Girls 4x03

Hannah (Lena Dunham) ist immer noch 1500 Kilometer von New York City entfernt. Doch das bemerkt man in der Episode Female Author nicht, denn die Freunde in der Serie Girls führen seit jeher ziemlich unabhängige Leben. Ob Hannah in der Nähe ist, während Shoshanna (Zosia Mamet) ihr Testbewerbungsgespräch absolviert, oder eben nicht, macht keinen Unterschied. Die beiden Figuren, die im Moment in erster Linie Hannah als Bezugspunkt haben, tun sich kurzerhand zusammen. Das funktioniert überraschend gut.
An der Universität
Hannah findet sich nicht zurecht, nicht in ihrem Seminar, nicht in ihrem Terminkalender. Mittlerweile nicht einmal mehr in ihrem Lebenstraum. Wir haben schon einmal gesehen, wie schwierig es für sie ist, ihren Tag als Schriftstellerin zu strukturieren. Selbstdisziplin ist nicht ihre starke Seite (wer hätte es gedacht?). Doch nun ist sie ihrem Traum näher als je zuvor. Sie studiert für ihren Plan, Schriftstellerin zu werden. Und neben dem einen Kurs in der Woche hätte sie endlich genügend Zeit, sich in ihrer Profession zu üben.
Doch das tut sie nicht. Die Frage, die sich stellt und die Hannah sich überraschenderweise direkt selbst auch stellt: Ist es eigentlich wirklich ihr großer Traum, zu schreiben. Sie hat sich diesen Traum selbst gesetzt und sie ist die einzige, die den Druck wegnehmen kann. Noch überraschender ist, dass es ausgerechnet Elijah (Andrew Rannells) ist, der interessante Gedanken zu dieser Frage hat. Während er sich von einem neuen Freund zum nächsten treiben lässt, erfahren wir, dass er diese Entscheidung schon hinter sich gebracht hat. Er hat seinen Traum vom Tanzen an den Nagel gehangen und sich damit vom Erwartungsdruck befreit. Zumindest in diesem Moment wirkt er nicht unglücklich damit.
Doch für Hannah ist das noch nicht entschieden. Sie will ihren Traum verfolgen. Ob es ihr an Zielstrebigkeit oder am Willen fehlt, das ist noch nicht entschieden. Dass sie sich jetzt mit diesem Problem konfrontiert sieht, passt zu allem, was wir bis jetzt von Hannah gesehen haben. Sie hat Probleme mit zu viel Freiraum, sie sucht die Grenzen. Sie kommt nicht besonders gut mit Druck klar. Ihr Selbstvertrauen ist einfach anzugreifen, denn es ist darauf aufgebaut, dass sie die Beste ist, in dem, was sie tut. All diese Dinge werden in Iowa nun zum Problem.
Sie stellt sich dem Gespräch mit ihren Seminarkollegen - das ist schon einmal beeindruckend für jemanden wie Hannah, die stets den einfachen Weg sucht. Auch in der zweiten Episode an der Uni wird sie die Außenseiterrolle nicht los. Die anderen haben etwas gemeinsam, und das ist ihre Abneigung für Hannah. Wir wissen nicht, ob das das einzige ist, denn wir bekommen ausschließlich Hannahs Sichtweise. Wir wissen nicht, wie gut sich Logan (Marin Ireland) und D. August (Ato Essandoh) verstehen, wenn Hannah nicht als gemeinsamer Gegner dabei ist.
Die Szene auf der Party ist eine dieser grandiosen Girls-Momente, in denen man kaum anders kann als Hannah gleichzeitig zu lieben und zu hassen. Sie ist ehrlich, sie stellt die anderen bloß. Auf der einen Seite hat sie das Recht dazu. Die anderen haben sie nicht besser behandelt, im Grunde sind die anderen sogar schlimmer, denn sie verstecken sich in der Masse. Hannah tritt alleine um sich. Das erfordert Mut. Doch ihre Arroganz hilft ihr sicherlich dabei.
Alle an der Szene Beteiligten strahlen eine solche Überheblichkeit aus, dass man nicht weiß, wen man schlimmer finden soll. Immerhin ist Hannah immer für einen amüsanten Abschluss gut, als sie in der Pferdekutsche nach Hause fährt und der Mennonit den Arm um sie legt.
Eine Reihe von unglücklich Verliebten
Die nächsten, die wir sehen, sind Ray (Alex Karpovsky) und Marnie (Allison Williams). Beinah unbemerkt von allen anderen hat Ray sein Leben in den Griff bekommen. Er hat einen festen Job und verbringt seine Abende damit, Abrechnungen zu machen und sieht dabei ziemlich gut gelaunt aus. Er rückt Adam (Adam Driver) und Jessa (Jemima Kirke) den Kopf zurecht. Sein einziges Problem ist Marnie. Er sortiert Kabel, während er ihr bei ihrem Liebesschmerz zuhört. Wie er da so sitzt verwandelt er sich ganz plötzlich in das Klischee des besten Freundes, der seine eigene Zuneigung kaum versteckt, während er betont, was für ein charakterliches Arschloch sein Konkurrent ist. Und er kommt damit bei Marnie erstaunlicherweise wirklich ans Ziel.
