Foundation 2x09

Foundation 2x09

In der „Foundation“-Episode „Long Ago, Not Far Away“ aka „Vor langer Zeit und doch nicht fern“ auf Apple TV+ erleben wir eine kinoreife Weltraumschlacht und ein Shakespeare-reifes Drama. Mehr braucht es für beste Unterhaltung auf höchstem Niveau nicht.

Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Long Ago, Not Far Away“ aka „Vor langer Zeit und doch nicht fern“
Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Long Ago, Not Far Away“ aka „Vor langer Zeit und doch nicht fern“
© Apple TV+

Das passiert in der„Foundation“-Episode „Long Ago, Not Far Away“

Bruder Tag (Lee Pace) erreicht Terminus und beweist einmal mehr, wie unberechenbar er ist. Auf Ignis rettet Salvor (Leah Harvey) Gaal (Lou Llobell) im letzten Augenblick das Leben und Hari Seldon (Jared Harris) erlebt erneut eine Auferstehung von den Toten.

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Raumschlachten und Dramen

Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“
Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“ - © Apple TV+

In Long Ago, Not Far Away geht es so hoch her, wie wir es nach der außerordentlich gelungen achten Folge der zweiten Staffel, The Last Empress, erwarten durften. Die Geschehnisse um Bruder Morgen und Sareth bleiben in Foundation zugunsten der Auflösung des Ignis- sowie des Terminus-Plots etwas außen vor. Stattdessen widmet sich die Episode in etwa gleichen Teilen dem Thema Abrechnung.

Bruder Tag erreicht die Terminus belagernde Flotte und gibt sich zunächst verhandlungsbereit. Doch inzwischen wissen wir, dass kein Herrscher so wenig berechenbar war, wie dieser. Sein Besuch auf der kleinen Welt gerät zu einem Massenabschlachten. Kurzerhand lässt der egomanische Imperator in Shakespeare'scher Manie alle Priester hinrichten.

Im Orbit spielen sich derweil nicht minder dramatische Szenen ab. In einer famos visualisierten Weltraumschlacht tritt die Invictus gegen eine erdrückende Übermacht in einem Gefecht an, dass die Foundation nicht gewinnen kann. Die Dogfights zwischen den Flüsterschiffen und den Faltjägern des Imperiums beinhalten die visuell bisher temporeichsten Szenen und sind erneut durchaus kinoreif und höchst unterhaltsam inszeniert.

Besser kann man eine Fernsehserie nicht aussehen lassen. Man sieht einfach, dass Apple für die Serie viel Geld in die Hand genommen hat, um der Kundschaft ein einmaliges TV-Erlebnis zu bieten. Wenn das der Anspruch war, erfüllt die Show diesen zu glatten einhundert Prozent.

Opfer

Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“
Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“ - © Apple TV+

Stark ist zudem, dass Bels Ehemann Glawen (Dino Fetcher) endlich seinen großen, hochdramatischen, wenn auch leider letzten Moment bekommt. Bruder Tag lässt nach der gewonnenen Schlacht die Invictus auf Terminus abstürzen und weiht den Planeten damit dem Untergang. Tausende und Abertausende sterben wegen der soziopathischen Anwandlungen eines Einzelnen. Leider entspringen solche Taten nicht allein der Fantasie von David S. Goyer und Josh Friedman, sondern haben einen realen und aktuellen Bezug. Das so geschickt in eine Serie wie „Foundation“ einzubauen, ist indes große Schreibkunst.

Es ist erstaunlich, wie es dem Autorengespann gelingt, über durchaus schwierige Themen wie Weltpolitik und Religion zu philosophieren, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Dafür gibt es an dieser Stelle ein dickes Extralob. Wenn das Ganze dann auch noch in eine so spannende und wendungsreiche Story verpackt ist, kann das eigentlich nur höchste Bewunderung für die erbrachte Leistung zur Folge haben.

Tellems Ende

Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“
Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“ - © Apple TV+

Eingangs erwähnten wir, dass das große Thema der Episode „Long Ago, Not Far Away, Foundation“ Abrechnung ist. Bruder Tag rechnet vermeintlich mit Hari Seldon ab, in dem er Terminus und - so glaubt er - die Foundation vernichtet. Doch mit dem Befehl, seinen eigenen Mann zu töten, schafft er sich in Bel Riose einen Feind, der sich im großen Finale möglicherweise noch als Zünglein an der Waage erweisen könnte.

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Andererseits verspielt Bruder Tag auch seinen letzten Kredit bei Demerzel (Laura Birn), die erkennt, dass jener Cleon sich nicht lenken lässt und in seiner Unberechenbarkeit vollkommen aus der Klon-Linie schlägt. Auf Ignis muss hingegen Tellem lernen, dass sie Salvor unterschätzt hat. Im letzten Moment gelingt es ihr in einer actionreichen und mitreißenden Szene, Gaal Dornick zu retten. Sie fliehen und Salvor muss sich schließlich Loron (Michael Akinsulire) stellen.

