Foundation 2x10

Foundation 2x10

Die zweite Staffel der Blockbuster-Serie „Foundation“ verabschiedet sich mit einem geradezu epischen und denkwürdigen Finale und sorgt an allen Fronten mit unerwarteten Wendungen und Höhepunkten für Staunen.

Szenenfoto aus der Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“ der Serie „Foundation“
Szenenfoto aus der Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“ der Serie „Foundation“
© Apple TV+

Was passiert in der Episode „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“ der Serie „Foundation“?

Bruder Tag (Lee Pace) entschließt, alle Welten, die sich der Foundation angeschlossen hatten, zu vernichten, woraufhin Bel Riose (Ben Daniels) sich erhebt. Ihm zur Seite stehen die Spacer, die sich doch auf Hober Mallows (Dimitri Leonidas) Angebot eingelassen haben und nun die gesamte imperiale Flotte vernichten. Auf Ignis steigen indes Gaal (Lou Llobell), Salvor (Leah Harvey) und Hari (Leah Harvey) zu den neuen Anführern der Mentalen auf. Doch Tellems Geist ist noch nicht vollends besiegt, was zu einem schrecklichen Opfer führt.

Noch ein Lobgesang

Es mag manchem Mitlesendem mittlerweile ein wenig repetitiv erscheinen, doch wie anders als mit Bestnoten soll man eine Serie wie Foundation bewerten, die visuell hochqualitativ ist und eine so mitreißende, überraschende und in allen Belangen epische Geschichte erzählt wie „Foundation“?

Schon Long Ago, Not Far Away bot einige spannende Wendungen, doch was David S. Goyer mit Creation Myths abliefern, ist in einem Wort ausgedrückt atemberaubend. In den rund 55 Minuten der Folge geschieht in jeder Minute etwas Interessantes, Packendes oder Bewegendes. Darüber hinaus schlägt der Showrunner beinahe spielend den Bogen zur dritten Staffel und löst sämtliche Handlungsstränge, die über zwei Staffeln aufgebaut wurden, in sich stimmig auf. Besser kann man eine TV-Serie nicht konzipieren.

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Der Ignis-Plot

Schauen wir uns zunächst einmal die Geschehnisse auf Ignis etwas näher an, die damit beginnen, dass wir erfahren, wie Hari Seldon überlebt hat. Dieser Part ist auch gleichzeitig der Schwächste der Episode und der gesamten Staffel, da Goyer letztlich Gaals Fähigkeiten zur Auflösung der Frage bemüht.

Gaal ist die ganze Zeit über Tellems Machenschaften im Bilde gewesen und zwang Seldons Bewacher durch Ausübung ihrer telepathischen Macht, dessen Fesseln zu lösen. Hari tötete ihn, band in an seiner Stelle an die Pfähle im Meer und Gaal maskierte den Toten mental. In Anbetracht der Tatsache, dass sich Tellem in „Foundation“ bislang als wesentlich mächtiger erwiesen hat und Dornicks Körper in der letzten Folge beinahe übernommen hätte, erscheint die Aufklärung des Handlungsstrangs insgesamt doch arg konstruiert. Schließlich wurde Salvor Hardin von dem kleinen Josiah (Kit Rakussen) befreit.

Das ist nun aber meckern auf hohem Niveau, weil der Plot mit einem Kehle zuschnürenden Knall endet. Tellem hat sich in Josiahs Geist versteckt und benutzt das Kind für eine Rache, die allerdings dank Salvors Eingreifen schief geht. Das kostet die taffe Wächterin ihr Leben, so dass das mächtige Frauenduo durchbrochen wird, damit die dritte Staffel Dornicks Kampf gegen das Maultier in den Fokus rücken kann. Stark ist außerdem ihre Versöhnung mit Hari, der nun der letzte verbleibende Anker für sie ist.

Dass sich die beiden am Ende der Episode in den Kryoschlaf begeben, um 152 Jahre später die Geschicke des Universums zu lenken, ist nur konsequent, weil die Geschichte genau auf diesen Krieg hinausläuft. Positiv zu bemerken ist weiterhin die endgültige Feststellung, dass das Schicksal keineswegs festgeschrieben in der Zukunft liegt. In Gaals Vision starb ihre Tochter erst während eines Angriffs des Maultiers, nun hat diese heldenhaft ihr Leben geopfert, um ihre Mutter zu retten.

Auf diese Weise wird noch einmal unterstrichen, dass Psychohistorik keine reine Kaffeesatzleserei ist, sondern tatsächlich die großen Entwicklungen der Menschheit im Auge hat. Einzelne Personen können in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, doch völlig unverzichtbar sind sie offenbar nicht. Damit nähern wir uns zwar der von Isaac Asimov in seinem Romanzyklus „Foundation“ kreierten Pseudowissenschaft nur marginal, doch immerhin fährt die Serie ihre Space-Magic-Aspekte immer mehr zugunsten einer harmonischen Erzählweise zurück, klasse.

