Foundation 2x04

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Das passiert in der„Foundation“-Folge „Where the Stars Are Scattered Thinly“
Poly Verisov (Kulvinder Ghir) und Bruder Constant (Isabella Laughland) bringen Hober Mallow (Dimitri Leonidas) nach Terminus, wo sie im Gewölbe endlich auf Hari Seldon (Jared Harris) treffen. Währenddessen erreichen Bel Riose (Ben Daniels) und Glawen Curr (Dino Fetscher) Siwenna, wo sie mehr über die Foundation herausfinden. Königin Sareth (Ella-Rae Smith) schmiedet derweil Pläne, um sich für den Tod ihrer Eltern zu rächen.
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Keine Frauenpower
Bei Where the Stars Are Scattered Thinly fällt im Gegensatz zum Beginn von Foundation besonders auf, dass Gaal Dornick (Lou Llobell) und Salvor Hardin (Leah Harvey) in dieser Episode überhaupt nicht vorkommen. Es mutet ein wenig seltsam an, dass die Figuren seit der ersten Staffel so stark aufgebaut wurden und nun plötzlich gänzlich unerwähnt bleiben. Ein kurzer Blick auf die weitere Entwicklung der beiden Frauen wäre sicherlich nicht falsch gewesen, obwohl ihr Fehlen verschmerzbar ist.
Ebenso wenig tritt Demerzel (Laura Birn) in Erscheinung und Bruder Tag (Lee Pace) hat nur einen kaum erwähnenswerten Auftritt. Dafür konzentrieren sich die Macher allerdings auf die durchtriebene Sareth, derer Motive nun endlich ans Licht kommen. Tag hat möglicherweise fast ihre gesamte Familie ermorden lassen, um die Allianz mit ihr zu forcieren und sie sinnt auf Rache. Die Erkenntnis, dass die einzige Existenzberechtigung der Figur in einem Racheakt liegt, dürfte kaum einen aufmerksamen Zuschauenden überraschen. Die Idee, Bruder Morgen zu umgarnen und für ihre Zwecke zu manipulieren, ist allerdings großes Kino.
Terminus
fDie meiste Screentime erhält der Plot um Hari Seldon, womit deutlich wird, dass die Hauptfunktion dieser „Foundation“-Folge in etwa dem dritten Glied eines klassischen Siebenakters entsprechen dürfte. Dementsprechend dienen In Seldon's Shadow, A Glimpse of Darkness und teilweise auch King and Commoner der Einführung neuer Figuren und der Etablierung des Konflikts. Der vierte Teil beinhaltet hingegen den ersten Plotpoint der Staffel sowie für das weitere Verständnis wichtige Erläuterungen.
Es verwundert insofern kaum, dass vornehmlich dieser Block sehr dialoglastig daherkommt. Immerhin bringen David S. Goyer und Josh Friedman mit Hari Seldon, Constant/Verisov, Direktor Sermak (Oliver Chris) und Hober Mallow ein große Figurenkonstellation zusammen. Insgesamt steht das Gewölbe sowohl narrativ als auch visuell metaphorisch für eine klassische Schicksals- oder Heldenreise, die für die Protagonisten hier ihren Anfang nimmt.
Schön ist übrigens, dass die Autoren die Eigenheiten des Konstrukts noch einmal näher erläutern und somit die innere Kontinuität des Narrativs stärken. Auf Polys Bemerkung, dass er sich in einem Tesserakt, einen Polychoron befindet, antwortet Seldon: „Einem vierdimensionalen Objekt in einem dreidimensionalen Raum.“ Damit ist eine Begründung dafür geliefert, warum im Gewölbe die Zeit anders läuft, als in der Außenwelt, eine hübsche und in sich stimmige Idee.
Doch auch ein weiterer religionskritischer Ansatz darf erneut nicht fehlen, ein Thema, dass den Serienmachern offenbar sehr am Herzen liegt. Als Seldon erkennt, dass Verisov die Kirche des galaktischen Geistes rund um ihn als Propheten gegründet hat, inszeniert er sich als Gott. Jared Haris hat sichtliche Freude daran, sich bekannter kirchlicher Klischees (Hand als Zeichen des Segens auflegen et cetera) und Stereotypen sowie der typischen Rhetorik diverser Glaubensgemeinschaften zu bedienen, um seiner Figur einen Hauch von Übernatürlichkeit zu verleihen. Ein Dialog, in dem Seldon erklärt, dass die Zivilisation erst die Phase des religiösen Eiferns durchlaufen muss, um sich zu einer freien Kultur entwickeln zu können, spricht diesbezüglich Bände.
Als starken Kontrast dazu legen die Autoren ihm die kaltherzige Aussage: „Kein Sterblicher soll sich meiner Vergebung sicher sein“ als Begründung für die Einäscherung des Jägers in Episode vier in den Mund. Sätze wie diese überzeichnen die Figur absichtlich, um ihre Arroganz und Überheblichkeit offenzulegen. Hari Seldon stilisiert sich als Prophet, Gott und Architekten der Zukunft, eine Eigenschaft, die sich religiöse Führer ebenfalls gerne zusprechen.
Als letzter wichtiger Aspekt des Gewölbeplots ist die Verkündung des Auftrags und damit die Nennung des Wendepunkts der Geschichte zu nennen. Um die zweite Krise, die unweigerlich zu weiteren und immer schwereren führen wird, zu meistern, gilt es nicht Krieg zu führen, sondern den Frieden zu bewahren. Als Botschafter setzt Seldon Bruder Constant und Hochwürden Verisof ein, während für den Kriegstreiber Direktor Sermak nur ein Lob für seinen schicken Anzug bleibt.
Was Hober Mallow anbelangt, enthält man uns dessen genaue Aufgabe vor, um die Spannung hochzuhalten und den handlungslastigen Mittelteil und den darauf möglicherweise folgenden zweiten Wendepunkt der Geschichte vorzubereiten. Wir erfahren lediglich, dass sein Auftrag konträr zu dem der Priester ist.
Auf Siwenna

