Girls 4x05

Girls 4x05

Bei Hannah sitzt der Schock tief in der Episode Sit-In. Nach und nach trudeln Freunde und ungebetene Tröster ein, um den Schmerz aufzufangen - und sich selbst zu erleichtern. Am Ende ist Hannah mehr gewachsen als in ihrer gesamten Iowa-Zeit.

Hannah (Lena Dunham) kann sich über mangelnden Trost nicht beschweren in der Serie „Girls“ / (c) HBO
Hannah (Lena Dunham) kann sich über mangelnden Trost nicht beschweren in der Serie „Girls“ / (c) HBO

Eine Trennung ist nie leicht. Ein gebrochenes Herz schmerzt und die wohlmeinenden Kommentare von Freunden und Bekannten machen das in der Regel nicht einfacher. Das muss Hannah in der Episode Sit-In qualvoll herausfinden. Für alle anderen ist das Schaulaufen der Girls-Figuren urkomisch. Für Hannah sind ihre Erfahrungen mal wieder die schlimmsten, die ein Mensch jemals gemacht hat. Und wenn es dabei um den Harndrang geht.

I think I would remember if you'd told me that my boyfriend had an entirely new girlfriend.

Nacheinander tauchen fast alle Figuren auf, die wir bisher in Hannahs New Yorker Apartment gesehen haben, und geben ihre Kommentare zu der seltsamen Trennung ab. Manche sind dabei eher an sich als an Hannah interessiert, andere schaffen es, Trost in eine Beleidigung umzuwandeln. Zu guter Letzt zeigt sich, dass in solchen Situationen gute Freunde doch noch Gold wert sind - auch, wenn es zwischendurch nicht gut läuft.

Die erste, die ankommt, ist Shoshanna (Zosia Mamet). Und die tut, was sie kann, um Hannah Lösungsvorschläge anzubieten. Es gibt schließlich kein Problem, dem Shoshanna nicht mit Aktionismus begegnet´n würde. Doch sie ist zu früh. Mit ihrer Zielgerichtetheit stößt sie bei Hannah (Lena Dunham) auf taube Ohren - und damit ist sie auch schnell wieder weg von der Bildfläche. Es ist die erste Lektion, die jeder in einer ähnlichen Situation lernen muss: Es gibt nichts zu sagen oder zu tun, was den Heilungsprozess beschleunigt. Dafür ist nur der Betroffene selbst zuständig.

Als nächstes nimmt Jessa (Jemima Kirke) die Bühne ein. Auch als Jessa-Fan kann man nicht darüber hinwegsehen, dass sie sich Hannah gegenüber in letzter Zeit als furchtbare Freundin aufführt. Sie ist verletzt und beleidigt, dass Hannah die Möglichkeit ergriffen hat, nach Iowa zu gehen. Und statt sich damit auseinanderzusetzen und einzusehen, dass Hannah das Beste für sich machen muss, sagt sie, es sei okay - nur um anschließend nach Gelegenheiten zu suchen, Hannah für ihre Entscheidung zu foltern. Wie umfassend sie das schafft und wie dreist sie sich verhält, das macht nicht nur Hannah wütend.

Sie verkuppelt Adam (Adam Driver) mit einer Freundin - mit dem Argument, dass Hannah ja weggegangen sei. Das ist an Passiv-Aggressivität kaum noch zu überbieten. Jessa hat auch in ihrem eigenen Leben schon die eine oder andere furchtbare Entscheidung getroffen, und so gibt es immer noch eine kleine Chance, dass sie nicht absichtlich so gehandelt hat. Doch dann behauptet sie, Hannah bereits von der ganzen Sache berichtet zu haben - und spätestens von da an ist deutlich: Jessa ist die Freundin aus der Hölle, die man niemanden an den Hals wünschen sollte.

Das Traurige daran ist, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt immer die Einzige war, die Hannah Trost geben konnte. Sie ist auch in der Episode Sit-In die Einzige, die Hannah von sich aus umarmen will. Jessa ist das coole Mädchen, auf deren Freundschaft Hannah immer noch stolz ist. Doch das College ist vorbei und Hannah erkennt, dass Coolness nicht alles ist. Man kann nur hoffen, dass sie Jessa nicht zu schnell verzeiht.

Sicher kann man niemanden in eine neue Beziehung treiben, aber den Exfreund einer engen Freundin mit der erfolgreichen Version dieser Freundin zu verkuppeln, ist nicht die beste Art, moralische Größe zu zeigen.

Nach Jessa stehen Adams Schwester Caroline (Gaby Hoffman) und Nachbar Laird (jon Glaser) bereit, die Scherben der Beziehung mit ihrem eigenen Glück zuzudecken. Sie stehen dabei im genauen Gegensatz zu Ray (Alex Karpovsky), der anschließend vorbeikommt. Caroline und Laird werden Eltern und sind immer noch zusammen. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass mentale Gesundheit nicht unbedingt eine Bedingung für eine funktionierende Beziehung ist. Nach allen logischen Gesichtspunkten sollten Hannah und Adam diejenigen sein, die es schaffen, doch es sind Caroline und Laird, die sich gegenseitig die Füße massieren. Und Hannah mit ihrem Glück ins Gesicht schlagen - natürlich nicht wie andere Menschen. Auf furchtbar-urkomische Weise bieten sie auch noch sexuelle Erlebnisse an.

