Foundation 3x07

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Das passiert in der Folge „Foundation's End“ der Serie „Foundation“
Das Maultier (Pilou Asbæk) ist in die Köpfe der militärischen Spitze von New Terminus eingedrungen und erobert den Planeten gewaltsam. Zahllose Menschen sterben, doch der Telepath hat einen großen Etappensieg in seinem Plan errungen, über die Galaxis zu herrschen.
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Bruder Tag (Lee Pace) muss sich auf Terminus einer Befragung durch seine Ex-Geliebte Song (Yootha Wong-Loi-Sing) in Bezug auf Demerzel unterziehen. Ihre Roboter-Religion zwingt die Frau schließlich dazu, ihn an den Hohepriester ihres Heimatplaneten auszuliefern.
Bruder Dämmerung (Terrence Mann) nimmt indes Botschafterin Quent (Cherry Jones) nach der Eroberung von New Terminus in den Palast auf. Endlich finden die beiden zusammen und verbringen eine zärtliche Nacht miteinander. Doch ist Dämmerung drei Tage vor seiner Aszension wirklich nur noch der liebende Mann, oder steckt nicht vielleicht noch immer der brutale und skrupellose Herrscher in ihm, der um das Überleben des Imperiums kämpft und dabei über Leichen geht?
Ein brutaler Beginn
Foundation's End beginnt mit der blutigen Eroberung von New Terminus, schwenkt dann aber um und wandelt sich zu einem emotional anspruchsvollen Blick in die Seelen von Bruder Tag und dem Maultier. Die Episode ist auf drei grundsätzlich voneinander unterschiedlichen Erzählebenen angesiedelt, die sich zwischen Jetzt-Zeit, Rückblenden und Visionen bewegen. Dabei gelingt es Regisseur Christopher J. Byrne hervorragend, die drei für sich alleine stehenden Themenkomplexe harmonisch miteinander zu verbinden und zu einer Folge zu vereinen, von der man keine Sekunde verpassen möchte.
Die mittels CGI hergestellten Raumkampfszenen sind erneut in Kinoqualität produziert und erinnern in ihrer Rasanz an Dogfights aus dem „Star-Wars“-Franchise, das auch beim Design der Foundation-Schiffe und der Uniformen der unterlegenen Armee Pate gestanden haben dürfte. Dennoch bewahrt die Serie auch hier ihren eigenen Stil und erschafft eine ebenso glaubwürdige wie atemberaubende Sci-Fi-Welt.
Die Landung des Maultiers mitten in der Stadt offenbart, dass er trotz des Verlustes von Magnifico nicht viel von seiner Macht eingebüßt hat. Immerhin ist es ihm gelungen, nicht nur die halbe Raumflotte umzudrehen, sondern auch große Teile der Armee, die nun am Boden die Menschen abschlachtet, die sie eigentlich beschützen sollte. Die härteste Szene ist allerdings das gewaltsame Ende von Indbur (Leo Bill), den der Telepath dazu zwingt, sich selbst in einem Wasserspender zu ertränken.
Die vom Maultier auf Kalgan umgedrehte Skirlet (Isla Gie) ist für ihn inzwischen so etwas wie eine Tochter geworden. Die mentale Beeinflussung des Mädchens hat sie zu einem eiskalten Kind werden lassen, die in einen besonderen Status genießt. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange noch, denn Skirlet verfügt über keinerlei Fähigkeiten und könnte dem Maultier auf Dauer im Weg stehen. Es wird sich zeigen, ob die Produzenten und das Autoren-Team den Schneid besitzen, sie in den Selbstmord zu treiben. Das wäre auf jeden Fall ein großer Schockmoment, der mit Feingefühl inszeniert werden muss, um nicht eine Welle des Protestes nach sich zu ziehen.
