Gotham 1x12

Nachdem sich in der letzten Episode Rogue's Gallery die beiden Arkham-Insassen Jack Gruber (Christopher Heyerdahl) und Aaron Helzinger (Kevin McCormick) auf die Flucht begaben und dabei vor allem ein Rätsel um die Person Grubers aufstellten, widmet sich die heutige Episode What the Little Bird Told Him direkt den beiden. Dabei wird aufgelöst, welcher Comicbösewicht hinter dem Charakter Grubers steckt, was dieser vorhat und leider auch, wie wenig die Serie mit der Chance, Jim Gordon (Ben McKenzie) ins Arkham-Asylum zu stecken, anfangen kann.
What's down in the dark will be brought to the light
Eine der Stärken von Gotham ist, wie viele bereits erwähnten, die selten zum Vorschein kommende Auswahl der musikalischen Unterlegung. So startet die Episode mit dem Song „God's Gonna Cut You Down“ von Johnny Cash und verfolgt dabei den auf Rache sinnenden Jack Gruber und seinen mit Elektroschocktherapie gefügig gemachten Handlanger Aaron Helzinger. Diese machen sich auf den Weg in das Elektrowarengeschäft „Irwin's Electronics“, um ein wichtiges Element in Grubers Plan, seine Rache an Sal Marioni (David Zayas), zu bekommen.
Der elektrische Generator ist dabei nicht nur in der Lage, Menschen auszuschalten, sondern auch, diese in eine Paralyse zu versetzen, wobei das anscheinend abhängig davon ist, wie wichtig die getroffene Person noch für die Serie ist. So ist Irwins Mitarbeiter zwar sofort tot, Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) überlebt dagegen natürlich den gleichen Türklinkentrick, wie wir ihn bereits aus „Home Alone“ kennen. Derweil recherchiert der durch eine kurzweilige, jedoch ebenso unwichtige Nebengeschichte mit der von ihm angebeteten Miss Kringle (Chelsea Spack) geschickte Edward Nygma (Cory Michael Smith), dass hinter Jack Gruber eine andere Identität steckt. Diese lässt wiederum Comicfans aufhorchen...

Nachdem ich letzte Woche ins Rätseln kam, ob Gruber eventuell an dem ihn sehr ähnlichen Dr. Hugo Strange angelehnt ist, muss ich mich leider bei Comicfans entschuldigen, dass ich nicht darauf kam, dass es sich stattdessen um den eher mittelgroßen Batman-Bösewichten Electrocutioner handelt. So stellt sich heraus, dass Gruber eigentlich Bukinsky heißt und ursprünglich auf Grund von mehreren Banküberfällen im Gefängnis saß. Als schließlich das Arkham Asylum eröffnet wurde, nutzte er diese Chance, um sich als der psychisch kranke Jack Gruber dort einweisen zu lassen und somit leichteres Spiel mit dem Ausbruch zu haben.
In der Comicvorlage gibt es zwei Electrocutioners. Während der Vorname des ersten unbekannt bleibt, wird der zweite durch dessen Bruder Lester Buchinsky verkörpert. Es bleibt somit abzuwarten, ob der Electrocutioner aus Gotham eine eigene Version aus den beiden ist, da der Nachname sehr an sie angelehnt, der Vorname jedoch bekannt ist, oder ob wir gegebenenfalls sogar noch den zweiten zu Gesicht bekommen. So mächtig der Electrocutioner aus Gotham dabei zu Beginn der Episode aufgebaut wird, umso humoristischer und somit auch comichafter ist der finale boss move, mit dem Jim ihn auf die Bretter schickt.
My head's been wet with the midnight dew
So übersteht dieser nicht nur die Elektroschockattacke auf das Gotham City Police Department, indem er die von Nygma empfohlenen Gummistiefel trägt, er schaltet Bukinski dazu auch noch aus, indem er einfach einen Kaffee auf seine äußerst empfindliche Bedienarmatur kippt, welche er unterglücklicherweise auf seiner Brust trägt. Zum Glück hat es nicht gerade in Gotham City geregnet, sonst wäre Bukinski sicherlich nicht so weit gekommen. Mögen diese kleinen Logikfehler für comicaffine Zuschauer nicht so schwer ins Gewicht fallen, so ist es jedoch eine Entwicklung in der heutigen Episode, die für mich die größte Enttäuschung darstellt.
So schafft es Jim tatsächlich nach nur einer Episode, die er im Arkham-Asylum verbrachte, wieder sein altes Abzeichen am Ende der Episode in der Hand zu halten, welches ihm von Commissioner Loeb (Peter Scolari) überreicht wird. Warum der Oberbürgermeister Aubrey James (Richard Kind) bei dem Fall der Woche, welcher es sogar auf die Titelseite der Gotham Gazette schafft, nicht vor Ort ist und auch nichts mit der Wiederinkraftsetzung Gordons zu tun hat, bleibt mir unverständlich. Meiner Meinung nach hätte der Besuch Gordons in Arkham wesentlich mehr Chancen geboten, doch auch der Titel der nächsten Episode, Welcome Back, Jim Gordon deutet an, dass dieser kleine Ausflug genauso schnell vergessen wird, wie er eingeleitet wurde.