Laird stellt klar, wie sehr viel lieber er seiner Freundin die Füße massieren würde anstatt Hannah einen Tee zu machen. Hannah hat diese besondere Stellung im Leben eines Menschen gerade verloren, und es gehört meist zum furchtbaren Prozess einer Trennung, sich wie ein Eindringling in anderen Beziehungen zu fühlen.

Je nach Charakter kann man sich nun überlegen, was man schlimmer findet: dieses zur Schau getragene Glück oder Ray, der sein eigenes Unglück ins Rennen wirft? Er und Hannah sind auf einem Level, was die allgemeine Zufriedenheit angeht. Die Enttäuschung ist groß, als Hannah feststellt, dass er nicht über ihre Situation so aufgebracht ist. Amüsant ist es trotzdem, vor allem, als er sie nach verarztet nach Maßstäben, die man in der Wildnis anlegt. Immerhin wird ihre Hand nicht auch noch feucht.

This is not one of your more convincing fake showers, just so you know.

In der zweiten Hälfte der Episode Sit-In treffen endlich diejenigen ein, die wirklich helfen können: die beste Freundin und der Exfreund selbst. Marnie (Allison Williams) kommt zu spät. Hannah lässt sie das ausgiebig spüren. Bisher war Marnie immer jemand, der alles richtig und nach Vorgabe gemacht hat. Sie war da, als Hannah früh morgens umzog, sie hat sich immer an jede Vorgabe der Höflichkeit gehalten. Nun kommt sie erst nach allen anderen bei Hannah an, doch sie ist die Einzige, die wirklich auf die Verletzte eingeht. Statt ihre Meinung und ihre Aussagen von ihrer eigenen Situation beeinflussen zu lassen, hört sie wirklich zu. Und sie tut, was eine Freundin im besten Fall tun sollte: Sie sagt Hannah die (teils schmerzhafte) Wahrheit und gibt ihr den Rat, den Hannah sich selbst wohl geben würde, wenn sie könnte. Marnie navigiert ihre Freundin so aus der Situation heraus, dass Hannah später, wenn es ihr besser geht, zufrieden mit ihrer Reaktion sein kann.

Dass Marnie Recht hat, mit dem, was sie Hannah rät, zeigt sich schon kurz darauf in dem Gespräch mit Adam selbst. Das Problem ist nicht Mimi-Rose (Gillian Jacobs) an sich, sondern es war die Beziehung. Die Probleme waren schon vor der neuen Liebe da. Hannahs Wegzug hat Adam den Ausweg geliefert, den er brauchte, um der Beziehung zu entkommen. Als sie erkennt, dass ihre große Liebe zum Scheitern verurteilt war, reagiert Hannah überraschend gefasst. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie in den 24 Stunden vorher mehr gewachsen zu sein scheint als in ihrer ganzen Zeit in Iowa.

Zwischen den Zeilen findet sie eventuell die große Lösung bei ihrer Konkurrentin selbst. Als sie Mimi-Rose im Internet sucht, stößt sie auf ein Video, das nicht besser zu ihr passen könnte. Gefragt, wieviel von dem Drama in ihrem Leben auf sie selbst zurückgeht und wieviel auf ihre Beziehungen, hält Hannah ein. Es ist die Art von Frage, bei der Hannah sich angesprochen fühlt.

Mimi-Rose ist ganz klar eine erfolgreiche Version von Hannah, was die selbst sogar relativ offen zugibt, als sie erfährt, dass ihre Konkurrentin ihr eigenes Studio hat.

Dass Adam sie gegen eine bessere Version eingetauscht hat, ist einer der schmerzhafteren Aspekte der Trennung, doch Mimi-Rose ist es auch, die Hannah einen Ausweg liefern könnte. In ihrem Video geht es darum, dass man sich manchmal zwischen Liebe und Kreativität entscheiden muss. Hannah hat die Liebe verloren und dadurch die beste Gelegenheit, sich jetzt ihrer Kreativität zuzuwenden.

Fazit

Hannah wird in der Episode Sit-In ihr Herz gebrochen - eine Premiere. Einst war sie verletzt, weil Adam es nicht ernst meinte, aber den Verlust einer echten Beziehung durchlebt sie nun zum ersten Mal.

Erst kürzlich hat Hannah ihr Studium geschmissen und damit auf den ersten Blick eine Chance vertan, sich zu entwickeln. Doch in ihrer Zeit in Iowa hat Hannah sich von ihrer schlimmsten Seite gezeigt. Erst jetzt, nach der ersten schmerzhaften Trennung ihres Lebens, scheint sie zu wachsen.

Mit Blick auf Mimi-Roses Video könnte Hannah die genau richtige Entscheidung getroffen haben. Kreativität kam bei ihr immer aus dem eigenen Erleben, den eigenen Gefühlen - und nun durchlebt sie etwas, das sich wie kaum ein anderes Thema zum Bestseller eignet.

Promo zur Episode „Close-Up“ (4x06) der US-Serie „Girls“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 16. Februar 2015

Girls 4x05 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 5
(Girls 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Der Sit-In
Titel der Episode im Original
Sit-In
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. Februar 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 6. Mai 2015
Autoren
Paul Simms, Max Brockman
Regisseur
Richard Shepard

Schauspieler in der Episode Girls 4x05

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