Hawkeye 1x03

© zenenfoto aus der Episode Echoes der Serie Hawkeye (c) Disney+
Wer bisher nicht von Hawkeye begeistert ist, dürfte es entweder nach dieser dritten Episode namens Echoes sein oder wird es wohl niemals werden. Denn die Macher packen alles hinein, was man sich wünschen könnte: eine packende Backstory zu einer „Schurkin“, super unterhaltsame Actionszenen, mehr von der Dynamik zwischen Kate (Hailee Steinfeld) und Clint (Jeremy Renner) und auch noch die eine oder andere Comicanspielung sowie mehr Bro-tastische Unterhaltung.
Echo
Wie schon im Auftakt gibt es wieder einen Flashback zu dem Beginn, der sich Zeit für eine Figur nimmt und ihre Hintergründe beleuchtet. Diesmal ist es Maya Lopez (Alaqua Cox), die wir zurück ins Jahr 2007 verfolgen, als sie in eine neue Schule kommt. Sie ist gehörlos, kann sich aber durch Lippenlesen helfen. So denkt ihre Lehrerin, dass sie nicht aufpasst, weil sie eben nicht auf die Tafel schaut, dabei kann sie die Aufgaben im Heft bereits selbstständig ausfüllen und dürfte somit mehr können als die Kameraden. Ihr Vater William Lopez (Zahn McClarnon) erklärt ihr, dass es finanziell nicht für eine spezielle Förderschule reicht. Ihm gelingt es, ihre Bedenken immer in etwas Positives zu drehen. Ihre Behinderung beispielsweise so umzumünzen, dass sie einzigartig ist. Er glaubt, dass eine normale Schulerziehung besser für sie sein könnte, weil sie so in beiden Welten eintauchen und wandeln kann. Allerdings wird sie weiterhin mit ASL (American Sign Language) kommunizieren müssen. Neugierig ist und bleibt Maya trotzdem und lernbegierig ebenso. Ähnlich wie Kate nimmt sie seit früher Jugend am Kampfsportunterricht teil und kann es dort natürlich mit jeglichem Gegner aufnehmen. Mayas Vater erwähnt außerdem einen Onkel, der sie abholen wird.
Wenn man die „Origin-Story“ aus den Comics kennt, die einst von David Mack erdacht wurde, dann weiß man, dass Mayas Hintergründe eng mit einem gewissen Wilson Fisk verbunden sind, der in Daredevil von Netflix bekanntlich von Vincent D'Onofrio gespielt wurde. Man sieht hier nur kurz ein weißes Jacket, das man auch bei Fisk sehr oft sah. Die Gerüchteküche brodelt, ob es ein Wiedersehen mit ihm gibt. Es wäre sicherlich eine kleine Sensation und schöner Fanservice, denn D'Onofrio gilt abseits des Kino-MCU als einer der besten Marvel-Schurken der letzten Jahre.

