Foundation 2x05

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Das passiert in der Episode âThe Sighted and the Seenâ der Serie âFoundationâ
Gaal (Lou Llobell), Salvor (Leah Harvey) und Hari (Jared Harris) erreichen Ignis und treffen dort auf eine Gruppe von Menschen mit mentalen FĂ€higkeiten. Auf Trantor versucht die Dominion Sareth (Ella-Rae Smith), mehr ĂŒber den Anschlag auf Bruder Tag (Lee Pace) herauszufinden, den sie doch nicht in Auftrag gegeben hatten. AuĂerdem decken Bruder Morgen (Cassian Bilton) und DĂ€mmerung (Terrence Mann) ein Geheimnis betreffend ihrer GedĂ€chtnisengramme auf.
Stringenz
Mit The Sighted and the Seen aka „Zuflucht der Sehenden“ fĂŒhrt die Serie Foundation erneut eine neue Protagonistin ein und bringt in den letzten Szenen einen weiteren Wendepunkt mit.
Bisher hatte sich das Produktions-Team auf drei HandlungsstrĂ€nge festgelegt und in Where the Stars Are Scattered Thinly Hari, Gaal, Salvor und Bruder Tag auĂen vorgelassen. Der Mittelteil der Season gehört voll und ganz den Hauptfiguren und konzentriert sich mit Ignis und Trantor diesmal nur auf zwei Locations.
Das ist eine gute Entscheidung, weil die ErzĂ€hlung dadurch stringenter und nachvollziehbarer wird. AuĂerdem kommt auf diese Weise die Haupthandlung voran. Klasse ist auĂerdem, dass die Serienmacher mit Tellem Bond (Rachel House) eine weitere wichtige Figur ins Spiel werfen, die in der letzten Szene als Antagonistin zu Haris PlĂ€nen vorgestellt wird.
Ignis
Die Folge beginnt mit einem kurzen visuellen Leckerbissen in Form eines External Shots, der Salvors Raumschiff im All zeigt. Im Inneren durchlebt Hari Seldon indes im Traum den Moment seines Todes erneut, in den er seinen Ziehsohn Raych (Alfred Enoch) hineingezogen hatte (Wir erinnern uns: Raych musste Seldon auf der Reise nach Terminus in dessen Auftrag töten).
Die Szene leitet eine weitere mysteriöse Sequenz um die Figur ein. Hari erwacht aus seinem Traum und hat sich offenbar immer noch nicht an seinen neuen Körper gewöhnt. Plötzlich steht jedoch Raych leibhaftig vor ihm und macht ihm schwere VorwĂŒrfe darĂŒber, wie leichtfertig er die Personen in seinem Umfeld opfert, um seinen groĂen psychohistorischen Plan in die Tat umzusetzen.
Erneut beweist Jared Harris eine groĂe Spielfreude, durch die es ihm gelingt, seinem Protagonisten ein wenig seiner Arroganz zu nehmen und ihn menschlicher zu zeigen. Hari hat durchaus ein schlechtes Gewissen und ist sich darĂŒber bewusst, dass er in Foundation viele seiner Wegbegleiter opfern muss, damit die Menschheit ĂŒberlebt. Das ist eine schwere BĂŒrde, die in diesen wenigen Minuten hervorragend zum Tragen kommt.
Starkes Storytelling
David S. Goyer und Josh Friedman lassen erfreulicherweise zunĂ€chst offen, ob es sich lediglich um einen Traum, eine Vision oder etwas Anderes handelt. Die Sequenz steht jedoch nicht fĂŒr sich allein, sondern wird in den letzten Szenen der Folge noch einen spannenden Widerhall haben.
Ăberhaupt ist „The Sighted and the Seen“ stark geschrieben und verfĂŒgt ĂŒber eine hervorragende KontinuitĂ€t ohne LĂŒcken. DarĂŒber hinaus glĂ€nzt „Foundation“ immer wieder mit Schauwerten, in diesem Fall mit einer Notlandung auf Ignis, die toll inszeniert ist.
Als das Raumschiff zum Stehen kommt, greift Salvor (Leah Harvey) zu ihrem Gewehr, um sich in der nĂ€heren Umgebung umzuschauen. Sie glaubt, irgendjemanden gesehen zu haben und möchte der Sache nun auf den Grund gehen. TatsĂ€chlich trifft sie auf eine vermummte Gestalt, die uns staunen lĂ€sst. Vor ihr steht ihr Geliebter Hugo (Daniel McPherson) der eigentlich seit ĂŒber 100 Jahren tot ist.
Die Autoren liefern uns fĂŒr sein Erscheinen die glaubwĂŒrdige ErklĂ€rung, dass er sich nach Salvors Abreise selbst in Kryoschlaf begeben hĂ€tte, um sie in der Zukunft wiedersehen zu können. Als Fan der Figur freut man sich zunĂ€chst ĂŒber die unerwartete Wendung, die allerdings nur einen kleinen, aber feinen Twist einleitet. Als Salvor Hardin mit Hugo zum Schiff zurĂŒckkehrt, schöpft Hari Misstrauen und behĂ€lt recht. Kurz darauf erfolgt ein Ăberfall und Gaal (Lou Llobell), er und Salvor werden gefangen genommen. Das alles ist flott und unterhaltsam erzĂ€hlt und ergibt zur groĂen Freude des Publikums auch noch Sinn.
Der Cliffhanger

