Foundation 2x03

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Das passiert in der „Foundation“-Folge „King and Commoner“
Hari (Jared Harris), Gaal (Lou Llobell) und Salvor (Leah Harvey) erreichen Oonas Welt und treffen dort auf ein technisch ausgeklügeltes Abbild von Kalle (Rowena King). Währenddessen überredet Lady Demerzel (Laura Birn) den auf die Strafkolonie Lepsis verbannten General Bel Riose (Ben Daniels) dazu, wieder in die Dienste von Bruder Tag zu treten. Am Rand des Imperiums suchen Bruder Verisov (Kulvinder Ghir) und seine Novizin derweil nach Hober Mallow (Dimitri Leonidas).
Weniger Gaal/Salvor
Die Foundation-Episode King and Commoner löst sich ein wenig von den beiden übermächtigen Hauptfiguren Gaal und Salvor und konzentriert sich auf die Einführung zweier neuer Figuren. Dabei handelt es sich um die bereits erwähnten Bel Riose und Hober Mallow. Der Schwenk und die Vorbereitung auf die kommenden epischen Ereignisse tun der Episode sichtlich gut, wobei die bisherige Drehbuch-Struktur grundlegend erhalten bleibt.
Josh Friedman und David S. Goyer (der erneut Regie führte) lassen die Geschichte zwar gleich auf fünf Welten des riesigen galaktischen Reiches spielen, doch zwei davon (Lepsis und Korell) dienen lediglich dazu, Riose und Mallow einzuführen. Der Part auf Lepsis gerät dabei am Kürzesten, weil sich die Handlung um den General logisch stimmig schnell nach Trantor verlagert.
Der Hauptteil spielt indes auf Oonas Welt, wo es im Kern darum geht, Hari Seldon wieder stärker ins Spiel zu bringen. Dass wieder einige unlogische Aussagen über die Psychohistorik und ihr Bezug zu Einzelpersonen fallen, lassen wir einmal außen vor. Inzwischen ist ohnehin hinreichend klar, dass Goyer keinen großen Wert auf Werktreue legt und die für die Romane so wichtige Wissenschaft nur eine nominelle Rolle spielt. Wichtiger und entsprechend spannender ist für die Serie nämlich, was auf dem Planeten und mit Hari geschieht.
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Oonas Welt
King and Commoner beginnt mit einem Irrtum, der sich allerdings gar nicht als solcher herausstellt. Gaal und Salvor glauben, Ignis erreicht zu haben, um die zweite Foundation zu gründen, doch Hari hat das Schiff zu Oonas Welt gebracht. Wir erinnern uns: In A Glimpse of Darkness hatte die mysteriöse Kalle zu Seldon kurz vor dem Verlassen des Radianten gesagt, dass er sie dort suchen soll.
Der Planet stellt sich als ehemalige Imperiums-Mine heraus, die seit Jahrhunderten ausgeblutet und verlassen ist. Die Landung auf der Welt, ihre Oberfläche - all dies ist kinoreif und hochwertig inszeniert und bereitet dem Auge und Ohr daher große Freude.
Ein kleiner inhaltlicher Fauxpas, auf den wir schon in früheren Episoden hingewiesen haben, soll aber nicht unerwähnt bleiben. Erneut wirft Hari Seldon Aussagen über die Zukunft und die Funktionsweise der Psychohistorik in den Raum, die das Publikum unreflektiert hinnehmen muss, um die Serie wirklich genießen zu können. In diesem speziellen Fall geht es um Gaals Vorhersage, dass Salvor in 150 Jahren auf dem Schlachtfeld im Kampf gegen „Das Maultier“ stirbt.
In einem inhaltlich wenig durchdachten Dialog erklärt Hari Gaal, dass der Tod ihrer Tochter nicht zu vermeiden ist, egal, was sie tut. Doch warum und weshalb, bleibt wiederum ohne Erklärung. Immerhin passiert die Gründung der zweiten Foundation laut Radianten eigentlich nicht, und doch ändern die drei Helden die Zukunft und werden auf Ignis genau das tun. Wenn also ein so großes Ereignis durch wenige Taten beliebig gesteuert werden kann, warum ist dann der Tod eines Menschen in über hundert Jahren unumgänglich?
Es erschließt sich schlicht nicht, warum die Autoren sich so stark auf unabwendbare Schicksale festlegen. Doch auch Haris Aussage, dass er in der Gegenwart kleine Dinge verändern würde, um das große Ganze zu beeinflussen, während Gaal das Gegenteil tut, passt vorne und hinten nicht zusammen, zumal beide Frauen für eben jene Zukunft unverzichtbar sind. Verändert Hari also wirklich nur kleine Details, oder greift er massiv in die Geschichte ein?
Planetenhüpfer
Bevor wir uns weiter in derartige Fragen stürzen, belassen wir es bei jenen Hinweisen auf die inhaltlichen Unstimmigkeiten in Foundation und werfen einen näheren Blick auf die diversen Handlungsorte.
Nach Oonas Welt schwenkt der Blick zu Terminus, wo Bruder Verisov dem Direktor und damit auch dem Publikum erklärt, wer Hober Mallow ist. Die Figur wird sich im Verlauf der Episode noch genauer vorstellen, einstweilen erfahren wir, dass er einst Priesteranwärter für die Kirche des galaktischen Geistes war und sich nun als Betrüger und „Meisterhändler“ (als Referenz auf die Romane) verdingt.