Bruder Tag

Derweil befindet sich Bruder Tag zum ersten Mal in seinem Leben in ernsten Schwierigkeiten und wird von Songs Frau in Bezug auf Demerzel verhört. Auf Mycogen herrscht der Glaube an eine Robotereligion vor und so geschieht es, dass Tag unter Drogen gesetzt wird, um herauszufinden, ob die Imperialen wirklich einen Roboter auf Trantor versklavt haben.
Die nun folgende psychedelische Szene gewährt uns tiefe Einblicke in Tags Kindheit und die innere Zerrissenheit eines Mannes, der sich der inzwischen stark korrumpierten DNS der Cleons schon als Kind bewusst war und zeit seines Lebens das Gefühl hatte, den Ansprüchen seiner Ersatzmutter Demerzel nie genügen zu können. Was immer er tat, was immer er versuchte, stets nagte der Zweifel und das Gefühl an ihm, seine Vorgängerklone wären besser gewesen als er. Er hasst den Roboter dafür, dass sie ihm seine Imperfektion in harten und emotional schmerzhaften Lektionen vor Augen führte und liebt sie doch wie eine Mutter, die ihn in den Schlaf wiegte und an seinem Bett über ihn wachte.
Lee Pace spielt dieses sich niemals zwischen Wut, Liebe, Verzweiflung, Bewunderung und Enttäuschung einpendelnde Gefühlswirrwarr schlicht und ergreifend grandios. Der Mann ist für mich ein Ausnahmetalent, wie es ihn in der Schauspielwelt nicht an jeder Ecke gibt. Der Nachteil an der Sache ist, dass er seine Spielpartnerinnen so glatt an die Wand spielt, dass Song voll und ganz hinter dem Imperator verschwindet, obwohl sie doch eigentlich alle Vorteile in der Hand hat. Doch dafür kann weder die Sci-Fi-Serie noch Yootha Wong-Loi-Sing etwas. Es gibt nun einmal Darstellende mit einer alles einnehmenden Präsenz. Lee Pace gehört eindeutig zu dieser Riege.
Bruder Dämmerung
Der zweite der drei oben erwähnten Blöcke dreht sich um Bruder Dämmerung, den nur noch drei Tage von seiner Aszension genannten Hinrichtung trennen und der nun quasi als erster Herrscher nach Cleon I. allein auf dem Thron sitzt. Aus seiner Sicht trifft er die einzig richtige Entscheidung: Er befiehlt die Mobilmachung der Reserve, um Trantor und das Imperium zu beschützen, ohne zu ahnen, über welche Macht das Maultier verfügt.
Eine interessante und gefühlvoll inszenierte Entwicklung ergibt sich zudem, als Quent und er endgültig ihre Liebe zueinander entdecken und im Bett miteinander landen. Es ist wundervoll, dass die Serie auf diese Art in die leider viel zu selten bemühte Kerbe schlägt, das Gefühlsleben älterer Menschen zu thematisieren und zu zeigen, dass man auch im Alter nichts von seiner Leidenschaft einbüßt.
Andererseits endet der Block auf geradezu verstörende Weise, der schwer zu fassen und noch schwerer zu interpretieren ist. Tag ließ sein Frettchen-Haustier im Palast zurück, das nun von Quent und Dämmerung verhätschelt wird. Als er jedoch nach der Liebesnacht mit ihr auf das Tier in einem langen Korridor trifft, füttert er es erst, schaut es verzaubert an und zertritt das arme Wesen ohne jegliche Gewissensbisse.
Man darf davon ausgehen, dass die Sequenz dazu dient, das Publikum mit bildbrachialer Gewalt daran zu erinnern, dass Dämmerung immer noch ein skrupelloser Despot ist, der über 6000 Planeten in seinem harten Griff hält und das Schicksal des Reiches bestimmt. Ein weiterer Ansatz könnte hier sein Verhältnis zu Quent sein. Liebt er sie wirklich oder benutzt er sie nur, um das Reich zu retten? Das sind spannende Fragen, die sich mit großer Sicherheit in den letzten drei Episoden auf die ein oder andere Weise klären werden.
