Foundation 3x02

Foundation 3x02

Große Ereignisse werfen in „Foundation“ ihre Schatten voraus und die Veränderungen hinter den Kulissen tragen der Handlung Rechnung - allerdings nicht immer zum Guten.

Laura Birn auf einem Szenenfoto aus der Episode „Shadows in the Math“ von „Foundation“
Laura Birn auf einem Szenenfoto aus der Episode „Shadows in the Math“ von „Foundation“
© Apple TV+

Das passiert in „Shadows in the Math“ der Serie „Foundation“

Gaal zieht von Ignis aus die richtigen Fäden, um den Kampf gegen das Maultier vorzubereiten. Währenddessen rekrutiert der nun auf eigene Faust arbeitende Pritcher Toran Mallow und seine Frau - ein der Händler-Linie von Hober Mallow entstammendes Yuppie-Ehepaar - um das Umfeld des mächtigen Telepathen zu infiltrieren.

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Auf Trantor spitzen sich die Ereignisse zu, als Bruder Dämmerung alles versucht, um nicht desintegriert zu werden. Weder Demerzel noch Bruder Tag wollen ihm helfen, so dass ihm nur eine Geheimwaffe bleibt, die er heimlich entwickeln ließ, um den Sturz des Imperiums in höchster Not abwenden zu können...

Leichte Enttäuschung

Beim Anschauen der Foundation-Episode Shadows in the Math macht sich zum ersten Mal seit Onlinestellung der Pilotfolge so etwas wie Enttäuschung breit. Ob es an dem bekannten Wechsel in der Produzentenabteilung liegt oder die Ursachen vielmehr bereits in den frühesten strukturellen Überlegungen zu finden sind, muss dabei Spekulation bleiben.

In Anbetracht der Tatsache, dass die ersten zwanzig Episoden sowohl audiovisuell als auch inhaltlich auf höchstem Niveau rangierten, mag es aber gut möglich sein, dass neben der personellen Neubesetzung auch inhaltlich neue Vorstellungen einflossen.

Wie dem auch sei, im Endergebnis kam dabei der bisher schwächste Teil der Serie heraus. Das liegt zum einen daran, dass die bereits im vorherigen Review angeprangerte zerfaserte Erzählweise diesmal noch auffälliger ist, zum anderen aber auch einige Szene langweilig geraten und unnötig erscheinen.

Auf Ignis

Beginnen wir unsere Betrachtung mit dem rundum sehenswerten Rückblick auf das Schicksal von Hari und Gaal. Er dauert rund 17 Minuten und nimmt damit mehr als ein Drittel der circa 43 Minuten Laufzeit ein. Wir erfahren, dass die Mentale und ihr Mentor Jahr für Jahr für einige Wochen aus dem Kryoschlaf geweckt werden, um die auf Ignis lebenden Telepathen sowohl in ihren Fähigkeiten als auch in der Kunst der Psychohistorik zu unterrichten. Wie üblich, fungiert Gaal dabei als auktoriale Erzählerin aus dem Off und ergänzt die zu sehenden Bilder mit wichtigen Informationen. Das kürzt den Prozess geschickt ab, ohne dem Publikum aber interessante Details vorenthalten oder sich in endlosen Dialogen ergehen zu müssen.

Gegen Ende des Blocks erläutert Hari schließlich, dass es im Ablauf der Zukunft zu unvorhersehbaren Veränderungen kommt, die seinen und Gaals Zeitplan durcheinanderbringen. Deshalb muss er wachbleiben, während sie für einige Jahre in die Kryokapsel zurückkehrt, um zum richtigen Zeitpunkt auf der Höhe ihrer mentalen Macht gegen das Maultier antreten zu können.

Der Rückblick spannt einen Bogen über 151 Jahre und klärt uns unterhaltsam und dialogtechnisch schön geschrieben über alles auf, was historisch von Interesse ist. Damit ist die weitere Anwesenheit der Figur Hari Seldon allerdings obsolet geworden. Konsequenterweise gestaltet das Autorenteam seinen Abschied aus der Serie in Form eines Erlösers, der nach vollbrachter Aufgabe endlich ins Licht schreiten darf.