Von Marnie sind wir gewohnt, dass sie sich zwischen Arroganz und Unsicherheit auf der Ebene eines Nervenbündels einpendelt. Sie hat mit Charlie und ihrem Job aus der ersten Staffel ihre Basis verloren. Und sie hat es auch zu Beginn der vierten Staffel nicht geschafft, diese zurück zu bekommen. Sie verfolgt ihren Traum vom Singen, doch sie geht einen selbstzerstörerischen Weg, indem sie sich mit Desi auf eine Sache einlässt, die kaum gut ausgehen kann.
Unterdessen stellt Rays Exfreundin Shoshanna ihre eigene Überheblichkeit zur Schau. Immer noch ist sie die Jüngste im Bunde, und das ist in einem Alter der großen Umbrüche ein wichtiger Faktor. Die anderen sind bereits in der Realität angekommen und haben erkannt: Den Traumjob gibt es nicht, und vermutlich wird nicht alles so kommen, wie man es geplant hat.
Shoshanna hat den anderen schon öfter ihre Naivität aufgezeigt in dieser Hinsicht, zum Beispiel als sie Hannah einst fragte, wieso deren Abschluss schon so lange her sei und Hannah immer noch nichts vorzuweisen habe. Doch Shoshanna ist auch anders als die anderen. Sie geht zielstrebiger vor. Das zeigt sich auch in der Episode Female Author. Sie organisiert sich ein Bewerbungsgespräch, das ihr nichts bedeutet, als Test für die Realität. Doch sie erkennt nicht, dass sie bereits in dieser Realität angekommen ist. Die Universität ist vorüber und mit diesem Fake-Interview hat sie die Zeit von jemandem verplempert und es dieser Person dann auch noch ins Gesicht gesagt. Shoshanna ist immer entwaffnend offen gewesen, meist hat sie das sympathisch gemacht. Doch wenn es sich mit Naivität paart, kommt dabei schnell Dreistigkeit heraus. Beim Zuschauen kann man sich dabei erwischen, wie man sich wünscht, dass sie einmal auf die Nase fällt. Nicht hart, nur so viel, dass sie von ihrer naiven Überheblichkeit loskommt.
Neue Bande
Das Herzstück der Epsiode Female Author ist die neue Verbindung aus Jessa und Adam. Die beiden haben viel gemeinsam, angefangen bei der Sucht, mit der sie zu kämpfen haben. Alles, was Adam ihr sagt, kann man nachvollziehen. Gerade vor zwei Episoden haben wir gesehen, wie sie mit billigen Mitteln versucht hat, Hannah ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie nach Iowa ging.
Über die Staffeln hat Jessa diese Rede immer wieder gehört, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber einer deutlichen Botschaft: Komm endlich klar mit deinem Leben! Irgendwie wirkt es, als ob Adams Version sie in besonderem Maße getroffen hat. Sie gibt etwas zu, was vor einigen Episoden noch unmöglich gewesen wäre: dass sie Freunde gut brauchen kann. Jessa und Adam zusammen zu packen ist eine sehr vielversprechende Idee. Vor allem, da sie offenbar nicht Gefahr laufen, sich in naher Zukunft in eine Affäre zu verlieren. Sie sind zwei Menschen, die ähnliche Selbstzerstörungsmechanismen haben, über die sie vielleicht gemeinsam besser hinwegkommen können. Eifersuchtsdrama mit Hannah steht uns also nicht ins Haus.
Doch beunruhigend in dieser Hinsicht ist die kleine Unterhaltung zwischen Jessa und Adam, in der sie ihn fragt, wie es mit dieser einen da ist, mit der er sich trifft, und er seltsam verhalten zurückgibt, dass er sie nicht jeden Tag sieht. Jessa nennt es niedlich und lustig, es ist also eher nicht die klassische Affäre. Vielleicht hat Adam seine soziale Seite entdeckt und kümmert sich um eine ältere Frau? Vielleicht arbeitet er als Mentor für die verlorene Jugend, vielleicht geht er aber auch mit der Hündin der Nachbarin spazieren.
Fazit
Auch wenn er keinen großen Anteil an der Episode Female Author hat, so bringt Elijah doch den Spruch der Woche an: „What happens if I turn the camera - around?“ Fragt er sich in der Annahme, dass die normale Art, Fotos zu machen, die Selfieposition ist.
Doch die Girls-Episode erfüllt auch darüber hinaus, was sie verspricht. Man kann Hannah, Marnie und die anderen nur schwer richtig mögen, aber sie erschreckend oft gut verstehen. Außerdem macht es einfach viel zu viel Spaß, sich darüber aufzuregen, wie furchtbar oft einfach alle Parteien in einem Konflikt sind.
Promo zur Episode „Cubbies“ (4x04) der Serie „Girls“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 26. Januar 2015Girls 4x03 Trailer
(Girls 4x03)
Schauspieler in der Episode Girls 4x03
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