Haven 3x05

In den 1990ern gab es mal eine Serie deren Slogan lautete „...da hörte ich auf an das Gesetz zu glauben und fing an an die Gerechtigkeit zu glauben!“ In Haven kann so was ungeahnte Konsequenzen haben...
...vor allem, da Justitia bekanntlich eine Frau ist!
Der eine oder andere erachtet es sicher als ausgleichende Gerechtigkeit, wenn einem Spanner plötzlich die Augen mit einem Eislöffel entfernt werden, oder eine, ihr Baby schüttelnde Mutter, mit multiplen Knochenbrüchen im Krankenhaus landet.
Wenn aber Duke (Eric Balfour) nach einem fulminanten Plädoyer gegen seinen Strafzettelberg von einer kriegerischen Blondine (Katriina Isberg) die Reifen aufgeschlitzt werden und sein Wagen ein neues Dekor bekommt, dann fühlt man doch eher Mitleid aufkeimen. Vor allem angesichts seiner charmanten und bravurös formulierten Fassungslosigkeit.
Als diese, Göttinnen gleiche Dame ihm jedoch einen zweiten, nicht unverdienten Besuch abstattet, der nicht mehr so glimpflich abläuft, gerät selbst unser cooler Crocker in Panik. Was wenn diese Gerechtigkeitsfanatikerin auch von seiner nicht ganz freiwilligen Sterbehilfe im Organraubfall Kenntnis hat?
Polizeischutz ist angesagt!
Und wer eignet sich dafür besser, als eine Trouble-resistente Audrey (Emily Rose), die ihn auf diese Weise gleich noch als Lockvogel missbrauchen kann. Nur, dass es meistens anders kommt als frau denkt.
Die gemeinsame Nacht der beiden zieht alle Register. Von bissigem Humor über subtiles Knistern, bis hin zu tiefer Freundschaft ist alles geboten. Und irgendwie stört da eine rachsüchtige Justitia, die nach einer vollen Ladung Schrot zwar in tausend Stücke zerspringt, sich davon aber nicht abhalten lässt, Duke noch kräftig eine mitzugeben.
Nate (Lucas Bryant) kämpft währenddessen mit ganz anderen Sorgen. Um bei den Wächtern Zugang zu bekommen - und damit vielleicht Audreys drohendes Schicksal zu verhindern - lässt er sich auf einen, zwar richterlich abgesegneten, aber mehr als zweifelhaften Deal ein. Die Verlegung eines Gefangenen. Als aus dieser dann eine Befreiungsaktion wird, ist er sogar gezwungen das Gesetz zu brechen, um Jordans (Kate Kelton) Leben zu retten. Alles aus Liebe. Nun ja, die Frage ist, für welche Frau.
Damit zurück zur Göttin!
Die ist eigentlich ein Golem - nein, nicht der Typ aus „Herr der Ringe“ - sondern ein aus Lehm oder Ton geformtes Wesen, das den Anweisungen seines Schöpfers folgt. Und der ist kein Geringerer als Havens Gerichtsschreiberin, Lynette (Amy Sloan), die es nicht mehr ertragen kann, Schuldige durch die Maschen des Gesetzes schlüpfen zu sehen.
Erst als Duke ihr in einem Moment der Selbstaufopferung die Grauzone zwischen Recht und Gerechtigkeit zeigt, erkennt sie ihre eigene Schuld und Justitia nimmt sie dorthin mit, woher sie gekommen ist.
War es das schon mit den Frauen?
Weit gefehlt, denn das Beste kommt zum Schluss. Als Audrey in einem Schreckensmoment erkennen muss, warum der Bozenschuss-Killer Körperteile sammelt. Er konstruiert damit eine Frau. Bleibt die bange Frage ... wen?
Fazit:
Team Duke? In dieser Folge definitiv!
Crockers Humor rettet diese, an sich schwierige Geschichte davor, mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. Dass Duke (Eric Balfour) an Audrey (Emily Rose) interessiert ist, dürfte schon seit der ersten Folge in Stein gemeißelt sein. Aber durch seine vorbehaltlose Akzeptanz, seinen rückhaltlosen Respekt und sein offensichtlich durch nichts zu erschütterndes Vertrauen, spielt er sich in dieser Folge zum ziemlich „Bester Freund“-Material. Und eigentlich wünscht frau sich, dass das auch so bleibt.
Nate (Lucas Bryant) hingegen kompensiert sein „Nicht-Fisch-nicht-Fleisch“-Verhältnis gegenüber Parker mit Geheimnissen, Vielleicht-Neu-Liebschaften und nicht unerheblichen Gesetzesbrüchen. Das könnte ihn nicht nur beruflich in Teufels Küche bringen, denn selbst frau hat nur eine bedingte Toleranzschwelle.
Und wenn die den, den sie haben will, nicht haben kann und den, den sie haben kann, nicht haben will, dann tröstet sie sich eben mit Frauengesprächen unter dem Deckmantel des Therapeutenmeetings.
Was der Zuschauer davon hat? Eine Folge, die alle Spielvarianten bedient, mit Witz und Dramatik befriedigt, ihre Handlungsstränge im Griff behält und einen Cliffhanger liefert, der Stephen King gerecht wird.
Danke Haven!
Verfasser: Tanja Paidar am Montag, 14. Januar 2013(Haven 3x05)
Schauspieler in der Episode Haven 3x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?