Gotham 1x17

Nachdem sich bereits die letzte Episode The Blind Fortune Teller um ihren Fanservice bezüglich eines potentiellen Jokers drehte, nimmt auch die heutige Episode Red Hood dieses Rätselspiel wieder auf. Während dabei immer noch im Unklaren bleibt, was diese Anspielungen direkt mit dem Plot in Gotham zu tun haben, schafft es diese Woche ausgerechnet Fish Mooney (Jada Pinkett Smith), mit einer kleinen Überraschung in bester „Kill Bill“-Manier daherzukommen. Die Fehde zwischen dem jungen Bruce (David Mazouz) und Wayne Enterprise spitzt sich außerdem weiter zu.
Like Robin Hood
Langsam bekommen wir zwar ein Gefühl dafür, wie die Anspielungen auf den Joker in Gotham aussehen. Dass diese die Serie dabei an Spannung oder Entwicklung voranbringen, lässt sich jedoch nicht gerade sagen. So dreht sich der Fall der Woche um eine Bande von Bankräubern, die eine fast schon verfluchte, rote Kappe herumwandern lassen, wodurch sie als „Red Hood Gang“ bekannt werden. Comickenner werden natürlich die Ohren spitzen, da in der Vorlage der Bösewicht „Red Hood“ zum späteren Joker wird. Leider verfliegen diese Andeutungen in der Bedeutungslosigkeit, statt wirkliche Spannung zu erzeugen.
Den Beginn macht dabei der junge Gus Floyd (Michael Goldsmith), der die Kappe in die Gruppe einführt. Nachdem er zudem noch das Geld des Bankraubs an die Bürger Gotham Citys verteilt, wird die Bande schnurstracks zur Legende und mit Robin Hood verglichen. Doch nicht nur das rote Kleidungsstück, auch die markant schrille Lache sowie das extrovertierte Auftreten des ersten Hoods lassen den Zuschauer direkt an den Joker denken, bis dieser erschossen wird. Sein Nachfolger Destro (Jonny Coyne) passt wesentlich schlechter in das Bild des Scherzemachers. Am Ende der Episode hat die rote Haube drei Leichen auf dem Konto und wird von einem weiteren, langhaarigen Mitglied aufgesammelt.

In der Comicvorlage wird die „Red Hood“ gerne verwendet, um nach außen ein falsches Bild darzustellen, wodurch die Polizisten glauben, dass derjenige mit dem Deckel auch gleichzeitig der Kopf der Bande ist. Eine ähnliche Verfahrensweise kennen wir aus der Anfangsszene von Christopher Nolans „The Dark Knight“, in dem der Joker (Heath Ledger) sich selbst verkleidet, um von seinen Bandenmitgliedern nicht als Boss erkannt zu werden und am Ende alleine dazustehen.
Natürlich könnten wir es somit bei dem letzten Bandenmitglied, das die Mütze bekommt, mit dem Joker zu tun haben, jedoch wäre das - wie bereits bei dem Charakter des Jerome (Cameron Monaghan) - recht früh. Natürlich ist Gotham keine Serie, die es schafft, ihre Spannungsböden gekonnt zu spannen, allerdings scheint mir die Etablierung des Oberbösewichts auf so eine verschwendete, platte Art und Weise zu sehr verschenkt zu sein. Was dabei allerdings mal wieder deutlich wird, ist, dass die Serie keinen Hehl daraus macht, ihre gesamte Spannung aus dem bereits bekannten Comicuniversum ziehen zu wollen, statt eine eigene Geschichte auf die Beine zu stellen. Als einzelner Fall der Woche bleibt dieser Plot jedenfalls blass.
Can't take my eyes off you
Doch nicht nur der Joker wird wieder einmal indirekt aufgegriffen, auch ein Bösewicht, von dem wir bereits zu Beginn der Staffel hörten, hat wieder seine Finger im Spiel. So landet die knallharte Fish Mooney endlich bei dem letzte Woche angedeuteten Manager (Jeffrey Combs) und muss leider feststellen, hier nicht ganz oben in der Hierarchiekette angekommen zu sein. Denn hinter den experimentellen Operationen steckt der aus den Comics als „The Dollmaker“ bekannte Dr. Francis Dulmacher (Colm Feore), der bereits in der Episode Selina Kyle für die Entführung der Straßenkinder verantwortlich war.
Während wir diesen leider noch nicht zu Gesicht bekommen, gewinnt das der Frau Mooney etwas an Kontur. So schlägt ihr der Manager vor, sie entweder umzubringen oder ihre Augen zu entfernen. Die stolze Grande Dame lässt sich das nicht lange bieten und entfernt mithilfe eines einfachen Löffels einfach selbst ihr linkes Auge und zertritt dieses. Ob sie damit mehr erzielt, als ihren unausweichlichen Stolz zu präsentieren, bleibt abzuwarten. Ich muss auf jeden Fall zugeben, dass ich überrascht war, Mooney auf so einschneidende Weise verändert zu sehen und freue mich bereits auf eine schicke, schwarz-rote Augenklappe, vielleicht sogar mit Fischgrätensymbol.

