Game of Thrones 6x05

Das, was in den letzten Minuten der Episode The Door passiert, vermag nur Game of Thrones zu leisten. Es ist schon eine Kunst, eine Folge, die lange sehr gemächlich voranschreitet und uns überwiegend neue Zwischenstände in den verschiedenen Handlungssträngen bietet, mit einem derartigen Schlussakt enden zu lassen. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, wie wir sie von der Erfolgsserie nur zu gut kennen. Dennoch erwischt man uns komplett auf dem falschen Fuß und hinterlässt uns nicht nur sprach-, sondern fassungslos. Eine äußert turbulente, ungemein aufregende Inszenierung von „Game of Thrones“-Neuling Jack Bender verstärkt noch den Effekt dieses dramatischen Höhepunkts, der sogar noch mehr Fragen aufwirft, als dass sie geklärt werden.
Doch bis zu diesem mitreißenden Finale von „The Door“ ist es ein langer Weg. Wir haben die Halbzeit der sechsten Staffel erreicht, das Erzähltempo war bis hierhin im Durchschnitt wahnsinnig hoch. Und so lassen die beiden Serienmacher David Benioff und D.B. Weiss den Plot noch einmal etwas zur Ruhe kommen, bevor wir in die zweite Staffelhälfte starten. Dies hat wiederum zahlreiche sehenswerte Dialogszenen zu Folge, wobei man mancherorts ein wenig den Zug zur Sache vermissen lässt. Auch die Entscheidungen einiger Charaktere dürfen hinterfragt werden, während auf der anderen Seite die gesamte Darstellerriege die starke Form dieser Staffel untermauert.
Of monsters and men
Besonders auffällig ist diese Woche, dass die Stark-Familie einen großen Teil der Laufzeit einnimmt, was ein offensichtliches Zeichen dafür ist, dass sich das unglücklichste Haus von Westeros ein wenig im Aufwind befindet. Die Serienmacher greifen darüber hinaus auf eine starke Symbolik zurück, sei es über konkrete visuelle Elemente oder über etliche Referenzen an alte Episoden und Staffeln. Dies gibt der Folge einen sehr ambivalenten Charakter, der Raum zum Spekulieren lässt. Außerdem wagen sich die Verantwortlichen mehr denn je an das Konzept der High Fantasy, was vielleicht nicht jedem schmeckt, Genrefans aber freuen dürfte. Beeindruckende Effektarbeit geht hier mit hochinteressanten Andeutungen einher, die wohl nur noch weitere Theorien zu der facettenreichen Fantasyswelt von Game of Thrones hervorbringen werden.
Doch bevor wir uns den Fantasy-lastigsten Teilen von „The Door“ widmen, dreht sich hier vieles um andere Kernelemente der Serie. Zum Beispiel militärische Zahlenspiele, politische Pläne und die gute alte Frage, wem man in dieser so lebensbedrohlichen Welt überhaupt vertrauen kann. Gehört zum Beispiel jemand wie Littlefinger (Aidan Gillen) dazu? Wohl eher nicht, wie seine Handlungen in der Vergangenheit gezeigt haben. Deshalb ist es auch absolut verständlich, dass Sansa (Sophie Turner) ihm bei einem Treffen nahe der Wall in Mole's Town sehr viel Misstrauen entgegenbringt. Es ist nur schwer zu glauben, dass der durchtriebene Petyr Baelish nichts von dem scheußliche Wesen Ramsays (Iwan Rheon) wusste. Und ihm servierte er Sansa auf dem Silbertablett, die unbeschreibliche seelische und körperliche Schäden aus dieser arrangierten Ehe mitgenommen hat.

Unharmed
Wir beginnen die Episode mit einer starken Dialogszene, in der Sophie Turner abermals brilliert und Aidan Gillen mit der Wut und Enttäuschung ihres Charakters geradezu an die Wand spielt. Brienne (Gwendoline Christie), die Frau fürs Grobe, ist ebenfalls anwesend, um auf Kommando Littlefinger den Garaus zu machen, sollte Sansa dies befehlen. Selbst Littlefinger scheint ungewohnt verunsichert in dieser Situation. Sein Angebot, die stolze Sansa und ihren Halbbruder Jon (Kit Harington) im Kampf gegen die Boltons zu unterstützen, schmettert sie ab. Während man sich fragt, wie clever es ist, auf die Soldaten aus dem Vale und Littlefingers Truppen zu verzichten - braucht man im Kampf gegen Ramsay doch jeden Mann beziehungsweise jede Frau -, können wir Sansas Ansage von einem persönlichen Standpunkt total nachvollziehen.
