Foundation 3x03

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Das passiert in der Episode „When a Book Finds You“ der Serie „Foundation“
Bruder Tag (Lee Pace) plant seine Flucht aus dem Palast und zieht seinen Leibgardisten ins Vertrauen. Bruder Morgen (Cassian Bilton) berät sich mit Gaal (Lou Llobell), um das weitere Vorgehen gegen das Maultier (Pilou Asbæk) zu planen. Seine Vorschläge treffen bei seinen Brüdern aber auf taube Ohren, obwohl das Imperium bereits in vier Monaten untergehen wird.
Pritcher (Brandon P. Bell) versucht derweil, mehr über das Maultier in Erfahrung zu bringen, bekommt aber bald darauf die ganze Macht des Mutanten zu spüren und flieht. Die von ihm nach Kalgan mitgenommenen Toran Mallow (Cody Fern) und Baytar (Synnøve Karlsen) geraten ebenfalls in Bedrängnis, doch bevor auch sie fliehen müssen, gelingt ihnen ein Coup.
Handlungsbögen
Zäumen wir das Pferd einmal von hinten auf und schauen uns an, was in der letzten Szene der zweiten Folge geschah. Bruder Morgen zieht sich in seine Gemächer zurück und kontaktiert mit Gaal ausgerechnet die Person, mit der man am wenigsten gerechnet hat. Die ersten Minuten von When a Book Finds You befassen sich nun in Form eines Rückblicks mit der Frage, wie es zu dieser Allianz kam.
Die uns zur Verfügung gestellten Informationen sind ansprechend in Szene gesetzt und offenbaren darüber hinaus, dass Bruder Morgen offensichtlich der Einzige der drei Klone ist, der den Ernst der Lage erfasst hat. Zurück in die Gegenwart dreht sich der Hauptteil der Geschichte entsprechend darum, die Macht des Maultiers und seinen Eroberungsdrang zu fokussieren und den Niedergang des Imperiums voranzutreiben.
Dies geschieht allerdings in so vielen Teilabschnitten, dass es bisweilen schwierig wird, den zahlreichen Figuren zu folgen. Das ist überhaupt ein großes Problem der dritten Staffel. Es geschieht zu viel auf zu engem Raum. Ein beinahe unüberschaubarer Wust an Figuren drängt sich auf 45 Minuten Laufzeit, um irgendwie die Aufmerksamkeit des Publikums zu ergattern.
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Ein gutes Beispiel dafür ist Han Pritchers Auftauchen auf Kalgan, wo er erfolglos versucht, das Maultier auszuspionieren. Allein in dieser Szene tauchen sechs Personen auf, die zwar Teil des Narrativs sind, aber figural betrachtet auch für sich alleine stehen müssen. So etwas für die Zuschauenden nachvollziehbar und unterhaltsam zu schreiben ist ein Drahtseilakt, der hier nur deshalb gelingt, weil Pilou Asbæk seine Schauspielkollegen an die Wand spielt und für einen kalten Schauer nach dem anderen sorgt. Sowohl Han als auch seine Begleiter Toran und Zephyr bleiben indes bemerkenswert blass.
Allerdings gibt es vor allem für Hober Mallows Nachfahren und seine Geliebte Hoffnung, die zwar eine weitere Person in das Gefüge integriert, der aber für einen Ausbau der beiden Figuren sorgen dürfte. Dennoch stellt sich weiterhin die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, die einzelnen Episoden homogener und damit die Erzählung in sich flüssiger zu gestalten. Die vielen Sprünge sorgen dafür, dass man die gesamte Spielzeit über hochkonzentriert bleiben muss, um nicht irgendwas Wichtiges zu verpassen. Für manche Zuschauenden könnte das mehr in Anstrengung ausarten als zu unterhalten und zu entspannen.
So wird man das Gefühl nicht los, dass die Serienmacher möglichst viele Akteure aus der Romantrilogie integrieren wollten, ohne sich der Tatsache bewusst zu sein, dass die Staffel nur zehn Folgen zu je knapp 50 Minuten umfasst. In der ersten Staffel fand der nach einem Streit mit dem Streamingdienst Apple TV+ inzwischen als Executive Producer und Showrunner ausgestiegene David S. Goyer noch den Mut, neue Figuren zu integrieren und dafür aus den Büchern bekannte außen vorzulassen. Das schmeckte vielleicht nicht jedem Asimov-Fan, sorgte aber für die Art von Struktur, die man nun bisweilen schmerzlich vermisst.
Ein verschwendeter Tag
Hinzu kommt nach wie vor, dass vor allem Lee Pace' Fähigkeiten gnadenlos verschwendet werden. Innerhalb des Imperatoren-Plots macht seine Wandlung zum Drogensüchtigen durchaus Sinn, doch ein wenig mehr Tiefe wäre sicherlich drin gewesen. Dieser Tatsache scheint sich der Writers' Room ebenfalls bewusst geworden zu sein und sorgt in der aktuellen Episode für Abhilfe. Laura Birns Part als Demerzel wird nach der bisherigen Durststrecke wieder ein wenig ausgebaut und leitet eine bedeutsame Wendung ein, die auch Bruder Tag wieder ins Spiel bringen könnte.
Die Roboterin löscht die Erinnerungen seiner Geliebten und schickt sie auf ihre Heimatwelt, nachdem sie herausgefunden hat, dass sie der eigentlich verbotenen Religion der Roboteranbeter angehört. Das hat vornehmlich zwei Vorteile: erstens entfernen die Autoren eine an sich ohnehin unnötige Figur, zweitens hat Bruder Tag damit einen Grund, seine Imperatorengeschäfte wieder aufzunehmen.
Das Maultier

