Harley Quinn 1x01

© ie schlägt sich Harley Quinn als Protagonistin ihrer eigenen Zeichentrickserie? (c) DC Universe
Harley Quinn hatte ihren Ursprung nicht in den „Batman“-Comics, sondern in einer Folge der viel gelobten und preisgekrönten Zeichentrickserie Batman - The Animated Series. In der 22. Folge aus der ersten Staffel mit dem Titel „Joker's Favor“ konnte man die Figur zuerst sehen, die sich dann ihren Weg in die Comics, Videospiele und 2016 auch via „Suicide Squad“ und Margot Robbie ins Kino bahnte. 2019 schließt sich der Kreis allmählich und Harley Quinn ist der Star ihrer eigenen Zeichentrickserie bei DC Universe. Darin wird schon in den ersten Sekunden klar: Die Serie ist nur für Erwachsene. Sprachlich und inhaltlich wird nämlich kein Blatt vor den Mund genommen, es wird geflucht wie selbstverständlich. Offene Knochenbrüche und explodierende Gedärme gehören zur Normalität und auch das Blut fließt in rauen Mengen.
Es ist inzwischen auch fast schon so etwas wie das Alleinstellungsmerkmal von DC Universe geworden, die sonst zurückhaltenden DC-Figuren aus den Comics in extremen TV-Versionen zu zeigen wie man an Titans, Doom Patrol oder Swamp Thing sehen konnte. Harley Quinn bildet also keine Ausnahme. Und auch auf die Gefahr hin, wie ein alter Mann zu klingen: Ich finde das im ersten Moment oft etwas gewöhnungsbedürftig. Schließlich wurde ich inzwischen rund 25 Jahre damit sozialisiert, dass gewisse inhaltliche und sprachliche Tabus bei DC in der Regel nicht überschritten werden. Aber inzwischen nimmt man sich eben immer wieder gerne die Freiheiten, das zu tun. Für die Figuren rund um Harley (Kaley Cuoco) und Gothams Unterwelt passt das allerdings auch in meinen Augen besser als bei manch anderem Beispiel. Ist die Vorlage schon entsprechend ausgelegt, wie zum Beispiel bei Doom Patrol oder Swamp Thing, dann kann ich das leichter hinnehmen als bei den „Teen Titans“ oder „Batman“ und Co, die plötzlich mit „F-Bombs“ um sich werfen.
Warum geht es im Auftakt von Harley Quinn?

Die Auftaktfolge erzählt, wie sich Harley von ihrem partner in crime Joker (Alan Tudyk) über mehrere Umwege und einen langen Aufenthalt im Arkham Asylum emanzipiert. Zunächst will sie sich nicht eingestehen, dass er sie nie wirklich geliebt und sie nur ausgenutzt hat, aber ihre Freundin Poison Ivy (Lake Bell) und andere Insassen versuchen, ihr immer wieder die Augen zu öffnen. Erst, als Ivy mithilfe des Riddlers (Jim Rash) ihr die Augen öffnet, sieht sie ein, dass es Zeit ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Natürlich will der Clownprinz des Verbrechens sie gerade dann nicht ziehen lassen, aber sie kämpft sich dennoch durch, zerstört sein Hauptquartier und seine Handlanger und will nun selbst zur Topschurkin in Gotham City aufsteigen.
Nur für Erwachsene
Inhaltlich ist die Serie, wie schon angedeutet, nichts für Kinder. Das angedachte Zielpublikum ist klar ein erwachsenes. Die Art und Weise, wie die Jokes vorgetragen werden, erinnert ein wenig an Archer, erreicht aber zumindest im Auftakt nicht ansatzweise die Genialität in Sachen Dialog, Wortwitz oder Tempo.
Die Sprecher machen allesamt einen soliden Job. Als Fan der früheren Harleys muss man sich vielleicht kurz an Cuoco gewöhnen und auch daran, dass sie nach vielen Jahren bei den Networks nun fluchen darf, aber das legt sich schnell und man hat akzeptiert, welche Serie Harley Quinn sein möchte. Irgendwie hat es tatsächlich auch etwas von einem Befreiungsschlag für die Schauspielerin. Sie passt jedenfalls ganz gut zu Harley.
Diedrich Bader darf nach „The Brave and the Bold“ wieder in die Rolle von Batman schlüpfen und ist zunächst wieder etwas ernster und düsterer unterwegs, was sich aber in den kommenden Folgen natürlich noch ändern kann. Tudyk hat scheinbar viel Spaß als Joker, haut mich auf Anhieb aber nicht um. Jim Rash als Riddler hat mir hingegen spontan sehr gut gefallen, weil die Figurenzeichnung und die Rivalität mit dem Joker schon einmal Spaß macht. Lake Bell als coole Poison Ivy mag ich ebenfalls recht gerne und ich freue mich, dass man die Freundschaft von Ivy und Harley wohl in den Fokus rückt. Gerade auch, wenn Ivy die bodenständigere Person ist, die aber auch mal eben mit nur einer Pflanze einen ganzen Aufstand im Gefängnis vom Zaun brechen kann. Insgesamt ist die Serie bis in die Nebenrollen mit exzellenten und passenden Stimmen besetzt.
Mad Love