Würde man jemandem vertrauen, der einen immer wieder zu seinem Spielball gemacht, dessen Skrupellosigkeit und Gerissenheit man mehrfach mit eigenen Augen gesehen hat und der wahrlich über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen? Sansa tut gut daran, Littlefinger vom Hof zu jagen, auch wenn die Musterung einer schlagkräftigen Armee umso schwerer dadurch wird. Als ihren Trumpf sieht die proaktive Sansa die Stahlkraft des Familiennamens Stark. Allein das Wappentier, der zähnefletschende Direwolf, sollte Bereitschaft bei den übrigen Häusern des Nordens entfachen. Weshalb es schon beinahe wie eine politische Kampagne wirkt, als Sansa sich ein neues, verziertes Gewand schneidert und auch Jons Garderobe überarbeitet. Er ist und bleibt der Bastardsohn von Eddard Stark, sein Anspruch über den Norden ist rein rechtlich gesehen nicht existent. Sansa kann dies wiederum ausgleichen, und wenn Jon dann noch optisch an den ehemaligen Warden of the North Eddard Stark erinnert, dann finden sich eventuell schneller Verbündete als gedacht.
The North remembers
Dies ist jedoch einfacher gesagt als getan. Nachdem sich die Umbers und Karstarks Ramsay Bolton angeschlossen haben, bleiben als größere militärische Macht im Norden nur noch die Manderlys. Kann man dann noch weitere kleinere Häuser wie die Mormonts oder Glovers für sich gewinnen, steigen eventuell die Chancen. Die Szenen am „Taktiktisch“ bieten einen schönen Einblick in die militärische Komplexität der Serie. Zwischen den Zeilen liest man aber, dass die unerfahrene Sansa etwas zu stürmisch denkt und ihre Rache (verständlicherweise) lieber jetzt als gleich haben will. In Davos (Liam Cunningham) hat Jon aber einen erfahrenen Strategen an seiner Seite, der das Handwerk des Krieges und des Schmiedens von Allianzen versteht - eine Fähigkeit, die noch äußerst wertvoll werden kann.
Im Gegensatz dazu kann es Sansa gar nicht erwarten, eine Armee aufzubauen, und vergisst dabei die Kosten und Mühen eines solchen Unterfangens. Von Littlefinger bekommt sie gar die Information zugesteckt, dass ihr Onkel Brynden „Blackfish“ Tully eine kleine Armee auf die Beine gestellt und die Tully-Heimat Riverrun zurückerobert hat. Doch wie viel kann man auf Littlefingers Worte geben? Könnte der Blackfish überhaupt Truppen gen Norden entsenden? Sansas präsentiert sich hier etwas zu naiv und voreilig, was sich etwas damit beißt, dass sie Littlefinger zuvor so entschlossen abgekanzelt hat. Brienne, der immer noch schöne Augen von Tormund („That wildling fellow with the beard!“) gemacht werden, soll es richten und direkt nach Riverrun reiten, um Unterstützung anzufordern. Ein Plan, der etwas schwammig und durchaus riskant wirkt.
A fight you can win
Sansas Ungeduld und Rachegelüste, die sie nachlässig machen, fallen natürlich auch ihrer neuen Beschützerin auf. Wie kann man zum Beispiel Davos und Melisandre (Carice van Houten) vertrauen, die vor kurzem noch an der Seite von Stannis standen? Kann man auf die Wildlings zählen, wenn es drauf ankommt? Doch Sansa vertraut Jon, der diesen Kampf für Gerechtigkeit und Wiedergutmachung anführen wird. Aber warum lügt sie ihn dann an, wenn es um die Information zum Blackfish geht? Zeigt sich hier der dunkle Einfluss von Littlefinger, dessen größter Vorteil es immer wahr, mehr zu wissen als jeder andere, auch als seine Verbündete, um immer ein Ass im Ärmel zu haben?
Springen wir zu Sansas Schwester Arya (Maisie Williams) nach Braavos, zeigt sich auch bei dieser, dass die alten Wunde noch lange nicht verheilt sind. Was wiederum eine ungewünschte Kurzschlussreaktion nach sich ziehen könnte. Eigentlich hat sie einen großen Schritt getan, um zu einem „Niemand“ zu werden. Arya bekommt zwar immer noch ordentlich von The Waif (Faye Marsay) auf die Mütze. Doch Jaqen (Tom Wlaschiha) gibt ihr eine zweite Chance, sich in den Augen des Many-Faced God zu beweisen. Aber wie standhaft bleibt Arya, wenn sie immer wieder daran erinnert wird, was man ihr und ihrer Familie angetan hat? Neben ein paar Hintergrundinformationen zum House of Black and White und dem Assassinen-Bund um den Many-Faced God dient Aryas Handlungsstrang vor allem dazu, ihr (und uns) noch einmal vor Augen zu führen, wie die Starks aktuell gesehen werden.

