Girls 4x04

Girls 4x04

Steht die Arbeit oder der Mensch auf dem PrĂŒfstand? Kritik ist wichtig, um sich weiterzuentwickeln, doch dass die Meinung eines anderen sich nie nur auf objektive Gesichtspunkte bezieht, mĂŒssen die Girls-Figuren in der Episode Cubbies auf die harte Tour lernen.

Das Ende der NaivitĂ€t: Shoshanna (Zosia Mamet) in der Serie „Girls“ / (c) HBO
Das Ende der NaivitĂ€t: Shoshanna (Zosia Mamet) in der Serie „Girls“ / (c) HBO

Oft kommt man in die Lage, von jemand anderem bewertet zu werden. In der Schule, im Studium und auch in der Arbeitswelt, besonders beim Einstieg, hört das nicht auf. Jeder, der versucht, etwas zu erreichen, muss sich mit der Meinung der anderen auseinandersetzen. Auf dem Weg zum Erfolg und fĂŒr die eigene Weiterentwicklung ist Kritik wichtig. In der Episode Cubbies mĂŒssen die Girls-Figuren lernen, dass Feedback nicht objektiv sein kann. Und auch nicht so aufgefasst werden kann.

Great Leaders need to be focused on the future

Wir steigen in die Episode Cubbies mit der Standardsituation jedes Bewertungsalbtraumes ein: das BewerbungsgesprĂ€ch. Es lĂ€uft nicht gut fĂŒr Shoshanna (Zosia Mamet) - und sie ist auf der Suche nach Kritik. Die Art, wie sie danach fragt, passt zu ihr und legt nahe, dass es sich dabei um etwas Objektives handeln könnte. Sie will wissen, was sie falsch gemacht hat, in der Annahme, dass sie es das nĂ€chste Mal besser machen kann. Shoshanna ist frisch von der Uni, sie denkt in Notensystemen und glaubt daran, dass Bewertungen nach (halbwegs) objektiven Kriterien vergeben werden. Dazu kommt die typische NaivitĂ€t, die Shoshanna schon hĂ€ufiger gezeigt hat. Schon in der zweiten Staffel hatte sie die anderen dafĂŒr kritisiert, dass sie ihr Leben verplempern, statt stringent an ihrem Berufsplan zu arbeiten.

Nun beschwert sie sich darĂŒber, dass niemand sie darauf vorbereitet hat, wie schwer alles werden wĂŒrde. Es scheint ihr manchmal schwerzufallen, UmstĂ€nde zu verstehen, solange sie sie nicht selbst erlebt hat. Shoshanna macht im Moment eine große Entwicklung durch, die jeder um sie herum kommen sehen konnte. Sie erkennt, dass das Leben nicht so durchgeplant vor sich hinlaufen wird, wie sie bisher angenommen hatte. Vieles hĂ€ngt von ZufĂ€llen ab, vieles hat mehr mit zwischenmenschlichen Befindlichkeiten als mit objektiven Kriterien zu tun.

Die Kritik, die sie sich von ihrer GesprĂ€chspartnerin zu Beginn der Episode Cubbies erhofft, gerĂ€t zu einer qualvollen Angelegenheit, die weniger hilfreich und vielmehr deprimierend ist. Shoshanna hat eine besondere Art, mit anderen umzugehen, doch keiner ihrer Freunde war bisher fĂ€hig, ihr zu erklĂ€ren, woran genau das liegt. Es sind die kleinen Dinge, fĂŒr die sie jedoch in jedem einzelnen Fall eine gute BegrĂŒndung hat, wenn sie darauf angesprochen wurde.

Das T-Shirt, was sie fĂŒr Ray (Alex Karpovsky) aussucht, kann in dieser Hinsicht als Metapher gelten. Im GeschĂ€ft achtet sie auf die kleinen Einzelheiten - die Naht, die Marke, alles passt. Doch am Ende stellt sich heraus, dass es das Gesamtbild ist, was zĂ€hlt, und das gefĂ€llt Shoshanna selbst nicht. Auch in anderer Hinsicht ist die T-Shirt-Story lehrreich fĂŒr sie. Alles, was objektiv ist, passt. Shoshanna hat viel Zeit damit verbracht, die einzelnen Bestandteile einer großen Karriere zusammenzutragen. Doch den Job, den sie will, hat sie damit bisher nicht bekommen, weil der Stil nicht gepasst hat.

So, I am confused. Did she dump you?