Die Vergangenheit des Maultiers

Der dritte Plot der Folge gehört voll und ganz dem Maultier und funktioniert überwiegend mit dem Stilmittel der Rückblende. Wir lernen einen Jungen kennen, der mit seinen Eltern, ausgebeutet von der Foundation, in Armut auf einem Landwirtschaftsplaneten lebt. Wir erfahren, wie restriktiv und seelenlos der ursprünglich zur Befreiung der Galaxie gegründete Machtblock über die Jahrhunderte geworden ist. In Anlehnung an China herrscht eine strikte Ein-Kind-Politik. Wer sich nicht an das Gesetz hält, wird mit Entzug von Nahrungsmittelrationen bestraft.
Als genau das den Eltern des Maultiers geschieht, beschließen sie, ihren älteren Sohn zu ermorden, um das Baby zu retten. Nun kann man darüber entscheiden, ob solche Ideen glaubwürdig sind. Man darf sich durchaus die Frage stellen, ob ein liebender Vater nicht eher bereit wäre, sich selbst zu opfern, als eines seiner Kinder.
Andererseits verdeutlicht es die Verzweiflung von Menschen, die hoffnungslos in die Enge getrieben haben und keine andere Wahl mehr sehen, als sich für das Leben eines von zwei Kindern zu entscheiden. Beide Ansichten kann man gelten lassen. Spannend sind solche Denkansätze indes auf jeden Fall und lassen zudem noch die Emotionen hochkochen.
Sympathie empfindet man für den Vater jedenfalls nicht und als das junge Maultier im Kampf um das eigene Überleben seine außerordentlichen telepathischen Fähigkeiten entdeckt, zögert er nicht, Mutter und Vater in den Selbstmord zu treiben. Hier stellt das Autorenteam übrigens einen starken Bezugspunkt zur Eroberung New Terminus' her, denn Indbur stirbt auf dieselbe Weise, wie die Eltern des Piraten, der zum Usurpator wurde.
Hari Seldon
Die Folge endet mit der Rückkehr aus seiner Vergangenheit in die Gegenwart der Serie. Der Telepath steht vor dem Gewölbe und hat dort seine Geschichte zum Besten gegeben, um das Hari-Seldon-Hologramm zu einer Antwort zu bewegen.
Als er nicht erscheint, bezichtigt er den Foundation-Schöpfer als Feigling, woraufhin sich Hari endlich zeigt, um mit einem gemeinen Lächeln empfangen zu werden. Im letzten Dialog stellt Seldon die Wahrheit der Geschichte infrage, was das Maultier mit der Antwort quittiert, dass Wahrheit im Auge des Betrachters liegt. Mit anderen Worten sind wir am Ende bezüglich seiner Existenz so klug wie zuvor.
Doch warum, wenn nicht aus Rache, wendet sich der Pirat dann gegen die Machtblöcke der Galaxis, um sie den Mächtigen zu entreißen? Welche Gründe, welche Erlebnisse treiben ihn dazu an, Millionen Leichen hinter sich zurückzulassen? Auch hier wartet hoffentlich noch eine befriedigende Antwort auf uns...
Fazit

Vielleicht wird es langsam langweilig, doch welche Benotung soll ich einer Serie bescheinigen, die es schafft, mich Woche für Woche gebannt auf den Bildschirm starren zu lassen, die mich emotional aufrüttelt und mich obendrein noch zum Nachdenken zwingt? Was anderes als das höchstmögliche Lob kann man einem Produktionsteam aussprechen, dass sowohl auf audiovisueller als auch inhaltlicher Ebene nicht mehr oder weniger als ein Meisterwerk erschaffen hat?
Wir verteilen daher volle fünf von fünf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 22. August 2025(Foundation 3x07)
Schauspieler in der Episode Foundation 3x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?