Der oben beschriebene Ablauf ist in insgesamt vier kleine und größere Abschnitte unterteilt, der von den Geschehnissen rund um Bel Riose und Königin Sareth flankiert werden. Die Szenen auf Siwenna dienen dabei der Auflockerung des recht dialoggetriebenen Hauptteils und bringen ein wenig Action mit ein. Ben Daniels als Admiral Riose und Dino Fetcher als Ehemann und Erster Offizier Glawen Curr erweisen sich als starkes Duo, die nicht nur für ein paar Stunts gut sind, sondern auch ihre Beziehung weiter erforschen. Zudem finden sie dank eines sympathischen Helfers mehr über die Foundation und ihre technologischen Möglichkeiten heraus.
Die Bildsprache und Teile des Narrativs rufen hier übrigens durchaus Erinnerungen an das Star Trek-Franchise wach. So weist der Flug zum Planeten der beiden imperialen Offiziere in der Art eines Stratosphärensprungs starke Ähnlichkeiten zu jenem aus „Star Trek“ (2009) auf. Ebenso gelten in der Welt von Foundation Bücher als Rarität, die kostbar sind und die die Menschen der Zukunft nur noch selten in den Händen halten dürfen. Welches Franchise für diese netten Ideen Pate stand, ist allerdings unerheblich, da sie im Endeffekt den Kanon stärken und für Plausibilität sorgen.
Der Block auf Siwenna endet mit einer tragischen Szene, die zwar vorhersehbar ist, aber dennoch recht dramatisch daherkommt. Bel und Glawen lernen Patrizier Ducem Barr (Jesper Christensen) kennen, der dem Imperium noch immer dient, obwohl es sich schon vor einhundert Jahren von den Randwelten zurückgezogen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen hatte.
Er erweist sich als treuer Untertan und wertvoller Informationsgeber, doch seine Loyalität hat einen schrecklichen Preis. Riose und Curr sind auf dem Weg zu ihm mit einer brutalen Bande Plünderer und Hasser des Imperiums aneinandergeraten, die sie nun aufspüren. Im Wissen, dass er gefoltert und ermordet wird, bittet Ducem darum, von Bel erschossen zu werden.
Die Szene unterstreicht auf starke Weise, wie schnell der Zerfall des Outer Rims... Pardon... Outer Reachs voranschreitet und die Bewohner der Randwelten auch einen offenen Konflikt mit Angehörigen der imperialen Streitkräfte nicht scheuen. Zudem hat sie einen charakterbindenden Effekt, denn der Admiral vollzieht hier einen schmerzvollen Akt des Respekts und erfüllt dem sympathischen Informanten den Wunsch, in Würde zu sterben.
Trantor

Ebenfalls keine Spielzeit erhalten in der vierten Episode von Foundation der beliebte Lee Pace und Laura Birn. Stattdessen fokussiert sich das Drehbuch auf den naiven und leicht manipulierbaren Bruder Morgen (Cassian Bilton) und die ungefähr gleichaltrige Königin Sareth. In einem geschickt geschriebenen Dialog sät die junge Frau - wohl wissend um ihre anziehende Wirkung auf den unerfahrenen Klon - Zweifel in ihm.
Das Ziel ist klar umrissen: Rache an Bruder Tag, den sie für den Mörder ihrer Familie hält. Um die Wahrheit herauszufinden, zieht Sareth eine Reihe von Fäden, die sich als Spiel um Leben und Tod herausstellen werden. Am Ende der Folge steht last but not least die Auflösung der Frage, wer die Attentäter angeheuert hat, die Bruder Tag in Teil eins beinahe getötet hätten. Es war Sareth, womit wir endgültig darüber in Kenntnis gesetzt sind, wie gefährlich die Monarchin und künftige Gattin des Imperators ist.
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Fazit

Nachdem sich in King and Commoner schon abgezeichnet hatte, dass der Plot um Salvor und Gaal zurückgefahren wird, setzten die Serienmacher den Trend nun konsequent fort und führen die etablierten Handlungsstränge um Hober Mallow und Sareth unterhaltsam fort. Obwohl die vierte „Foundation“-Episode Where the Stars Are Scattered Thinly („Allianzen“) sehr dialoglastig ist, wirkt keine Sekunde davon langweilig oder unnötig.
Vielmehr fühlen sich die Dialoge geschliffen an, glänzen hier und da sogar mit Tiefsinn und geben den Schauspielerinnen und Schauspielern Raum zur Entfaltung. Hinzu kommt neues Hintergrundwissen, ein interessanter Plotpoint und sogar gleich zwei spannende Cliffhanger (Sareth/Hober Mallow). Dafür gibt es von uns diesmal viereinhalb von fünf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 4. August 2023(Foundation 2x04)
Schauspieler in der Episode Foundation 2x04
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