Ebenfalls selbst erwĂ€hlter Gegenstand der Kritik ist in der Episode Cubbies Marnie (Allison Williams). Sie hat etwas geschaffen und sucht die Meinung ihrer Freunde. Doch statt einer objektiven Kritik schlĂ€gt ihr die Art entgegen, in der gerade Shoshanna und Jessa (Jemima Kirke) immer mit ihr umgehen. Sie urteilen nicht ĂŒber den Song, sondern ĂŒber Marnies Art. Sie liefert ein perfektes Opfer dafĂŒr. Die anderen wissen, wie wichtig Marnie ist, was andere denken. Sie gibt ihnen die Gelegenheit, etwas zu kritisieren, fĂŒr das es auch kaum objektive Aspekte gibt, zumindest, wenn man nicht beruflich damit zu tun hat.

Entweder ein Song gefĂ€llt oder nicht, das ist wohl so schwierig zu erklĂ€ren wie kaum etwas anderes. Beide fĂŒhlen keine Verpflichtung, aus Freundschaft etwas Nettes, aber OberflĂ€chliches zu sagen. Jessa sagt stattdessen einfach gar nichts, Shoshanna kommt mit einer vorgeblich objektiven EinschĂ€tzung, die so verletzend fĂŒr Marnie ist, dass selbst Jessa Gefallen daran findet.

Doch fĂŒr Marnie ist es nichts Neues, bewertet zu werden. Seit den Anfangstagen der Serie Girls wendet sie sich bei jeder Gelegenheit an andere, um sich BestĂ€tigung zu holen. Der Knackpunkt in ihrem Plot kommt erst spĂ€ter mit Desi (Ebon Moss-Bachrach). Oft haben wir Mamie in Situationen gesehen, die peinlich oder gestelzt wirkten, in denen sie aber weiterhin darauf bestand, dass alles okay wĂ€re. Doch die Szene in der KĂŒche mit Desi ist eine der wenigen Gelegenheiten, die wirklich normal wirken. Dieses eine Mal geht es von Desi aus. Und die Tatsache, dass Marnie nicht mehr an ihm festhĂ€lt, treibt ihn direkt in ihre Arme. Der Plan, sich rarzumachen, um Aufmerksamkeit zu erregen, funktioniert halt, wenn die Umsetzung sich nicht aufgesetzt und erzwungen anfĂŒhlt.

Marnie wirkt mit ihrer Art immer wie diejenige im Raum, die Probleme hat. Damit gibt sie den anderen die Gelegenheit, die Normalen zu sein. Dieses Mal behĂ€lt sie die Nerven und schafft es, normal mit Desi zusammenzuarbeiten, auch nachdem sie die AffĂ€re beendet hat. Und das fĂŒhrt dazu, dass jemand anderes die Rolle des Strauchelnden einnimmt, denn niemand hat alles im Griff - ganz besonders in der Serie Girls.

Why were you offended, Logan?

Hannah (Lena Dunham) schafft es nicht, den Fokus von sich zu ziehen. So unterschiedlich die anderen in ihrem Literaturkurs auch sind, sie rotten sich gegen Hannah zusammen. Und die macht es ihnen unglaublich einfach, damit durchzukommen. Sie ist nicht glĂŒcklich in Iowa und es wĂŒrde naheliegen, dass sie die Schuld dafĂŒr auf die anderen abwĂ€lzt und als Grund nimmt, das Studium zu schmeißen. Doch so einfach ist es nicht. Abgesehen von D. August (Ato Essandoh) hat niemand im Kurs versucht, ihr eine Chance zu geben. Sie ist nicht einfach, aber bis zu einem gewissen Punkt hĂ€tten die anderen ihr einfach eine Hand reichen mĂŒssen, um die Situation zu normalisieren. Hannah ist in den drei Staffeln bisher auf zahlreiche Arten nervig gewesen, daher ist es schon bemerkenswert, dass sie auf eine Gruppe trifft, in der man sich kaum entscheiden kann, wer schlimmer ist - sie oder die anderen.

FĂŒr ihre VerhĂ€ltnisse hĂ€lt sie in einer Situation, in der es keinen Lichtblick fĂŒr sie gibt, ziemlich lange durch. Sie sucht die Konfrontation, weil sie sich dadurch eine Lösung erhofft. Daran ist im Grunde nichts auszusetzen. Die Art, wie ihre Kommilitonen sich anschließend ĂŒber ihre Zweckentfremdung der FĂ€cher aufregen, kann auch vor der Mattscheibe Aggressionen wecken. Und auch Logans Hinweis darauf, dass sie sich angegriffen fĂŒhlt, von jemandem, der ganz offensichtlich wie ein angeschossenes Tier um sich schlĂ€gt, ist ziemlich Ă€tzend.