Kommen wir damit zum interessanten Teil der Episode, dem Aufstieg des Maultiers. Er hat sich inzwischen als ebenso skrupelloser wie grausamer Herrscher auf Kalgan etabliert, der alles daransetzt, die Galaxie zu beherrschen. Der Mann ist ein eiskalter Egomane und Psychopath, der Freude daran hat, andere nicht nur zu beherrschen, sondern zu quälen. Er mag eine tiefe Wunde in sich tragen, die ihn zu der Person werden ließ, die er heute ist, doch seine Taten sind durch die Bank amoralisch und voll und ganz hedonistischer Natur.
Wer Lust aus dem Leid anderer gewinnt, ist brandgefährlich. Entsprechend lassen die Autoren nicht den geringsten Zweifel daran, dass das Maultier die Galaxie ins Chaos stürzen und für den Tod von Milliarden Lebewesen verantwortlich sein wird, wenn ihn niemand stoppt. Dass sich ausgerechnet Bruder Morgen dazu berufen fühlt, ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Er hat erkannt, dass der Sinn in Demerzels Programmierung und damit ihrer gesamten Existenz darin liegt, die Interessen der Klonimperatoren zu wahren. Das führt dazu, dass sie Informationen des Radianten, den Seldon ihr einst überließ, falsch interpretiert und die großen Zusammenhänge nicht erkennt.
Bruder Morgen schaut hingegen über den Tellerrand hinaus. Er ist der mitfühlendste aller Cleons, weniger darauf bedacht, seine Macht zu behalten, als vielmehr die Galaxie zu retten. Das ist ein spannender und in Bezug seine Verbindung zu Gaal logischer Zug des Autorenteams, der die einzelnen Bausteine der Serie geschickt aufeinander abstimmt. Morgen ist sich der Fähigkeiten des Maultiers dank der von seiner Verbündeten erhalten Informationen bewusst und vermeidet daher den direkten Kontakt.
Das hält den Piraten allerdings nicht davon ab, brutal ein Portal zu erobern, womit er nun über eine Operationsbasis für den unweigerlich kommenden Krieg verfügt. Die Szenen auf der Portalstation stellen den Actionhöhepunkt der Episode dar, der es ansonsten hier und da ein wenig an Power fehlt. Handlungstechnisch geschieht zwar viel, doch der Löwenteil der 45 Minuten wird über Dialoge und Beziehungsdramen abgewickelt.
Ein wenig Action tut also durchaus ganz gut, sofern sie stimmig integriert ist. Das gelingt hier, obwohl sich die Folge insgesamt immer noch mehr nach Exposition als nach echter Handlung anfühlt.
Fazit

Es ist ja nicht so, dass die dritte Staffel der Serie Foundation bisher schlecht ist, sie ist nur nicht so gut wie die ersten beiden. Das fällt leider extrem ins Auge, auch wenn es auf audiovisueller Ebene nicht viel zu mäkeln gibt. Dennoch gibt es wesentlich weniger der epischen Momente, die das Format vormals wie einen überlangen Kinofilm erschienen ließen. Mit anderen Worten fühlen sich die ersten drei Episoden der Season im Verhältnis zu den ersten 20 Teilen optisch limitiert an, während die Erzählwut des Autorenteams überhandnimmt.
Der oben erwähnte Budgetstreit, der zu Goyers Ausstieg führte, wirkt sich also auf allen Ebenen auf. Es ist an sich lobenswert, dass Apple TV+ die Serie zum Abschluss bringen möchte. Doch hier wurde ganz offensichtlich an der falschen Stelle gespart. „Foundation“ sollte eine Serie für die Ewigkeit sein, wenn es so weitergeht, bleibt am Ende aber leider nur die Erinnerung an eine dritte Season, die den Erwartungen des Publikums nicht gerecht wurde.
Wir verteilen daher dreieinhalb von fünf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 25. Juli 2025(Foundation 3x03)
Schauspieler in der Episode Foundation 3x03
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