Hier übertreibt es das Autoren-Team allerdings ein wenig mit der Dramatik. Loron gaukelt Hardin immer wieder vor, ihr verflossener Geliebter Hugo zu sein. Sie fällt jedes Mal auf den Trick herein, ein dramaturgischer Kniff, der einerseits für Dramatik sorgen und andererseits Zeit schinden soll. Dass die Idee spätestens nach der zweiten Verwandlung Lorons nicht mehr funktionieren dürfte, liegt indes auf der Hand, was die Szenerie letztlich unglaubwürdig erscheinen lässt.

Auch lässt die Episode die Frage offen, woher plötzlich der Hari-Seldon-Klon kommt, der den beiden Frauen das Leben rettet. Immerhin trieb der Körper tagelang unter Wasser an Pflöcken gepfählt im Meer, so dass eine nachvollziehbare Erklärung für Seldons Überleben recht schwer zu finden sein wird. Wie dem auch sei, darf er zu guter Letzt den Hammer schwingen und sich an Tellem dafür rächen, was sie ihm antat. Damit sind zwei Rechnungen beglichen und zwei weitere bleiben offen, weil neben Rioses verständlicher Wut auf Tag Hober Mallow und Constant mitansehen müssen, wie Terminus stirbt, was geradezu nach Rache schreit.

Zurück zum Anfang

Den inhaltlich stärksten Teil der Foundation-Episode bildet indes der Beginn in Form einer von Cleon I. aus dem Off vorgetragenen und visuell unterstützten Rückblende. Das Hologramm des ersten der Linie erzählt Bruder Dämmerung und seiner Geliebten Enjoiner Rue (Sandra Yi Sencindiver), wie Demerzel an die Macht kam.

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Dabei erfahren wir unter anderem, dass sie 18.000 Jahre alt ist und einst eine Generalin war, die ihre Truppen im verlorenen Krieg gegen die Menschheit ins Feld führte. Nach der Niederlage wurde sie dem Herrscher als Trophäe überreicht, der sie sezierte, quälte und schließlich auf grausame Weise einsperrte.

Der Teil der Geschichte ist einerseits wenig emotional, aber dennoch intensiv erzählt, so dass wir einen guten Eindruck davon erhalten, wie gefährlich die Androidin wirklich ist. Cleons einziges Streben war offenbar, ewig zu herrschen, ein Wunsch, dem wir in der Geschichte von Königshäusern aller Zeiten und Länder immer wieder begegnen.

Welchen anderen Grund sollte es beispielsweise dafür geben, dass die Pharaonen der griechischen Epoche in Ägypten oft genug ihre nächsten Verwandten heirateten, um die Macht in den Händen der Blutlinie zu halten? Genau auf diesen unsinnigen, über Jahrhunderte praktizierten Brauch in vielen Kulturen spielt die Erschaffung der Klon-Dynastie an.

Der Unterschied ist hier, dass es mit Demerzel einen ordnenden Faktor gab, der aber durch die Korrumpierung der DNA hinfällig geworden ist. Cleons Gründe dafür, Demerzel zur Schattenherrscherin seines Reiches zu machen, waren zudem durch und durch egoistischer Natur. Er liebte ihr Antlitz und erkannte in ihr den einzigen wahren Freund, den er in Wirklichkeit aber nie hatte, weil die Freundschaft zu ihr mit Sklaverei erkauft wurde. Das ist hochdramatisch und traurig zugleich.

Fazit

Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“
Szenenfoto aus der „Foundation“-Folge „Vor langer Zeit und doch nicht fern“ - © Apple TV+

Am Ende von „Long Ago, Not Far Away“ steht ein weiteres audiovisuelles Highlight, das Drama um das Ende von Terminus, der längst herbeigesehnte Tod von Tellem und zwei mehr oder weniger glaubwürdige Ausrutscher. Damit ist die „Foundation“ Folge nicht ganz so perfekt wie die beiden Vorgänger, verbindet aber immer noch starkes Storytelling mit traumhaften Bildern und tollen Schauspielerinnen und Schauspielern.

Zwei der drei großen Handlungsbögen sind nun erstmal aufgelöst, doch man darf davon ausgehen, dass Friedman und Goyer ihr Pulver noch lange nicht verschossen haben. Schließlich sind noch genug Figuren übrig, die mit Bruder Tag eine Rechnung offen haben und die zur Beschleunigung des zu erwartenden Zusammenbruchs beitragen können. Vor allem Hober Mallow (Dimitri Leonidas), dessen Schicksal wir ja bereits aus den Vorhersagen Gaals kennen, Bel Riose (Ben Daniels sowie das Gespann Morgen/Sareth dürften im Finale für Hochspannung pur sorgen. Freuen wir uns darauf. Viereinhalb von fünf Klonen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 8. September 2023
Episode
Staffel 2, Episode 9
(Foundation 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Vor langer Zeit und doch nicht fern
Titel der Episode im Original
Long Ago, Not Far Away
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 8. September 2023 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 8. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 8. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 8. September 2023
Autoren
Isaac Asimov, David S. Goyer, Josh Friedman, Isaac Asimov
Regisseure
Alex Graves, David S. Goyer, David S. Goyer, Mark Tonderai

Schauspieler in der Episode Foundation 2x09

Darsteller
Rolle
Mikael Persbrandt
Ben Daniels
Dimitri Leonidas
Kulvinder Ghir
Isabella Laughland
Jared Harris
Laura Birn
Rachel House
Terrence Mann
Sandra Yi Sencindiver

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