Heartstopper 2x08

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Heartstopper ist eine besondere Serie. Selten habe ich es erlebt, dass mir die zentralen Figuren so sympathisch sind wie hier. Das ist wahrscheinlich das größtmögliche Kompliment an Comic-Vorlagen-Autorin Alice Oseman, die auch die Drehbücher der Netflix-Serie schreibt, das man machen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein Kompliment an die Casting-Abteilung des Formats, denn sympathische Jungschauspieler wachsen nicht unbedingt auf Bäumen.
Was die Serie „Heartstopper“ sehenswert macht
Bereits die erste Staffel des queeren Formats war eine bingebare Überraschung, die die junge Liebe zwischen Nick (Kit Connor) und Charlie (Joe Locke) etablierte, während einige Hürden rund um das Coming-out und die sexuelle Selbstfindung genommen werden mussten. Die achtteilige zweite Staffel vertieft die Beziehung nun, findet aber auch wieder genügend Zeit für die fantastischen, charmanten Nebenfiguren, die Teil der größeren Clique sind.
Es gibt neben Nick und Charlie noch zwei weitere Pärchen mit relativ viel Screentime: die beiden besten Freunde Tao (William Gao) und Elle (Yasmin Finney), die schauen möchten, ob da mehr als Freundschaft ist, während Elle mit dem Gedanken spielt, an eine auf Kunst fokussierte Schule zu gehen, was jedoch womöglich wiederum bedeuten würde, weniger Zeit für Tao und Co zu haben.
Dann ist da noch das lesbische Pärchen Tara (Corinna Brown) und Darcy (Kizzy Edgell), die zuvor ein Musterbeispiel für ein Duo waren, das öffentlich zu ihrer Liebe steht. Aus zunächst unbekannten Gründen erwidert Darcy nicht das „Ich liebe dich“ von Tara. Allerdings erfahren wir zu Darcy, dass ihre Mutter nichts über ihr Privatleben weiß und sogar eine ziemlich hasserfüllte, homophobe Person ist. Das mündet schließlich in einer dramatischen Situation rund um den Abschlussball, in der Darcy von zu Hause rausgeworfen wird und Tara sie eine Weile nicht erreichen kann.

Nick muss sich derweil mit den Abschlussprüfungen beschäftigen und ebenso mit dem zurückgekehrten Bruder David (Jack Barton), der seine Privatsphäre gern mit Füßen tritt, dumme Machosprüche reißt und und deswegen von Nick am liebsten über Privates im Dunkeln gelassen würde.
Doch es kommt natürlich anders und bei einem Familienessen eskaliert die Situation ein wenig. Zudem wird Nicks französischer Vater Stéphane Nelson (Thibault de Montalembert) vorgestellt, der seine Familie in der Regel auch nur wenige Male im Jahr kontaktiert oder besucht. Weil nach den Prüfungen ein Trip in die Stadt der Liebe ansteht, probiert Nick von sich aus, seinen Erzeuger zu kontaktieren und will sich vor ihm outen, doch das Treffen ist zu kurz und das Outing wird auf besagtes Abendessen geschoben.
Charlie schleppt ebenfalls einige Probleme mit sich. Von den Erinnerungen an sein Mobbing und seine toxische, geheime Beziehung mit Ben, bis hin zu einer Essstörung, die sich durch die zweite Staffel zieht und ihn sogar im Louvre ohnmächtig werden lässt. Zwar kann er sich Nick anvertrauen, doch gerade das Thema Essen dürfte wohl in Zukunft noch einmal eine Rolle spielen...
„Heartstopper“ ist also keineswegs dramafrei, aber verpackt die Konflikte auf eine Art, die glaubwürdig ist, wobei aber der Zusammenhalt unter den Freunden stets für eine Balance sorgt, die das Herz schmelzen lässt. Manchmal läuft man jedoch Gefahr, so süß zu sein, dass man einen leichten Zuckerschock erleiden könnte...
Die Reise nach Paris und weitere Highlights der 2. Staffel der Serie „Heartstopper“