Derweil ist ihr Handlanger Butch (Drew Powell) weiterhin auf Abwegen und hilft Oswald (Robin Lord Taylor) dabei, neuen Alkohol aufzutreiben. Daneben offenbart er, dass ihm mehr an dem Club als an der Zusammenarbeit mit Fish liegt. Hoffentlich entwickelt sich mehr aus dieser neuen Paarung als ein einfacher Betrug an Cobblepot, wenn Fish zurückkehren wird.
Nebenbei kommt sich auch die neue Mädchenclique um Babs (Erin Richards), Cat (Camren Bicondova) und Ivy (Clare Foley) näher. So lässt Fräulein Kean ihre neuen Freundinnen nicht nur bei sich wohnen, sondern gibt der zukünftigen Meisterdiebin auch noch den Rat, ihr Aussehen als Waffe einzusetzen, was diese jedoch ablehnt. Diese neue Gruppierung gehört auf jeden Fall zu einer der merkwürdigsten Chararakterentwicklungen der Serie.
Payne vs. Wayne
Wieder einmal schafft es der Plot um Bruce und Alfred (Sean Pertwee), die heutige Episode zu dominieren. So bekommt letzterer Besuch von seinem alten Kameraden Reggie Payne (David O'Hara), mit dem er anscheinend so manches erlebt hat. Die beiden stellen dabei nicht nur ein authentisches Charakterduo dar, sie verleihen dem Butler auch Tiefe, da dieser anscheinend ein paar dunkle Geheimnisse hat. Leider wird das Vertrauen, das Bruce dem Freund seines Butlers entgegenbringt, bitter missbraucht.

Reggie stiehlt sich nicht nur aus Wayne Manor und sticht Alfred ab. Wie sich herausstellt, wurde er zudem von Wayne Enterprises beauftragt, Informationen über Bruce zu besorgen. Er versichert dem Aufsichtsrat, dass Bruce keine handfesten Beweise auf der Hand habe und gibt ihnen den Rat, sich durch den verletzten Butler am besten schnell auch um den jungen Wayne zu kümmern. Die Fehde zwischen dem jungen Wayne und der Firma seines Vaters stellt derzeit insgesamt einen der wenigen Plots dar, die die Brücke zwischen Comicvorlage und Serie zu schlagen vermögen, ohne dabei zu sehr nach Fanservice auszusehen.
Fazit
Die heutige Episode Red Hood scheint sich an der Qualität der letzten Woche messen lassen zu wollen und bietet leider exakt die gleichen Stärken und Schwächen. Während das überzogene Rätselspiel um einen potentiellen Joker den Zuschauer weiter an der Nase herumführen soll und die Bünde der Mädchen- und der Pinguinclique enger geschnürt werden, ist es vor allem wieder die Geschichte um Bruce, Alfred und Wayne Enterprises, die die Geschichte Gotham Citys weiter vorantreibt.
Es fällt dabei leider immer wieder negativ ins Gewicht, dass die Serie es nicht schafft, interessante Geschichten aus sich selbst heraus aufzubauen, sondern immer wieder in bester Fanservicemanier auf überzogene Art auf ihre Comicvorlage verweisen zu müssen. Der gesamte Fall der Woche soll nicht an Spannung gewinnen, weil er sich auf die Entwicklung der Geschichte direkt auswirkt, sondern, weil vorausgesetzt wird, dass es dem Zuschauer genügt, einen potentiellen, bekannten Bösewicht aus dem „Batman“-Universum zu sehen.
Leider stellt die selbst auferlegte Rahmenbedingung, dass Batman nicht zu sehen sein wird, gleichzeitig eine Bremse dieser Entwicklung dar. Vielleicht sollte sich Bruno Heller überlegen, diese Herangehensweise fallen zu lassen und einen kleinen Zeitsprung in Staffel zwei einzulegen. Als alleinige Prequelgeschichte zu „Batman“ schafft es Gotham leider nicht, zu überzeugen.
Trailer zur kommenden Episode „Everyone Has a Cobblepot“ (1x18) der US-Serie „Gotham“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 24. Februar 2015Gotham 1x17 Trailer
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Schauspieler in der Episode Gotham 1x17
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