Maya ist übrigens nicht nur gehörlos, sondern hat auch ein künstliches Bein. Marvel bemüht sich zuletzt immer mehr um Inklusion aus diesem Bereich und hat neben Makari (Lauren Riddloff) aus „Eternals“, Clint Barton, der aber eher schwerhörig denn gehörlos ist, wie er in dieser Folge selbst sagt, und natürlich auch den blinden Matt Murdock (Charlie Cox) immer mehr Figuren, die solche körperlichen „Handicaps“ abbilden. Zudem kommen langsam, aber sicher auch immer mehr Charaktere mit vielfältigen kulturellen Hintergründen dazu und auch LGBTQI+-Figuren, so dass sich die jeweiligen Gruppen angesprochen und repräsentiert fühlen können. Mehr ist natürlich immer möglich, aber der Anfang ist gemacht.
Fly Away Little Dragon
Innerhalb des Echo-Flashbacks sehen wir zudem, warum Maya so schlecht auf Ronin zu sprechen ist. Denn eine Person im Ronin-Kostüm, von der wir noch nicht unumstößlich wissen, dass es Clint ist, bringt bei Fat Man Auto Repair (eine weitere Kingpin-Anspielung) die Anwesenden um, darunter auch Mayas Vater, der sie aber bittet, dass sie dem Angreifer nicht sofort nachläuft. Genug Grund zum Hass auf einen Ronin hat sie. Nur: Ist es wirklich Clint?
Ich mag den Flashback als schnelle „Origin-Story“ sehr gerne und bin sogar von manchem Moment ergriffen. Wenn man als Comickenner vielleicht eines vorwerfen kann, dann wie konventionell das alles dargestellt wird, denn Macks Echo-Story ist eigentlich ein bunter visueller Teppich an Kollagen, Mixed-Media, Gedichten und Versatzstücken, der für so ein Mainstreamwerk aber vielleicht auch etwas aus dem Nichts gekommen wäre. Dafür ist ja bereits eine Echo-Serie angekündigt, die tiefer in solche expressionistischen Experimente eintauchen kann.
Ein wenig mehr dazu und eine Besprechung der ersten beiden „Hawkeye“-Kapitel könnt Ihr außerdem in unserem Podcast anhören, Bro!
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Imagine Dragons
Kate und Clint sind bei der Tracksuit-Mafia in Gefangenschaft und werden auf Kinderfahrgeschäften festgebunden, die man aus Supermärkten kennt und die per US-Quarter betrieben werden. Clint ist etwas enttäuscht über Kates Erscheinen, weil er eigentlich kurz davor war, einen Namen zu erfahren, der ihm bei seiner Recherche weitergeholfen hätte. Kate bleibt derweil gesprächig und redet mit einem Bro über Tickets für Imagine Dragons, die er als verfrühtes Weihnachtsgeschenk für die Freundin besorgt hat, welche aber nun mit ihrer Schwester hinwill. Trotz der Gefangenschaft hat Kate Beziehungstipps für den Bro übrig, die der sich gerne notieren will. Der Chef-Bro findet hingegen, dass Kate etwas zu viel labert, doch dann zeigt sich Echo und will Infos von Clint über Ronin.
Der muss sie enttäuschen, dass er kein ASL beherrscht. Allerdings verteidigt er Kate, weil sie nichts mit dem früheren Ronin zu tun hat, ohne sich selbst zu belasten. Denn die Öffentlichkeit weiß nicht, dass er einst Ronin war. Kate hat aber eben nur zufällig durch die Auktion das Kostüm getragen, auch wenn einige Indizien anders aussehen für Maya...
Clint meint, dass Ronin tot sei und behauptet, dass Black Widow (Scarlett Johansson), die bekanntlich ebenfalls tot ist, ihn erledigt habe. Er wisse das, weil er dabei war. Das alles reicht Maya allerdings nicht und so würgt sie Kate, was Kazi (Fra Fee) nicht gutheißen kann, denn der Boss mahnt zur Vorsicht. Clint kann seine Fesseln lösen und entkommen, so dass die Bros ihre Aufmerksamkeit auf ihn lenken.
Die Basis ist übrigens eine alte KB-Toys-Filliale, die voller altem Spielzeug steckt und so wieder eine schöne Mischung aus Jackie Chan-Action, „Kevin - Allein zu Haus“ und Parkour im Marvel-Stil ermöglicht. Der Kampf zwischen Maya und Clint ist sehr gut und abwechslungsreich inszeniert, ebenso wie anschließende set pieces. Maya greift recht schnell Clints Schwachstelle an, das Hörgerät, was sie im Verhör bereits kritisiert hatte. Trotzdem findet Clint bald einen Bogen und kann Echo mit zwei Pfeilen kurz an der Wand fixieren.
Wenig später schießt Clint Kazi ans Ohr und gleichzeitig Kate frei, so dass sie auch eingreifen kann. Eine Ballgrube, ein Einkaufswagen, Regale und zahlreiche Trickshots machen früh klar, dass die Action dieser Folge volle fünf Sterne verdient. Und das war noch längst nicht alles, denn es gibt anschließend noch eine sehenswerte Verfolgungsjagd im Auto durch New York.
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Trust a Bro

Los geht es hier mit einem Trackingshot, der direkt Lust auf mehr macht. Denn Kate und Clint schließen ein Auto kurz, das der kaum etwas hörende Clint lenkt und dabei Kate seine Trickpfeile zur Verfügung stellt, aber nicht labelt, welcher für was zuständig ist. Die ganze Sequenz ist einfach herrlich und überaus unterhaltsam, denn es kommen ein Play-Doh-Pfeil, ein Saugnapf, ein Netzpfeil, ein explosives Geschoss und auch Säurepfeile zum Einsatz. Das Highlight ist aber der Pym-Pfeil, der riesig werden kann. Maya und Co sind teilweise sehr nah an den beiden Hawkeyes dran, doch es gibt immer ein weiteres Ass im Köcher und selbst ein Saugnapf-Pfeil kann den Tag retten, denn so einer ermöglicht die Flucht in die U-Bahn.
Ob man die Szenenfolge nun als eine oder zwei sieht, ist Auslegungssache - es macht gleichzeitig die actionarmere zweite Folge sofort wieder wett. Ich würde sogar sagen, dass das von den MCU-Serien des Jahres vielleicht sogar neben dem Eröffnungssegment von The Falcon and the Winter Soldier meine liebste Actionszene ist. Die kurzweiligste ist es allemal. Zudem hilft das Kate und Clint dabei, dass der gegenseitige Respekt noch mehr steigt, denn Kate ist wirklich gut mit ihrem Bogen, was Clint spätestens hier klarwerden dürfte. Und natürlich liegt beiden der Hund am Herzen...
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Hawkear?

