Gotham 1x16

Das Leben eines Detectives in Gotham City ist schon hart, weshalb ab und an auch mal Entspannung gefragt ist. Leider trifft das nicht nur auf Jims (Ben McKenzie) und Leslies (Morena Baccarin) Besuch im Zirkus zu, auch die Nebenplots zum Fall der Woche plätschern motivationslos vor sich hin. Es wird deutlich, dass der Fokus dieser Episode darauf liegen soll, einen potentiellen Joker zu stellen, statt die Geschichte voranzutreiben. Am Ende sind die Besucher von Oswalds (Robin Lord Taylor) Club nicht die einzigen, die gelangweilt zurück bleiben.
Joker oder Nicht-Joker?
Da sich in Gotham anscheinend alle Fälle dort abspielen, wo Jim Gordon sich befindet, verwundert es nicht, dass der heutige Fall der Woche in dem von ihm besuchten Zirkus stattfindet. Und welche Figuren dürfen nicht fehlen, wenn wir an einen Zirkus an Gotham City denken? Richtig, Akrobaten und Clowns. Während die erste Gruppe somit die Eltern eines zukünftigen Heldens Gotham Citys (Dick Grayson aka Robin) etabliert, sollten die Clowns eines verdeutlichen: Der Joker könnte in der Nähe sein.
So wird in dieser Episode die Schlangentänzerin Lyla umgebracht, die innerhalb des Zirkuszelts für Zwietracht zwischen den Familien der Lloyds und der Graysons sorgt. Dabei stellt sich heraus, dass ihr Sohn Jerome (Cameron Monaghan aus Shameless) für den Mord an seiner eigenen Mutter verantwortlich war. Vor allem aber stellt sich die Frage, ob dieser wirklich der Joker sein soll.
Natürlich passen sowohl das Lachen als auch die Anatomie und die blasse Hautfarbe Jeromes zum Joker; als Origin-Story wäre das jedoch äußerst unzufriedenstellend. So scheint Jerome bereits jetzt ein Psycho zu sein - seine Entwicklung zum Joker wäre also bereits abgeschlossen. Produzent Bruno Heller sprach jedoch nur davon, dass in der heutigen Episode der Grundbaustein für den späteren Joker gelegt werden würde. Ob damit Jerome gemeint ist und ob dieser Baustein überhaupt in der Zirkusgeschichte liegt, bleibt dahingestellt.
Mir persönlich wäre Jerome als Joker nicht nur viel zu früh eingeführt, auch die Hintergrundgeschichte würde mir nicht genügen. Ein weiterer Aspekt, den ich in der Comicvorlage sehr schätze, ist der Zusammenhang zwischen Batman und dem Joker, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben wäre. Ich gehe stattdessen davon aus, dass uns Gotham auf eine falsche Fährte führen will und nicht den Fehler begeht, den Joker dermaßen früh einzuführen.
Girls just wanna have fu-un
Währenddessen kämpfen die beiden Herzensdamen Jims um das Interesse der Zuschauer. Während Dr. Thompkins das noch recht gut schafft, da sie Jim endlich in ihr Bett lässt und somit nicht nur Beischlaf, sondern auch Obdach gewährt, zaubert uns Fräulein Kean (Erin Richards) mal wieder eine Reihe von Fragezeichen ins Gesicht, die leider nichts mit kniffligen Rätseln zu tun haben. So betritt sie seit langem mal wieder in betrunkenem Zustand ihr eigenes Heim und trifft dabei auf die kleinen, kindlichen Einbrecher Selina (Camren Bicondova) und Ivy (Clare Foley).
Nicht nur, dass der gesamte Plot um ihre Eltern somit obsulet zu sein scheint, sie wundert sich nicht mal über die beiden Gören in ihrer Wohnung und holt sich sogar noch Tipps, wie sie Jim wieder auf ihre Seite ziehen kann. Ich gehe stark davon aus, dass Babs irgendwann noch einmal zu Jim zurückkehren wird und frage mich immer wieder, was Bruno Heller mit ihr vorhat und warum er sie stets durch banale Plots im Auge behält.
