Gotham 1x15

In der heutigen Episode schafft es Gotham seit langem mal wieder, die Möglichkeiten seiner Charaktere geschickt auszunutzen. Während Bruce (David Mazouz) sich somit mit dem Verlust seiner Eltern auseinandersetzen darf, wird der Plot um Dr. Gerald Crane (Julian Sands) und seinem Sohn Jonathan (Charlie Tahan) fortgesetzt. Diese Geschichte schafft es, die bisher wohl beste Origin-Story eines „Batman“-Bösewichts in Gotham zu etablieren. Währenddessen darf Fish (Jada Pinkett Smith) ihren Finger durch eine unbekannte Zellengemeinschaft schwingen und Oswald (Robin Lord Taylor) seinen eigenen Club eröffnen.
Why won't you help me, Gerald?
Der Fall der Woche setzt direkt an dem der Episode The Fearsome Dr. Crane an und präsentiert einen weiteren Nebennierenverlust. Im Zuge der Investigation erfahren Jim (Ben McKenzie) und Bullock (Donal Logue) dabei, dass Crane als Biologielehrer an einer Highschool Gotham Citys arbeitete. Im Gegensatz zu seiner Aussage, dass er seine Frau Karen in einem Autounfall verlor, stellt sich heraus, dass diese bei einem Hausbrand ums Leben kam und Gerald sie nicht retten konnte.
Um mit diesem Verlust umzugehen, verfolgte Crane eine äußerst waghalsige These. So geht er davon aus, dass Angst ein evolutionärer Fehler und für sämtliche Gräueltaten in der Welt verantwortlich sei. Was er somit mithilfe der von ihm gesammelten Stresshormone probiert, ist eine konfrontative Schocktherapie. Dabei setzt er sich jedoch nicht nur selbst mit den halluzinativen Selbstdosierungen auseinander, um seinem Ziel näherzukommen, sondern bezieht auch seinen Sohn als „Subject B“ mit in diese Therapie ein.

Wie jedoch zum Ende der Episode deutlich wird, scheitert dieses Experiment. Statt von seinen Ängsten befreit zu werden, die laut Gerald in jedem Menschen stecken, gerät Jonathan durch die Überdosis am Waldesrand in eine derartige Schocksituation, dass sich das Bild der sich über ihm befindenden Vogelscheuche als manifestierte Angst in sein Hirn brennt. Während Gerald diese Versuche mit dem Leben bezahlt, wurde Jonathans Gehirn dagegen dermaßen beschädigt, dass er sich zukünftig in einer Dauerphobie befindet, welche durch die Halluzination der zum Leben erweckten Vogelscheuche sichtbar wird.
Die Thematisierung psychischer Krankheiten gehört zu einer der Stärken des „Batman“-Stoffes, weshalb die hier erzählte Origin-Story zu der wohl besten der gesamten Serie gehört. Sowohl das Tempo, die charakterliche Zeichnung von Jonathan und Gerald als auch die visuelle Umsetzung seiner manifestierten Angst zeigen auf, wie die Serie mit den Charakteren aus der Comicvorlage umgehen kann, wenn sie dieser gerecht wird, statt nur Plots zu etablieren, die auf der Stelle treten. Dieser Gedanke scheint zudem auch in dem Teil um Bruce verfolgt worden zu sein, da dieser sich sich seit langem auf authentischere Art und Weise mit dem Verlust seiner Eltern auseinandersetzt und dabei die Verbindung zwischen ihm und Alfred (Sean Pertwee) weiter ausbaut.
Walking with a friend in the dark is better than walking alone in the light
Wir erfahren, dass Bruce früher des Öfteren mit seinem Vater Thomas (Grayson McCouch) Übernachtungsausflüge in den Wald machte, um den Sonnenaufgang zu sehen. Nun entscheidet er sich jedoch dafür, alleine loszuziehen. Während er sich derweil mit dem Verlust seines Vaters auseinandersetzt, bringt ihn seine Wut über diesen schließlich in eine missliche Lage. Zwar schafft er es, seinen verletzten Knöchel zu schienen, jedoch kommt er auch mit besagter Schiene nicht allzu weit.
Am Ende wartet Vaterersatz Alfred auf ihn, woraufhin die beiden gemeinsam auf den Sonnenaufgang warten. Zwar zog es bereits Christopher Nolan in „Batman Begins“ vor, die Auseinandersetzung mit der eigenen Angst anhand der Parallele von Bruce Wayne und Jonathan Crane aufzuzeigen, doch auch in Gotham funktioniert das außerordentlich gut. Das liegt zum einen daran, dass es The Scarecrow schafft, diese Verbindung nicht mit dem Holzhammer herzustellen, sondern durch einfache Parallelmontagen. Während Jonathan dabei inmitten der Nacht seinen Vater verliert, schafft es Bruce, mit seinem Ziehvater bis zum Morgengrauen durchzuhalten.

