Game of Thrones 6x07

Game of Thrones 6x07

In The Broken Man arbeiten die Macher von Game of Thrones weiter an der Vorbereitung eines fulminanten Schlussspurts der sechsten Staffel, die abermals Fahrt aufnimmt. Starke Darbietungen, neue Schauplätze oder auch überraschende Entwicklungen sorgen indes für reichlich Abwechslung.

Maisie Williams als Arya Stark in „The Broken Man“ / (c) HBO
Maisie Williams als Arya Stark in „The Broken Man“ / (c) HBO

Man könnte meinen, dass es uns die kreativen Köpfe hinter der HBO-Hitserie Game of Thrones in dieser Woche hinsichtlich des ambivalenten Episodentitels besonders einfach machen wollen: The Broken Man. Der gebrochene, am Boden zerstörte Mann, ist natürlich ein nicht ganz subtiler Hinweis auf all die Herren der Schöpfung in „Game of Thrones“, die bis dato tief gefallen sind und sich mehr oder minder wieder aufgerappelt haben. Gleich mehrfach treffen wir auf Charaktere, die in diese Kategorie fallen und die Welt von Westeros bevölkern.

Ihnen gegenüber steht indes eine beträchtliche Ansammlung an starken Frauen, von denen viele ebenfalls furchtbare Dinge erlebt haben, die sich jedoch nach ihren persönlichen Rückschlägen mit aller Macht zurückgekämpt haben und nun mitunter sehr deutlich den Ton angeben - ein bekanntermaßen sehr auffälliges Merkmal in „Game of Thrones“, das sich vor allem in der sechsten Staffel wie ein roter Faden durch die verschiedenen Handlungsstränge zieht.

Als Zuschauer weiß man diesen Rollentausch der Geschlechter sehr zu schätzen, zeichnete das Fernsehen an sich lange Zeit und oft eine sehr klassische, langweilige Figurenzeichnung anhand vorgefertiger Rollenbilder aus, mit der Serien wie „Game of Thrones“ glücklicherweise gebrochen haben - auch wenn sich auf dem Weg dorthin so mancher Lapsus geleistet wurde. Die aktuelle Staffel lebt aber mehr denn je von der Energie, die von den hervorragenden Leistungen der Darstellerriege ausgeht, ob nun von den Herren oder vor allem den Damen, die auch in „The Broken Man“ immer wieder Szenen an sich reißen und zu den wirklichen „Spielern“ im „Game of Thrones“ avancieren.

Strong women

Überhaupt fällt hier auf, dass es viele kleine Momentaufnahmen oder Nebengeschichten sind, die in „The Broken Man“ am meisten Aufmerksamkeit generieren. Große Handlungsstränge der Staffel fallen entweder komplett aus (erneut Meereen, auch Daenerys pausiert) oder gestalten sich weit weniger prominent und zeitintensiv als noch zuvor (King's Landing oder Braavos). Erneut macht es die Mischung und der Mut von Drehbuchautor Bryan Cogman sowie Regisseur Mark Mylod, auf andere Elemente zu setzen und wertvolle Hintergrundinformationen zu liefern, die die Vorfreude auf die letzten drei Episoden der Staffel nur noch steigern, sowie nominellen Nebencharakteren eine Bühne zu bieten. So entspinnt sich erst eine herrlich runde Episode, die qualitativ eigentlich nichts zu wünschen übrig lässt und in der man mehr als gekonnt seinen Stiefel runterspielt.

Letztlich fehlt nicht viel, wahrscheinlich nur dieses gewisse, undefinierbare Etwas, um an die bisher beiden stärksten Folgen der Staffel (Book of the Stranger und The Door) heranzukommen. Dabei bietet man uns jedoch ein paar faustdicke Aha- und Überraschungsmomente, bei denen viele wohl ein breites Grinsen im Gesicht haben oder aber gar entsetzt die Arme über dem Kopf zusammenschlagen werden. In die erstgenannte Sparte fällt ohne Frage der ungewöhnliche, beunruhigend harmonische Einstieg in die Episode, der so trügerisch idyllisch wirkt, dass man sich als Beobachter für kurze Zeit wie im falschen Film beziehungsweise in der falschen Serie wähnt.