Clint ist gehandicapt und kann bei einem Anruf nicht wie gewünscht reagieren. Er denkt, es wäre seine Frau, doch es handelt sich um seinen jüngsten Sohn Nate, der ihn vermisst und wissen möchte, ob er es zur Movie Night schafft. Kate muss per Notizen übersetzen, so dass er mit leichter Verzögerung auf den Sohn reagieren kann. Eine Szene, die mir überraschend ans Herz ging und zeigt, dass Kate natürlich ebenfalls ein guter Mensch mit schneller Improgabe ist - auch auf zwischenmenschlicher Ebene.
Man kann Clint alias Hawkeye natürlich als den Avenger wahrnehmen, der der uninteressanteste ist und ich verstehe völlig, wenn man mit der Familiengeschichte vielleicht wenig anfangen kann. Aber ich finde, die Serie von Disney+ eignen sich hervorragend dafür, um solche Figuren aufzubauen und Sympathien für sie zu vergrößern. Clint als Familienmensch ist ein schöner Gegenpol zum kaltschnäuzigen, distanzierten Hawkeye, der unter Techno-Milliardären, Supersoldaten, Wutmonstern und Donnergöttern eben doch seinen Mann stehen kann, was eigentlich Respekt bringen sollte - auch wenn Kate sich später eine Witztextnachricht nicht verkneifen kann. Immerhin gehen sie zu einer Ärztin und besorgen eine Ersatzhörhilfe und kümmern sich um Pizza Dog.
Beim Kräftetanken im Restaurant erwähnt sie wieder das Marketing- und Imageproblem von Clint als Hawkeye. Er findet ihre Leidenschaft gut, aber warnt auch vor Opfern und Verlusten, die das Heldendasein mit sich bringt. Kate designt ein Kostüm, das stark nach dem klassischen Comicdesign aussieht, doch das wird gnadenlos abgelehnt, denn in den 20 Jahren als Held war es sein Gebot, möglichst unauffällig zu sein.
Kate ahnt ebenfalls nicht, dass Clint einst Ronin war und denkt, dass seine Geheimnistuerei darauf basiert, dass es jemand ist, den er kannte. Ich halte - das möchte ich vor Episode vier mal festhalten - es nicht für ausgeschlossen, dass vielleicht Yelena (Florence Pugh) auch mal im Kostüm steckte... Denn sie hat laut Post-Credits-Szene in „Black Widow“ ebenfalls Clint im Visier, weil Valentina behauptete, dass er für Natashas Tod verantwortlich zeichnet.
Clint hat aber noch andere Gründe neben dem Nichtauffallen für ein unauffälliges Kostüm: Seine Frau würde sich wohl scheiden lassen und er sieht sich nicht als Vorbild für irgendwen. Doch genau das verneint Kate, weil er ihre Inspiration ist.
Wer zieht die Fäden?
So tragen Kate und Clint also alles, was sie wissen, zusammen und sie versuchen herauszufinden, ob es Verbindungen gibt. Etwa zwischen dem Mord an Armond und der Ronin-Auktion sowie zwischen Jack (Tony Dalton) und dem Butterscotch. Clint glaubt nämlich, dass Maya nicht der Boss hinter allem ist. Also schaut man bei Eleanor (Vera Farmiga) im Penthouse vorbei, in welchem Kate Zugriff auf die Systeme von Bishop Security hat. Man findet dort etwas über Kazi, aber bei der Suche nach Jack wird sie aus dem System geworfen und schon bald tritt dieser auch selbst in Erscheinung und hält Clint ein Schwert an die Halsschlagader...
Echo scheint derweil darauf versteift zu sein, mehr über Ronin zu erfahren, auch wenn das Crewmitglieder kostet. Kazi versucht, ihr das klarzumachen, denn ihrem Vater war die Crew und ihr Wohlbefinden immer immens wichtig. Doch sie verdeutlicht ihm, dass sie das Sagen hat und will mehr über Clint Barton in Erfahrung bringen, auch wenn es dabei Kollateralschäden gibt.
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Fazit

Allein für die Action könnte man dieser Folge von Hawkeye schon fünf Sterne geben, doch auch die Charaktermomente und Mayas Hintergrundstory tragen dazu bei, dass mir die Episode ausgesprochen gut gefallen hat. Vor allem die Trickpfeile und die Befreiungsszene sind extrem unterhaltsam, während Clints Telefonat ans Herz geht. Ich lasse noch etwas Luft nach oben, aber meiner Meinung nach haben wir es hier mit einer sehr guten Episode mit herausragender Stunt- und Actionarbeit zu tun.
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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 1. Dezember 2021Hawkeye 1x03 Trailer
(Hawkeye 1x03)
Schauspieler in der Episode Hawkeye 1x03
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