Überraschend schnell, aber relativ viel der zweiten Staffel findet während der Reise nach Paris statt, die wohlige Erinnerungen an eigene Klassenfahrten weckt. Hier fühlt es sich an, als könnte der Druck, den manche durch das Elternhaus empfinden, etwas von den Schultern genommen werden und die Figuren sich wohler in der eigenen Haut fühlen. Besonders Tao und Elle genießen die Kunstszene und den Vibe der Stadt. Es klappt zwar nicht alles auf Anhieb zwischen den beiden - vor allem ein Kinodate noch vor der großen Reise geht mächtig in die Hosen -, aber, wenn die Wellenlänge dann stimmt, dann so richtig und sie sind wirklich süß im Zusammenspiel.
Drama gibt es in Frankreich, etwa rund um Ben (Sebastian Croft), der inzwischen mit Imogen (Rhea Norwood) zusammen ist, aber sich ausgerechnet in Paris völlig lustlos und unmotiviert gibt, weswegen Imogen ihm auch bald den Rücken kehrt und lieber der LGBT-Crew anschließt. Insgeheim hat Ben auch noch ungeklärte Gefühle für Charlie, wobei dieser ihn, so gut es ihm möglich ist, meidet und schließlich auch recht deutlich abrechnet - trotz seiner Entschuldigung für alles, was er getan hat.
Vieles in der zweiten Runde von „Heartstopper“ ist einfach wunderbar „Slice-of-Life-ig“, das heißt, es macht einfach große Freude, den Alltäglichkeiten der Charaktere zuzuschauen. Ob das nun der Schulalltag, die Prüfungen, die Reise und das Abhängen im Hotel oder aber eine Übernachtungsparty und natürlich der große Schulball ist. Acht Episoden sind da fast schon zu wenig pro Staffel, aber glücklicherweise ist eine dritte Staffel bereits mitbestellt worden.
Müsste ich ein kleines Detail kritisieren, dann dass gefühlt jeder Charakter, der gezeigt wird, eine queere Ecke hat, denn irgendwann werden selbst die Lehrer Mr. Farouk (Nima Taleghani) und Mr. Ajayi (Fisayo Akinade) verkuppelt. Doch in typischer „Heartstopper“-Manier ist auch dieses Couple irgendwie sehr cute und man wusste vorher nicht, dass man sie shippen würde...
Zudem ist es ein wenig albern, wie untrennbar Isaac (Tobie Donovan) von seinen Büchern ist, aber irgendwie hat dieser Running Gag auch seinen Charme. An einer Stelle wird um ihn herum außerdem die Möglichkeit einer asexuellen Persönlichkeit diskutiert, was für diese Personengruppe sicherlich auch wertvoll sein kann.
Wie low level das Drama an manchen Stellen sein kann, demonstriert eine Storyline um einen Knutschfleck bei Charlie, der natürlich von Nick stammt. Da aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Beteiligten wissen, dass Nick bisexuell ist, gibt es dazu natürlich die eine oder andere Spekulation...
Fazit

„Heartstopper“ ist auch in seiner zweiten Staffel eine zeitgemäße Serie für die LGBTQI*-Crowd und alle allies, die Lust auf fantastische, charmante und zuckersüße Coming-of-Age-Stoffe haben. Die liebenswerten Figuren müssen zwar einige Hürden nehmen und vor allem im familiären Umfeld gegen Unverständnis kämpfen, aber die Freunde sind immer füreinander da. Dennoch trägt die Netflix-Serie hoffentlich dazu bei, dass einige sich über die eigene sexuelle Identität unsichere Menschen zumindest Denkanstöße und Hinweise ableiten können, die ihnen dann wiederum weiterhelfen können. Viereinhalb von fünf Herzen.
Hier abschließend noch der Originaltrailer zur zweiten Staffel der Serie „Heartstopper“ beim Streamingdienst Netflix:
Verfasser: Adam Arndt am Sonntag, 20. August 2023(Heartstopper 2x08)
Schauspieler in der Episode Heartstopper 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?