Homeland 7x01

© arrie Mathison (Claire Danes) in ihrem Element (c) Showtime
Die sechste Staffel von Homeland verlief weitgehend zufriedenstellend, endete aber mit einer solch actionbepackten und wendungsreichen Episode, dass all jene Zuschauer, die eine zu starke Hinwendung der Serie zu ihrem geistigen Nachbarn 24 befürchteten, neue Munition bekamen. Die Auftaktepisode der siebten Staffel nimmt dahingehend nun glücklicherweise eine Kurskorrektur vor. Es geht wieder leiser, wieder weniger action- und überraschungsreich zu, wieder mehr so wie zu Serienglanzzeiten.
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Dabei ist einiges los im Washington der „Homeland“-Welt. Diese befindet sich bereits einige Schritte weiter als die Realität, wobei überhaupt nicht mehr auszuschließen ist, dass sich das real existierende Regime in eine ähnliche Richtung entwickelt. Donald Trump und sein Kleptokraten-Klan zeigen ähnliche autokratische Tendenzen wie Elizabeth Keane (Elizabeth Marvel), wenngleich er es sich noch nicht getraut hat, mehrere hundert Spitzenbeamten einzubuchten. Andererseits gab es noch keinen Militäraufstand gegen ihn, kann also alles noch passieren.
Hoffen wir einfach mal, dass „Homeland“ hier nicht allzu hellseherisch ist und der Vollidiot in chief abgewählt wird, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann. Die einstmals als Reformerin und Hoffnungsträgerin angetretene Keane zeigt jedenfalls schnell ihre antidemokratische Fratze, besonders erschreckend nicht nur durch die bereits angesprochene Verhaftungswelle, sondern auch bei ihrer Aussage vor einem Marinegericht, vor dem sie für die Todesstrafe für Oberverschwörer McClendon (Robert Knepper) plädiert. Sie möchte ihren Widersachern mit gleicher Schärfe zurückzahlen, was die ihr antun wollten.
Gegen diesen furchteinflößenden Schwenk in Richtung Totalitarismus gibt es natürlich allerlei Gegenbewegungen. Raffiniert positionieren die Autoren Alex Gansa und Debora Cahn dabei den Bösewicht aus der letzten Staffel, Brett O'Keefe (Jake Weber). Für ihn ist mittlerweile auch ein Haftbefehl ausgestellt worden, weshalb er sich mit seiner Produzentin Sharon (Lesli Margherita) auf der Flucht befindet. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, mit allen erdenklichen Mitteln weiterzusenden, auch wenn er nur ein iPhone zur Verfügung hat. Unterstützung bekommt er dabei von Fans und bisweilen sogar von der Polizei.

Seine Gegenwehr passiert unter der Fahne der resistance, die in der Realität ja von Trump-Gegnern ausgerufen wurde. Das ist ein gelungener Twist, weil man sich nun als Zuschauer die Frage stellt, ob man auf der Seite eines unsäglichen Radiomoderators stehen kann, obwohl der hauptsächlich mit Lügen und Fake News um sich wirft. Kann eine solche Figur in Windeseile geläutert werden? Will das die Serie überhaupt? Die Figur sorgt jedenfalls für eine gehörige Portion kognitive Dissonanz, was einem so langlebigen Format wie „Homeland“ nur guttun kann.
Everyone is paranoid
Die größte Freude bereitet in Enemy of the State allerdings Carrie Mathison (Claire Danes), die einmal mehr davon ausgeht, als eine der wenigen das big picture erkannt zu haben und dieses bekämpfen zu können. Sie verbringt den Großteil der Episode in dem Modus, für den wir sie lieben: immer auf der Hut, immer hellwach, mit Perücke getarnt, Verfolger erkennend und abschüttelnd - aber auch ein bisschen zu ehrgeizig, so dass ihre Schwester Maggie (Amy Hargreaves) sogleich vermutet, dass sie ihre Pillen nicht nimmt, und völlig zu Recht eine Sitzung beim Psychiater verordnet.
Carries psychische Krankheit wird wohl niemals mein Lieblingshandlungsbogen sein, dafür fühlt er sich zu oft wie ein dramaturgisches Hindernis an. Dieses Mal leidet nicht nur ihre Familie unter ihrem Jagdinstinkt, sondern auch ein ehemaliger Kollege vom FBI, Dante Allen (Morgan Spector). Ihn hatte Carrie eigentlich dafür vorgesehen, als anonymer Zeuge gegen Keane und ihren Berater Wellington (Linus Roache) vor dem Geheimdienstausschuss von Senator Paley (Dylan Baker) auszusagen, allerdings springt er ab, weil ihm Carries Methodik nicht passt.
Natürlich ist dies aber nicht ihr einziges Eisen im Spionagefeuer. Irgendwie ist es ihr und Max (Maury Sterling) gelungen, Max beim Secret Service einzuschleusen, so dass sich der Zugang zum Haus von Wellington verschaffen und dieses verwanzen kann. Wellington scheitert indes mit seinem Vorschlag an dem inhaftierten Saul (Mandy Patinkin), in die Keane-Regierung einzutreten. Der König der Integrität weist das mit dem Verweis auf die Unerfüllbarkeit seiner Forderungen, darunter die sofortige Freilassung aller festgehaltenen Beamten, ab.
Sobald er vom gewaltsamen Gifttod von General McClendon erfährt, könnte sein Wille jedoch gebrochen sein. Diese Regierung schreckt ganz offensichtlich selbst vor Mord nicht zurück. Es wird spannend zu sehen sein, ob und wie es Carrie und Konsorten gelingt, diesem autokratischen Regime Einhalt zu gebieten. Vielleicht müssen wir uns davon ja bald eine Scheibe abschneiden.
Trailer zu Episode 7x02 der US-Serie „Homeland“, „Rebel Rebel“:
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 13. Februar 2018Homeland 7x01 Trailer
(Homeland 7x01)
Schauspieler in der Episode Homeland 7x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?