Foundation 3x01

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Das passiert in der Episode „A Song for the End of Everything“ der Serie „Foundation“
152 Jahre sind seit den Ereignissen der zweiten Seldon-Krise vergangen. Auf der unabhängigen Randwelt Kalgan schwingt der sich der mächtige Telepathen-Mutant „Das Maultier“ brutal zum Herrscher der kleinen, aber wichtigen Welt auf. Währenddessen steht die Foundation dank der Intervention des Imperiums kurz vor einem Bürgerkrieg. Doch auch das kann den Zerfall des galaktischen Reiches nicht aufhalten, der immer schneller voranschreitet...
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Wo es endete
Erinnern wir uns zum Einstieg der dritten Staffel kurz daran, wie die zweite endete. Salvor (Leah Harvey) starb und Gaal (Lou Llobell) sah in einer Vision voraus, dass sich in 152 Jahren ein Mutant namens „Das Maultier“ (aka „The Mule“) zum Aggressor aufschwingt und sowohl die Foundation als auch das Imperium in den Abgrund stürzt. Nur die im Verborgenen existierende Zweite Foundation kann den Okkupanten vielleicht noch stoppen, doch für die Cleon-Klone endet ihr Weg endgültig.
Damit warfen die Serienerfinder Josh Friedman und David S. Goyer die Schatten eines großen Krieges voraus, der in den ersten Minuten von A Song for the End of Everything nun in erschreckender Form Gestalt annimmt. Das Maultier (Pilou Asbæk, Game of Thrones) vernichtet dank seiner telepathischen Fähigkeiten die Armee des unabhängigen Planeten Kalgan, in dem er die Soldaten sich gegenseitig ermorden lässt. Ein so starker und actionreicher Einstieg sorgt nicht nur dafür, dass man sofort wieder in den Bann dieser grandiosen Serie gerät, sondern er ist auch ein nahezu perfekter Einstieg für die kommenden Geschehnisse.

Schauspieler Pilou Asbæk steigt für Mikael Persbrandt ein und darf sich mit allem kalkulierten Wahnsinn präsentieren, den seine Figur ausmacht. Das Wissen über seine beinahe unendliche Macht ist dem Darsteller geradezu ins Gesicht geschrieben, das sorgt für Glaubwürdigkeit und Atmosphäre. Die Frage, wie man so einen mächtigen Mann, der Tausenden seinen Willen mit einem Gedankenstreich einpflanzen kann, besiegen will, steht so noch vor dem ersten Besuch im Zentrum des fallenden Imperiums unauslöschlich im Raum.
Szenenhopping
Nach dem actionreichen Cold Open betreibt das Autorenteam erst einmal eine Runde Szenenhopping und schafft die Ausgangssituation für den drohenden Mega-Krieg mit dem Maultier. Bruder Morgen (Cassian Bilton) und Demerzel (Laura Birn) befinden sich auf dem Weg zum Galaktischen Rat, um dort die immer mächtiger werdende Foundation zu schwächen. Dem Bund folgen inzwischen 800 Randwelten, die einst zum über 6300 Planeten umfassenden Imperium gehörten. Wieder andere haben sich ihre Neutralität bewahrt oder erarbeitet und dienen nun als Zünglein an der Waage eines fragilen Friedens, den das Maultier untergräbt.
Doch auch die Cleons gedenken nicht, den Status Quo anzuerkennen. Der junge Imperator hat davon Wind bekommen, dass in der Händlerorganisation der Foundation Unzufriedenheit herrscht und ein Bürgerkrieg wahrscheinlich ist, wenn das galaktische Reich die Rebellen nur mit genügend Waffen versorgt. Trotz des genetischen Verfalls der Klon-Herrscher sind diese also immer noch intrigant und machtgierig genug, um einen Versuch der Wiederherstellung alter Größe zu unternehmen. So interessant diese Information auch ist, hätte man durchaus ein wenig mehr ins Detail gehen dürfen. Hier fehlt ein wenig der gewohnte Tiefgang.
Allerdings wird die ohnehin knappe Sendezeit (die Folge ist lediglich etwas über 50 Minuten lang) dafür benötigt, Hari Seldons Alter Ego auf New Terminus ins Spiel zu bringen und einige andere Ereignisse in Gang zu setzen, die für die kommenden neun Teile als Motor dienen werden. Das gelingt wiederum ganz gut, wenn die Folge insgesamt auch ein wenig zerstückelt daherkommt, weil zu viele Baustellen eröffnet werden.
Besuch von „Deep Space Nine“
Nach Morgens erfolgreichen Versuch, den Rat von seinem Plan zu überzeugen, führt uns nämlich ein Sprung direkt zum oben erwähnten Planeten New Terminus. Die Einführung und die im Schnellverfahren erzählte Entstehungsgeschichte der Welt ist audiovisuell genauso schön in Szene gesetzt, wie man es von „Foundation“ gewöhnt ist. Die Space-Opera-Elemente sind atemberaubend, die Actionsequenzen geizen nicht mit visuellen Reizen und das Kostümdesign weist nach wie vor höchstes Niveau auf.
Doch kehren wir zurück nach New Terminus, wo uns eine gelungene Überraschung erwartet. Ein uns unbekannter Wissenschaftler namens Dr. Ebling Mis versucht, mit Hari Seldons virtuellem Ich in Verbindung zu treten. Ein kleines Schmankerl für „Star Trek“-Fans dürfte die Erkenntnis sein, dass Ebling von niemand Geringerem als Doctor-Bashir-Darsteller (Alexander Siddig) gespielt wird, der hier einen kleinen, aber feinen Auftritt hinlegt. Es bleibt zu hoffen, dass wir ihn im Verlauf der Staffel noch öfter sehen, zumal seine Figur nicht interessant ist und einiges Potential in sich birgt.