Bronn (Jerome Flynn) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) in %26bdquo;The Broken Man%26ldquo; © HBO
Bronn (Jerome Flynn) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) in %26bdquo;The Broken Man%26ldquo; © HBO

Some kind of monster

Wir beginnen mit einem klassischen Cold Open, ein „kalter Einstieg“, verzichtet man doch zunächst auf das Intro, etwas, das wir so zuletzt im Auftakt der vierten Staffel gesehen hatten. Die Idee dahinter ist in diesem Fall sehr simpel: Es kommt zur Rückkehr eines totgeglaubten Charakters - und die Erwähnung des Schauspielers Rory McCann im Vorspann hätte einigen dann wohl doch die Überraschung genommen. Sandor Clegan aka The Hound steht nämlich plötzlich wieder auf der Matte und probiert sich als Häusle- beziehungsweisen Septenerbauer irgendwo in den zentralen Gefilden von Westeros, vermutlich in den Riverlands.

Zuletzt sahen wir ihn, als er am Ende der dritten Staffel zunächst von Brienne (Gwendoline Christie) besiegt (eine kleine Spitze in diese Richtung fällt auch in „The Broken Man“) und dann zum Sterben von Arya (Maisie Williams) zurückgelassen wurde, die sich dann nach Braavos aufmachte.

Der Hound überlebte aber und wurde von dem gläubigen Bruder Ray (Ian McShane) aufgepäppelt, der einst selbst ein Krieger und Soldat war, seine schrecklichen Taten bereut und nun den Menschen etwas zurückgeben will. Welchen Gottheiten er damit dient, ist ihm eher egal. Er glaubt an eine größere Macht, der er dienen und deren Vergebung er möchte. Die Parallelen zum Hound sind offensichtlich, auch er hat furchtbare Dinge in seinem Leben vollbracht und ist immer noch von Hass angetrieben. Doch wird sich Sandor vielleicht eines Tages von diesem und seiner blutrünstigen Vergangenheit freimachen können? Kann er sein Leben wandeln, so wie es Ray getan hat, oder ist die Welt, in der er lebt, dafür viel zu grausam und ungerecht?

Not done with fighting

Wenig überraschend ist letzteres der Fall. Nach einem harmonischen Auftakt zieht uns Game of Thrones mal wieder mit Ansage den Boden unter den Füßen weg. Für die Gutmütigkeit Rays, der eine Abwandlung eines Charakters aus den Büchern von George R. R. Martin ist, ist kein Platz. Und wenn in Sandor Clegane auch nur jemals ein Funken Hoffnung bestand, eines Tages kein Mörder und Bluthund mehr zu sein, wird dieser mit den Grauen des Krieges im Keim erstickt. Das Lager und die Baustelle, wo Ray und unzählige unschuldige Menschen - alte Männer, Frauen und Kinder - etwas bewirken wollten, wird von der Brotherhood without Banners brutalst niedergemetzelt. Nein, im Krieg gibt es keine Gutmenschen, auch wenn manch einer vielleicht geglaubt hat, dass die Rebellentruppe um Ser Beric Dondarrion und Thoros of Myr nicht zu den „Bösen“ gehört.

Doch auch diese leben in Kriegszeiten von dem Land und den Menschen. Das einfache Volk merkt keine Unterschiede, ob sie vom Löwen, vom Direwolf, vom gehäuteten Mann oder von sonst wem drangsaliert werden. „Game of Thrones“ gelingt hier nicht nur ein starker, politischer Metakommentar (ein sehr wichtiges Element aus Martins Büchern), auch der Einsatz von Ian McShane in dieser kurzen Rolle sowie Rory McCanns Wiederkehr bereichern die Folge. Inwiefern die Götter mit dem Hound noch nicht fertig sind, wird sich jetzt zeigen müssen, sein Hass ist zumindest neu genährt. Plant er, die Brotherhood without Banners büßen zu lassen? Und steht den Buchlesern unter uns Zuschauern hinsichtlich einer Figur aus der literarischen Vorlage vielleicht schon bald die nächste gewaltige Überraschung ins Haus?

Not dead yet

Komplett im Ungewissen befindet sich die gesamte Zuschauerschaft indes im Handlungsstrang um Arya in Braavos, der immer wieder mit den Geschehnissen um den Hound verwoben wird. Ein cleverer Fingerzeig auf die gemeinsamen Abenteuer des Duos in Staffel drei, bei denen sich Arya auch so einiges von der Mentalität ihres „Beschützers“ abschaute.

Ihre Lehrzeit scheint jetzt jedoch in mehrfacher Hinsicht zu Ende zu sein, recht zügig möchte sie Braavos hinter sich lassen und in ihre Heimat zurückkehren. Die finanziellen Mittel dazu hat sie, mit Stark-typischer Frisur baut sie ihre Zelte in der Hafenmetropole ab - und segnet dann beinahe das Zeitliche. The Waif (Faye Marsay) attackiert sie nämlich (zugegeben, etwas einfach) und sticht mehrfach auf sie ein. Rein visuell fühlt man sich an den grässlichen Tod von Talisa bei der Red Wedding erinnert, aber Arya, die sich in einen Wasserkanal retten kann, wird doch wohl nicht den Weg ins Totenreich antreten - oder etwa doch?

