Government Cheese gibt mir mehr als einen Grund, die Serie zu bingewatchen

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Das passiert in der Serie „Government Cheese“
1967 irgendwo in den USA: Hampton Chambers ist ein Genie, aber vom rechten Weg abgekommen. Nach seiner letzten Gaunerei ist er im Knast gelandet, trifft dort aber auf einen Reverend, der ihn zum Glauben führt. Dank seiner neu entdeckten inneren Stärke gelingt es ihm, ein bahnbrechendes Werkzeug zu erfinden, doch die ersten Schritte in Freiheit gestalten sich denkbar schwer. Mühselig erarbeitet er sich allmählich das Vertrauen seiner Frau Astoria und der jugendlichen Kinder Einstein und Harrison. Sein Kumpel Manny ist keineswegs Manager bei der innovativen Firma Rocketcorp, sondern schwingt dort den Wischmopp.
Deshalb wird es auch mit dem angestrebten Job nichts, doch das ist nicht einmal sein größtes Problem, denn seine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis hat er ausgerechnet dem mächtigen Familienclananführer Claude Prevost zu verdanken. Zu allem Überfluss schuldet er diesem nun 2000 Dollar, die er innerhalb kürzester Zeit auftreiben muss, wenn er nicht irgendwo verscharrt auf der Farm der Prevosts enden will. Allerding gibt es selbst im größten Chaos noch einen Hoffnungsschimmer und Hampton ist nicht bereit, einfach aufzugeben...
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Government Cheese
Eine Serie den Titel eines unbeliebten, von der US-Regierung subventionierten Käses zur Stärkung der Milchindustrie zu geben, stellt selbst in der Welt des Fernsehens eine Besonderheit dar. Allerdings ist der Terminus Government Cheese, der auch den Serientitel bildet, zu einer Art geflügeltem Wort mutiert. Grundlegend negativ konnotiert, wird der Begriff heute auch mit unerwünschten Zuschüssen jeder Art oder allgemein mit Geld in Verbindung gebracht, das nicht unbedingt auf legalem Weg beschafft wurde.
Damit nähern wir uns auch schon dem Thema der auf dem Streamingdienst Apple TV+ online stehenden Dramedy-Serie an, denn im Kern geht es um den eigentlich genialen Ingenieur Hampton Chambers, der aber wegen diverser Gaunereien im Knast gelandet ist. Frisch entlassen benötigt er nicht nur Geld, um seiner von ihm enttäuschten Familie unter die Arme zu greifen und sich ihr Vertrauen zurückzuverdienen, sondern auch, um Schulden bei einem fiesen Gangsterboss zu begleichen.
Da steckt mehr dahinter
Das klingt zunächst vielleicht nicht sonderlich innovativ, ist aber ausgehend von der Pilotfolge mehr als nur eine weitere Gaunerkomödie. Die Serienerfinder Aeysha Carr und Paul Hunter stützen ihr Narrativ viel mehr auf einen Menschen, der trotz aller Widrigkeiten nicht erneut vom rechten Weg abkommen möchte und dabei eine Misere nach der anderen meistert. Das beginnt schon im Gefängnis, als ihm sein Zellennachbar rät, die Bibel zu lesen und Hampton dem Rat folgt. Er findet seinen Glauben und beginnt, ein vorbildliches Leben zu führen, bis er während einer provozierten Gefängnisrevolte aus Versehen seinen Freund ersticht.
Dennoch wird er vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, ahnt aber nicht, dass er dafür nun der mächtigen Verbrecherfamilie Prevost 2000 Dollar schuldet. Diese kann er allerdings nicht zurückzahlen, weil seine Frau das von Hampton ergaunerte Geld längst verbraucht hat. Zu allem Überfluss entpuppt sich sein Kumpel, der angeblich Manager bei einem großen Technologiekonzern ist, als Putzkraft, so dass er seine eigentlich sinnvolle Erfindung nicht an den Mann bringen kann. Mit anderen Worten geht so ziemlich alles schief, was nur schieflaufen kann. Während wir der erstklassig von David Oyelowo gespielten Hauptfigur folgen, erleben wir also manch aufwühlenden und dramatischen Moment, aber im gleichen Maß auch recht witzig inszenierte Szenen, die das eigentlich ernste Thema gekonnt auflockern.
