Hawkeye 1x02

© zenenfoto aus der Hawkeye-Episode Hide and Seek (c) Disney+
Da sind wir schon wieder. Wie bereits angekündigt, wird es hier bei SERIENJUNKIES.DE® Hawkeye-Reviews geben. Und da es zum Auftakt gleich zwei Folgen zu sehen gab, habe ich beschlossen, dementsprechend auch zwei separate Reviews zu schreiben. Weiter geht es also mit der Episode Versteckspiel, die direkt an der ersten ansetzt und Clint (Jeremy Renner) mit Ronin aka Kate Bishop (Hailee Steinfeld) zeigt. Diese demaskiert er und stellt dabei fest, dass sie eine blutjunge Anfängerin ist. Sie macht zwar seit sie fünf ist Martial Arts (und Spider-Man dürfte als Highschoolschüler deutlich jünger sein als sie), aber das hält Clint nicht davon ab, einige Scherze aufgrund ihres Alters zu machen.
Diese zweite Episode gibt uns weitere Infos zu den Figuren, etwa dass sie 22 Jahre alt ist und ein ziemlicher Hawkeye-Nerd, was man an der Einrichtung ihrer Bude über dem Pizzaladen sieht, in welchem Lucky auf sie wartet. Sie meint selbst stolz, dass manche sie „beste Bogenschützin der Welt“ nennen und sie hätte gerne ein Autogramm vom echten Hawkeye. Das banter zwischen den beiden gefällt mir hier meistens sehr gut und kommt der Comicdynamik nahe, wobei Kate in der Reihe von Fraction und Aja schon etwas länger im Geschäft und Clint eher der von sich selbst überzeugte ist. Entsprechend wurde Clint Barton in diesem Run auch gerne mal statt „Hawkeye“ zu „Hawkguy“.

Clint erzählt derweil von der Tracksuit-Mafia, mit der er als Ronin wohl schon Bekanntschaft gemacht hat. Er versucht, ihr nebenbei seine Abschüttelungstaktiken beizubringen - doch vergebens, denn die Bros sind da und werfen ihre Molotowcocktails durch Kates Fenster. Ein Schuss auf den Feuerlöscher hat leider nicht ganz den löschenden Effekt und das Apartment brennt. Es ist zunächst wichtiger, Lucky zu retten als das Ronin-Kostüm und so ergreift das Duo die Flucht. Glücklicherweise hat Kate noch einen Zweitwohnsitz der Tante, in welchem sie unterkommen kann (oder einbricht). Wunden werden versorgt und die weitere Taktik besprochen.
Kate ist jedenfalls gut im Durchwieseln, denn ins Gebäude, in welchem die Namensschilder einfach immer wieder mit neuen Stickern überklebt werden, kommt sie mit einem guten alten Pizzatrick. Die Charakterisierung passt für mich und sorgt für einige witzige Dialoge zwischen Trainee und Mentor, der aber keine große Lust auf den Hawkeye-Azubi hat. Immerhin zeigt Clint ihr dann, wie man eine Wunde richtig reinigt, damit sie sich nicht entzündet. Später verkleidet er sich als Feuerwehrmann und schaut in der verkohlten Bude nach dem Anzug, doch der ist weg. Immerhin weiß Clint, wo er suchen muss und findet den Sticker der NYC Larpers.
Hawkeye (Aja, Fraction, et all) - Megaband
FamilyGuy und LARPGuy