Das mag mit Blick auf die gewählten Motive ein wenig zu stark in Richtung christlicher Symbolik gehen, bleibt aber innerhalb der Bildsprache der Serie nachvollziehbar. So oder so ist nun der Weg für Gaal als unumstrittene Heldin der Geschichte als auch für einige neue Figuren freigeräumt.

Kalgan

Pilou Asbæk in „Foundation“
Pilou Asbæk in „Foundation“ - © Apple TV+

Gaal ist also erwacht und bereitet die Zweite Foundation in der Jetzt-Zeit der Story auf den Kampf vor. Auf Kalgan beeindruckt uns derweil das Maultier mit einer seitens Pilou Asbæk stark gespielten Machtdemonstration. Er lässt die Führungsoffiziere des ermordeten Herrschers der Welt in Reih und Glied antreten. Anschließend betritt dessen kindliche Tochter Skirlet (Isla Gie) den Raum und versichert dem Maultier ihre unerschütterliche Liebe. Er lässt sie sich eine Waffe an den Kopf halten und abdrücken, doch glücklicherweise ist sie nicht geladen.

Die Szene ist angsteinflößend und fühlt sich kalt und brutal an. Man hätte den Effekt sicherlich noch steigern können, indem Skirlet stirbt, doch erstens wäre so eine Tat selbst für heutige Verhältnisse unnötig übertrieben und zweitens wird die Figur noch in weiteren Folgen auftauchen. Ob die Einführung eines im Romanzyklus nicht erwähnten Kindes notwendig war, muss das geneigte Publikum für sich entscheiden. Zur Klarstellung über die Macht und Motive des Maultiers ist die Szene indes sehr gut gelungen.

Die zweite Hälfte

Damit wäre die erste Hälfte der Episode positiv über die Bühne gebracht. Umso überraschender ist die mit einigen Schwächen ausgestattete zweite Hälfte. Die oben beschriebene Situation endet mit einem harten Cut, der uns in eine Kaserne nach Trantor führt. Bruder Tag ist breit wie der sprichwörtliche Amtmann (man verzeihe mir die saloppe Wortwahl) verzockt munter in einer Kaserne Kleinode aus dem Palast.

So schön es ist, Lee Pace in Aktion zu sehen, wird sein Talent hier aber gnadenlos und völlig unverständlich vergeudet. Die gesamte Szene ergibt schon deshalb keinen Sinn, weil uns die Dekadenz von Bruder Tag bereits allzu deutlich vor Augen geführt wurde. Wir wissen, dass ihm das Schicksal der Cleon-Klone genauso egal wie jenes der Galaxie ist. Er will seine letzten Tage im Drogen- und Sexrausch verbringen. Nun gut, doch warum muss das lang und breit thematisiert werden? Eine vernünftige Erklärung ergibt sich jedenfalls aus der Handlung (noch?) nicht.

Interessanter ist da Bruder Dämmerungs Versuch, der unweigerlich kommenden Desintegration zu entgehen, indem er die Notwendigkeit seiner verlängerten Existenz kundtut und um Verbündete buhlt. Doch weder Demerzel noch Bruder Tag sind bereit, ihm zu helfen, was er mit bösen Blicken quittiert.

Allerdings hat er noch einen Plant in petto. Er hat eine unglaublich wirkmächtige Bombe auf Basis eines schwarzen Lochs entwickeln lassen, die ganze Planeten in Sekunden verschlingen kann. Wird er diese zu seiner eigenen Rettung einsetzen, oder sie an Bruder Morgen übergeben, der kurz vor seiner Krönung zum Imperator ist?

Mit dem Handlungsstrang tun sich eine Reihe von Möglichkeiten auf, die das fragile Gefüge des Imperatorentriumvirats gehörig durcheinanderschütteln könnte. Indes bleibt zu hoffen, dass (Lee Pace) in seiner Rolle noch ein wenig mehr zu tun bekommt, als halbnackt durch die Gegend zu laufen und an kleinen Döschen zu schnüffeln.

