Foundation 2x06

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Das passiert in der âFoundationâ-Episode âWhy the Gods Made Wineâ
Auf Ignis manipuliert die mÀchtige Mentale Tellem (Rachel House) Gaal Dornick (Lou Llobell), um sie und Hari (Jared Harris) zu entzweien. Auf Trantor lÀsst Bruder Tag (Lee Pace) das Volk wissen, dass er Sareth (Ella-Rae Smith) zu seiner Kaiserin macht und die genetische Dynastie damit enden wird. WÀhrenddessen landet Hober Mallow (Dimitri Leonidas) mit seinem Raumschiff Spirit irgendwo im All und trifft auf ein riesiges Raumschiff.
Wendepunkte
In Why the Gods Made Wine dreht sich alles um Entscheidungen, womit die in The Sighted and the Seen initiierten Plot-Points Fahrt aufnehmen. Um sich besser auf die im Fokus der Folge stehenden Figuren konzentrieren zu können, stellt David S. Goyer den Schauplatz auf Ignis heraus und lÀsst die Handlungsbögen um Hober Mallow und Bruder Tag nebenherlaufen.
Dennoch gelingt es ihm, die kurzen Passagen nicht langweilig wirken zu lassen, sondern konfrontiert das Publikum mit weitreichenden Ereignissen. Das Storytelling wird damit weiterhin konsequent gestrafft und auf ein hohes Level gehoben, was Foundation zu einer der - wenn nicht vielleicht sogar zur derzeit besten - Science-Fiction-Serie mit Space-Opera-Elementen macht.
Bei allem Lob, das wir in diesem Review auch noch verteilen werden, gibt es allerdings ebenso eine Kleinigkeit zu bemÀngeln, die gerade deshalb auffÀllt, weil die Show ansonsten technisch auf höchstem Niveau rangiert. Gemeint ist konkret eine Szene zu Beginn, in der Hari am Ufer des Meeres von Ignis steht und mit Salvor spricht. Einige der Einstellungen sind offensichtlich vor einem Greenscreen entstanden und visuell wenig ansprechend gelungen. In Anbetracht der erzÀhlerischen QualitÀt ist dies aber vernachlÀssigbar und sei nur am Rande erwÀhnt.
Klare Worte mit Sinn

Ansonsten ist die sechste Episode der zweiten Staffel von Foundation vollgepackt mit neuem Hintergrundwissen ĂŒber die Figuren sowie spannenden und gut durchdachten Entwicklungen. Dabei bedient sich David S. Goyer an einem intelligenten Mix aus figurativer Sprache und sehr klaren Worten, wenn es darum geht, das Menschenbild einzelner Figuren auf den PrĂŒfstand zu stellen. Ein gutes Beispiel fĂŒr zweiteres ist ein Dialog zwischen Tellem und Hari Seldon, in dem die Mentale ihm in aller Deutlichkeit sagt, was sie von Nicht-Sehenden Menschen hĂ€lt: „Gewalt gegen jedes Abweichen von der Mehrheit. Ausbeutung, Grausamkeit, Geheimhaltung, Morde.“
An dieser Stelle geht „Foundation“ ĂŒberdeutlich auf die nicht nur in den USA grassierende beĂ€ngstigende Verschiebung vom Liberalismus hin zu ultrakonservativen und nationalistischen Wertvorstellungen ein. Noch gröĂere Bedeutung erhĂ€lt der Dialog durch die Tatsache, dass jene Worte von einer Frau gesprochen werden, die selbst vom Hass auf das Andersartige zerfressen ist.
Sicherlich hat Tellem einen guten Grund, nicht mental Begabten zu misstrauen. Sie und ihre Mitstreiter haben Missgunst, Neid, Misstrauen und grausame Gewalt erlebt, die von angstgetrieben, vorurteilsvollen Menschen verĂŒbt wurde. Doch erneut gilt der Grundsatz, dass der Weg vom Opfer zum TĂ€ter ebenfalls von Hass und Vorurteilen geprĂ€gt ist, was Tellem letztlich zu einem Teil des Problems macht.
Hari Seldon bringt das klar zum Ausdruck, wenn er sie eine Heuchlerin nennt. Letztlich zeigt sie dann auch ihr wahres Gesicht, indem sie nicht nur die erschreckend naive und deshalb bisweilen vielleicht auch etwas ĂŒberzeichnet wirkende Gaal manipuliert.
Zum Ende von Why the Gods Made Wine ermordet sie Hari skrupellos und ohne Mitleid und argumentiert, sie sei keine Mörderin, weil sie ja nicht ihresgleichen töte. Die Szene ist vor allem deshalb tragisch, weil sie zeigt, wie leicht der Prozess der Entmenschlichung vonstattengeht, wenn man sich nur die passende Rechtfertigung zurechtlegt.
Leider betrifft dieses PhĂ€nomen nicht nur die Vergangenheit, sondern vielleicht mehr denn je die Gegenwart. Wir erleben beinahe tĂ€glich, wie gewisse Politiker und Parteien populistisch die Einheit beschwören und die Angst vor Minderheiten befeuern, bis ein nicht mehr zu löschender und alles vernichtender FlĂ€chenbrand entstanden ist. Das ist ĂŒberaus starkes Storytelling mit Herz und Verstand, das darĂŒber hinaus in deutlichen Worten artikuliert wird.
Trantor

