Good Girls 1x01

Good Girls 1x01

Die neue NBC-Dramedy Good Girls versucht in ihrer Pilotepisode zu viel auf einmal. Einzelne Teile davon funktionieren gut, wollen aber nicht so recht miteinander harmonieren. Glänzen kann das Format vor allem mit seinen drei Hauptdarstellerinnen und der Chemie zwischen ihnen.

Die Freude über die fette Beute währt nur kurz. (c) NBC
Die Freude über die fette Beute währt nur kurz. (c) NBC
© ie Freude über die fette Beute währt nur kurz. (c) NBC

Man kann sich leicht ausmalen, wie es in der NBC-Vorstandsetage zugegangen sein muss, als man den Pitch zu Good Girls hörte: ein neues Breaking Bad, aber mit drei weiblichen Hauptfiguren, mehr Comedy und weniger Drama? Ist gekauft. Auf dem Papier hört sich das auch wirklich sehr gut an, die Umsetzung von Showrunner Jenna Bans (Scandal) lässt in der Pilotepisode jedoch bisweilen zu wünschen übrig. Das liegt vor allem an fehlender Konsequenz - in allen Richtungen. Man weiß am Beginn der Serie offensichtlich noch nicht, was genau man sein will.

Like the Stepford mom without a pulse

Für eine Comedy ist das Format bisweilen zu dramatisch, für ein Drama oftmals zu flapsig. Außerdem bleibt Bans sehr zahm, wenn es um Kritik an sozioöknomischen Verhältnissen in Amerika geht. Dabei verpasst sie reihenweise Chancen, die mit der Prämisse der Serie quasi frei Haus mitgeliefert werden. Diese ist ziemlich einfach erklärt. Weil die drei Freundinnen Ruby (Retta), Beth (Christina Hendricks) und Annie (Mae Whitman) Geldprobleme haben, machen sie Wirklichkeit aus etwas, das eigentlich als Witz begonnen hat: Sie rauben den Supermarkt aus, in dem Annie arbeitet.

Genau mit diesem Raubüberfall steigt die Serie ein, woraufhin man sein Glück als Zuschauer kaum fassen kann, wird doch normalerweise zu viel Zeit auf Exposition verwendet. Bald darauf schaltet Bans aber mehrere Gänge zurück und liefert eben das nach, wovon man eigentlich dachte, es bliebe einem erspart. Wir erhalten also doch Erklärungen dafür, wieso diese drei Frauen über Nacht zu Schwerverbrecherinnen wurden. Alle drei tun es - wie Walter White - hauptsächlich, um ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Zumindest behaupten sie das voreinander und vor sich selbst.

Rubys Tochter hat eine schwere Krankheit, die sie dazu zwingt, ständig mit einem Beatmungsgerät ausgestattet zu sein. Weil sich Ruby und ihr Ehemann aber keinen besseren Arzt leisten können, müssen sie mit einem völlig überforderten Vorlieb nehmen. Außerdem haben sie zu wenig Geld für eine experimentelle Behandlung, die ein neues Erfolgsversprechen sein könnte. Hier könnte man nun wenigstens erwähnen, wie schlecht die amerikanische Gesundheitsversorgung ist, und dass es einem Skandal gleichkommt, dass sich nur Reiche die besten Behandlungen leisten können. Aber diese Chance lässt Bans verstreichen.

Beth findet unterdessen heraus, dass ihr Ehemann Dean (Matthew Lillard) nicht nur eine Affäre mit seiner Sekretärin Amber (Sara Paxton) unterhält, sondern auch einen stattlichen Schuldenberg angehäuft hat. Ihre Schwester Annie muss derweil die Versuche ihres Exfreundes (Zach Gilford) abwehren, ihr das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Sadie (Izzy Stannard) abspenstig zu machen. Er ist offensichtlich finanziell weich gebettet und will Sadie eine Therapie bezahlen, weil er glaubt, sie müsse ihr Anderssein überwinden, um in der Schule nicht länger gehänselt zu werden.

Girls today can be anything

Hier nutzt Bans die sich bietende Chance und lässt Annie empört erklären, dass nicht Sadie das Problem sei, sondern die Mitschüler, die sie wegen ihrer geschlechtlichen Unentschlossenheit piesacken. Aber auch hier ist natürlich das Geld ein Problem: Sollte sich Annie keinen guten Anwalt leisten können, besteht die Gefahr, dass ihr das Kind weggenommen wird. Das ist ein ähnlich großer Skandal wie der um die fehlende Gesundheitsversorgung, wird aber auch nicht weiter thematisiert. Das Geld muss eben irgendwie her - nur so können die Probleme gelöst werden.

Nun muss eine Dramedy wie Good Girls natürlich kein kritisches Gesellschaftspanorama à la The Wire sein, aber es verwundert doch, dass sich die in ihrer Armut gefangenen Protagonistinnen zu keinem Zeitpunkt darüber echauffieren, wie wenig solidarisch ihre Umgebung ist. Ruby ist nach geglücktem Überfall und unvorhergesehenem Geldsegen einfach nur noch froh, dass sie sich die bessere Ärztin leisten kann und bricht in Tränen aus, als die ihr dann auch noch ein Gurkenwasser anbietet. Das würde weniger schwer ins Gewicht fallen, wollte die Serie nicht beides sein - leichtfüßige Comedy und ernst zu nehmendes Drama.

Dieses Missverhältnis wird auch in der Beziehung zwischen Annie und ihrem aufdringlichen Chef Boomer (David Hornsby) deutlich. Er erkennt sie während des Überfalls an ihrem Tattoo, woraufhin er sie nicht etwa auffliegen lässt, sondern gleich mehrmals versucht, sie zu vergewaltigen. Beim zweiten Mal wird sie von ihrer Schwester gerettet, die den Übeltäter mit einem beherzten Schlag auf den Hinterkopf ausschaltet. Danach bleibt unklar, ob er nun tot ist oder überlebt hat. Beides würde sich mit den jeweils unterschiedlichen Tonlagen der Serie beißen.

Das alles sind aber keine Probleme, die sich nicht im Laufe der ersten Staffel beheben ließen. Dank des charmanten Ensembles und der interessanten Prämisse hat die Serie das Zeug, ein Hit für NBC zu werden. Es fehlt nur noch an der Feinjustierung.

Trailer zu Episode 1x02 der US-Serie „Good Girls“, „Mo Money Mo Problems“:

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 27. Februar 2018

Good Girls 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Good Girls 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 26. Februar 2018 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 3. Juli 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 3. Juli 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Dienstag, 3. Juli 2018
Autor
Jenna Bans
Regisseur
Dean Parisot

Schauspieler in der Episode Good Girls 1x01

Darsteller
Rolle
Reno Wilson
Manny Montana
Rio
Lidya Jewett
Isaiah Stannard
Matthew Lillard

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