Foundation 3x05

© Apple TV+
Das passiert in der Folge „Where Tyrants Spend Eternity“ von „Foundation“
Gaal Dornick (Lou Llobell) überredet Bruder Morgen (Cassian Bilton) dazu, den Galaktischen Rat zu einer Blockade von Kalgan zu nötigen. Dazu wendet der Imperiale drastische Methoden an und bemerkt zu spät, dass Gaal ihn nur ausgenutzt hat, um ihre eigenen Pläne zu verwirklichen. Bruder Tag (Lee Pace) setzt seine Flucht fort und schafft es, sich unsichtbar zu machen. Demerzel (Laura Birn) gibt seine Verfolgung auf und konzentriert auf Bruder Morgen, der das Imperium ansonsten in sicheren Untergang führt.
Auch Bayta (Synnove Karlsen) und Toran Mallow (Cody Fern) befinden sich in der Episode Where Tyrants Spend Eternity mit Magnifico (Tòmas Lemarquis) an Bord weiter auf der Flucht vor dem Maultier, müssen aber ausgerechnet auf Haven notlanden. Dort treffen sie auf einen unerwarteten Verbündeten: Torans Onkel Randu (Darren Pettie).

Tags Schicksal
Die ersten Minuten der Halbzeitfolge der finalen Staffel der Serie Foundation gewähren uns einen stark an audiovisuelle Cyberpunkmotive angelehnten Blick auf das weitere Schicksal von Bruder Tag. Die Bilder sind dabei an Atmosphäre und Bildgewaltigkeit kaum zu überbieten, vor allem, wenn wir ins Kalkül ziehen, dass wir es hier immer noch mit einer TV-Produktion zu tun haben und nicht mit einem hochbudgetierten Kinofilm. Davon ist jedoch in dieser rundum gelungenen Folge auf keiner Ebene etwas zu spüren.
Nachdem wir mittels eines kleinen Dialoges darüber aufgeklärt wurden, dass Demerzel Tag für den Fortbestand des Imperiums als entbehrlich erachtet, führt uns ein Schnitt zu Gaal und Bruder Morgen. So bedauerlich es ist, dass die Autoren Lee Pace' Rolle so stark zusammengeschnitten haben, allmählich werden die dramaturgischen Gründe dafür deutlich. Das Imperium muss untergehen, damit die Galaxis das Maultier überleben kann, ein erfahrener Herrscher wie der des mittleren Throns wäre da nur hinderlich.
Bruder Dämmerung (Terrence Mann) verfügt wiederum kurz vor seiner Aszension - sprich seiner Auslöschung - nicht mehr über das Machtpotential, um wirklich tragende Entscheidungen anzustoßen. Eine kurze, aber fein geschriebene Holonachricht von Morgen an ihn beinhaltet auch den Wunsch, er solle dem Leben und der Macht entsagen und in Würde sterben. Entsprechend genügt eine kurze Szene kurz vor dem Cliffhanger-Finale der Folge aus, um seinen weiteren Weg zu umreißen.
Bruder Morgen
Mit anderen Worten folgt das Autorenteam der im vierten Teil, The Stress of Her Regard angestoßenen Richtungsänderung, sich auf zwei bis höchstens drei Handlungsstränge zu konzentrieren und diese dafür ausführlicher vorzutragen. Wie bereits erwähnt bringt die Entscheidung sowohl mehr Ruhe als auch mehr Flüssigkeit in die Erzählung, womit sich das Publikum nun endlich auf die jeweils im Fokus stehenden Figuren konzentrieren kann.
Im Fall von Gaal und Bruder Morgen ist das besonders wichtig, da der unerfahrene Herrscher mit seinen nun folgenden Taten den Untergang seines Reiches unwiderruflich einleitet. Das letzte geplante Aufbäumen gegen die Vernichtung des Imperiums geht gründlich schief, denn Gaal belügt und betrügt den Herrscher, wo es nur geht, um Harry Seldons jahrhundertealte Vorhersagen wahrwerden zu lassen.
Eine Frage der Ethik
Eine moralisch fragwürdige Entscheidung wie jene sollten wir uns einmal ein wenig näher anschauen. Gaal argumentiert hier eindeutig utilitaristisch und lässt das Maultier nicht nur die ganze Flotte des Imperiums mit tausenden Soldaten an Bord vernichten, sondern zudem auch Kalgan. Ihr Argument, nur das könne die Galaxie retten, hinkt an einigen Stellen gewaltig, zumal Harrys Psychohistorik nicht so genau ist, wie die Sci-Fi-Serie es darstellt.
Im Verlauf der Handlung gab es mindestens zwei notwendige Korrekturen des vorherbestimmten Weges, eben auch die von Gaal vorgenommene, die das Imperium so sehr schwächt, dass es nun untergehen kann. Doch wofür genau kämpft die Telepathin eigentlich? Die erste Foundation hat bewiesen, dass sie ihr Reich offensichtlich nicht besser regiert, als das Imperium, jedenfalls ist Indbur kein wesentlich kleinerer Despot als die Imperialen.
Die Händlerallianz wiederum führt einen Bürgerkrieg gegen die Foundation und zeigt damit, dass auch bei ihnen Waffengewalt die Lösung aller vermeintlichen Probleme darstellt. Sicherlich, in einem kurzen Dialog erwähnt Randu, Verhandlungen seien sinnlos gewesen, doch muss und darf die Frage erlaubt sein, ob Spaltung nicht im Grunde genommen immer nur dazu dient, eine neue Herrscherelite zu etablieren.
Das Narrativ der neu gewonnen Freiheit erweist sich in der realen Weltpolitik jedenfalls fast immer als von einigen Machtgierigen klug eingesetzte Propaganda. Auf der anderen Seite scheint es der Menschheit unter der Herrschaft des Imperiums nicht allzu schlecht gegangen zu sein. Fraglos duldete der Thron bis zur Tragödie um Cleon XII. keinerlei Widerspruch, doch offensichtlich gedieh das Imperium vielerorts.
Last, but not least wissen wir nicht, ob die Regierung unter dem Maultier so viel schlimmer geworden wäre als die der anderen Kandidaten. Der Telepath mag ein irrer Soziopath sein, doch herrschen kann man nur über Lebende und selbst ein Mensch mit seinen Kräften kann keine ganze Galaxie beherrschen, ohne Getreue um sich zu scharen. Hinzu kommt, dass auch er irgendwann stirbt, ohne dass laut Serienkanon ein ähnlich mächtiger Nachfolger in Sicht wäre. Sein Einfluss würde also nach seinem Tod auf jeden Fall schwinden. Letztlich bleibt also die Tatsache, dass Gaal nur aus ihrer eigenen Überzeugung heraus handelt, ganz nach dem Motto: „Ich ermorde Millionen, um Milliarden zu retten.“ Ob die von ihr Getöteten so einer fragilen Theorie zustimmen würden?