Widmen wir uns damit den Entwicklungen auf Trantor, die sich einerseits von Bruder Constant und HochwĂŒrden Verisov befassen, andererseits Bruder Tags Absicht zementieren, die genetische Dynastie enden zu lassen. Da der Hauptfokus dieser Foundation-Episode auf Ignis liegt, erhalten die beiden ErzĂ€hlstrĂ€nge nur wenig, aber dafĂŒr umso prĂ€gnantere Screentime.
Das Gespann Verisov (Kulvinder Ghir) und Constant (Isabella Laughland) ist auch weiterhin fĂŒr ein wenig Auflockerung in der bedeutungsschweren Geschichte zustĂ€ndig, befindet sich aber einer beinahe epischen Mission, die auf Trantor ein vorlĂ€ufiges Ende zu nehmen scheint. Das Imperium lĂ€sst Verisov kurzerhand verhaften, um seine Missionierungsmission zu sabotieren. Wie sich die beiden Seldon-JĂŒnger aus dieser prekĂ€ren Lage hinausmanövrieren, werden wir sicherlich bald erfahren.
Wesentlich beeindruckender ist indes der kurze, aber elegante Auftritt von Lee Pace und Ella-Rae Smith. Pace wĂŒrde in jedem Historiendrama mit Romthematik einen hervorragenden Caesar (im Sinne des Titels) abgeben, wobei die Referenzen an das römische Imperium in „Foundation“ ohnehin unĂŒbersehbar sind.
So verkĂŒndet Bruder Tag etwa in einer Arena seine baldige VermĂ€hlung mit Sareth, in der einst „Blutspiele“ abgehalten wurden. Die Assoziationen zum Colosseum sind mehr als offensichtlich, zumal Lee Pace' Gestik auch noch stark an eine bekannte Statur des ersten römischen Kaisers Augustus erinnert. Noch interessanter aber ist, dass Sareth dem Imperator in jeder Hinsicht die Show stiehlt.
So groĂ und weitreichend seine Rede an das Volk auch ist, Sareth verspricht, ihnen als Kaiserin zu dienen. Das dynastische SelbstverstĂ€ndnis verlangt hingegen unabdingbare Unterwerfung. Sareths Worte stehen diesem Anspruch kontrĂ€r gegenĂŒber, was Bruder DĂ€mmerung wiederum mit einem hĂ€mischen Grinsen dafĂŒr quittiert, dass Tag soeben nicht nur die Klonherrschaft als solche beendet, sondern zudem auch sein eigenes Ende einlĂ€utet. So viel Spannung in so wenige Minuten zu packen, ist groĂe Schreibkunst, zumal alle Zeichen auf Komplott oder vielleicht sogar BĂŒrgerkrieg stehen.
Hober Mallow
Leider erfahren wir auch in Why the Gods Made Wine noch nicht, wie der ErzĂ€hlstrang um Bel Riose weitergeht, dafĂŒr erlebt der von Hari auf eine Mission geschickte Hober Mallow einige denkwĂŒrdige Augenblicke, die den um den um ihn etablierten Plotpoint konkretisieren.
Mitten im Nirgendwo des Weltalls gestrandet trifft der sympathische Schurke auf ein riesiges, hochentwickeltes Raumschiff. Eine nĂ€here Untersuchung des Inneren offenbart eine spannende Ăberraschung. Es handelt sich um den sogenannten Mutterschwarm der Spacer, genetisch verĂ€nderte Menschen, ohne die Imperiumsschiffe keine SprĂŒnge durch den Hyperraum durchfĂŒhren können. Die Frage, warum sich die Spacer dort befinden und was Hober von ihnen will, dĂŒrfte im weiteren Verlauf noch interessant werden.
Fazit

Kaum zu glauben, doch „Foundation“ wird immer spannender. David S. Goyer separiert die einzelnen ErzĂ€hlstrĂ€nge der zahlreichen wichtigen Figuren weiterhin, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, der Geschichte so gut wie möglich folgen zu können.
Die Vermittlung wichtiger Hintergrundinformationen, wie beispielsweise die ausfĂŒhrliche Aufarbeitung von Hari Seldons Vergangenheit zum Ende der Folge hin, sind einfach grandios und emotional erzĂ€hlt und sie sorgen insgesamt dafĂŒr, dass wir die Figuren immer besser verstehen. Gaals mentale Macht wird stetig ausgebaut, ist aber nicht ĂŒbermĂ€chtig, weil die Serienmacher ihr eine fast schon erschĂŒtternde NaivitĂ€t mitgeben, die sie ein ums andere Mal in die Falle ausgekochter Manipulatoren gehen lĂ€sst.
Weiterhin verzichtet die Episode nicht auf eine wichtige und klare Botschaft, die ethisch wertvolle Themen verhandelt und in ihrer Aufbereitung durchaus Erinnerungen an die besten Tage von Star Trek wachrufen. DafĂŒr gibt es von uns viereinhalb von fĂŒnf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 18. August 2023(Foundation 2x06)
Schauspieler in der Episode Foundation 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?