Foundation 3x06

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Das passiert in „The Shape of Time“ von „Foundation“
Demerzel (Laura Birn) trifft auf Gaal Dornick (Lou Llobbel) und ist kurz davor, sie zu töten, als die Telepathin dem Roboter die Wahrheit über das Maultier (Pilou Asbæk) erzählt. Durch eine Verschmelzung mit Gaals Gehirn erfährt Demerzel noch wesentlich mehr und entdeckt eine Möglichkeit, vielleicht doch noch das wankende Imperium zu retten.
Baytar (Synnove Karlsen), Toran (Cody Fern), Randu (Darren Pettie) und Magnifico (Tòmas Lemarquis) erreichen New Terminus. Mit seinem Spiel überzeugt der telepathisch begabte Musiker Bürgermeister Indbur (Leo Bill) davon, dass nur die Zusammenarbeit zwischen der Foundation und der Händlerallianz den sicheren Untergang durch einen Angriff des Maultiers verhindert.
Als sich das Gewölbe öffnet und Hari Seldon (Jared Harris) zurückkehrt, stellt sich heraus, dass das Seldon-Hologramm über hoffnungslos veraltete Informationen verfügt und nichts über das Maultier weiß. Der hat sich jedoch bereits in Position gebracht und zwingt die Foundationflotte mittels seiner mächtigen Fähigkeiten, sich gegenseitig zu vernichten. Der Untergang von New Terminus ist damit endgültig besiegelt...
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Atemberaubend
Mit The Shape of Time beweisen die Macher von Foundation erneut, dass sie nicht nur auf den vielen Stärken der ersten beiden Staffeln aufbauen möchten, sondern den Spannungsbogen immer weiter hochtreiben können, ohne dabei den audiovisuellen Genuss zu vergessen. Ich weiß, ich wiederhole mich, doch was die Serie allein schon bildsprachlich bietet, spielt in einer eigenen Liga, die selbst die besten „Star Wars“-Serien oder die aktuell bei Disney+ laufende Alien: Earth bei weitem übertrifft.
Nicht falsch verstehen bitte, Andor, Skeleton Crew und The Mandalorian sehen verdammt gut aus und überzeugen auch drehbuchtechnisch auf ganzer Linie. Doch Foundation tut mehr, als nur einen etablierten Stil aufzunehmen und geschickt weiterzuführen. Das Format verfügt über eine atemberaubende Bildgewaltigkeit und -symbolik, die man schlicht und ergreifend nur als wunderschön bezeichnen kann.
Wie von mir bereits im letzten Review erwähnt, fällt mir auf Anhieb nur noch The Expanse ein, die mit einem ähnlichen Alleinstellungsmerkmal daherkam und doch leider zu früh den Weg ins Amazon-Prime-Video-Nirvana fand.
Träume

Die sechste der leider nur zehn Folgen langen Staffel beginnt mit Pilou Asbæk, dessen wahnsinniger Blick einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Der Personalwechsel nach der zweiten Staffel scheint sich insofern voll ausgezahlt zu haben. Das Maultier erwacht schweißgebadet und aufschreiend aus einem Traum. Er befand sich im Kopf von Han Pritcher und fand auf diese Art heraus, dass es sich bei der Frau, die ihn seit Jahren im Schlaf verfolgt, um Gaal Dornick handelt.
Sie allein kann ihm gefährlich werden, deshalb ist er bereit, die Galaxis ins Chaos zu stürzen, nur um sie zu finden und zu töten. Der Mann wird offenbar nur von Hass, Gewalt und Machtgier angetrieben. Der Verlust von Magnifico und seinem Instrument mag für ihn ein Hindernis darstellen, in den ersten Szenen wird aber klar, dass er immer noch über genügend Macht verfügt, um der Foundation und dem Imperium möglicherweise den Garaus zu machen.
Die Szene ist kurz, aber prägnant und führt zu einer anderen, die thematisch durchaus verwandt ist daher gut passt. Um den Kontrast zu unterstreichen, arbeitet das Produktionsteam übrigens erneut gerne mit Beleuchtungs- und Farbtechniken, wie man sie auch in einer Mystery-Produktion finden könnte. Der Maultierdialog ist zum Beispiel mit einem kalten, dunklen Blau unterlegt, während die nun folgende spannende Sequenz mit Demerzel und Gaal in dem typisch bräunlichen Look gehalten ist, der die Serie auszeichnet.