Die Pilotfolge schafft es, die toxische Beziehung von Harley und dem Joker darzustellen, mit ihr zu brechen und das nächste Kapitel in Harleys Reise anzudeuten, auch wenn es einige Stolpersteine und Rückfälle gibt, ehe sie endlich einsieht, wie wenig er sich eigentlich um sie schert. Nun heißt es abwarten, ob sie analog zu den Comics wachsen kann oder doch immer wieder in Versuchung geführt wird.
Oft hatte ich beim Schauen und Zuhören der Dialoge den Eindruck, dass die Showrunner Patrick Schumacker und Justin Halpern (Powerless) einfach nur gerne über die Stränge schlagen wollten und möglichst viele Dialoge mit Schimpfwörtern untermalen wollten. Das fühlt sich etwas gezwungen an, aber man muss sicherlich noch Raum zur Selbstfindung lassen. Irgendwie muss man in den Zeiten von Peak TV auch die Aufmerksamkeit der Zuschauer erreichen und es gibt sicherlich einige davon, die auf einen DC-Zeichentrick dieser Natur gewartet haben.
Persönlich gefällt mir die frühere Inkarnation aus „Batman: The Animated Series“ besser als die aktuelle, aber ich scheine da eventuell in der Minderheit zu sein und die alten Auftritte in Serien und Comics nimmt mir letztlich ja auch niemand weg. Denn nicht umsonst gehört sie bei einer bestimmten Fangruppe zu den haushohen Favoriten und Harley Quinn hatte eine Zeit lang gleich mehrere Comicreihen bei DC parallel. Bisweilen erinnert Harley in jüngerer Vergangenheit etwas an DCs Antwort auf Marvels „Deadpool“, wobei in dieser Serie bislang noch wenig von einer Metaebene oder gar dem Bruch mit der Fourth Wall zu spüren ist, abgesehen von ihrem Gespräch mit ihrem früheren Ich auf einem Foto.
Fazit
Wenn sich jedoch eine DC-Figur für eine chaotische Cartoonserie eignet, in der „Looney Tunes“-Gewalt und die Schurkenriege Gothams mit einem R-Rating fusionieren, dann dürfte es tatsächlich Harley Quinn sein.
Auch wenn mich die Auftaktfolge nicht vollends überzeugen kann, so gibt es bei DC doch inzwischen genügend Serien, Filme oder Comics, die mir mehr liegen und ich wünsche allen Spaß, die diese Art von derber Zeichentrickserie schauen möchten. Den einen oder anderen Blick dürfte ich sicherlich auch riskieren, ich werde den Calendar Man nur nicht ständig fragen, wann die neue Folge erscheint...
Hier der Serientrailer zu „Harley Quinn“:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 2. Dezember 2019Harley Quinn 1x01 Trailer
(Harley Quinn 1x01)
Schauspieler in der Episode Harley Quinn 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?