Bei all dem Schockwert und dem erhöhten Adrenalinausstoß, den diese Szene zur Folge hat, ein kleines Problem hat der Angriff auf Arya: Man fängt sich recht schnell wieder, weiß man doch, dass dies nicht ihr Ende sein kann. Natürlich wäre es „Game of Thrones“ zuzutrauen, einen der beliebtesten Charaktere der Serie umzubringen. Wir wissen nur zu gut, dass man davor schon früher nicht zurückschreckte. Aber Aryas neuer, spannender Weg hat gerade erst begonnen, das dramaturgische Potential ihrer Rückkehr nach Westeros werden sich die Autoren nicht nehmen lassen, auch wenn der Affront im Fanlager natürlich gewaltig wäre.

Dennoch ist man nun sehr gespannt, wie Arya diese schwerwiegenden Verletzungen überstehen wird und ob sie es in ihre Heimat schafft. Vielleicht irre ich mich aber auch komplett und es kommt doch ganz anders. Die Spiegelung zwischen ihrer Lage (stirbt sie?) und der des Hounds (Aufbruch zu neuen Ufern) zum jetzigen Zeitpunkt und zum Ende der dritten Staffel ist indes ein schöner Nebeneffekt.

Natalie Dormer in %26bdquo;The Broken Man%26ldquo; © HBO
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Army of fanatics

Zwischendurch bietet sich der kurze Blick auf einen weiteren gebrochenen Mann an, Theon, den es mit seiner Schwester Yara (Gemma Whelan) nun ebenfalls nach Essos, genauer zur immer wieder sehenswerten Long Bridge von Volantis, verschlagen hat. Hier huren die Ironborn ordentlich herum, was Theon sichtlich unangenehm ist. Neben der spannenden Erkenntnis, dass Yara tatsächlich ihrem Onkel Euron zuvorkommen will und eine Allianz mit Daenerys in Meereen knüpfen möchte, gehört diese Szene vor allem Alfie Allen.

Der Schauspieler, auf den seine Kollegen und Kolleginnen immer wieder gerne ein Loblied singen, brilliert auch hier zum wiederholten Male. In den Augen Theons ist wieder Feuer zu sehen, seine grauenhafte Leidenszeit (Yara: „A few bad years...“) ist endlich vorbei, jetzt kann er wieder jemand sein. Der gebrochene Theon schöpft ein Stück weit neue Hoffnung an der Seite seiner zielgerichteten Schwester, deren große Pläne ambitioniert sind, aber auch erst einmal in die Tat umgesetzt werden müssen. Ob Daenerys bereit dazu sein wird, mit Yara anzubandeln? Rein politisch gesehen natürlich...

Anbandelungen auf politischer Ebene“ sind neben „gebrochenen Männern“ die zweiten großen Stichwörter der Episode, in der die Figuren auf dem Schachbrett mal wieder munter neu arrangiert werden. In King's Landing hat sich die Lage etwas beruhigt, hinter den Kulissen geht es aber weiterhin heiß her. Der High Sparrow (Jonathan Pryce) macht nun sogar etwas Druck auf die fromme, ungewohnt zugeknöpfte Margaery (Natalie Dormer), die schnellstmöglich einen Erben in die Welt setzen soll, um die Macht zu erhalten. Hier merkt man sehr stark, dass der High Sparrow auch über den Tellerrand hinausblickt und sich der politischen Machtspielchen in der königlichen Hauptstadt bewusst ist.

Margaery kuscht weiter vor ihm, sehr zum Entsetzen ihrer Großmutter Olenna, die mal wieder zur Hochform aufläuft. Eine Diana Rigg in der Form hat man etwas vermisst, alleine, wie sie auf die stoische Septa Unella (Hannah Waddingham) losgeht, ist das Eintrittsgeld wert - auch wenn sich manche vielleicht wünschen, die Queen of Thorns würde mal wieder mehr intrigieren als zetern.

