: „Like Bad at Things“

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 26. Februar 2018

Homeland 7x03 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 3
(Homeland 7x03)
Deutscher Titel der Episode
Der Strafzettel
Titel der Episode im Original
Standoff
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 25. Februar 2018 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. Juni 2018
Autoren
Anya Leta, Ron Nyswaner
Regisseur
Michael Klick

Schauspieler in der Episode Homeland 7x03

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