Morgens Versagen
Kommen wir nach dem kurzen Ausflug in den Subtext zurück zu den Metatextdetails. Für die übergreifende Handlung ist es immens wichtig, dass Bruder Tag seine gesamte Flotte in den Untergang führt. Die rund um den Galaktischen Rat angelegten Sequenzen sind entsprechend ausführlich vorgetragen.
Um den stark dialoglastigen Block aufzulockern, baut das Drehbuch-Team einen kleinen Twist rund um das Ratsmitglied Councillor Tarisk (Sule Rimi) ein, in dem die Kaltblütigkeit der Cleons noch einmal zum Tragen kommt. Der Imperiale zwingt den Politiker dazu, für seine Blockade zu stimmen, obwohl seine Familie auf Kalgan gefangen ist. Um seine Ziele in die Tat umzusetzen, ermordet der Herrscher eine unfreiwillige Zeugin und erpresst Rami damit auch noch. Letztlich nützt es aber nichts, denn er muss mitansehen, wie seine Flotte in einem Feuerball verbrennt.
Als besonderes Schmankerl wird Tag durch seine von Gaal initiierte Fehlentscheidung nun zum Gejagten. Während seiner Flucht vor den Sicherheitskräften des Rats verlangt er von ihr eine Erklärung und sie teilt ihm in einem spannend geschriebenen Dialog schließlich mit, dass - und warum - sie ihn ausgenutzt hat.
Die Episode endet kurz darauf mit einem aufregenden Cliffhanger: Bruder Tag stürzt sich im Raumanzug durch eine von Tarisk zerstörte Luftschleuse und verschwindet ins Nichts. Als Gaal Geräusche an der Schleuse ihres Raumschiffs hört, glaubt sie, er hätte sich gerettet, doch der ungebetene Gast ist niemand Geringeres als Demerzel. Das dürfte zu interessanten Verwicklungen führen, zumal die Ziele der beiden konträrer nicht sein könnten.

Ein wenig Mallow gefällig?
Den Abschluss unserer Betrachtungen bilden diesmal die Abenteuer von Toran und Baytar Mallow, die in der vorherigen Folge ein wenig unter den Tisch fielen. Insofern war es dramaturgisch nur logisch, den Plot in der Staffel-Mitte weiterführen, da beide Figuren offensichtlich noch eine ausgeprägtere Rolle spielen sollen.
Bisher blieben Synnove Karlsen und Cody Fern schauspielerisch ebenso schwach, wie ihre figuralen Alter Egos geschrieben waren. Das ändert sich nun mit der Notlandung auf Haven vor allem für Karlsens Baytar. Die vermeintliche Lebedame ist viel mehr als das. Sie ist klug, gewitzt, loyal und hat in Bezug auf Magnifico eine fürsorgliche Ader, die ihr gut zu Gesicht steht.
Mit dem telepathischen Musiker hat sie einen Trumpf gegen das Maultier (Pilou Asbæk in der Hand, denn sämtliche Hinweise deuten darauf hin, dass er der eigentlich mächtige Geist ist, der die Wünsche des Mulis wahrwerden lassen kann. Das bedeutet aber nicht, dass der brutale Pirat an Gefährlichkeit einbüßt. Im Gegenteil ist er äußerst gerissen und geht mit einer erschreckend brutalen Präzision vor, um seine Ziele zu erreichen. Es bleibt also spannend.
Fazit
Die dritte Staffel von „Foundation“ hatte ihre kleinen Anlaufschwierigkeiten, vor allem weil die Autoren in den ersten drei Folgen zu viel wollten und sich dadurch ein wenig im Gewirr der zahlreichen Figuren verloren. In der Mitte der Staffel ist davon aber nichts mehr zu spüren.
Die Serie läuft merklich abgerundet auf ein großes Drama und ein episches Finale hinaus. Nicht weniger hat sie auch verdient, denn gemeinsam mit The Expanse gehört das Format zum Besten, was das Science-Fiction-Genre in den letzten Jahren zu bieten hat.
Von uns gibt es auch deshalb verdient die volle Punktzahl: fünf von fünf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 8. August 2025(Foundation 3x05)
Schauspieler in der Episode Foundation 3x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?