Parley

Einmal in Stimmung gekommen bekommt dann auch Cersei (Lena Headey) ihr Fett weg, ist sie es doch gewesen, die ihnen den ganzen Schlamassel um den High Sparrow eingebrockt hat. Zur Verwunderung Olennas gesteht Cersei sogar ihre Schuld ein, etwas, das man wohl nie von der Lannister-Dame erwartet hätte. Eine Allianz zwischen den Tyrells und ihr kann sie sich dennoch abschminken, Olenna zieht aus Cerseis Misere sogar ein wenig Genugtuung, auch wenn es derzeit sonst nichts in King's Landing zu lachen gibt.

Die Queen of Thorns scheint sich erst einmal wieder zurückziehen zu wollen, vor allem, nachdem sie von ihrer Enkelin unmissverständlich klargemacht bekommen hat, dass diese immer noch eine Tyrell ist und ihren Glaubenswandel nur vortäuscht. So brodelt es in diesem Handlungsstrang wieder mehr unter der Oberfläche, ob Margaerys Plan Früchte tragen wird und worauf dieser es überhaupt abzielt, bleibt offen. Auch Cersei ist weiterhin eher macht- und ratlos, auf sich allein gestellt und ohne jegliche Unterstützung.

Ob sie kurzfristig etwas ausrichten kann, zum Beispiel durch das bevorstehende Trial by Combat, wird man sehen müssen. Auf lange Sicht setzt sie ihr Vertrauen wohl unter anderem in Zwillingsbruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), der die Lannisters auf dem Schlachtfeld sowie im übertragenen Sinne zu neuem Erfolg führen soll. Gut, die Belagerungsversuche der tölpelhaften Freys vor den Toren Riverruns zu toppen, dürfte wohl ein Leichtes für jeden sein. Der beinharte Blackfish Brynden Tully (nach langer Abwesenheit mal wieder hervorragend von Clive Russell zum Besten gegeben) lässt sich zumindest nicht so einfach aus der Reserve locken, trotz der Gefangenschaft seines Neffen Edmure (Tobias Menzies), der die Geisel der Freys ist. Im direkten Gespräch zwischen Blackfish und Kingslayer wird die Unumstößlichkeit des einen und die Unerfahrenheit des anderen deutlich.

Our war

Für Nikolaj Coster-Waldau freut es mich in seiner Rolle des Jaime Lannister (einer von vielen „broken men“ in Game of Thrones), dass er nun wieder etwas mehr zu tun bekommt. Auch Jerome Flynns Rückkehr als Bronn ist eine gute Sache, hat man den unverblümt-direkten Söldner doch schon ein Stück weit vermisst. Wie die Belagerung von Riverrun nun gelöst wird, was die Ankunft von Brienne für Konsequenzen haben wird und ob Jaime erfolgreich in seine neuen Rolle hinwachsen wird, sind nur ein paar der Fragen, die uns nun auf Trab halten. Der Abstecher in die Riverlands ist auf jeden Fall eine sehr gelungene Abwechslung, die uns neben einer interessanten Pattsituation auch mal wieder einige geliebte Charaktere und Darsteller präsentiert, denen man einfach ungemein gern bei ihrem Spiel zuschaut.

Das Wörtchen „Spiel“ trifft in The Broken Man derweil auch auf die vor wenigen Episoden etablierte „Taktiktafel“ zu, nimmt man sich hier doch auch die benötigte Zeit, um kommende Schlachten vorzubereiten und neuerliche Zahlenspiele anzustoßen, mit welcher militärischen Macht welche Parteien zeitnah aufeinandertreffen werden. Während Jaime immerhin 8.000 Lannister-Soldaten kommandiert, müssen sich Jon (Kit Harington) und Sansa (Sophie Turner) mit deutlich weniger Kriegern begnügen.

Die 2.000 Wildlings um Tormund (Kristofer Hivju) sind da noch verhältnismäßig schnell überzeugt, geht es doch auch um deren Existenz, falls die Boltons, Umbers und Karstarks siegreich sein sollten. Riese Wun Wun und der stets überzeugende Tormund leisten ihren Beitrag, so dass die „Starks“ zumindest erst einmal eine Grundlage haben. Doch dann geht die Mobilmachung erst richtig los, unser Heldenduo Sansa und Jon und ihre vermeintliche Strahlkraft wird aber etwas entglorifiziert. Ja, in vielen Teilen des Nordens bedeutet der Name Stark noch etwas, in anderen Teilen hat dieser aber durchaus seinen Wert verloren, was es nicht besonders einfach macht, eine Armee aufzustellen.