Hannah muss eine schwierige Entscheidung treffen und dabei scheut sie auch nicht vor billigen Auswegen zurĂŒck. Sue gibt es selbst zu, wie erleichtert sie ist, als sie kurz glaubt, aus dem Kurs geschmissen zu werden. Doch bezeichnend ist, dass sie es sich nicht so einfach macht. Sie bleibt und versucht auf ihre Art, mit der Situation umzugehen.

Dazu kommt das Treffen mit ihrem Vater (Peter Scolari), der von beiden Elternteilen stets der sensiblere war. Doch er erzĂ€hlt ihr, wieso ihre Mutter streckenweise so hart zu ihr war: Die beiden sind sich ziemlich Ă€hnlich und Loreen Horvath (Becky Ann Baker) erkennt eine Menge von sich selbst in ihrer Vergangenheit. Die Geschichte mit dem gescheiterten Buch gibt uns eine neue Sicht auf Hannahs Mutter. Sie hat einst die Entscheidung getroffen, vor der Hannah jetzt steht und wir haben bereits mehrere Gelegenheiten gesehen, in denen es schien, dass sie sich fĂŒr ihre Tochter etwas anderes wĂŒnscht.

FĂŒr Hannah ist das der zweite Hinweis darauf, dass das Leben weitergehen wĂŒrde, wenn sie ihren Traum von der Schriftstellerei aufgibt. Elijah (Andrew Rannells) mit seinem ehemaligen Traum vom Tanzen und ihre Mutter mit dem halbfertigen Buch haben beide dieselbe Erfahrung gemacht: Wenn man sich von AnsprĂŒchen und Erwartungen freimacht, die sich eventuell nicht erfĂŒllen werden, ist das sehr befreiend. Sie genießen das Leben statt zu kĂ€mpfen.

Zu einigen Gelegenheiten vorher hat Hannah den Kampf um den Traum gewĂ€hlt. Sie hĂ€tte sich von ihrem Job bei der Zeitschrift, dem sicheren Gehalt und der Krankenversicherung umgarnen lassen können. Doch sie hat sich nicht ablenken lassen. Mit jeder VerfĂŒhrung wird es schwieriger fĂŒr sie, ihren Weg weiterzuverfolgen. Dieses Mal kommt hinzu, dass sie eine Möglichkeit hat, ihren Traum wahr werden zu lassen und darĂŒber nachdenkt, diesen aufzugeben.

Doch, auch wenn es im Moment so wirkt, als ob das Ende des Studiums gleichzeitig eine Entscheidung gegen ihren Traum wĂ€re, muss das nicht viel bedeuten. Das Programm in Iowa wĂ€re eine gute Gelegenheit fĂŒr sie gewesen, als Autorin Fuß zu fassen, doch es ist nicht die einzige Art, wie sie erfolgreich sein könnte.

Doch das Ende der Episode Cubbies stellt all diese Überlegungen in den Schatten, denn Hannah platzt in eine Situation, in der sie mit gutem Recht komplett verloren wirkt. Eine fremde Frau namens Mimi Rose (Gillian Jacobs) ist in ihrem Apartment und Adam (Adam Driver) bekommt den Mund nicht auf, um eine vernĂŒnftige ErklĂ€rung zu liefern. Sollte Mimi Rose diejenige sein, von der Jessa neulich im lockeren Plauderton gesprochen hat? Dann gibt es eventuell eine ErklĂ€rung, die Adam nicht als Idiot dastehen lĂ€sst. Oder kann man Jessa wirklich zutrauen, zuzusehen, wie Hannahs Freund sie nach Strich und Faden hintergeht, ohne das weiter schlimm zu finden?

Fazit

Die Episode Cubbies bringt interessante Entwicklungen fĂŒr zumindest drei Figuren. Wir sehen, wie Hannah sich mit einer schwierigen Entscheidung trĂ€gt und nicht sofort hinwirft, wir begleiten Shoshanna, wie sie einen großen Teil ihrer NaivitĂ€t einbĂŒĂŸt und sehen Marnie zum ersten Mal seit ewigen Zeiten beieinander. Wenn dann auch noch Ray einen kleinen Plot hat, kann man von einer nahezu perfekten Episode sprechen.

Promo zur Episode „Sit-In“ (4x05) der US-Serie „Girls“:

Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 9. Februar 2015

Girls 4x04 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 4
(Girls 4x04)
Deutscher Titel der Episode
Ganz ehrlich und direkt
Titel der Episode im Original
Cubbies
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Februar 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 29. April 2015
Autor
Bruce Eric Kaplan
Regisseur
Jesse Peretz

Schauspieler in der Episode Girls 4x04

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