Der Cliffhanger der Episode zeigt zumindest auf, dass die Beziehung zwischen Jim und Dr. Leslie Thompkins (Morena Baccarin) als Relikt dieses Ausflugs zurückbleibt. Währenddessen scheint Barbara in ihrer Verzweiflung sogar bei ihren Eltern wieder aufgeschlagen zu sein, mit welchen sie ein äußerst distanziertes Verhältnis zu pflegen scheint. Leider gehört ihr Handlungsbogen immer noch zu einem der uninteressantesten der Serie.
Stattdessen steht eine andere, nicht weniger komplizierte Beziehung im eigentlichen Mittelpunkt von What the Little Bird Told Him. So versucht Fish (Jada Pinkett Smith) endlich, ihre Falle zuschnappen zu lassen und entführt die von ihr selbst zu Carmine Falcone (John Doman) geschickte Liza (Makenzie Leigh), um den Don unter Druck zu setzen. Sie ruft dabei zunächst mit einer tief verstellten Stimme und dann noch mal als sie selbst an, um Falcone zu vermitteln, dass sie von den ominösen Entführern kontaktiert wurde.
Sooner or later God'll cut you down
Dieser durchschaut dabei natürlich sofort ihr schlecht verkauftes Spiel und geht sogar auf das Angebot, mit Liza Gotham City zu verlassen und sich zur Ruhe zu setzen, ein. Wie in der letzten Episode mit dem potentiellen Verrat von Butch (Drew Powell) an Fish dient diese Option nur dazu, Spannung aufzubauen und diese zum Ende hin wieder zu verwerfen. So redet ihm vor allem Victor Zsasz (Anthony Carrigan) ein, dass er aus Respektsgründen in Gotham City bleiben sollte, was Falcone nur resignierend mit dem Ausblick auf etwas Ruhe ablehnt.

Als er jedoch zum Ende der Episode von Cobblepot erfährt, dass Liza nicht nur von Fish entführt wurde, sondern überhaupt erst von dieser geschickt wurde, um ihn emotional zu belasten, lässt er diese gesamte Möglichkeit wieder fallen, erwürgt Liza und lässt offen, was er nun mit Fish macht. Ich weiß, ich habe es schon oft betont, jedoch wurde heute im Dialog zwischen Fish und Falcone deutlicher denn je, dass Jada Pinkett Smiths Schauspiel alles andere als angsteinflößend ist. Hier bietet sich nun endlich eine Möglichkeit, diesen meiner Meinung nach völlig unnötigen Charakter aus dem Weg zu räumen, welche hoffentlich auch genutzt wird und nicht nur dazu dient, einen weiteren Cliffhanger aufzumachen. Die Andeutung der Schießerei zum Ende der Episode lässt diese Hoffnung noch größer erscheinen.
What the Little Critic Tells You
Gotham bleibt auch nach 12 Episoden immer noch ein großes Rätsel. Langsam bekommt man jedoch ein Gefühl dafür, wie die Serie aussehen könnte, wenn vor allem der Mafiaplot langsam weichen würde und die comichaften Bösewichte die Serie dominieren würden. Leider jedoch benutzt FOX ein ambivalentes Muster des Handlungstempos: Während in einer sehr kurzen Zeit äußerst viele Charaktere aus dem Batman-Universum eingeführt und dabei größtenteils als Fall der Woche abgehandelt werden, nimmt der Plot rundum den Thron Falcones einfach keine fahrt auf.
Diese Episode schafft es auch nicht, etwas an dem Treuespiel zwischen Maroni, Cobblepot und Falcone zu ändern. Es scheint einfach naheliegender, dass Maroni Oswalds unsichere Lügen durchschaut, als dass er es immer wieder riskiert, ihm zu vertrauen. Für mich persönlich bleibt einfach zu hoffen, dass sowohl die Mafia- als auch die Kriminalgeschichten reduziert und stattdessen Handlungen eingeführt werden, die länger als ein, zwei Episoden dauern und sich trotzdem spannend entwickeln.
Die NBC-Serie Hannibal mag zwar ein anderes Genre abdecken, jedoch zeigte diese auf, wie sehr die Kinderkrankheiten einer ersten Staffel, welche auch dort vor allem aus dem Fall-der-Woche-Muster bestanden, in der zweiten Staffel ad acta gelegt werden können. Nämlich, indem vor allem eine geringe Anzahl an gut erzählten Protagonisten in den Mittelpunkt gestellt wird. Für mich bleibt derzeit nur zu hoffen, dass spätestens in der kommenden, zweiten Staffel Ähnliches verfolgt wird, meinetwegen auch gerne in die comichafte Richtung, aber dann bitte auch ganz.

(Gotham 1x12)
Schauspieler in der Episode Gotham 1x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?