Fuller House 1x01

Um den ersten Teil der Frage vorwegzunehmen: Ja, das Konzept wird beibehalten. Anders ausgedrĂŒckt: Wer Full House nicht kennt und liebt, der wird Fuller House einigermaĂen fassungslos gegenĂŒber sitzen. Die Fortsetzung ist so nah am Original, dass es fast schon weh tut.
Ging es in der Originalserie noch um Danny Tanner (Bob Saget), der seine Frau durch einen tragischen Unfalltod verloren hatte und seine drei Kinder mit Hilfe seines Schwagers Jesse (John Stamos) und seines besten Freundes Joey (Dave Coulier) groĂzog, so hat nun das Schicksal bei seiner Tochter DJ (Candace Cameron Bure) Ă€hnlich zugeschlagen. Sie ist die Witwe eines Feuerwehrmannes, hat drei Kinder (alles Jungs), ist TierĂ€rztin und muss versuchen, irgendwie ihr Leben auf die Reihe zu bekommen.
Alles zurĂŒck auf Anfang?
Im Piloten trifft sich der gesamte Clan - auĂer Michelle (damals gespielt von den Olsen-Zwillingen, die als einzige des Orginal-Casts nicht auftraten), dafĂŒr aber mit Freundin Kimmy Gibbler (Andrea Barber) und DJs altem Freund Steve - ein letztes Mal im alten Haus in San Francisco, um eine Abschiedsparty fĂŒr die Plus50-Generation zu feiern. Und natĂŒrlich sind ausnahmslos alle Mitglieder der erweiterten Familie unglaublich erfolgreich geworden und haben entweder tolle Jobs in LA, Las Vegas oder sonst wo auf der Welt, sind selbststĂ€ndig mit einem florierenden Unternehmen oder doch zumindest respektable VeterinĂ€re.

Im Laufe der Folge stellt sich heraus, dass DJ dann allerdings nicht so stark ist, wie sie tut, und schon jetzt kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht. Also beschlieĂt der Familienrat nach einiger Diskussion, dass Danny das Haus nicht verkauft, Schwester Stephanie (Jodie Sweetin) und Kimmy zusammen mit DJ dort einziehen und sie sich alle gegenseitig helfen werden. Damit ist die Serie auf dem Status Quo, auf dem auch das Original basierte.
Wobei - nicht ganz. Denn dieses Mal wird mit Kimmy auch noch ihre Tochter Ramona (Soni Bringas) mit einziehen, was fĂŒr zusĂ€tzlichen familiĂ€ren ZĂŒndstoff sorgen wird, zumal ihr untreuer Exmann immer mal wieder ins Bild kommt. Stephanie hat keine Ahnung, was Familienleben wirklich bedeutet, und DJ ist ziemlich pedantisch, was das Muttersein angeht - quasi also Joey, Jesse und Danny in weiblich. Auch bei der Charakterbildung bleibt man sich weitestgehend treu. Wobei aber schon im Piloten durchblitzt, dass wir es in der Fortsetzung mit drei recht eigenstĂ€ndigen Frauen zu tun haben. Es wird interessant sein zu sehen, inwiefern 20 Jahre Seriengeschichte auf Fuller House abfĂ€rben.
Schauen oder nicht?
Die Frage ist also: Hat die Serie das Potential, ĂŒber eine Staffel hinauszukommen? Nachdem ich schon ein wenig in die Staffel hineinsehen durfte, kann ich das ganz klar mit einem âEs kommt drauf anâ beantworten. Will man eine komplizierte, anspruchsvolle Serie, die wunderbar durchdacht ist, auf die man sich einlassen muss und die visuell spannend gestaltet ist, dann wird man wahrscheinlich schon Full House (wenn man das ĂŒberhaupt noch gekannt hat) nicht gemocht haben - und Fuller House schon gar nicht. Es gibt heute so viele andere, wesentlich bessere SerienansĂ€tze als eine Familien-Sitcom, die nicht nur simpel gestrickt, sondern auch mehr oder minder vorhersehbar ist. In Zeiten nach How I Met Your Mother und mitten in The Big Bang Theory ist Fuller House von der KomplexitĂ€t und KreativitĂ€t her doch eher am unteren Ende der Skala anzusiedeln.
Und doch bin ich der Meinung, dass auch solche Serien heute noch ihre Berechtigung haben - allerdings bin ich auch gerade bei Sitcoms relativ einfach zu unterhalten. Es ist eine halbe Stunde leichte, lockere, witzige Unterhaltung. Nichts, das hĂ€ngenbleibt, aber solide gemacht, voller Anspielungen auf die âgute alte Zeitâ mit unterschiedlichen Charakteren, die herrlich ĂŒberzeichnet sind. Etwas, das man sich anschaut, um zu entspannen, an einem verregneten Samstag einmal komplett durchschaut, und tatsĂ€chlich auch etwas, von dem man sich vorstellen kann, es mit sĂ€mtlichen Familienmitgliedern zu sehen. Es ist wie ein Gemischtwarenladen - fĂŒr jeden was dabei und dabei herrlich harmlos.

Mag sein, dass ich zusammen mit Fuller House irgendwo in den 80ern/90ern stehen geblieben bin, aber mir hat der Pilot gefallen. Zudem tut diese Fortsetzung noch nicht mal so, als wĂ€re sie etwas GroĂes der Fernsehgeschichte - sie will einfach unterhalten und nichts anderes. Ich finde, das tut sie ganz passabel.
Weniger gut ist, dass ab Folge vier in einigen Momenten der moralische Erziehungs-Holzhammer der 90er rausgeholt wird. Das geht einem ziemlich auf den Senkel und kann das Entspannungserlebnis doch sehr schmĂ€lern. Auch die "Wir-reden-jetzt-alle-miteinander-sehen-ein-dass-wir-einen-Fehler-gemacht-haben-und-versprechen-uns-zu-bessern-Ich-hab-dich-lieb"-PĂ€dagogik könnte dazu fĂŒhren, dass auch der sehr geneigte Zuschauer irgendwann genervt abschaltet.
Aber mit GlĂŒck kriegen sich die Schreiber noch mal ein und dann steht einem herrlich harmlosen Fernsehkonsum nichts mehr im Wege.
Verfasser: Sabine Stevenson am Freitag, 26. Februar 2016Fuller House 1x01 Trailer
(Fuller House 1x01)
Schauspieler in der Episode Fuller House 1x01
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