Der Tod als Neubeginn

Ben Daniels auf Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“
Ben Daniels auf Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“ - © Apple TV+

Gehaltvoll ist auch das große Finale um den Terminus-Arc. Terminus ist zerstört und Bruder Tag erfreut sich - ganz der größenwahnsinnige Despot - an den brennenden Trümmern der Welt. Aus seiner Sicht logisch konsequent entschließt er nun, allen Foundation-Welten das Gleiche anzutun.

Der nun folgende Höhepunkt ist ein Paradebeispiel verwinkelter Erzählkunst, in der jeder Baustein passt und in dem es vor Überraschungen nur so wimmelt. Bel Riose begehrt endlich auf, eine Tat, die wir schon lange erwartet haben. Er weigert sich, den Sprungbefehl für die Flotte auszugeben, woraufhin der viel zu berechenbare Imperator die Fassung verliert.

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Es kommt zu einem toll inszenierten Faustkampf zwischen den Kombattanten, der in Rioses Niederlage mündet. Erst als Bruder Tag den Admiral aus der Luftschleuse wirf, greift ein unerwarteter und gut gelungener Twist. Bel ist im Besitz des Transporters, den Hober Mallow einige Folgen zuvor gestohlen hat, so dass es nun der Kaiser ist, der durch die Kälte des Alls auf das brennende Terminus zutreibt.

Doch Goyer wäre nicht Goyer, wenn er nicht noch eine epische Komponente ins Spiel bringen würde. Die Spacer haben Hober Mallow nur zum Schein ausgeliefert und programmieren den Sprung der Flotte so, dass sich die Kampfschiffe selbst zerstören. Kurz vor ihrem Tod sitzen Hober und Bel bei einem Glas Wein zusammen und erleben mit einem bewegend geschriebenen Dialog ihr Ende, das gleichzeitig für die Zukunft des Imperiums einen Neuanfang bedeutet. Schön ist, dass Hobers Han-Solo-Attitüde in Foundation nun endlich ad acta gelegt wird und sich vor unseren Augen ein verantwortungsbewusster, mutiger Held offenbart, der von Anfang an keine Wahl hatte, als das einzig Richtige zu tun, auch wenn er dabei stirbt. Einen schöneren Abgang hätte man der Figur nicht wünschen können.

Dasselbe trifft auf Bel Riose zu, der dem Gros des Publikums von Anfang an sympathisch gewesen sein dürfte, wenn seine Bildschirmzeit auch zu limitiert war. Nur einer tragischen Figur wie ihm, der von Anfang an zum Tode verurteilt war, konnte man die Verpflichtung auferlegen, nicht nur Millionen zu retten, sondern der Galaxis eine Chance auf Freiheit zu geben. Menschen wie er sind es letztlich, die sich dem Despotismus, der Gewaltherrschaft und der Willkür megalomanischer Tyrannen mit allem entgegenwerfen, was sie haben und die sich für eine bessere Zukunft bereitwillig opfern. Damit darf man Riose eine Stauffenberg'sche Charakterisierung zuschreiben.

Demerzel - eine Figur wie aus einer altgriechischen Tragödie

Kommen wir damit zur zentralen Person der zweiten Staffel, Demerzel. Sah am Anfang noch alles danach aus, dass sie einen über Jahrhunderte geschmiedeten Racheplan für die Ermordung ihrer gesamten Spezies schmiedete, offenbart sie in der letzten Foundation-Episode der zweiten Staffel die Züge einer Figur, die ohne Weiteres einer altgriechischen Tragödie entsprungen sein könnte.

Die Androidin hatte ebenfalls niemals eine Wahl, sondern folgte stets nur der Programmierung, die Cleon I. ihr aufoktroyiert hatte. Nie konnte sie sich darüber sicher sein, ob die Liebe für ihn und die nach ihm folgenden Klone echt, oder das Produkt einer ausgefeilten Simulation waren. Zweifelsohne sind Demerzels Emotionen echt. Sie ist sich ihrer selbst bewusst und ist in der Lage sich zu hinterfragen.

Damit stellt sich die angedeutete Frage, ob sie eine Lebensform ist, erst gar nicht. Im Sinne des großen Philosophen René Descartes ist es genau jene Fähigkeit, über die eigene Existenz zu reflektieren, die uns zu Individuen macht. Insofern hat das Zitat „cogito ergo sum“ („ich denke, also bin ich“) hier eine besondere Bedeutung, denn obwohl Demerzel im existenzialistischen Sinne „ist“, bleibt sie doch unfähig, die Wahrheit über sich zu erkennen.