Der Plot um die Ereignisse auf Ignis endet mit einem interessanten Cliffhanger. Die EntfĂŒhrer sind wie Gaal und Salvor Mentale oder „Sehende“, wie es in der Serie auch heiĂt. Sie empfangen Hari und die beiden Frauen vorgeblich als GĂ€ste, bis die AnfĂŒhrerin der Telepathen namens Tellem Bond in einem Monolog offenbart, dass sie die Foundation vernichten will.
Das ist ein netter Twist, obwohl man die Offenbarung vielleicht besser in einem Dialog kommuniziert hĂ€tte, womit die Szene noch ansprechender geraten wĂ€re. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau, denn mit „The Sighted and the Seen“ bietet „Foundation“ nicht mehr oder weniger als die stĂ€rkste Episode der zweiten Staffel.
Sareth

Abgesehen von den flĂŒssig erzĂ€hlten Geschehnissen auf Ignis trĂ€gt auch die FortfĂŒhrung des Trantor-Plots zu dieser Bewertung bei. Endlich darf sich das Publikum wieder an den ausgezeichneten Schauspielleistungen von Lee Pace, Laura Birn und Terrence Mann als Bruder DĂ€mmerung erfreuen.
Königin Sareth versucht immer noch herauszufinden, ob Bruder Tag seine Familie ermordet. Im Gegensatz zur letzten Episode, die durchaus vermuten lieĂ, dass sie die AttentĂ€ter aus In Seldon's Shadow anheuerte, stellt sich nun heraus, dass dem nicht so war. Insofern steht weiterhin die Frage im Raum, wer fĂŒr den Anschlag verantwortlich zeichnete, zumal Insiderkenntnisse erforderlich waren, um ihn durchzufĂŒhren.
Einige kurze, nur wenige Sekunden dauernden Kamerablicke auf Demerzel (Laura Birn) verstĂ€rken den Verdacht, dass die Maschinenfrau ihr eigenes Spiel um die Macht spielt, doch der Gedanke ist bisher pure Theorie und keineswegs gesichert. Allerdings macht es groĂen SpaĂ, nach Antworten fĂŒr die vielen Fragen zu suchen, die die Serie inzwischen aufwirft.
Ansonsten lĂ€sst Sareth ihre VerfĂŒhrungskĂŒnste spielen, um in Tags GemĂ€cher zu gelangen, um sich dort nĂ€her umzusehen. Tag durchschaut ihre Absichten und wirft sie hinaus, nicht jedoch ohne ihr die Zusage zur Verlobung zu entlocken. Doch die Dominion gibt nicht auf und besorgt sich ĂŒber ihren Informanten, dem Offizier Markley (Afolabi Alli) die GedĂ€chtnisengramme eines Arztes vom Tag des Attentats.
Als die Königin sie gemeinsam mit ihrem Berater Hahn (Haqi Ali) anschaut, findet sie heraus, dass Demerzel eines jener Roboterwesen ist, die vor Jahrhunderten von der Menschheit ausgelöscht wurden. Damit wird ein weiteres vielversprechendes Storyfass geöffnet, wobei abzuwarten bleibt, was genau das Autoren-Duo mit Sareths interessanter Erkenntnis vorhat.
Bruder DĂ€mmerung