Toan Mallow

Synnøve Karlsen und Cody Fern in „Foundation“
Synnøve Karlsen und Cody Fern in „Foundation“ - © Apple TV+

Zwischen den soeben beschriebenen Ereignissen auf Trantor setzt das Autorenteam allerdings noch die in dieser Form ebenfalls vollkommen unnötige Einführung zweier bislang unsympathischer Figuren. In den Romanen spielt die weibliche Protagonistin des Duos als Bayta Darell eine große Rolle als Spionin. Sie führt ihre Herkunft auf den berühmten Hober Mallow zurück, der maßgeblich die Gründung der Händler-Allianz innerhalb der Foundation verantwortete.

In der Serie benannte man die Figur in Bayta Mallow um und macht sie zur Ehefrau eines direkten Nachfahren des Meisterhändlers namens Toran. Warum und weshalb das nötig ist, bleibt man uns allerdings schuldig. Sie und Toran leben ein ebenfalls recht dekadentes Yuppie-Leben auf einer kleinen, hübschen Welt, auf die das Maultier irgendwie seine Fühler gerichtet hat.

Unvermittelt taucht Pritcher in dem gestörten Paradies auf und rekrutiert das junge Paar auf autorisch holprige und inhaltslose Art als Spione für die Foundaton. Indes wäre es wesentlich besser gewesen, die Szene in die dritte Episode zu verlegen und sich auf die drei großen Stränge Ignis, Trantor und Kalgan zu konzentrieren. Okay, es ist schon klar, dass die von (Synnøve Karlsen) eher nervig interpretierte Bayta und der nicht besser von Cody Fern gespielte Toran im Verlauf der restlichen Staffel eine prominentere Rolle einnehmen werden. Doch muss die Einführung zweier wichtiger Figuren wirklich so kurz, unnötig und unsympathisch geschrieben sein?

Die letzte Szene

Kommen wir damit zur letzten Szene der Episode, die einen hochinteressanten und spannenden Twist beinhaltet. Soeben erfuhren wir, dass Bruder Dämmerung die mächtigste Bombe des Universums entwickeln ließ und in seinen Händen hält. Nun ist es Bruder Morgen, der für eine Überraschung sorgt. Er verabschiedet sich vorzeitig von einem Treffen mit der Botschafterin der Foundation und Bruder Dämmerung. Er begibt sich allein in seine Gemächer, um einen seltsamen Kommunikator zu aktivieren.

Für diejenigen, die erst die Rezension lesen und dann die Folge schauen, verraten wir an dieser Stelle nicht, mit wem Bruder Morgen nun in Konversation tritt, doch die Überraschung ist groß genug, um die Machtkonstellationen entscheidend zu beeinflussen. So endet der Teil mit einem Knall, der Lust auf mehr macht.

Fazit

Cherry Jones und Terrence Mann in „Foundation“
Cherry Jones und Terrence Mann in „Foundation“ - © Apple TV+

Die erste Hälfte von Shadows in the Math ist sauber durchstrukturiert und spannend erzählt. Nach rund 17 Minuten folgt aber ein aufgrund des starken Beginns sehr spürbarer Absturz, der erst mit dem Finale der Episode wieder aufgefangen werden kann. Sowohl Bruder Tags Eskapaden als die Einführung von Bayta und Toran gelingen überhaupt nicht und sind vollkommen uninteressant.

Die so gefüllte Sendezeit hätte man besser mit dem Ausbau der Hauptstränge füllen können. Zumindest wäre es aber sinnvoll gewesen, mehr Augenmerk auf die beiden Spione zu richten, die Pritcher von nun an zur Seite stehen. Das hätte für einen kleinen, aber entscheidenden Sympathiebonus gesorgt, der mir persönlich bis jetzt aber vollkommen abgeht.

Für die starke Zerfaserung und den riesigen inhaltlichen Qualitätsunterschied zwischen Anfang und Ende vergeben wir daher diesmal nur 3 von 5 Klonen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 18. Juli 2025
Episode
Staffel 3, Episode 2
(Foundation 3x02)
Deutscher Titel der Episode
Neue Verbindungen
Titel der Episode im Original
Shadows in the Math
Länge der Episode im Original
49 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. Juli 2025 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. Juli 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 18. Juli 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 18. Juli 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 18. Juli 2025

Schauspieler in der Episode Foundation 3x02

Darsteller
Rolle
Jared Harris
Leah Harvey
Laura Birn
Terrence Mann

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