What is dead may never die
Das gemeine Volk von Braavos erhält seine Informationen über die Vorkommnisse in Westeros über eine launige Theateraufführung (unter anderem mit Gastdarsteller Richard E. Grant sowie der Musikgruppe Of Monsters and Men), die die Tatsachen „etwas“ verklärt . So ist zum Beispiel Ned Stark als Stellvertreter von König Robert nur ein einfacher Tölpel gewesen. Arya bleibt bei dieser Wiedergabe der Ereignisse das Lachen im Halse stecken, Wut zeichnet sich in ihrem Gesicht ab. Es ist klar, dass sie kein „Niemand“ ist und die Vergangenheit nach wie vor mit sich herumträgt. Eigentlich soll Arya „nur“ eine Darstellerin vergiften - warum genau, ist (noch) nicht wirklich ersichtlich und hat sie auch nicht zu interessieren. Aber auch Arya wird, wie so viele Charaktere in dieser Staffel, von ihrer unschönen Vergangenheit eingeholt. Dies gibt ihrem Handlungsstrang, der zunächst etwas vor sich hinplätschert, eine spannende Note, fragt man sich doch schon, wie lange es Arya in Braavos halten wird oder ob sie vielleicht schon bald dem House of Black and White den Rücken kehrt.
Zurück an alter Wirkungsstätte ist indes Theon (Alfie Allen), der mit seiner Schwester Yara (Gemma Whelan) der Kingsmoot der Ironborn beiwohnt, in deren Rahmen der neue Herrscher oder die neue Herrscherin über die Iron Islands bestimmt werden soll. Ehrlich gesagt fällt dieses Prozedere leider etwas flach aus, womöglich liegt dies aber auch an den Vorstellungen eines Kenners der Büchern, in denen die Kingsmoot ein sehr interessantes Großereignis ist. Hier platzt nun der von sich selbst schwer überzeugte Euron hinein, lässt ein paar fiese Sticheleien gegen Theon vom Stapel, beichtet dann noch fix den Mord an Bruder Balon und kann die Ironborn im Handumdrehen auf seine Seite ziehen. Sein Versprechen: Der Aufbruch zu neuen Ufern, genauer Essos, wo eine gewisse Daenerys wartet und sicherlich Verwendung für die Schiffe der Ironborn hat. An ihrer Seite wird das Seeräubervolk neuen Ruhm erlangen und keine Witzfiguren in den Augen der anderen Häuser von Westeros mehr sein.
Rightful ruler
Ja, eine Zusammenführung von den Greyjoys und Daenerys scheint verlockend, ist aber noch dermaßen vage und simpel von Euron durchdacht, dass man leichte Zweifel hegt. Die Inszenierung seiner „Taufe“ ist indes sehr gelungen, auch Darsteller Pilou Asbaek präsentiert sich überzeugend mit einem Übermaß an Selbstvertrauen. Dass Yara und Theon dann aber doch recht einfach die Flucht ergreifen können, ist etwas eigenartig. Wohin es sie mit ihrer Flotte verschlagen wird, bleibt ebenfalls offen. Vielleicht kommen sie Euron ja zuvor und reisen in den Osten in Richtung Essos? Oder sie schließen sich jemand anders an. Am Ende dieses Handlungsstrang bleibt ein Hauch Aufbruchsstimmung (Euron plant selbst, die größte Flotte aller Zeiten aufzubauen), inhaltlich fallen die Ereignisse auf Pyke diese Woche im Vergleich zu den anderen Erzählsträngen etwas ab.
So, wie die Yaras und Theons Treffen in der Episode Book of the Stranger fast schon untergegangen ist, geht es derweil auch der Nebengeschichte um Daenerys in The Door, die nun mit ihrer Dothraki-Armee aufbricht. Vorher vergibt sie in einer emotionalen und sehr gut gespielten Szene Jorah, der seiner khaleesi die Greyscale-Erkrankung offenbart. Eine gute Entscheidung, dass hier nicht länger um den heißen Brei herumgetanzt wird. Emilia Clarke und Iain Glen bieten uns zwei tolle Darbietungen, an deren Ende Jorah nach einem Heilmittel suchen und sich dann wieder Daenerys anschließen soll. Eine etwas merkwürdige Auflösung dieser Geschichte, die aber auch dazu dient, uns zu zeigen, dass Daenerys ohne weitere Umwege wieder Meereen ansteuert.