Die vielleicht aufregendsten EnthĂŒllungen der „Foundation“-Folge drehen sich allerdings um Bruder Morgen und DĂ€mmerung. DĂ€mmerung lĂ€sst eine alte Liebelei zu Sareths Vertrauter Enjoiner Rue (Sandra Yi Sencindiver) aufleben, die die Gelegenheit nutzt, um an Informationen zu kommen.
AuĂerdem erfĂ€hrt er, dass Tag sich ĂŒber die Regeln hinweggesetzt hat und die GedĂ€chtnisengramme seiner Klon-BrĂŒder jederzeit Ă€ndern kann. Eine nĂ€here Untersuchung im Memorium, wo die Erinnerungen aller Cleons lagern, fördern spannende Details zu Tage. Der GedĂ€chtniswert des DynastiebegrĂŒnders betrug 213 „Cataphylen“, wĂ€hrend sĂ€mtliche Klone im Durchschnitt nur eine 89 vorzuweisen haben. War die Lebenserfahrung des Urvaters so viel höher, oder manipuliert jemand auf perfide Weise die Engramme? Das ist eine mitreiĂende Entwicklung, die das in frĂŒheren Folgen bereits angedeutete Misstrauen der Klone untereinander noch einmal forciert, und fĂŒr einige Verwicklungen sorgen dĂŒrfte.
Fazit

Folge fĂŒnf der zweiten Staffel von Foundation ist durch und durch starkes Fernsehen. Die audiovisuellen Schauwerte sind nach wie vor fantastisch und die Story birgt reichlich Ăberraschungen und Wendepunkte. Alle wichtigen Figuren erhalten ausreichend Raum zur Entfaltung und der inneren Logik wird intensiver Rechnung getragen, als zu Beginn der Season.
Einiges, wie die Information, dass Haris Körper von Kalles Computer-Inkarnation geklont wurde, wird nur am Rande erwĂ€hnt. Anderes, wie die Tatsache, dass Gaals und Salvors FĂ€higkeiten keine Einzigartigkeit darstellen, sind fĂŒr die Entwicklung des Narrativs wichtig.
In jedem Fall stĂ€rken derartige Details die innere KontinuitĂ€t des Serien-Universums und lindern den Space-Magic-Eindruck, den die Serie in Bezug auf die beiden Frauen bisher hinterlieĂ, gut so.
Hinzu kommt, dass die Autoren immer deutlicher herausarbeiten, woran das Imperium letztlich zugrunde gehen wird. Nicht nur die rebellische Foundation und die Dekadenz eines vor SelbstgefĂ€lligkeit ĂŒberschĂ€umenden Machtapparats treiben das Reich in den Untergang. Auch innere Konflikte, Misstrauen und fehlende Weitsicht tragen dazu bei. Damit zeichnen David S. Goyer und Josh Friedman ein verhĂ€ltnismĂ€Ăig realistisches Bild, denn es waren genau jene Aspekte, die das alte Rom zu Fall brachten - und auf dessen Geschichte beruht Issacs Asimovs Romanreihe letztlich.
Insofern beweisen die Serienmacher nicht nur den Mut, aus einem altehrwĂŒrdigen Franchise etwas vollkommen Neues zu kreieren, sondern auch, dass sie die Moral des Werks verstanden haben. DafĂŒr gibt es von uns fĂŒnf von fĂŒnf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 11. August 2023(Foundation 2x05)
Schauspieler in der Episode Foundation 2x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?