Grimm 3x10

Die Episode Eyes of the Beholder bringt einen weiteren Fall, in dem Wesen eine zentrale Rolle spielen. Doch auch auf der privaten Ebene der Figuren setzen die Grimm-Autoren sich endlich verstärkt mit dem Zusammenleben von Menschen und Wesen auseinander.
Der neue Charme
In der dritten Staffel haben die Grimm-Autoren endlich den ganz eigenen Charme der Serie entwickelt, den sie auch in der Episode Eyes of the Beholder gewinnbringend einsetzen. Dieses Besondere speist sich aus einer interessanten Mischung. Einerseits ist Grimm eine vergleichsweise seichte Serie, die schlimmen Dinge sind nie richtig tragisch, der Schmutz ist nie wirklich schmutzig und die Polizeiarbeit ist keine echte Polizeiarbeit, was nicht nur daran liegt, dass jeder Fall Wesen beinhaltet. Doch immer wieder scheinen kleine Momente durch, in denen die Autoren an der Realität kratzen, die man nicht unbedingt erwarten würde. Eine interessante Sache ist der schmale Grat zu Polizeimacht, manchmal sogar Gewalt. Wir haben in der Weihnachtsepisode ein Video gesehen, in dem Nick (David Giuntoli) und Hank (Russell Hornsby) auf einen Weihnachtsmann einschlagen und auch in dieser Episode drückt Saubermann Nick wieder einen unschuldigen Jungen zu Boden, der in Panik flüchtet. Das ist zwar keine Polizeigewalt, doch man kann die Angst seiner Schwester und ihre Überreaktion Hank gegenüber verstehen.
Auch die Szene der eigentlichen Tat geht ein bisschen darüber hinaus, was man von einer eigentlich so glatten Serie wie Grimm erwarten kann. Eine auf dem Boden kriechende, blutende Frau auf einem Parkplatz ist ein starkes, beängstigendes Bild. Das ist nicht in jeder Episode so. Oft schicken die Grimm-Autoren direkt Wu (Reggie Lee) als an den Ort des bereits geschehenen Verbrechens, um uns und die Detectives in die Sache einzuführen, was in der Regel zu amüsant ist. Und dann wieder zeigen sie Szenen wie diese erst.
Zusammenleben
Dass sie ihr Thema zwar beizeiten amüsant anfassen, aber mittlerweile nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen zeigen auch die beiden Plots um Hank und Juliette (Bitsie Tulloch) in der Episode Eyes of the Beholder. Die beiden notorisch unterbeschäftigten Figuren dürfen endlich ihren eigenen Zugang zur Wesenwelt entwickeln. Hank zieht dabei den Kürzeren und wird von Zuri (Sharon Leal) abgesägt. Eine Liebesbeziehung zwischen einem Menschen und einem Wesen ist eine neue Sache für uns und vielleicht haben wir Glück und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Probleme, die Zuri sieht, kann man noch nicht wirklich nachvollziehen, doch die Story um Juliette und besonders Rosalees Hinweise helfen schon etwas dabei.
Juliette bekommt mit ihrer neuen Wesenfreundin endlich etwas Eigenes zu tun. Das macht die zwischendurch unselige Figur der Grimm-Freundin schon mal generell interessanter. Sie versucht zu verstehen. Nachdem Nick in seine besondere Rolle gewachsen ist, sind es nun die Menschen Hank und Juliette, an deren Seite wir die Wesenwelt weiter erforschen können. Was Rosalee (Bree Turner) über ihre Vergangenheit offenbart ist spannend und dürfte gerne noch einmal Gegenstand der Ermittlungen sein. Auch was sie über ihre Identitätsfindung als Wesen erzählt, lässt uns weiter in diese unbekannte Welt vordringen. Durch Hank und Nick lernen wir Wesen oft in erster Linie als Gewalttäter kennen, hin und wieder auch als Verbrechensopfer. Doch den Alltag der Wesen, die keine Bösewichte sind, sehen wir nur selten.
Rosalee offenbart, dass es nicht einfach ist, die eigene Andersartigkeit als Wesen zu akzeptieren, dass nur wenige Menschen so offen reagieren wie Juliette und Hank. Vielleicht hat bisher eine solche Figur gefehlt, jemand, der uns vor Augen führt, wie viele Menschen auf Andersartigkeit reagieren. Doch dafür legen die Grimm-Autoren dann wohl doch zu viel Wert auf das Wohlfühlklima der Serie. Von Nick über Monroe (Silas Weir Mitchell) und Rosalee bis zu Wu sind alle Figuren sehr liebenswert. Selbst Renard (Sasha Roiz), der irgendwie immer noch an der Schwelle zum potentiellen Gegenspieler steht, weiß zu begeistern. Gegner wie Eric tauchen immer nur kurz auf und Adalind (Claire Coffee) ist mittlerweile mehr selbst Opfer als Bösewicht. Ganz abgesehen davon, dass sie in Portland im Moment absolut keine Rolle mehr spielt und auch ihre Abenteuer in Wien nicht wirklich viel Charakterarbeit anzubieten haben.
Ihren Hang zur Wohlfühlserie zeigen die Autoren auch mit der Juliette-Alicia-Story. Nachdem was wir von Rosalee gehört haben, kann man verstehen, dass der Wesen-Faktor zum Problem in einer Freundschaft werden kann. Diese Spannungen enthalten die Autoren uns auch nicht vor, doch statt das Problem auf emotional schmerzhafte Weise zu lösen, finden die Autoren einen relativ einfachen Ausweg: Um zu beweisen, wie sehr sie ihre Freundin liebt, bekommt Juliette die ideale Gelegenheit und verdrischt mutig den gewalttätigen Ehemann, was zur Versöhnung führt.
Gangprobleme
Der Kriminalfall der Woche läuft auch in der Episode Eyes of the Beholder wieder neben den eigentlich interessanten Dingen her. Mittlerweile wird es schon notorisch, wie wenig Wert die Serienautoren auf die Aufklärung der Verbrechen legen. Nick und Hank schnappen die Bösewichte fast jedes Mal, doch das geschieht meist in den letzten Minuten und interessiert eigentlich nicht mehr wirklich. Doch das Verbrechen der Gang liefert mehr als Ermittlungen, es ist ein cleverer Ausgangspunkt für die Storys um Hank und Rosalee.
Fazit
Die Episode Eyes of the Beholder greift ein interessantes Thema auf: Das Zusammenleben von Wesen und Menschen auf privater Ebene, abseits von Kriminalfällen. Das machen sie sehr gut.
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 11. Januar 2014Grimm 3x10 Trailer
(Grimm 3x10)
Schauspieler in der Episode Grimm 3x10
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