Homeland 7x02

© aul (Mandy Patinkin) hält seine Antrittsrede als Nationaler Sicherheitsberater. (c) Showtime
Die Homeland-Episode Rebel Rebel dient als Vorbereitung für die staffelübergreifenden Handlungsbögen, wäre aber wohl zu kurz geraten, hätten sich die Autoren Chip Johannessen und Patrick Harbinson nicht noch einen überflüssigen Nebenplot um Carrie (Claire Danes) ausgedacht. So etwas passiert schon mal, wenn man in der mittlerweile siebten Staffel seiner Serie abermals zwölf einstündige Episoden abliefern muss. Deshalb lässt sich das auch leicht verzeihen, andererseits verhindert es eine besonders gelungene Folge.
Comeback
In der Auftaktepisode zur neuen Staffel wurde ja bereits angekündigt, dass eine Rückkehr von „Crazy Carrie“ unmittelbar bevorsteht. Hier ist es nun so weit. Von ihrer Therapeutin (Sakina Jaffrey) erfährt Carrie, dass das Lithium, das sie seit nunmehr 15 Jahren einnimmt, nach so langer Zeit seine Wirkung verlieren könnte. Bestätigung darüber bekommen wir wenig später, als Carrie zunehmend fahriger wird, was selbst ihrer Tochter Frannie (Claire Keane) auffällt. Sie fragt ihre Mutter, warum sie dauernd schreie - spätestens da sollte Carries Alarm klingeln.
So weit kommt es aber nicht. Carrie bleibt weiterhin davon überzeugt, einer großen Verschwörung auf der Spur zu sein - auch dann noch, als die 200 politischen Gefangenen freigelassen werden. Gegenüber ihrem Schwager schafft sie es nicht, zuzugeben, dass sie mit ihrem pessimistischen Ausblick wohl doch nicht ganz richtig lag. Stattdessen gräbt sie sich noch tiefer in ihrem paranoiden Kokon ein, indem sie die Bilder von der Überwachungskamera überprüft, die Max (Maury Sterling) für sie bei Präsidentenberater Wellington (Linus Roache) zu Hause installiert hat.
Darauf findet sie eine ihr unbekannte Besucherin (Sandrine Holt), die offensichtlich alleine in der Wohnung ist und dort etwas hinterlässt. Weil ihr FBI-Bekannter Dante (Morgan Spector) angesichts der Ereignisse aus der letzten Episode jegliche weitere Zusammenarbeit verweigert, sieht Carrie keine andere Möglichkeit, die Identität der Besucherin herauszufinden, als einen Screenshot von ihr bei Reddit zu posten. Kann man so viel Leichtfertigkeit auf die eventuell nicht mehr anschlagenden Medikamente schieben? Oder hat das Autorenteam nur nach einem Weg gesucht, um Carrie kurzzeitig aufzuhalten?

Was folgt, gehört jedenfalls in die Kategorie „hanebüchenes Drehbuchschreiben“. Dem Erstbesten, der Carrie antwortet, schenkt sie blindes Vertrauen. Ohne jegliche Vorsichtsmaßnahme öffnet sie eine Datei, die er ihr zusendet. Statt der gewünschten Information befindet sich darauf - natürlich - Ransomware. Es ist schier unmöglich, als Zuschauer hinzunehmen, dass Carries Laptop nicht mit einer Software ausgestattet ist, um solche Dateien ausfindig zu machen und ihren Empfang zu verhindern. Noch unglaubwürdiger ist, dass Carrie eine solche Datei sofort öffnen würde.
Hitler in the White House
Der Hacker (Jordan Woods-Robinson) versucht hernach, Carrie um einen wachsenden Geldbetrag zu erpressen, den sie sich nicht leisten kann, weil sie bereits auf einem erschreckend hohen Schuldenberg sitzt (warum eigentlich?). Also gibt sich der Hacker damit zufrieden, ein Date mit Carrie auszumachen, um sie dort im Tausch gegen ihre Daten vergewaltigen zu können. Einer im Kampfsport ausgebildeten ehemaligen Agentin gelingt es aber natürlich, sich seiner Vergewaltigungsversuche zu erwehren. Hoffen wir, dass eine solch eindeutige dramaturgische Verzögerungstaktik nicht mehr allzu oft eingesetzt wird.
In Washington stehen die Zeichen derweil auf (leichte) Entspannung. Präsidentin Keane (Elizabeth Marvel) lässt sich von ihrem Berater Wellington dazu überreden, auf die Forderungen von Saul (Mandy Patinkin) einzugehen und ihn zum nationalen Sicherheitsberater zu machen. Seine erste Aufgabe besteht dann jedoch darin, sich persönlich der Suche nach dem selbsternannten Revolutionär O'Keefe (Jake Weber) anzuschließen, was eigentlich nicht seiner Jobbeschreibung entspricht. Mit einer ordentlichen Portion Skepsis nimmt er sich jedoch dieses Auftrags an.
Es dauert nicht lange, bis Saul herausgefunden hat, wo sich O'Keefe versteckt hält. Er hat Unterschlupf bei einer Gruppe Waffennarren gefunden, bei denen ihm seine Heuchelei beinahe zum Verhängnis wird. Obwohl er öffentlich mit aller Verve für das Recht eines jeden Amerikaners auf Waffenbesitz eintritt, hat er selbst seit seiner Kindheit keine Waffe mehr in der Hand gehalten. Als er dann auch noch dabei belauscht wird, wie er sich über seine Gastgeber echauffiert, scheint sein Aufenthalt beendet zu sein. Dank seiner Silberzunge erkauft er sich jedoch einen Aufschub.
Rebel Rebel ist als Übergangsepisode einzuordnen, die auf die übergreifenden Geschichten der siebten Staffel vorbereitet. Harbinson, Johannessen und Regisseurin Lesli Linka Glatter setzen das routiniert um, erlauben sich aber mit Carries Abstecher in die dramaturgische Bedeutungslosigkeit einen gehörigen Patzer. Hoffentlich kommt das in dieser Staffel nicht mehr so oft vor.
Trailer zu Episode 7x03 der US-Serie „Homeland“, „Standoff“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 19. Februar 2018Homeland 7x02 Trailer
(Homeland 7x02)
Schauspieler in der Episode Homeland 7x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?