Foundation 3x08

© Apple TV+
Das passiert in der Folge „Skin in the Game“ der Serie „Foundation“
Bruder Tag (Lee Pace) wird auf Mycogen von Sonnenmeister-18 (Blake Ritson) der Ketzerei angeklagt und zum Tode verurteilt, während Bruder Dämmerung (Terrence Mann) sich mit einer mächtigen Allianz herumschlagen muss, die dem Maultier (Pilou Asbæk) Trantor zum Fraß vorwerfen will.
Jetzt das Angebot von Apple TV+ entdecken(Affiliate-Link)
Zur selben Zeit muss das Maultier lernen, dass er dem im Gewölbe existierenden Hari-Seldon-Hologramm (Jared Harris) nicht viel entgegenzusetzen hat. Und Gaal Dornick entschließt sich, dem Eroberer endgültig persönlich gegenübertreten.
Viele Figuren, viel Mühsal
Die drittletzte Folge der dritten Staffel der Serie Foundation bemüht sich redlich, alle relevanten Figuren einzubeziehen und auf das große Finale vorzubereiten, packt dabei aber zu viele Informationen in zu wenig Laufzeit. Die Vorgängerepisode Foundation's End (3x07) brachte es auf eine Stunde Laufzeit, abzüglich Intro, Outro und Rückblick sind es diesmal lediglich knapp 45, wobei mit Gaal, dem Maultier, allen drei Cleons und einem Dialog zwischen Demerzel (Laura Birn und der Luministen-Priesterin Zephyr Vorellis (Rebecca Ineson) das Feld von nicht weniger als gleich sieben Figuren beackert wird. Zehn bis fünfzehn weitere Minuten hätten Regisseurin Roxann Dawson mehr Zeit gegeben und dafür gesorgt, dass sich die Folge weniger getrieben anfühlt.