Clint merkt, dass ihn die Sache noch länger beschäftigen wird und so schickt er seine drei Kinder allein und vorab auf den Weg zurück zu Mom, verspricht aber, pünktlich zu Weihnachten wieder da zu sein. Tochter Lyla merkt am ehesten, dass ihr Dad etwas verbirgt, weil er leichte Blessuren im Gesicht hat. Witzig ist zudem, wie die Kinder darum wetteifern, wer eigentlich das Sagen hat, doch am wichtigsten ist es, den Kleinsten, nämlich Nate nicht irgendwo zu verlieren...
Die beiden Hawkeyes verbringen etwas Zeit auf dem Times Square, auf welchem wir in einer kurzen Montage mehr zu dem Thema sehen, warum Clint ein Hörgerät benötigt. Denn zahlreiche Explosionen haben Spuren hinterlassen... Kate glaubt, dass er ein kleines Imageproblem hat und deswegen seine Eigenvermarktung etwas leidet. Doch der Familienmensch hat gar kein großes Interesse daran, das zu ändern, er mag es sogar, unter dem Radar der Öffentlichkeit zu fliegen. Kates Frage nach Trickpfeilen (ohnehin eher was für DC-Kollegen Green Arrow...) wird abgeschmettert, dafür aber Nummern getauscht. Allerdings gibt es den Kontakt nur für Notfälle, was Kate natürlich nicht ganz ernst nimmt. Doch welche 22-Jährige telefoniert wirklich so gerne? Das ist vielleicht das bisher Unrealistischste an der Serie...
Auch hier sind die Dialoge zwischen den beiden, in meinen Augen, wieder herrlich gelungen und ich mag die Dynamik recht gerne.
Per Zufall findet Clint dann ein Video von jemandem, der mit dem Ronin-Anzug posiert und beim großen Playdate der Larper glaubt er, fündig zu werden. Doch, weil hier viele Cops und Feuerwehrmänner ihren „Live Action Roleplaying“-Eskapimus ausleben können, darf er nur mitmachen, wenn er mitspielt, was er dann wiederum widerwillig tut, dabei aber seine persönlichen Daten nicht herausgibt.
Insgesamt eine schöne Szenenfolge, wie ich finde, an der ich durchaus Spaß hatte - besonders die Sprüche zu Thanos oder den Geräuschen der Schwerter, die manche beim Kämpfen machen. Das Highlight ist aber ohne Frage die Dekonstruktion einer typischen Superheldenkampfszene, als sich Clint durch die Larper „schnetzelt“. Mit dem LARPer, der das Ronin-Kostüm hat, einigt sich Clint auf einen Showkampf, den er dann verliert, damit er das Dress wiederbekommt und es scheint trotz der ernsten Miene auch Spaß gemacht zu haben, wie er ihm anschließend verrät. Denn warum sonst würde er ihm seinen echten Namen verraten und quasi das Du anbieten. Seine Frau warnt Clint, dass er später nachkommt und ein paar alte Tricks probiert, um der Tracksuit-Mafia auf die Spur zu kommen, darunter auch der Lieblingstrick von Natasha (Scarlett Johansson), namens „Catch and Release“.
En garde!

Über Kates Familie erfahren wir diesmal, dass Mutter Eleonore (Vera Farmiga) eine Firma namens Bishop Security betreibt, in der auch Kate nach dem Studium anheuern soll. Als sie mit ihrer Mom sprechen will, ist Jack (Tony Dalton) da und ermöglicht so kein Vier-Augen-Gespräch. Er meint, dass er ein Buch gelesen habe, um ein besserer Stiefvater zu sein. Einer der besten Kate-Sprüche ist dabei subtil, aber für mich sehr witzig: „Money well spent, Jack!“
Es sollte beim Anschauen von Hawkeye jedem klar sein, dass man wegen der Figuren einschaltet - und Kate als Nachwuchsbogenschützin passt gut in das humorige Marvel-Universum, das auch viele Fans hat. Wer es gerne ernster hätte, wird wahrscheinlich nicht abgeholt. Allerdings sind auch die Marvel-Comics, seit Joe Quesada übernommen hat, in diesem Ton unterwegs und noch viel mehr seit dem „All-New, All Different“-Reboot unter „Marvel Now!“.
Als Kate nicht auf den Nur-Notruf-Gesuch von Clint hört und ihm Textnachrichten schickt, wird sie von einem Polizisten angerufen, der mehr zum Wohnungsbrand wissen möchte. Dies löst sie mehr oder minder geschickt und zieht sich irgendwie aus der Affäre, ohne sich selbst zu belasten oder sich als Helden-Azubi zu outen.