Was Ebling von Seldon erfährt, behalten wir an dieser Stelle aus Spoilergründen für uns, auch, weil sich die Information als wichtig für den Staffelverlauf erweisen dürfte. Allerdings weist das kurze Wiedersehen darauf hin, dass Seldon erneut eine prominente Rolle übernimmt, gut so.
Mit der Einführung eines passenden Ersatzes für die im Finale von Staffel zwei ausgeschiedene Salvor geht es mit den fast schon zu vielen Szenensprüngen munter auf einem Planeten namens Haven weiter, auf dem die Händler-Allianz Waffen vom Imperium erhält. Natürlich hat die Foundation ihre Augen in Form des loyalen Spions Pritcher (Brandon P. Bell) auch dort und verhindert zunächst das Schlimmste.
Das sich anschließende Gespräch mit dem „Indbur“ genannten Präfekten der Foundation offenbart aber, dass der Planetenbund durch zu viel Autokratie, Bürokratie, Vetternwirtschaft und korrupte Herrscher stark geschwächt ist. Während Pritcher die Beobachtung Kaldans und damit jene des Maultiers vorschlägt, lehnt der Indbur aus Angst, einen Krieg zu provozieren, ab.
Nun offenbart sich allerdings die Ähnlichkeit zwischen Pritcher und Salvor, denn dieser ist genauso rebellisch veranlagt wie sie und tut das genaue Gegenteil von dem, was ihm befohlen wurde. Pritcher ist in der Romantrilogie eine wichtige Persönlichkeit, die einige schwerwiegende Wandlungen durchlaufen wird. Die bisherige Darstellungsweise entspricht in etwa der in den Büchern, so dass es abzuwarten bleibt, ob uns hier eine Überraschung erwartet oder nicht.
Trantor

Von New Terminus führt uns der Weg nach Trantor, wo wir endlich erfahren, was mit dem bisher noch nicht aufgetauchten Bruder Tag (Lee Pace) geschah. Die Erkenntnis des genetischen Verfalls und die Dekadenz ließen den Herrscher zu einem drogen- und sexkonsumierenden Dauerurlauber werden, der an der Reichsführung kein Interesse mehr hat. Stattdessen ergeht er sich in Hedonismus und Gleichgültigkeit.
Erst als Bruder Morgen und Bruder Dämmerung (Terrence Man) ihn quasi dazu nötigen, sich eine von Demerzel erlangte wichtige psychohistorische Information anzuhören, bequemt er sich in den Palast. Und nun führen die Autoren ein Ticking-Clock-Event ein, dass uns bis zum Ende der Staffel begleiten wird, denn die Androidin offenbart, dass sowohl die Foundation als auch das Imperium in vier Monaten im Chaos versinken werden und nichts von der einstigen Pracht beider Reiche erhalten bleibt.
Die Episode endet damit, dass wir endlich die Person wiedersehen, die uns die letzten 50 Minuten aus dem Off und davor 20 Folgen lang als Hauptfigur begleitet hat. Gaal erwacht endlich aus dem Kryoschlaf, um vielleicht die Galaxis zu retten...
Fazit
So stark die ersten Minuten des Einstiegs zur dritten Staffel ist, so zerfasert wirkt der Rest stellenweise. Statt der üblichen drei Handlungsorte bekommen wir nun mit Kalgan, dem Rat, Haven, New Terminus und Trantor gleich fünf Locations serviert. Das ist bei einer Länge von knapp über 50 Minuten ein wenig zu viel des Guten, obwohl die Handlung letztlich zusammenpasst und die Geschichte weiterbringt.
Man darf sich durchaus die Frage stellen, wie man die vielen Fäden ein wenig übersichtlicher hätte verknüpfen können, doch ehrlich gesagt, fällt mir keine bessere Lösung als die präsentierte ein. Die Foundation-Saga spannt sich nun einmal über hunderte Jahre und tausende Welten und verfügt über einen riesigen Figurenpool. So betrachtet stirbt man als Autor bei einer Adaption immer mindestens einen Tod, in diesem Fall eben den der Geradlinigkeit.
Allerdings trübt das den positiven Gesamteindruck nur unerheblich. Audiovisuell und schauspielerisch ist der Seasonbeginn nämlich genauso über jeden Zweifel erhaben wie die vorherigen 20 Episoden und es ist leicht zu erahnen, welch gewaltige Epik darauf wartet, vom Publikum erlebt zu werden. Daher belassen wir es bei kleinen Abstrichen und starten mit 4 von 5 Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 11. Juli 2025Foundation 3x01 Trailer
(Foundation 3x01)
Schauspieler in der Episode Foundation 3x01
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