Gute Freunde: Kritik der Pilotepisode der RTL+-Serie über den FC Bayern München

Gute Freunde: Kritik der Pilotepisode der RTL+-Serie über den FC Bayern München

Die deutsche Serie „Gute Freunde“ erzählt vom Aufstieg des Fußballclubs FC Bayern München. Darin begleiten wir die Bayern auf dem Weg von der Regionalliga an die Spitze, dargestellt anhand fünf namhafter Figuren des Geschehens. Den Start macht Gerd Müller.

Franz Beckenbauer (Moritz Lehmann) in der Serie „Gute Freunde“
Franz Beckenbauer (Moritz Lehmann) in der Serie „Gute Freunde“
© RTL / Jürgen Olczyk

Was geschieht, wenn ein Kölner Sender (RTL) ein Autorenteam beauftragt, das vor allem mit Berliner Szenegeschichten bekanntgeworden ist (HaRiBO: 4 Blocks, Kleo), um die Geschichte eines bayrischen Kulturguts (FC Bayern München) auf die Mattscheibe zu bringen? Das lest Ihr in unserem Review zur Pilotepisode der Serie Gute Freunde.

Wovon handelt die Serie „Gute Freunde“?

Zeitlich befinden wir uns in den 60er/70er Jahren, örtlich - natürlich - in Bayern. Dort befindet sich ein Fußballverein, der sich zu Höherem berufen fühlt als die Regionalliga. Der FC Bayern München, allgemein kurz als „die Bayern“ bezeichnet, will hoch hinaus. Raus aus der Regionalliga, rein in die Bundesliga, in die erste Reihe. Das alles wollen die Köpfe hinter dem Team in kurzer Zeit wahrmachen, denn es droht die Rückkehr des einstigen Vorsitzenden. Präsident Wilhelm Neudecker (Michael A. Grimm) und Manager Robert Schwan (Maximilian Brückner) haben nicht viel Zeit, aber viel vor.

Dazu kommen ihnen junge Nachwuchstalente gerade recht. Die müssen sie aber zunächst einmal anwerben. An Selbstvertrauen fehlt es dem angehenden Spitzenverein nicht. Das erleben wir direkt in der Pilotepisode, die auf den jungen Schweißer Gerd Müller (Markus Krojer) fokussiert ist. Sein Vater ist verstorben, seine Mutter kommt mit den beiden erwachsenen Söhnen gerade so über die Runden. Doch der Nördlinger hat eins für sich: Er hat 280, pardon, 180 Tore geschossen in der vergangenen Saison. Das ist auch den Bossen der großen Münchner Vereine nicht verborgen geblieben. Eines Nachmittags kündigen sich die Bosse von 1860 München an, doch mit Dreistigkeit und dem nötigen Kleingeld luchsen die Bayern dem Konkurrenten den Star kurzerhand ab. Gerd geht zu den Bayern. Punkt.

Dort angekommen muss er feststellen, dass man nicht gerade auf ihn gewartet hat. Zu pummelig, zu langsam, nicht fit genug. Aber Tore schießt er, heißt es aus der Chefetage. Doch, um über die Runden zu kommen, muss das junge Nachwuchstalent nach dem Training als Möbelpacker seine Kröten verdienen. Bis oben eine Lampe anspringt. Wer hoch hinaus will, der muss auch weit blicken. Die Spieler sollen sich auf den Sport konzentrieren können, es geht schließlich um den Aufstieg in die erste Reihe der Profis.

Die Marschrichtung ist klar, nun müssen „nur“ noch alle mitziehen...

Wie kommt es rüber?

Die aus der Feder des renommierten Autorenteams Richard Kropf, Bob Konrad, Hanno Hackfort sowie Nico Schulz-Dornburg stammende Serie unterhält gut, sicher auch Zuschauer:innen, die nichts mit Fußball zu tun haben. Durch die Episoden legt das Drehbuch das Augenmerk der Reihe nach auf fünf auch über die Sportwelt hinaus bekannte Persönlichkeiten: der „Bomber der Nation“ Gerd Müller, die Torwartlegende Sepp Maier, der Kaiser Franz Beckenbauer, der streitbare Paul Breitner und der geschäftstüchtige Uli Hoeneß.

In jeder Episode steht die Geschichte der Menschen in Vordergrund. Die außergewöhnliche Geschichte des Vereins dient als Katalysator persönlicher Entwicklungen und legt die Fallhöhe für Sieg und Niederlage fest.

Die Produktion knüpft auch für den Sender RTL an glorreichere Zeiten an, zumindest in gewisser Weise. Lange Zeit war das Programm bei RTL Pflicht für alle, die am nächsten Tag mitreden wollten. Die eigenproduzierten Serien und Filme behandelten relevante Themen, aber nie zu tief. Im Vordergrund stand immer die gute Unterhaltung. Ein bisschen so ist es nun auch. Denn die starke Vorarbeit des Sachbuchs „Gute Freunde: Die wahre Geschichte des FC Bayern München“ von Thomas Hüetlin merkt man der Serie an. Doch zu tiefgründig wird es dann letztlich auch nicht, der Fokus liegt auch hier merklich darauf, die Zuschauer:innen zu unterhalten.

Ob die Serie nun auch für den Effekt sorgt, zum Thema des Tages zu werden, bleibt abzuwarten. Vermutlich ist die Fernseh- und Streaming-Landschaft dazu doch zu vielfältig geworden und das Thema nicht flächendeckend genug. Bei einem so beliebten, aber auch kontroversen Verein wie dem FC Bayern München muss man nämlich auch einkalkulieren, dass viele mit Genuss nicht einschalten, wenn von seinem Aufstieg erzählt wird...

Wir kommen hierbei insgesamt auf dreieinhalb von fünf Fußbälle.

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