Etwas später steht ein Familienessen an. Jack stellt sich nämlich auch noch als guter Koch heraus, der weiß, worauf es beim Risotto ankommt. Kate kann nicht anders, als in den Analyse- und Ärgermodus zu gehen. Denn sie hat den Verdacht, dass Stepdad Jack etwas verbirgt. Was sollen die Schwerter? Also provoziert sie einen kleinen Fechtkampf, bei dem Jack sie mehrfach punkten und schließlich gewinnen lässt und dabei einige Sprüche klopft. Einen ernst gemeinten Angriff kann er dennoch abwehren.
Kate hatte gesehen, dass Armand wohl durch ein Schwert zu Tode kam und auch das Butterscotch-Bonbon (eine Sorte, die Armand ihr vorher angeboten hatte) bringt sie aus der Ruhe, so dass sie Clint Bescheid geben möchte. So clever Kate manchmal ist, so auffällig ist ihr Verhalten aber auch an anderer Stelle. Der überstürzte Ausbruch, aber auch der Mutter gegenüber alles, was sie weiß, herauszuposaunen könnte sich noch rächen. Mal abwarten. Comicfans sind von Eleonore durchaus auch andere Seiten bekannt...
Bro...
Clint lässt sich, wie geplant von der Tracksuit-Mafia fangen, will aber eigentlich mit dem Hintermann reden, also dem Manager. Doch die Bros wollen oder dürfen dieses Treffen nicht gewähren, ehe sie Kate Bishop haben. Witzig sind hier die Sprüche rund um die Herausforderung, eine gute alte, verlassene Lagerhalle zu finden, die noch nicht zur sanierten Luxusbude in NYC gemacht wurde und natürlich, dass die Fesseln Clint nicht lange beschäftigen. Kate kann im Taxi, nachdem sie Clint doch mehrfach anruft, sein Handysignal mit der Bishop-Software tracken und seine Spur aufnehmen. Krachend taucht sie also doch auf und wird ebenfalls gefesselt.
Derweil gibt einer der Bros dem Manager das Zeichen, dass beide Hawkeyes vor Ort sind. Die Person sieht verdächtig nach einer gewissen Echo (Alaqua Cox) alias Maya Lopez aus, denn der Tracksuit-Bro muss mehrfach sagen, was seine Botschaft ist, damit sie es von seinen Lippen ablesen kann. Aber dazu nächste Woche mehr. Vielmehr will ich zur Figur noch nicht vorweggreifen.
Fazit
Die zweite Hawkeye-Folge hat mir wegen der Duodynamik besser gefallen als das Debüt, weswegen es wohl gut war, beide in einem Schwung zu bringen. Nimmt man mal den Molotowangriff heraus, verzichtet man diesmal auf eine große Actionszene, was aber gar nicht so wild ist, weil es diesmal um Charaktervertiefung geht. Nach zwei Folgen ist trotzdem noch nicht ganz klar, wohin die Reise geht oder was die Tracksuit-Bros wollen. Da sollten vielleicht ab der dritten Folge mehr Hintergründe geliefert werden.
Am meisten profitiert jedenfalls bislang Steinfeld von der Serie, die bestimmt einige Fans gewinnen wird. Bei Clint ist und war es immer schon schwer, Zuschauer von ihm zu überzeugen - und es ist bisher auch wohl eher mittelprächtig gelungen. Sein Status als Familienmensch wird hier gerne ausgeschlachtet, der trotzdem immer auch am Retten des Tages (und der Welt) beteiligt ist und beides in einem Köcher unterbringen will.
Steinfeld als Kate Bishop ist, ihrer Comicvorlage entsprechend, eine witzige, freche und fähige Ergänzung zu dem etablierten Marvel-Canon. Ihr Nerdtum ist zwar noch längst nicht so ausgeprägt wie bei einer Ms. Marvel, die 2022 auf uns zukommt, aber ich finde es spannend, dass das MCU nun in einem Status quo ist, in welchem die Avengers eine neue Generation inspirieren können. Das war viele Jahre lang ein Markenzeichen der DC-Comics, bei welchen das Thema legacy aka Vermächtnis (siehe Teen Titans, Justice Society of America oder zahlreiche Nachkommen und Sidekicks) viel stärker war als auf der anderen Straßenseite bei Marvel.
Doch mit WandaVision, The Falcon and the Winter Soldier, „Black Widow“, Loki und nun auch Hawkeye sowie der an anderer Stelle bereits erwähnten Zusammenstellung der „Young Avengers“ (und auch der Thunderbolts oder Dark Avengers) ist es nur logisch, dass das in Phase vier - mehr als zehn Jahre nach „Iron Man“ und mit 26 Filmen und einer Handvoll Serien auf dem Buckel - der nächste Schritt ist. Interessant wird es dann vor allem zu sehen sein, welche Helden der ersten Generation sich auch tatsächlich zur Ruhe setzen. Bisher sieht es vor allem nach „Iron Man“ Tony Stark Robert Downey Jr.) und „Captain America“ Steve Rogers (Chris Evans) aus, die jedoch auch Nachfolger in petto haben.
Abschließend bleibt zu erwähnen, dass ich nach wie vor großer Fan der wöchentlichen Veröffentlichung bin, weil man so mehr von der Serie und der Diskussion darüber hat, statt einfach zu bingen und zu vergessen.
Hawkeye: Teaser Trailer - Avenger Arrives
Hier abschließend noch ein Teasertrailer zur Serie „Hawkeye“:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 24. November 2021(Hawkeye 1x02)
Schauspieler in der Episode Hawkeye 1x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?