Gotham 1x14

Gotham schafft es in der heutigen Episode The Fearsome Dr. Crane zwar, zwei zukünftigen Bösewichten etwas Form zu verleihen, wobei einer von beiden das erste Mal zu sehen ist. Jedoch umgeht man gleichzeitig auch immer wieder sämtliche Chancen, dem Mafiaplot Spannung zu verleihen. Während somit Fish Mooney (Jada Pinkett Smith), Sal Maroni (David Zayas) und Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) sich weiter im Kreis drehen, steht der Rest der Episode unter dem Zeichen der Liebe.
Don't think badly of me
Wie der Titel der Episode schon vorwegnimmt, bekommen wir in dieser Episode einen weiteren Schurken aus dem DC-Universum zu sehen. Natürlich ist dies niemand Geringeres als der zukünftige Scarecrow, Jonathan Crane (Charlie Tahan). Jedoch dreht sich der Fall der Woche nicht um ihn selbst, sondern um dessen Vater, Dr. Gerald Crane (Julian Sands). Dieser hat sich nämlich die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe als Mordopfer ausgesucht und verfolgt dabei womöglich sogar wissenschaftliche Ziele, die der Menschheit dienen sollen.
So bringt er seine Opfer in Situationen, in denen diese ihren jeweiligen Phobien ausgesetzt sind, und ermordet sie schließlich. Danach entfernt er ihre Nebennieren, da diese das Stresshormon Cortisol produzieren. Was dieser genau damit vorhat, wird in der heutigen Folge noch offengelassen. Dennoch schafft es Gotham mit diesem Fall, seit langem mal wieder für etwas Spannung zu sorgen. Das liegt auch an der Darstellung Tahans als äußerst schüchterner und jugendlicher Jonathan Crane, der zwar Teil der Morde seines Vaters zu sein scheint, sich jedoch von diesen einschüchtern lässt. Da die nächste Episode den Titel The Scarecrow trägt, bleibt abzuwarten, wie viel wir noch von ihm zu sehen bekommen.
Im Zuge der Investigation wird dabei noch kurz ein Mann mit einer Schweinemaske gezeigt, der Comickenner sicherlich an den Bösewichten Professor Pyg erinnert, jedoch keine allzu lange Lebenszeit in der Serie verzeichnen kann. Mehr als eine kleine, nette Anspielung auf diesen scheint es somit nicht zu geben. Stattdessen bekommt ein anderer, zukünftiger Bösewicht das erste Mal die Chance, ein bisschen was von seinem zukünftigen Alter Ego durchschimmern zu lassen, zumindest, was den skrupellosen Umgang mit Menschen umgeht.
Die Rede ist natürlich von Edward Nygma (Cory Michael Smith), der mal wieder versucht, außerhalb seines Refugiums zu agieren. So vergreift er sich am Obduktionstisch des Opfers, Adam Jodowsky (Jim Ford), und fängt sich deshalb eine Abmahnung ein. Während er sich deshalb bei seiner Angebeteten Miss Kringle (Chelsea Spack) auf niedliche Art und Weise verabschiedet, hat er in der Hinterhand bereits einen Plan, der der Skrupellosigkeit eines Batman-Schurken sehr nahekommt.
The more you cut me the bigger I grow. What am I?
So knackt er das Schloss des Gerichtsmediziners (Philip Hernandez), um in dem Fach eine beachtliche Anzahl an Körperteilen zu versenken und so dafür zu sorgen, dass dieser entlassen wird. Woher Nygma diese Teile hat, ohne dass der Verlust dieser auffällt, und warum niemand in diese Richtung ermittelt (er stellt einen wesentlich ernsteren, potentiellen Mordfall als so manch anderer in Gotham dar), sei mal aufgrund Logiklücken dahingestellt. Am Ende arbeitet Nygma nicht nur wieder im GCPD, er zeigt zudem auch auf, in welche Richtung sich sein Charakter entwickeln kann und dass dessen Taten wahrscheinlich in bester Dexter-Manier von seinen Kollegen unentdeckt bleiben.
Macht die charakterliche Entwicklung Nygmas auch einen erheblich Vorsprung, so wirft der Umgang mit seinem Charakter langsam ein Muster auf, welches schwierig ernst zu nehmen ist. So erwachsen nämlich auch die Kinder wie Bruce (David Mazouz), Selina (Camren Bicondova) und Ivy (Clare Foley) in Gotham agieren, so kindlich wirkt dagegen die Charakterzeichnung von Nygma, Mooney oder Cobblepot. Langsam scheint es so, als würde uns Gotham eine Welt zeigen wollen, in der die Kinder reifer sind als die Erwachsenen. Zum Unglück der Serie wirkt es dagegen nicht so, als wäre dieser Effekt intendiert.