Am Ende der Episode erwischt Barbara Jim und Leslie bei einem Kuss und zieht wieder von dannen. Es bleibt abzuwarten, was für ein Drama diese Dreierkonstellation noch mit sich bringen wird. Bis jetzt schaffte es in Gotham jedoch noch keine Beziehungsgeschichte zu überzeugen, wenn auch Jim und Leslie das bisher wohl interessanteste und natürlichste Paar darstellen. Doch nicht nur Jim arrangiert sich mit seiner neuen Partnerin, auch Oswald und Fish (Jada Pinkett Smith) bekommen neue Kontakte zur Seite gestellt.
Denn leider, leider hat Mastermind Cobblepot wenig Sinn dafür, was bei dem Publikum ankommt und wie man so einen Club führt. Darüber können auch die musikalischen Beiträge seiner selbst und die seiner werten Frau Mutter (Carol Kane) nicht hinwegtäuschen. Deshalb bekommt der Pinguin Besuch von Falcones (John Doman) exekutiver Kraft Victor Zsasz (Anthony Carrigan), welcher anscheinend den guten Butch (Drew Powell) derart präpariert hat, dass dieser nun alles tut, was Oswald von ihm möchte. Na, wenn das mal nicht nach hinten losgeht...
We are family
Fish Mooney schafft es derweil mal wieder, ihren Plot auf die Spitze zu treiben. Nach nur einer Woche hält sie eine Rede vor ihrer neuen Gefolgschaft: Diese sei nun eine Familie, und ab und zu müsse auch mal einer für sie sterben, keine Frage. Es stellt sich dabei heraus, dass Familie Mooney nur gefangen gehalten wird, um ihre Organe an die Wächter zu spenden. Fish gerät zum Ende an einen ominösen „Manager“, der den Betrieb führt. Natürlich geschieht all das im Eiltempo - diese Frau kennt Menschen und weiß, wie man sie auf seine Seite zieht.
Derweil setzt Bruce sein Vorhaben, den Verlust seiner Eltern zu überwinden, weiter in die Tat um. Er macht einen Besuch bei Wayne Enterprise und lässt sich dort trotz seines Alters nicht als Kind behandeln. Stattdessen zeigt er zwei Probleme des Unternehmens auf, die er gerne bearbeiten würde: Die Beteiligung am Arkham-Project und die Herstellung von chemischen Waffen unter dem Namen WelZyn. Wie bereits in der vergangenen Episode gehört der Plot um Bruce und Alfred wieder einmal zu den stärkeren.
Fazit
Nach einer recht überzeugenden Origin-Story des künftigen Scarecrow in der vergangenen Episode widmet sich The Blind Fortune Teller dieses Mal vor allem dem Rätsel um einen potenziellen Joker, was meiner Meinung nicht ganz so gut gelingt. Zwar finde ich die Darstellung Monaghans durchaus eines Jokers würdig. Der Zeitpunkt, die frühe Charakterzeichnung als Psycho und die Hintergrundgeschichte scheinen für mich jedoch eher auf eine falsche Fährte zu lenken.
Leider muss ich dabei auch feststellen, dass die Serie es versteht, großen Darstellern wie Monaghan oder dem aus Breaking Bad bekannten Mark Margolis eher blasse Charaktere zuzuschreiben. Sie werden im Eiltempo durch die Serie gejagt, ohne einen allzu bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Derweil zeigen vor allem Barbara, Fish und Oswald auf, wie schrecklich stringent und öde Gotham zum größten Teil ist. Mag mit Butch auch ein Mitglied Mooneys auf Oswalds Seite wechseln - der Sinn dahinter und die Frage, warum Unterstützung in Sachen Betriebswirtschaft ausgerechnet von Butch kommen muss, bleiben offen. Der interessanteste Plot gehört in dieser Episode leider dem jungen Bruce Wayne, da dieser derzeit der Einzige zu sein scheint, der eine passende Charakterentwicklung anstrebt.
Trailer zur kommenden Episode „Red Hood“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 17. Februar 2015Gotham 1x16 Trailer
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Schauspieler in der Episode Gotham 1x16
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