True friends
Hier arbeitet Tyrion (Peter Dinklage) mit seinem Rat weiter am Wiederaufbau der Stadt und der Erhaltung des Friedens, der nach dem Pakt mit den Sklavenhaltern aus Astapor und Yunkai eingekehrt ist. Es wird eine schöne Parallele zu den Ereignissen an der Wall gezogen, ist doch auch Tyrion wie Sansa darauf erpicht, über eine Art politische Kampagne Daenerys mehr Strahlkraft zu geben und ihre Bedeutung für Meereen wie für die gesamte Slaver's Bay zu stärken. Mother of Dragons, Breaker of Chains oder was auch immer - jetzt gilt es, die gesamte Bevölkerung hinter ihr zu vereinen, um eine gute Basis aufzubauen. Dafür lässt sich Tyrion aber auf den nächsten gefährlichen Deal ein, dessen Konsequenzen noch nicht ganz einzuschätzen sind.

The one who was promised
So soll nämlich eine hohe Priesterin des Lord of Light die frohe Kunde über Daenerys unter den Menschen und Anhängern ihres Glaubens verbreiten. Wie wir wissen, sehen die Glaubensvertreter von R'hllor in Daenerys ohnehin eine Art Erlöserfigur, die einflussreiche Kinvara aus Volantis soll jetzt noch etwas mehr Bewegung in die ganze Sache bringen. Doch Varys (Conleth Hill) ist skeptisch, hat er doch selbst schmerzhafte Erfahrungen mit Fanatikern gemacht - und nichts anderes sind die Anhänger des Lord of Light. Die Serienmacher führen hier eine spannende neue Komponente in Meereen ein, das Darstellertrio spielt sich derweil hervorragend die Bälle zu und Neuzugang Ania Bukstein avanciert zu einer Art Melisandre 2.0 - allwissend, verführerisch und mit eine unglaublichen Präsenz ausgestattet. Wir schweifen bei ihren Ausführungen ins Fantasygenre ab, kann man ihre augenscheinlichen Fähigkeiten doch anders nicht erklären.
Aber dies ist in The Door nur die Spitze des Fantasy-Eisbergs. Der Handlungsstrang um Bran (Isaac Hempstead Wright) steht wohl am meisten im Zeichen fantastischer Ereignisse und übernatürlicher Vorkommnisse. Und das Ergebnis könnte grandioser nicht sein. Zunächst einmal bekommen wir eine weitere Vision von Bran zu sehen, oder genauer: einen Rückblick darauf, wie die White Walker entstanden sind. Vor einer sehenswerten Kulisse verwandelten die Children of the Forest einen Menschen in einen eisigen Untoten, als Waffe gegen die Menschen, die die Heimat der Children of the Forest zerstörten. Ein Szene später sehen wir erneut den Weirwood-Baum, wo der erste White Walker entstand - nur dieses Mal in eisiger Kälte. Die Steine um den Baum bilden nun deutlicher eine Spirale, die an eine Szene aus der dritten Staffel erinnert, wo Jon und Mance Rayder eine fast identische Symbolik auf der Fist of the First Men fanden.
The time has come
Doch Bran ist nicht unter der Anleitung des Three-Eyed Raven (Max von Sydow) vor Ort, es ist ein Alleingang. Der Blick in die Vergangenheit ist verlockend. Das Wissen, welches man dort finden kann, wie ein Rauschmittel. Bran will mehr - und begeht einen folgenschweren Fehler. Ihm steht plötzlich nicht nur eine Armee von Untoten gegenüber, auch der Night's King und seine drei eisigen Adjutanten formieren sich vor ihm. Mehr noch, der Night's King sieht ihn sogar und ist über eine einfache Berührung im Bilde, wo sich Bran und der Three-Eyed Raven befinden, wo der Ort liegt, von dem scheinbar die größte Gefahr für die Pläne des frostigen Zeitgenossen ausgeht. Wir machen einen großen Sprung, auch dieser Handlungsstrang nimmt plötzlich extrem viel Geschwindigkeit auf. Brans Lehrzeit (ein Großteil davon ist wohl tatsächlich off-screen erfolgt) ist beendet. Ob er bereit ist, das zu tun, was sein Schicksal von ihm verlangt? Nein, glaubt man den Worten des Three-Eyed Raven, der wenig später das Zeitliche segnet.