Ein anderes Problem der Serie ist anscheinend, dass sie nicht weiß, wie sie mit dem selbst auferlegten Verbot, den Fledermausmann zu etablieren, umgehen soll. Deshalb werden alle zukünftigen Bösewichte in Kinderform dermaßen erwachsen gezeichnet, dass man ihnen ihr Alter Ego an der Nasenspitze ablesen kann, wohingegen erwachsene Bösewichte wie Cobblepot oder Nygma zu lange auf der Stelle treten müssen, bis ihre Entwicklung an Form gewinnen darf. Es steht somit neben dem bisher bereits angesprochenen Gleichgewichtsproblem der einzelnen Elemente ebenso ein Tempoproblem dieser.
Dieses Tempoproblem lässt sich dabei auch auf die angesetzte Zeit, in der Gotham spielen soll, fortführen. Während zum einen technische Mittel wie Handys eher aus der jetzigen Zeit stammen, scheint vor allem die Darstellung kultureller Klischees überholt zu sein. So wird die Mülldeponie als „Indian Hills“ bezeichnet und die Gruppe von afroamerikanischen Frauen, die Oswald aufgabeln, sprechen nicht nur in stereotypischer Weise, sondern stimmen auch direkt einen Gospelsong an. Hinzu kommen noch die überzeichneten Darstellungen der afroamerikanischen Grand Dame Mooney oder der verrückten Europäerin Gertrud Kapelput (Carol Kane), die sich im Laufe der Serie mit Rassismusvorwürfen auseinandersetzen müssen. Als Gegenbeispiele wären natürlich Montoya und Allen zu nennen.
I don't really like oatmeal
Während es Gotham schafft, die von mir in der Episode Welcome Back, Jim Gordon infrage gestellte Konsequenz aus der Festnahme des Detective Arnold Flass (Dash Mihok) zumindest anzudeuten, schafft sie es leider auch, einen potentiell interessanten Plot zwischen Maroni und Cobblepot an die Wand zu fahren. So fahren die beiden in bester The Sopranos-Manier gemeinsam aufs Land, da Maroni um den potentiellen Betrug an ihm weiß und nun seinen Handlanger testen will.
Dabei entsteht ein Spiel, in dem jeder von beiden nacheinander ein Geheimnis loswerden soll. Leider endet die Spannung dieses Moments mit der Offenbarung, dass sich in dem von Oswald versteckten Revolver nur Platzpatronen befinden - so viel zum Thema Kindercharaktere. Was darauf folgt, ist nun ein Mordszenario, das wahrscheinlich mafiöse Kultur vermitteln soll, jedoch von vornherein klarmacht, dass sich Oswald auch aus dieser Situation manövrieren kann. So wird er in eine Autoquetsche gesteckt und schafft es in letzter Sekunde nicht nur, die Telefonnummer des Quetschennutzers herauszubekommen, sondern auch, diesen davon zu überzeugen, ihn besser freizulassen.
Fazit
Zwar schafft es der Fall der Woche, das Niveau der Serie etwas anzuheben und dabei einen jugendlichen Charakter einzuführen, auf den wir uns im weiteren Verlauf sicherlich noch einmal freuen können. Leider werden dadurch die bisherigen Probleme immer noch nicht unsichtbar. Nicht nur, dass sich Fish aus ihrem Asyl weiterhin in das Geschehen Gothams einmischen kann, der gesamte Plot um Maroni und Oswald zeigt mal wieder die Logik Gothams auf, nach der jeder unwichtige Komparse leichtfertig aus dem Weg geräumt wird und keine der Hauptrollen sich mit irgendwelchen ernsthaften Konsequenzen auseinandersetzen muss.
Während darüber hinaus die potentiellen Liebesgeschichten Bullocks (Donal Logue) eher uninteressant daherkommen, scheint die Beziehung zwischen Jim und Dr. Leslie Thompkins (Morena Baccarin) weiter an Fahrt zu gewinnen und stellt eine wesentlich bessere Partnerin als Barbara (Erin Richards) für ihn dar. Leider scheint die Serie dies anders zu sehen und wechselt so weiter wöchentlich zwischen den beiden minder interessanten Plots um Bruce oder Barbara. Es bleibt zu hoffen, dass die kommende Episode die Konsequenzen für Jim und Bullock weiter ausführt und den Fall um die Cranes nicht in Bedeutungslosigkeit verschwinden lässt.
Der Trailer zur kommenden Episode „The Scarecrow“: Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 3. Februar 2015Gotham 1x14 Trailer
(Gotham 1x14)
Schauspieler in der Episode Gotham 1x14
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