Girls 4x06

Am Ende der Episode Close-up bleibt man mit dem Gefühl zurück, dass einige der Figuren größere Fortschritte innerhalb eines Tages gemacht haben als in allen Staffeln zuvor. Besonders Hannah (Lena Dunham) ist kaum wiederzuerkennen.
Ich will Menschen helfen
Hannah hat eine Entscheidung getroffen, die sie nicht rückgängig machen kann, als sie ihr Studium geschmissen hat. Sie hat ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin an den Nagel gehangen und einen Plan B gibt es nicht. In der Episode Close-Up zeigt sich, dass das genau das ist, was sie gebraucht hat.
Doch es ist nicht nur ihre Entscheidung, auch die Trennung von Adam (Adam Driver) trägt etwas dazu bei. Kaum etwas in Hannahs Leben ist noch so wie vor einigen Wochen. Im Fall ihrer Beziehung hatte sie kein Mitspracherecht. Auch Iowa hat sie nicht in dem Sinne aus freien Stücken verlassen. Sie stand mit dem Rücken zur Wand und ist gegangen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat.
Diese beiden Veränderungen haben dazu geführt, dass ihr Leben nun auf dem Kopf steht. Abgesehen von ihren Eltern und ihrer besten Freundin Marnie (Allison Williams) ist nichts Wesentliches mehr da. Doch diese drei Beziehungen sind für eine Figur in Hannahs Situation essentiell, werden sozusagen mitgeliefert. Sie sind quasi das unterste Fundament, ohne das ihr Leben in Gefahr eines Kollapses geraten würde.
Ihre Karriere und ihre Beziehung zu Adam sind die zwei Dinge, die sie selbst wählt, bei denen man in aller Regel alles auf eine Karte setzen muss. Sie braucht eine Liebe und einen Berufsweg, in beiden Fällen hat sie ungewöhnliche Entscheidungen getroffen, ist ein Risiko eingegangen.
Beide Entscheidungen sind ihr in den letzten Episoden unter den Händen zerbröselt. Der Zusammenbruch folgte auf dem Fuße. Mit der Episode Close-Up beginnt Hannah, ihr Lebensbild wieder neu zusammenzusetzen. Für die Liebe gibt es da keinen Beschleuniger, da kann sie nicht mehr machen als abwarten, wann jemand kommt, mit dem es passt.
Doch ihren Beruf kann sie wählen. Den Traum einer großen Karriere hat sie an den Nagel gehängt und einen Beruf aus dem Umfeld, zum Beispiel Journalistin oder Werbebranche, hat sie bereits einmal versucht. Es hat nicht funktioniert und den Weg zurückzugehen, wäre in ihrer Situation der Neuerfindung offenbar nicht das Richtige.
Nun will sie Lehrerin werden und, ohne dass sie auch nur einen Schritt gemacht hat, fühlt sich das direkt ernster an als alles andere, was sie in der gesamten Serie versucht hat. Das liegt in erster Linie daran, dass sie keine andere Wahl hat, als es zumindest zu versuchen. Sie hat ihren Traum aufgegeben und, wie ihr Vater und Elijah (Andrew Rannells) es vorhergesagt haben, ist das zunächst einmal eine große Erleichterung und schafft Platz für anderes. Das Gemisch aus Angst und Hoffnung platzt und macht Platz für neue Gefühle und Kraft.
Ich wusste, was ich tun will
Es ist interessant, dass Hannah gerade in dem Moment ihre fürsorgliche Seite entdeckt und mit Kindern arbeiten will, als Mimi-Rose (Gillian Jacobs) eine Abtreibung hat. Die Art, wie sie Adam davon in Kenntnis setzt, ist befremdlich. Doch weniger, weil sie es sagt, sondern in erster Linie deswegen, wie sie es sagt. Ein bisschen zu herausfordernd, ein bisschen zu emotionslos. Es fühlt sich an, als wenn sie versucht, ein Exempel zu statuieren. Adam reagiert wie erwartet. Er rastet aus und packt seine Sachen.
Doch in Wahrheit versuchen hier die Girls-Autoren, ein Exempel zu statuieren. Die ganze Storyline basiert auf einer Erkenntnis, die auch zum Erwachsenwerden gehört: Wollen ist wichtiger als brauchen, zumindest in Beziehungen. Mimi-Rose hat ihr Leben alleine im Griff, ganz im Gegensatz zu Hannah, die Adam aus ihrer eigenen Wohnung retten musste.
Adam ist jemand, der sich kümmert, gerade in der letzten Episode hat seine Schwester Caroline (Gaby Hoffman) es wieder gesagt. Er will gebraucht werden. Sich gegenseitig für einige Dinge zu brauchen, ist auch nichts Schlechtes, doch es darf nicht die Basis für eine Beziehung sein. Adam bleibt und erkennt, dass es auch gut sein kann, wenn man nicht wirklich gebraucht, aber gewollt wird.
Und der Rest ist auch wieder super
Jessa (Jemima Kirke) wird für ihren Fehltritt mit Adam in dieser Episode mit dem Fehlen einer Storyline bestraft. Das ist auch gut so, schlimm genug, dass sie überhaupt mit Hannah essen gehen darf.
Marnie zeigt sich von ihrer besonders verstörenden Seite. Sie scheint es richtig zu genießen, sich über ihren furchtbaren Freund aufzuregen und zu betonen, dass man mit so jemandem einsamer ist, als wenn man alleine dasteht. So, wie es im Moment aussieht, ist das ihre Version von Zufriedenheit. Sie hat ihren Willen durchgesetzt und den Typ bekommen. Jetzt bekommt sie auch noch die moralische Oberhand, weil er egoistisch ist.
Shoshanna (Zosia Mamet) sorgt mal wieder für den Witz der Woche. Sie hat ein Stück weit aufgegeben und das tut ihrer Persönlichkeit für den Moment sehr gut. Niederlage und Verlust ist etwas, was sie bisher kaum erfahren hat. Mit den jüngsten Entmutigungen wird sie lockerer. Und wir wissen, dass es wohl ein Prozess ist. Sie wird einen Job finden, sie wird ihren Weg machen. Dieser kleine Knick auf dem Weg könnte für ihren Charakter jedoch sehr wertvoll werden.
Und wow, Ray (Alex Karpovksy) will sich für einen Posten im Stadtteilrat zu Wahl stellen? Besser könnte es kaum kommen! Dafür, dass die Serie Girls nicht im eigentlichen Sinne spannend ist, kann man es manchmal kaum bis zur nächsten Episode aushalten.
Fazit
Es geht voran nach so langer Zeit des qualvollen Stillstehens. Hannahs Veränderung ist so massiv, dass man sich ein bisschen die Augen reiben muss. Es dürfte interessant werden, wo die Figuren von ihr aus hingehen. „Girls“ hat mit dem Beginn dieser Staffel einen wunderbaren Lauf angefangen, es wird immer besser. Bisher ist keine Episode dabei, die enttäuscht.
Promo zur Episode „Ask Me My Name“ (4x07) der US-Serie „Girls“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 23. Februar 2015Girls 4x06 Trailer
(Girls 4x06)
Schauspieler in der Episode Girls 4x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?