Die Serienmacher kombinieren hier gleich mehrere Dinge: Zum einen dienen Brans Visionen abermals als interessante Informationsschnipsel - sei es bezüglich dem Ursprung der White Walker oder seiner eigenen Familie (der junge Eddard wird für seine Lehrzeit von seinem Vater Rickard ins Vale entsandt). Zum anderen treibt man die übergeordnete Handlung von Game of Thrones (der Kampf gegen die White Walker), die in den letzten Wochen etwas nebensächlich war, mit großen Schritten voran. Und liefert dann auch noch einen der dramatischsten Momente der gesamten Serie ab, den so schnell wohl niemand vergessen wird: Der Night's King und seine Meute stehen nämlich plötzlich vor der Höhle des Three-Eyed Raven (darüber, wie schnell sie vor Ort sind, sollte man sich nicht allzu viele Gedanken machen) und blasen zum Angriff.
Leave me
Es entspinnt sich eine explosives Gefecht, das sich schnell in die unterirdischen Gänge unter dem Weirwood-Baum verlagert. Die Situation eskaliert endgültig, aus allen Ecken kommen Untote gekrochen, bisweilen bildet sich ein ganzer Gang an wild heranstürmenden Skeletten, die Bran, Meera (die mit einem Dragonglass-Speer sogar noch einen White Walker tötet!) und Hodor auf ihrer Flucht verfolgen. Brans Direwolf Summer opfert sich in einer hochdramatischen Szenen ehrenvoll für die Gruppe, während Bran mit dem Three-Eyed Raven noch im Winterfell der Vergangenheit weilt und die Kontrolle über Hodor übernommen hat. Auch Leaf (Kae Alexander) sprengt sich selbstlos in die Luft und verschafft Bran und seinen Freunden etwas Zeit. Das große Finale kommt aber erst noch.

Hodor (Kristian Nairn) stemmt sich mit aller Macht gegen die von Untoten belagerte Tür, durch die er, Bran und Meera (Ellie Kendrick) entfliehen. Und er hält dagegen. „Hold the door!“, ruft Meera - und plötzlich kommt der Übergang zur Vergangenheit. Der junge Wylis (Sam Coleman) hat einen Anfall, krümmt sich am Boden und schreit „Hold the door!“ So kam es zu seinem Namen, so wurde Hodor zu dem sanftmütigen, einfachen Riesen, der er ist. Bran hat ihn dazu gemacht. Mit seinen Fähigkeiten kann er wohl doch Einfluss auf die Vergangenheit nehmen und so die Gegenwart formen. Oder liegt der Ausgang dieser Zeitlinie einfach fest? Um True Detective zu zitieren: „Time is a flat circle.“ Eine derartige Entwicklung, die so viele Fragen aufwirft und Möglichkeiten in Aussicht stellt, hat wohl keiner kommen sehen. Und wie wird Bran überhaupt mit dieser Schuld umgehen? Doch bevor man sich in wilde Gedankenspiele und Theorien stürzt, hallt der schmerzvolle Abschied von Hodor nach, der die Tür verschlossen hält und Bran und Meera die Flucht ermöglicht. Es ist einer dieser emotionalen Tiefschläge, wie sie nur Game of Thrones fertigbringt. Und weswegen man die Serie so sehr mag und gleichzeitig verteufelt.
Fazit
Das Ende von The Door war mir in dieser Woche einfach eine vierte Seite wert: Die Ereignisse um Bran jenseits der Mauer sind das Prunkstück der verheißungsvoll betitelten Folge „The Door“ - sowohl auf emotionaler Ebene als auch mit Blick auf das große Endspiel der Fantasysaga. Diese wird mehrfach dieser Bezeichnung gerecht und präsentiert uns etliche fantastische Einlagen, die man so nur aus großen Hollywood-Produktionen gewohnt ist. So mitreißend und aufwühlend der finale Akt der Episode ist, ein paar Abzüge in der B-Note gibt es diese Woche trotzdem. Ein paar der anderen Handlungsstränge laufen ein wenig ihren Erwartungen hinterher, die Darsteller und Darstellerinnen sind aber erneut hervorragend unterwegs, was die vielen Dialogszenen noch einmal aufwertet. „The Door“ stellt für einen Großteil der Episode eine kleine Verschnaufpause dar - bis es zum fulminanten Finale kommt, das bis dato der Moment der aktuellen Staffel ist. Und den Kampf zwischen Eis und Feuer, der Dunkelheit und dem Licht auf neue Wege bringen könnte.
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 23. Mai 2016Game of Thrones 6x05 Trailer
(Game of Thrones 6x05)
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