Laura Birn auf Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“
Laura Birn auf Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“ - © Apple TV+

Es schmerzt die künstlich erschaffene Frau, niemals wirklich frei gewesen zu sein. Noch mehr schmerzt es sie aber, Bruder Dämmerung und Enjoiner Rue töten zu müssen, um ihrer Programmierung zu folgen. Sie ist eine Gefangene mit einer gequälten Seele, die dazu gezwungen ist, schreckliche Dinge zu tun, obwohl ihr Herz ihr etwas Anderes sagt. Die Existenz und das Weiterbestehen des Imperiums stehen über allem, obwohl Demerzel selbst es ist, die den Untergang des Reiches beschleunigt. Das ist überaus tragisch, auch, weil Laura Birn hier eine schauspielerische Meisterleistung abliefert. Die bisher zur Schau getragene Steifheit, die Demerzel als Androidin definierte, fällt plötzlich wie ein Vorhang, um nun endlich den Blick auf die Bühne freizugeben. Wenn das keine große Geschichte ist, was dann?

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Bruder Morgen und Sareth

Mit diesen Betrachtungen nähern wir uns mit großen Schritten dem Schlussplädoyer für „Foundation“, der besten Science-Fiction-Serie, die das Fernsehen derzeit zu bieten hat. Abschließend seien noch ein paar Gedanken an Bruder Morgen und Sareth gerichtet, die von David S. Goyer nicht vergessen werden.

Demerzel plant zum Erhalt der Dynastie, Sareth als Attentäterin zu brandmarken, obwohl sie selbst den im ersten Teil der Staffel (In Seldon's Shadow) zu sehenden Anschlag auf Bruder Tag beauftragte. Der Plan schlägt fehl, weil Bruder Dämmerung in einem letzten Akt des Familienzusammenhalts Demerzels Hals unbemerkt mit einem grünen Farbstreifen markiert.

Analog zu einem Gemälde im Palast ist sie damit als Verräterin deklariert, was Morgen veranlasst, Sareth zu retten und mir ihr zu fliehen. Die Königin des Dominion erwartet indes ein Kind von ihm, eine Tatsache, die Demerzel abtut, weil die beiden ihrer Macht beraubt sind und sie drei neue Klone reaktivieren wird. Egal, was aus den Flüchtenden wird, das Imperium wird, wie wir wissen, auf jeden Fall noch 152 Jahre weiterbestehen, bevor das Maultier die Galaxie in Brand stecken wird. Zumindest kann das junge Paar aber nun ein glückliches Leben führen, sofern Demerzel sie am Leben lässt.

Fazit

Isabella Laughland auf einem Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“
Isabella Laughland auf einem Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Creation Myths“ aka „Schöpfungsmythen“ - © Apple TV+

Kann man einer Geschichte noch mehr Epik verleihen? Wohl kaum, denn bis auf den leicht schwächelnden Gaal-Plot (der sich aber stimmig aufklärt) ist „Foundation“ inhaltlich und optisch eine faszinierende Schönheit. Die Serie hat alles, was es braucht, um Fans glücklich zu machen. Starke Identifikationsfiguren und einen grandios gespielten und geschriebenen Antagonisten, der dank Lee Pace eine im modernen Fernsehen selten zu sehende natürliche Vielschichtigkeit an den Tag legt.

Lieb gewonnene Heldinnen und Helden sterben einen unerwarteten, aber sinnvollen Tod, andere erleben eine Wiederauferstehung (man denke an das Gewölbe), mit der man als Zuschauender nicht rechnen konnte. Keine Beziehung wird verschwendet oder gar fallen gelassen und die Dialoge sind tiefsinnig und bewegend geschrieben. Hinzu kommt eine kinoreife Inszenierung, die die Geschichte in beinahe dichterischer Schönheit unterstützt und für reichlich Wow-Momente sorgt.

Es gibt in der modernen Serienlandschaft eine Reihe guter Serien und auch einige sehr gute. „Foundation“ spielt aber in einer eigenen Liga und rangiert auf einem Niveau, an das nur sehr wenige Shows herankommen.

Zwischen purer Spannung und philosophischem, religionskritischem und politischem Diskurs ist alles dabei, was dem Storytelling eine wundervolle und interpretationslastige Bandbreite verleiht. „Foundation“ ist eben nicht nur reine Unterhaltung, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, mehr als das zu sein. Und dieser Anspruch funktioniert letztendlich einfach exzellent. Fünf von fünf Klonen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 15. September 2023
Episode
Staffel 2, Episode 10
(Foundation 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Schöpfungsmythen
Titel der Episode im Original
Creation Myths
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 15. September 2023 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 15. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 15. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 15. September 2023
Autoren
Isaac Asimov, David S. Goyer, Josh Friedman, Isaac Asimov
Regisseure
Alex Graves, David S. Goyer, Mark Tonderai

Schauspieler in der Episode Foundation 2x10

Darsteller
Rolle
Dimitri Leonidas
Ben Daniels
Mikael Persbrandt
Kulvinder Ghir
Isabella Laughland
Sandra Yi Sencindiver
Nimrat Kaur

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