Es ist was los
Der auch als Regisseur fungierende Paul Hunter achtet dabei darauf, die Balance zwischen Comedyserie und Dramaserie im Auge zu behalten und die Episode weder zu stark in die eine noch in die andere Richtung abdriften zu lassen. So ist der Einstieg in die Geschichte etwa denkbar locker gestaltet, während es Hampton bei seiner Familie alles andere als leicht hat. Dennoch ist auch hier für Abwechslung gesorgt, so dass man sich über die knapp 45 Minuten hinweg gut unterhalten fühlt.
Richtig spannend wird es, als Hampton erfährt, wem er seine vorzeitige Entlassung aus dem Knast zu verdanken hat. Wir erleben mit, wie skrupellos die Prevosts sind und wie der Protagonist dadurch in mehr als nur ernste Schwierigkeiten gerät. Irgendwie muss er unbedingt Geld auftreiben, wobei die Vermutung naheliegt, dass er sich gegen seinen Willen auf irgendeine Gaunerei einlassen muss, um die Schulden bei der Kartellfamilie zu tilgen.
Dennoch kann man jetzt schon sicher sein, dass auch sein Weg als Erfinder noch eine wichtige Rolle spielen wird. Das Interessante wird sein, herauszufinden, wie Hampton all diese Hindernisse meistert, ohne dabei wieder hinter Gittern zu landen und damit die Liebe seiner Familie endgültig zu zerstören.
Die Darstellenden
Abschließend werfen wir noch einen kurzen Blick auf den Cast. David Oyelowo ist inzwischen nicht nur bei Apple zu einer festen Größe geworden. Feierte der Mime noch bis Ende der 2010er Jahre überwiegend als Sprecher Erfolge (unter anderem: Star Wars Rebels), ist er seit seinem Auftritt als Javert in Les Miserables zunehmend in prominenten Rollen zu sehen, so zuletzt etwa im Serienknaller Silo oder als Lawmen: Bass Reeves.
„Government Cheese“ ist dem Vollblutschauspieler offensichtlich auf den Leib geschrieben und das merkt man seinem Spiel denn auch deutlich an. Oyelowo verleiht seiner Figur einerseits eine große Portion innere Stärke, bringt aber auch die Verzweiflung gut rüber, die Hampton manchmal ob der vielen Dinge empfindet, die trotz all seiner Bemühungen schieflaufen.
Als Co-Star castete das Produktions-Team die aus Altered Carbon und mehreren Marvels-Serien (als Misty Knight) bekannte Simone Missick, die Hamptons Frau Astoria mit einer gelungenen Mischung aus Realitätssinn und Misstrauen ihrem Mann gegenüber spielt. Trotzdem liebt sie ihn offensichtlich noch immer und ist gemeinsam mit ihrem Söhnen bereit, ihm eine zweite (oder dritte? Oder vierte?) Chance zu geben. Weiterhin sehen wir so bekannte Darsteller wie Bokeem Woodbine (Halo) und Jeremy Bob (Manhunt).
Interessant sind auch die Gesichter, die man irgendwie kennt, aber doch nicht wirklich zuordnen kann, wie etwa Djilali Rez-Kllah, der das Prevost-Familienoberhaupt Claude spielt. Insgesamt ergibt sich so eine interessante Mischung aus bekannten und unbekannteren Akteuren, die eine gewisse Frische mit sich bringt und dafür sorgt, ein nicht allzu inflationäres Gefühl aufkommen zu lassen.
Fazit

Die Pilotfolge der Serie „Government Cheese“ ist gut, aber auch nicht überragend. Die Idee gefällt mir, es gibt genügend Verwicklungen, um den Plot interessant zu halten und manche Szene ist eindeutigen Comedyvorbildern entnommen (man beachte die Prügelei im Knast kurz vor Hamptons Entlassung).
Der Erzählstil bietet lockere und ernste Elemente in einer angenehmen Balance, die Dialoge sind vielleicht nicht immer bis ins letzte Detail durchdacht, verfallen aber auch nicht in die Belanglosigkeit und die Hauptdarsteller geben eine starke Vorstellung. Was mir persönlich ein wenig fehlt, ist der zündende Funke, der nach den ersten 45 Minuten jedenfalls bei mir noch nicht da ist. Was ich da auf dem Bildschirm sehe unterhält mich gut, aber eben auch nicht mehr.
Das hat die ebenfalls kürzlich bei Apple TV+ gestartete Your Friends and Neighbors (hier geht es zum Review) noch einmal „einen Tacken“ besser hinbekommen. Dennoch wäre es unfair, die Serie für ein persönliches Gusto abzuwerten, weshalb ich auch hier positiv gestimmt bleibe.
Daher verteilen wir vier von fünf selbstschärfenden Bohrmaschinen.