Der große Kritikpunkt ist also erneut dem Versuch geschuldet, zu viele Figuren in einer zu kurzen Episode unterzubringen. Das kennen wir bereits aus dem ersten Drittel der Staffel, insofern verwundert es, dass Produzenten und Autorenteam erneut in diese Falle tappen. Zumindest erweist sich das Problem diesmal als nicht ganz so gravierend wie beispielsweise in Shadows in the Math (3x02) oder When A Book Finds You (3x03).
Bruder Tag
Schlüsseln wir die einzelnen Stränge auf und beginnen mit Bruder Tag, der auf Mycogen gefangen ist und sich einem von Sonnenmeister-18 initiierten Glaubensgericht stellen muss. In den entsprechenden Szenen erfahren wir im Grunde genommen nicht viel Neues. Blake Ritson spielt seine Rolle als durchgeknallter Oberpriester recht überzeugend und offenbart intrigante Tendenzen, während die große Überraschung darin liegt, dass sich der Roboterschädel an seinem Stab mittels eines von Demerzel vorgetragenen Schlaflieds für Tag aktivieren lässt.
Ob die Erkenntnis irgendwelche Auswirkungen auf das Finale haben wird, lässt das Autoren-Team natürlich offen, da Demerzel die letzte ihrer Art ist und als unfreie Seele den Palast hütet, gibt es jedoch nur zwei Optionen: Entweder sie kommt am Ende frei und begründet eine neue Robotergeneration oder der Status Quo bleibt erhalten, womit der Plot weitestgehend unter den Tisch fallen würde.
Im Moment scheint mir die zweite Variante die wahrscheinlichere, zumal es genügend halbvolle Fässer gibt, die der Writers' Room noch füllen muss. Der eigentliche Prozess kommt stark ritualisiert daher und erinnert in seiner Ausführung an ein altgriechisches Drama. Das ist ein durchaus schöner Stil, wenn die Balletteinlagen einem Teil des Publikums vielleicht auch zu übertrieben sein könnten. Inszenatorisch ist das Ganze stark symbolträchtig und stellenweise mit einem Hang zum Pompösen gestaltet, da die Art der Visualisierung letztlich lediglich ein Trick ist, um der Szene mehr Größe zu verleihen.
Der große Cliffhanger besteht in der Vollstreckung des Todesurteils. Tag stürzt in einen großen, breiten Schacht, in dem ihn ein mikrobiologischer Cocktail erwartet, der seinen Körper langsam zersetzt. Bevor der aufschlägt, leitet Dawson allerdings die Abblende ein. Die Absicht dahinter ist klar: Tag wird nicht sterben, sondern im letzten Moment gerettet, um die Figur für das Finale zu positionieren. Ein wenig mehr Finesse hätte hier nicht geschadet.
Das Opfer
Mit einem Problem ganz anderer Art muss sich derweil Bruder Dämmerung herumschlagen. Der Sprecher des Galaktischen Rates, Zephyr und die Anführerin des Wolkendominion versuchen Dämmerung dazu zu drängen, Trantor aufzugeben und an das Maultier zu übergeben, um den mächtigen Telepathen so vielleicht zu besänftigen. Demerzel und Dämmerung erteilen den Politikern eine strikte Absage, wobei es ein wenig verwunderlich ist, dass sie den Thronsaal lebend verlassen.
Doch der Hüter des dritten Throns hat noch ein Ass im Ärmel. Als er von Tag zu Dämmerung wurde, ließ er eine mächtige, Planeten-vernichtete Waffe entwickeln, die er nun einzusetzen gedenkt. Der „Novakular“ blieb bislang vor Demerzel verborgen und sollte ursprünglich nur zur Abschreckung dienen. In einem Dialog mit der Roboterfrau erfährt der scheidende Imperator zudem, dass Bruder Morgen (Cassian Bilton) von Gaal dazu benutzt wurde, das Reich durch die schiefgelaufene Blockade Kalgans nachhaltig zu schwächen. Dieser Abschnitt bildet den spannendsten und wichtigsten Teil der Folge, während der Prozess um Tag den audiovisuell ansprechendsten markiert.
Morgen, Gaal und Demerzel
Damit kommen wir zu den langweiligeren Aspekten der Episode. Aus meiner Sicht heraus ist es vollkommen unverständlich, warum das Autoren-Team Bruder Morgen noch einmal ins Spiel bringen musste. Mit Gaals Verrat war die Figur zu einem befriedigenden Ende geführt worden und es gab keinen Grund, sie wiederzubeleben. Egal, was in den letzten beiden Folgen noch geschieht, es hätte sich sicherlich auch ohne ihn lösen lassen. Charaktere gibt es in der Sci-Fi-Serie wahrlich mehr als genug. Insofern wäre die Rückkehr von Magnifico die bessere Wahl gewesen.
Um auch Bayta zumindest nicht ganz zu vergessen, darf sie einen kurzen Dialog mit dem jüngsten der drei Cleons führen und das Maultier, das den Herrscher genüsslich quält, mit einem Satz in die Schranken weisen. Wer' s braucht...
Gaal Dornick bricht derweil nach einem emotional warmherzigen Dialog mit ihrem Vertreter Preem Palver (Troy Kotsur) nach New Terminus auf, um sich dem Maultier zu stellen. Die gesamte Staffel läuft darauf hinaus, dass die beiden aufeinandertreffen und der Kampf der Telepathentitanen endlich stattfinden kann. Dafür, dass Gaal die grundsätzlich wichtigste Figur der gesamten Serie ist, sind ihre Auftritte in der Staffel aber viel zu rar gesät.
Das Interesse an der Frau, die gemeinsam mit dem echten Hari Seldon die zweite Foundation gründete und das dunkle Zeitalter um tausend Jahre verkürzen soll, ist über die letzten Folgen hinweg verblasst und muss nun in Eiltempo wiederbelebt werden, um das Finale gewichtig und vor allem emotional genug zu gestalten. In Anbetracht der Tatsache, dass Gaal bislang recht blass wirkt, dürfte dies ein schwieriges Unterfangen bleiben.
Unsere letzten Betrachtungen gehören Demerzel, der tiefgründigsten und betrachtungswertesten Erscheinung in „Foundation“. Ein vielsagender Dialog mit Zephyr macht uns erneut mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass sie viel mehr als nur ein Roboter ist. Sie ist eine Frau mit Gefühlen, die miterleben musste, wie ihr gesamtes Volk aus der puren Macht- und Habgier Cleons I. heraus ausgelöscht wurde.
Ihre Umprogrammierung zu einer treuen Dienerin - nein, eigentlich der Schattenimperatorin - macht es ihr unmöglich, ihre Rolle zu hinterfragen, wenn sie sich auch der Tragik ihrer Existenz bewusst ist. In der Serie gibt es ja nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Roboter den Status von Lebewesen im posthumanistischen Sinne genossen.
Sie ist es also, die das anthropozentrische Weltbild Cleons unfreiwillig unterstützt und vorantreibt, gleichzeitig aber auch hinterfragt. Sie ist in vielen Belangen menschlicher als die Klone und vermag Mitgefühl dort zu zeigen, wo ein Cleon Köpfe hätte rollen lassen. So zu sehen im oben erwähnten Gespräch, in dem Demerzel mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck bringt, dass sie Zephyr eigentlich umbringen müsste, es aber nicht über das Herz bringt.
Stattdessen löscht sie ihr Gedächtnis, denn die Luministin ist so etwas wie ihre Beichtmutter und Vertraute geworden, eine Person, bei der sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen und auch mal weinen darf. Viel ansprechender kann man sich dem Thema Posthumanismus kaum widmen, um einen Diskurs über die Frage, was Leben ist, anzustoßen, ohne ihn langweilig wirken zu lassen.
Fazit

Viele Baustellen, zu wenig Neues und eine Episode, die reineweg dazu dient, die Figuren deutlich für das Finale aufzustellen. In Anbetracht der letzten drei, äußerst starken Episoden hätte ich mir ein wenig mehr erwartet, wenn die narrative Bremse auch nötig ist, um dem Personengewirr Herr zu werden. Mir persönlich fehlt indes der Mut zur Reduzierung. Ich hätte die Wiederkehr von Bruder Tag jedenfalls nicht unbedingt gebraucht. Doch wahrscheinlich wird sich dieser Eindruck in zwei Folgen relativiert haben und ich blicke auf ein Serienende, das mir den Atem rauben wird.
Wir verteilen daher vier von fünf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 29. August 2025(Foundation 3x08)
Schauspieler in der Episode Foundation 3x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?