Während sich Fish derweil in einem unbekannten Kerker befindet, welchen sie natürlich im Handumdrehen an sich reißt, muss Oswald sein Schicksal in die Hände Falcones (John Doman) und Maronis (David Zayas) legen. Die beiden Machtmonopolisten treffen sich, um sich über das Schicksal des Pinguins zu beraten, nachdem Falcone diesem bereits die Verantwortung über Mooneys Club übergeben hat. Während Oswald somit alles daran setzt, diesen umzugestalten, versucht Falcone, dessen Kopf zu retten.
Dabei erwähnt er einen bisher noch nicht in Erscheinung getretenen Richter Stanley Turnbull, welcher anscheinend ein ziemliches Feindbild für die beiden darstellt. Darüber hinaus scheint dieser die erste männliche und homosexuelle Figur in Gotham zu sein, da er mit einem jungen Mann, an dem dieser sich anscheinend verging, in die Falle Falcones gelockt wird. Ich bedanke mich für die rege Diskussion um die letzte Folge und werde in Zukunft den Vorwurf rassistischer Rollendarstellungen in Gotham etwas vorsichtiger anbringen.
Es könnte jedoch ein Hinweis dahingehend sein, wie die katholisch geprägten Mafiosi mit einem derartigen Charakter umgehen. Passenderweise bestrafen sie ihn nicht irgendwie, sondern durch Sexualpraktiken, die anscheinend an dem SM-Bereich angelehnt sind, und ergötzen sich daran. Homophobie, Rachelust und Sadismus werden dabei zu Themen, in denen sich die beiden Mafiabosse verstehen. Am Ende wird schließlich Oswalds Leben an das Falcones gehängt.

Zuletzt bleibt noch das zwar humoristische, storytechnisch jedoch nicht allzu sinnvolle Zusammentreffen von Edward Nygma (Cory Michael Smith) und Oswald Cobblepot zu nennen sowie die Liebesgeschichte zwischen Jim und Leslie Thompkins (Morena Baccarin). Letztere bezieht nicht nur den Posten der Gerichtsmedizinerin im GCPD, sondern auch öffentlich Stellung, was ihre Gefühle zu dem jungen Detective angeht. Während diese Liebesgeschichte vor allem durch die lockere Spielart Baccarins überzeugt, verweist Bullock darauf, wie schwierig es sein kann, eine Liebesgeschichte bei der Arbeit zu führen, was sicherlich ein Hinweis auf eine weitere gescheiterte Liebesgeschichte des Detectives ist.
Fazit
Gotham schafft es in der heutigen Episode The Scarecrow, die bisher stärkste seit der Mid Season zu präsentieren, was vor allem an zwei Plots liegt. Während sich Bruce endlich Themen widmet, die der Zuschauer einem zukünftigen Batman abnimmt und mit Jonathan Crane auf bisher authentischste Art und Weise ein Batman-Bösewicht etabliert wird, schafft es letzterer Plot zudem, mit Gerald Crane einen Charakter sterben zu lassen, der etwas wichtiger als die bisherigen, menschlichen Zielscheiben daherkommt.
Während der Plot Mooneys es leider wieder nicht schafft, ihren Charakter von einer anderen Facette zu zeigen, entkräftet das Gespräch zwischen Falcone und Maroni erneut den gesamten Verlauf der letzten Episode. Die Bedrohung, welche in dem Gespräch zwischen Maroni und Cobblepot aufgebaut wurde, wird einfach negiert. Auch die Überschätzung Falcones gegenüber Cobblepot macht einfach zu deutlich, dass dieser noch eines Besseren belehrt werden soll. Ich muss leider bei dem Fazit bleiben, dass der Mafiaplot zu den schwächeren in Gotham gehört und in dieser Episode sogar der Geschichte um Bruce hinterherhinkt.
Insgesamt bleibt jedoch zu hoffen, dass das Tempo, welches in The Scarecrow an den Tag gelegt wurde, beibehalten wird. So sehen wir bereits in dem Trailer zu der kommenden Episode The Blind Fortune Teller (1x16) angedeutet, dass wir es bald auch mit dem Joker zu tun bekommen werden:
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 10. Februar 2015Gotham 1x15 Trailer
(Gotham 1x15)
Schauspieler in der Episode Gotham 1x15
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