Demerzel

Laura Birn als Demerzel zu erleben, ist eine wahre Augenweide. Die Figur gibt bewegungstechnisch nicht unbedingt allzu viel her. Umso wichtiger ist es, dass jede Geste und die Mimik perfekt auf den Punkt sitzen. Birn geht diesbezüglich voll in ihrer Rolle auf und gibt eine glaubwürdige Roboterfrau, die die Geschicke des Imperiums seit hunderten von Jahren aus dem Hintergrund lenkt.
Ihre gesamte Existenz dient seit dem Untergang ihrer Spezies nur noch dem Erhalt des Reichs und dem Wohl der Cleons, eine Aufgabe, die sich nun unwiderruflich dem Ende zuneigt. Man spürt die Verzweiflung geradezu, mit der sie sich gegen das unabwendbare Schicksal aufbäumt und es wird spannend zu erfahren, was sich die Autoren für die Figur ausgedacht haben.
Han, Baytar und Toran
Es mag durchaus sein, dass uns hier noch eine Überraschung erwartet, zumal Demerzel eigens für „Foundation“ erfunden wurde und das Team daher frei darin ist, über ihr Schicksal zu entscheiden. Allerdings nimmt es der Writer's Room bekanntermaßen mit den von Isaac Asimov ursprünglich in der Romantrilogie eingeführten Figuren ebenfalls nicht sehr genau, wie sich am Beispiel von Baytar und Toran ablesen lässt.
Ich gebe aber unumwunden zu, dass mir vor allem Synnove Karlsen nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser gefällt. Durch sie wird Baytar zu einer sehr eigenwilligen Figur, die sich einerseits wie ein verwöhntes Kind verhält, andererseits aber mitfühlend Magnifico gegenüber ist und intelligent agiert.
Sicherlich, man kann argumentieren, dass sich die Serie insgesamt - nicht nur in Sachen Figurenzeichnung - relativ weit von der literarischen Vorlage entfernt. Eine Adaption muss aber nichts zwangsläufig sklavisch dem Original folgen und darf durchaus eigene Interpretationsansätze hinzufügen. Das gelingt den Serienmachern in „Foundation“ hervorragend, zumal sie Figuren eingeführt haben, die wie der berühmte Kitt das Gefüge der Erzählung zusammenhalten, ohne die Essenz zu verwässern.
Das schwächste Glied in der Kette Han-Baytar-Toran-Magnifico ist bisher indes Han Pritcher, der bislang ohne viel Inhalt daherkommt und seit zwei Folgen mehr oder weniger sinnlos in einem Gefängnis auf New Terminus dahinschmachtet. Durch den Angriff des Maultiers auf den Planeten gewinnt er vermutlich die Freiheit, so dass möglicherweise von ihm im letzten Drittel der Serie noch mehr zu erwarten ist.
Zwischenspiel: Psychohistorik
Kommen wir damit zu einem weniger angenehmen Punkt vor allem für die Romanfans unter euch. Man wird nämlich das Gefühl nicht so ganz los, die Produktionsverantwortlichen hätten die Funktionsweise der Psychohistorik von Anfang an nicht richtig verstanden.
Die von Hari Seldon erdachte Wissenschaft sagt große Veränderungen anhand eines sich stetig verändernden Gesamtbildes voraus, das aber wesentlich weniger figurenfixiert ist, als es in der Serie dargestellt wird. So ist es bei Asimov beispielsweise nicht die Entscheidung eines Herrschers, die zum Untergang führt, sondern die seit Jahrtausenden immer mehr Überhand nehmende Dekadenz, die das Reich schwächt und destabilisiert.
So gesehen ist es egal, ob Gaal, das Maultier oder Bruder Morgen etwas tun, da es aufgrund des Zusammenspiels vieler kleiner Ereignisse ohnehin geschehen würde. Der Radiant sagt also keine Einzelschicksale voraus, sondern berechnet die Zusammenhänge sozusagen auf einer Metaebene.
