Homeland 4x01

Es ist eine eigentümliche Atmosphäre im Kontrollraum des CIA-Kontrollzentrums in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Carrie Mathison (Claire Danes) leitet nun die Außenstelle und ist dafür zuständig, Luftangriffe - seien diese nun per Drohne oder per Kampfflieger - auf gesuchte Terroristenführer zu befehlen. Von ihrem Kollegen aus Islamabad, Sandy (Corey Stoll), bekommt sie einen neuen Hinweis auf den Aufenthaltsort des hochrangigen Mitglieds einer Terrororganisation.
We're bulletproof on this
Carrie zweifelt zunächst an der Authentizität der Information - auch oder gerade deshalb, weil Sandy die Identität seiner Quelle nicht verraten will. Am Ende lässt sie sich jedoch überreden und gibt den Tötungsbefehl. Im Kommandozentrum sieht es so aus, als würde der Drohnenpilot ein Videospiel spielen. Er macht kurze Ansagen über den Countdown bis zum Einschlag der Raketen, die von einem F-15-Kampfjet abgeschossen werden. Gemeinsam beobachten sie den Volltreffer. Danach - und das ist das wirklich Perfide an dieser Szene - kehren sämtliche Mitglieder des Teams zur Tagesordnung zurück. Sie singen Carrie sogar ein Ständchen zu ihrem Geburtstag. Auf ihrer Torte steht ihr Spitzname: The Drone Queen („die Drohnenkönigin“).
Schnell stellt sich jedoch heraus, dass der Angriff nicht nur den Terroristenführer traf, sondern auch die Hochzeitsgesellschaft, unter der er weilte. Die Demonstrationen vor der amerikanischen Botschaft in Islamabad, wo Peter Quinn (Rupert Friend) mittlerweile untergekommen ist, spitzen sich zu, nachdem der Freund eines Überlebenden dessen Videomitschnitt der Feier veröffentlicht hat. Die Lage ist so explosiv, dass sich Carrie dazu gezwungen sieht, nach Islamabad zu reisen und dort politische Wiedergutmachung zu leisten.
In der Zwischenzeit hat ein pakistanischer Nachrichtensender jedoch Sandy als integralen Bestandteil des Angriffs enttarnt und seine Deckung auffliegen lassen. Er ist gerade auf dem Weg zu seinem Informanten, als er auf der Straße erkannt und von einem wütenden Mob umzingelt wird. Die Rettung durch Carrie und Quinn kommt zu spät. Sandy wird aus dem Auto gezogen und auf der Straße verprügelt. Sein weiteres Schicksal bleibt unklar, am Ende der Episode stürmt Carrie völlig aufgelöst in das Botschaftsgebäude, wo sie gemeinsam mit Quinn erklären muss, warum die beiden während des Angriffs auf Sandy mehrere pakistanische Zivilisten erschossen haben.
Carrie verhält sich größtenteils wieder so, wie wir es von ihr gewohnt sind. Zur Entspannung trinkt sie abends das übliche Glas Weißwein, um schlafen zu können, braucht sie Tabletten, Ohrenstöpsel und eine Schlafmaske. Sie behauptet via Skype gegenüber ihrer Schwester, die zu Hause in Washington ihre kleine Tochter hütet, dass sie ihr Kind vermisst. Ihre Körpersprache lässt jedoch eher das Gegenteil vermuten. Sie ist einfach nicht dafür gemacht, Mutter zu sein. Sie ist dafür gemacht, Terroristen zu jagen.
I'm the one dropping fire on all these people
Diese Mentalität versteckt sie hinter einer undurchschaubaren Fassade. Sowohl gegenüber Quinn als auch gegenüber dem Piloten des Kampfflugzeugs, der den Raketenangriff durchführte, lässt sie sich keinerlei Schwächegefühl anmerken. Völlig emotionslos rattert sie die üblichen Argumente herunter, die in einem solchen Fall zur Rechtfertigung herangezogen werden. Der collateral damage sei hinnehmbar, da die Hochzeitsgäste gewusst haben müssen, dass sie sich in der Gesellschaft eines Topterroristen befinden.
Saul Berenson (Mandy Patinkin) hadert unterdessen in New York mit seinem neuen Job in einer privaten Sicherheitsfirma. Er kann und will seine Ideale nicht aufgeben und macht das in einem Meeting mit Abgesandten des Verteidigungsministeriums auch mehr als deutlich. Seine Ehefrau Mira (Sarita Choudhury) verlangt von ihm jedoch, endlich in seine neue Rolle hineinzuwachsen. Schließlich habe sie sich jahrelang nach ihm gerichtet, nun sei er an der Reihe, für ihre Bedürfnisse zurückzustecken. Saul kommentiert das mit seinem typischen In-den-Bart-Grummeln.
Homeland schafft es in der Auftaktepisode zur vierten Staffel sehr gut, ein ausgewogenes Bild vom amerikanischen Antiterrorkampf via Drohnen zu zeichnen. In einer Nebenbemerkung fällt die traurige Feststellung, dass sich die Tötungsliste der Amerikaner innerhalb weniger Jahre von sieben Einträgen auf über zweitausend erhöht habe. Ungeachtet der Frage, ob diese Zahlen valide sind, symbolisieren sie doch die völlige Entfesselung dieses asymmetrischen, weltweiten Krieges. Die bedenklichste Entwicklung ist dabei das Töten via Joystick. The Drone Queen zeigt zu Beginn exemplarisch, welche verheerenden Folgen diese Form der Kriegsführung haben kann. Die Agentenserie verwandelt sich gerade in ein neues Format. Sollte die vierte Staffel aber so dicht erzählt und kritisch bleiben wie diese Episode, sieht es nach einem gelungenen reboot aus.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 6. Oktober 2014Homeland 4x01 Trailer
(Homeland 4x01)
Schauspieler in der Episode Homeland 4x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?