Team Stark auf der Suche nach Verbündeten in %26bdquo;The Broken Man%26ldquo; © HBO
Team Stark auf der Suche nach Verbündeten in %26bdquo;The Broken Man%26ldquo; © HBO

Lost cause

Zunächst gibt es einen kleinen Erfolg zu verzeichnen, auch wenn es ein ganzes Stück Arbeit ist: Auf Bear Island, der Heimat der Mormonts, kann man der herrlich taffen Lyanna Mormont (Bella Ramsey) - zehn Jahre alt, rational und pflichtbewusst, den Starks aber letztlich loyal ergeben - immerhin stolze 62 Kämpfer abgewinnen. Außerdem zeigt sich abermals der Wert von Davos (Liam Cunningham) als Berater und rechte Hand, während Sansa und Jon von der großartigen Lyanna als derzeitige Herrscherin über Bear Island ordentlich in die Schranken gewiesen werden.

Die Warnung vor den White Walkern zeigt jedoch Wirkung, auch der Treueschwur der stolzen Krieger und Kriegerinnen des Hauses Mormont gegenüber den Starks will geehrt werden - selbst, wenn es nur ein paar Kämpfer sind, die bereitgestellt werden. Mir gefällt darüber hinaus der Gedanke, dass Davos' Ansprache über die wahre Bedrohung im hohen Norden nicht nur Lyanna überzeugt, sondern auch Sansa ins Grübeln bringen könnte. Natürlich will sie ihre Rache - und das, was ihr angetan wurde, sollte auf keinen Fall kleingeredet werden. Aber vielleicht erkennt die in letzter Zeit sehr proaktive Stark-Erbin, dass es noch einen Krieg nach dem Krieg gibt und der Kampf gegen den Night's King von unvergleichlicher Bedeutung ist.

Weitaus komplizierter sieht es da schon in Deepwood Motte aus, der Heimat der Glovers. Diesen hat Robbs Feldzug gen Süden nur Unheil gebracht, unter anderem eine Invasion durch die Ironborn, und so sieht Robett Glover (Tim McInnerny) keinen Grund, sich Sansa und Jon anzuschließen. Die Boltons haben den Glovers gar geholfen, ihre Festung zurückzuerobern und jetzt sollen sie in die aussichtslose Schlacht gegen die neuen Herrscher über den Norden ziehen? Und dann auch noch an der Seite von Wildlings? Es ist gut, dass sich Sansas und Jons Bemühungen nicht zu einfach gestalten - dieser Gegenwind ist nachvollziehbar und generiert natürlich auch noch einen Zacken mehr Spannung, als wenn ohne Probleme eine Armee zusammengestellt wird.

Uneinigkeit im eigenen Lager, Misstrauen unter den Entscheidungsträgern und Zeitdruck - es herrscht eine schöne Anspannung im Lager um Jon und Sansa. Da bleibt letzterer wohl kaum eine andere Wahl, als eventuell doch auf Littlefingers Hilfe und die Mannen aus dem Vale zu bauen, was mit einem verräterischen Schriftstück und einem unbequemen Gesichtsausdruck Sansas suggeriert wird. Was bleibt ihnen sonst anderes übrig? Oder kann man noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen?

Fazit

The Broken Man zeichnen nicht nur mehrere gut durchdachte rote Fäden, clevere thematische Querverbindungen sowie tolle Schauspielleistungen aus - die gesamte Staffel profitiert von der Ruhe vor dem Sturm, dem man in der vorangegangen und aktuellen Episode groß und breit ankündigt und vorbereitet. Die Anspannung ist vielerorts deutlich zu spüren, dennoch lässt man sich nicht dazu verleiten, die Dinge zu überstürzen. So baut man den vermeintlich großen Knall (oder gleich mehrere) behutsam auf, um am Ende den maximalen Ertrag zu erhalten.

Nebenbei dürfen dann auch mal ein paar Schauspieler und Schauspielerinnen glänzen, die bisher eher die zweite Geige gespielt haben, sei es Natalie Dormer oder Nikolaj Coster-Waldau. Auch die Auftritte diverse alter sowie neuer Charaktere bereitet große Freude. Ein besonderes Lob geht indes an die Kostümabteilung und die Ausstattung der Serie, die hier mit wunderbar detaillierten Designs und Kleidungsstücken aufwartet. Zwar hat „The Broken Man“ keinen absoluten Höhepunkt zu bieten, dafür aber viele packende Nadelstiche, die viele Zuschauer sicherlich auf dem falschen Fuß erwischen.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 6. Juni 2016

Game of Thrones 6x07 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 7
(Game of Thrones 6x07)
Deutscher Titel der Episode
Der Gebrochene
Titel der Episode im Original
The Broken Man
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. Juni 2016 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. Juni 2016
Regisseur
Mark Mylod

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 6x07

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