Diese Tatsache führt zu Missverständnissen, die sich bisweilen nur schwer ausräumen lassen und darin münden, dass die gesamte Psychohistorik im eigentlichen Sinn sogar ad absurdum geführt wird. Beziehen wir die Psychohistorik nun allein auf ihre Funktion in der Serie, hat sie nicht nur schon beinahe telepathischen Charakter, sondern ist auch noch so ungenau, dass Gaal die Zerstörung der imperialen Flotte vor Kalgan sogar herbeiführen muss, um den Berechnungen zurück auf den rechten Weg zu verhelfen.
In der Adaption ist die Wissenschaft also eher eine Pseudowissenschaft, die lediglich den Sinn hat, die Aktionen diverser Figuren zu erklären und als eine Art Leitkompass für sie zu dienen. Das ist durchaus ein wenig schwach, wenn das auch dem Narrativ der TV-Umsetzung an sich keinen Schaden zufügt. Wir haben es hier halt mit einer Fernsehserie zu tun, auf die Asimovs Werk basiert und die Prämisse aufgreift, um daraus eine neue, eigene Geschichte zu machen - das dafür aber auch grandiose Art.
Sahnestücke
Die beiden Sahnestücke der Episode beziehen sich auf die oben erwähnte Uminterpretation in vielfältiger Weise. Zum Beispiel erhielt Demerzel nicht nur einen Radianten von Hari Seldon, sondern stellte ihre Jahrtausende umfassenden Erinnerungen zur Verfügung. Gaal stellt in einem Dialog überrascht fest, dass der Roboter die Psychohistorik also miterfunden hat. Demerzel wusste demnach schon zu Beginn der ersten Staffel, dass das Imperium langsam aber unaufhaltsam dem Ende entgegensteuert.
Das ist ein dramaturgisch sehr geschickter Kniff, weil sie der ohnehin großen Bedeutung der Roboter-Frau noch eine weitere Ebene hinzufügt. Sie ist mehr als nur ein Roboter, sie ist ein fühlendes Wesen, die Cleon so sehr liebt, dass sie bereit ist, alles für ihn zu tun. Jede neue Inkarnation, jeder neue Klon war ihr lange Zeit zunächst Sohn, dann Geliebter und zum Schluss Vater, den sie aus rein praktischen Erwägungen irgendwann zu Ascension schicken musste. Darüber hinaus ist sie grundsätzlich unsterblich und sieht Äonen kommen und gehen, ohne dass sich für sie je etwas ändern würde. So betrachtet ist Demerzel eine tragische Figur, derer Leben von Einsamkeit und Trauer geprägt ist.
Der zweite große Höhepunkt wird vom Maultier getragen, der sich anschickt, New Terminus zu erobern und damit die Pläne des Hologramm-Seldons zunichtemacht, dessen begrenztes Wissen den Untergang sogar noch beschleunigt. In Anbetracht der Tatsache, dass die kommende Folge den Titel Foundation's End trägt, hätte ich nicht erwartet, mit einem derart dramatischen Episodenfinale beschenkt zu werden. Doch auch hier ließen sich die Serienmacher nicht lumpen und lassen es im Orbit des Planeten krachen. Trümmer regnen zur Erde, Menschen sterben im Beschuss der vom Maultier mental beeinflussten Piloten, die sich soeben gegenseitig auslöschen, klasse.
Fazit

Um es auf den Punkt zu bringen: Besser geht es nicht! Foundation ist in seiner Gesamtheit für mich DAS Serienhighlight der letzten Jahre, auch, wenn ich hier und da einen Schuss weniger Exposition vertragen hätte. Doch das Tempo, in dem die Galaxis nun in Brand gerät, entschädigt mich für die wenigen Kleinigkeiten, die ich über die bisherigen 26 Episoden hinweg zu meckern hatte.
Ich für meinen Teil fühle mich auf jeden Fall rundum gut unterhalten und erfreue mich an den neuen Qualitätsstandards, die Apple TV+ immer wieder setzt. Als Sammler bleibt mir die Hoffnung, dass es die Serie hoffentlich einmal als 4K-Box mit reichlich Specials geben würde, denn ich hätte große Freude daran, noch viel mehr über die Hintergründe der Produktion zu erfahren. Bis dahin bleibt mir die Bewertung einer Folge, der ich nichts anderes als die Bestnote attestieren kann. 5 von 5 Klone
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 15. August 2025(Foundation 3x06)
Schauspieler in der Episode Foundation 3x06
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