In einem ansprechenden Dialog erwähnt Verisov etwa, dass es Mallow gelang, 38 angebliche Fingerknochen von Hari Seldon zu verkaufen, bevor das Imperium ihm die Handelslizenz entzog. Das ist ein durchaus witziger Einfall, der zudem ein Hinweis darauf ist, was für eine Art Charakter uns erwartet.
Nach dem kurzen Ausflug auf den Foundation-Planeten geht es zurück zu Oonas Welt, wo sich Hari und Salvor auf dem Weg zu Kalle machen. Stark: Die Macher haben sogar daran gedacht, Seldons Fußspuren im Sand zu entfernen, da er ja lediglich eine Projektion ist. Das ist Detailliebe!
Ein erneuter Ortswechsel führt uns zum Strafplaneten Lepsis, der in seiner Brutalität und durch die dort praktizierte Zwangsarbeit eher an ein Konzentrationslager erinnert. Hier fristet der ehemals beste General des Imperiums ein tristes und entwürdigendes Dasein, was ein starker weiterer Hinweis auf die hartherzige Willkür ist, mit der die Imperialen über ihr Reich herrschen. Das Imperium ist eben eine lupenreine Diktatur, die die Freiheit und sogar das Leben ihrer Billionen Untertanen mit Füßen tritt, um die Macht zu erhalten.
Auf Lepsis unterbreitet Demerzel Riose ein großzügiges Angebot. Wenn er in die Dienste von Bruder Tag zurückkehrt und herausfindet, was im Outer Reach vor sich geht, wird er nicht nur rehabilitiert, sondern darf auch seinen für tot gehaltenen Mann bald wieder in die Arme schließen. Riose wird schon hier als brillanter Taktiker mit Herz eingeführt, eine Figurenzeichnung, die es so in „Foundation“ noch nicht gibt und die für interessante Entwicklungen sorgen dürfte.
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Hober Mallow betritt die Bühne
Von Lepsis aus geht es zurück zu Oonas Welt, wo Seldon und Gaal auf Kalle treffen. Wer oder was sie genau ist wird auch in dieser Episode nicht näher ausgeführt. Wir müssen uns damit begnügen, dass sie da ist und über ungeahnte Fähigkeiten verfügt. Die Autoren vergeben damit erneut die Chance, tiefer in ihre Welt einzutauchen und das Publikum mit spannenden Hintergrundinformationen zu versorgen.
Letztlich ist es neben der Geschichte aber auch der etablierte Kanon, der Fans an ein Franchise bindet. Genau von dem bietet „Foundation“ aber bisher zu wenig, weil zu viele Details mir nichts dir nichts in den Raum geworfen werden. Entsprechend quittiert am Ende des Seldon-Plots Kalle Gaals berechtigte Frage, was sie ist, lediglich mit einem Augenzwinkern und verschwindet dorthin, von wo sie kam, schade drum.
Spannender und witziger geht es da schon im Whassallischen Graben auf dem Planeten Korell zu. Dort soll ein despotischer Herrscher soeben von Hober Mallow um einen wertvollen Edelstein gebracht werden, was gründlich schiefläuft. Die Serienmacher porträtieren Mallow als Schurken, den man vielleicht am ehesten als witzige Kombination aus einem Harry Mudd (gemeint ist die von Roger C. Carmel so sympathisch verkörperte Figur aus Star Trek) und Han Solo aus „Star Wars“ lesen kann.
Überhaupt fallen, nebenbei erwähnt, immer wieder visuelle, aber auch inhaltliche Referenzen an andere Sci-Fi-Universen auf, angefangen bei den Spacern, die optisch durchaus an die Gürtler aus The Expanse erinnern, bis hin zu den imperialen Raumschiffen, die es in fast identischer Form als sogenannte Mutterschiffe im Echtzeitstrategieklassiker „Homeworld“ gibt.
Doch zurück zu Hober Mallow, einer Figur, die für Abwechslung sorgt und Schwung in die Story bringt. Schön ist zudem, dass die nicht minder unterhaltsamen Bruder Verisov und seine Novizin wieder in den Fokus des Geschehens rücken. Mallow ist erwartungsgemäß erwischt worden und soll nun hingerichtet werden. Auf spektakuläre Weise gelingt ihm die Flucht, wobei er Verisov fast um sein Sprungschiff bringt. Die Zusammenführung der Figuren gelingt hier auf charmante Art und die Zuschauenden dürfen sich sicherlich auf weitere kurzweilige Szenen mit ihm und Verisov freuen.
Trantor
Bevor sich King and Commoner dem Ende zuneigt, erleben wir noch einen grandios geschriebenen und gespielten Dialog zwischen Bruder Tag und Bel Riose. Der General verweigert das Angebot, sich zu reinigen und neu einzukleiden und verlangt, so vor den Imperator geführt zu werden, wie er ist.
Hat Ben Daniels bereits in der Einführung seiner Figur bewiesen, wie gut er schauspielern kann, übertrifft er die in ihn gesteckten Erwartungen nun noch einmal im Gegenspiel zu Schauspielschwergewicht Lee Pace. Die beiden Akteure sind in jeder Hinsicht ebenbürtig, was die Szene zu einem Genuss macht.
Auch die Figurenzeichnung gelingt auf ansprechende Weise, auch wenn die Charakterisierung - wie auch die von Mallow - lediglich an die Romanwelten von Isaac Asimov angelehnt ist. Riose erweist sich zwar als Kritiker, aber doch als treuer Untertan, der dem Imperium gegenüber einen für ihn unverrückbaren Eid schwor. Sein einziges Ziel ist es, die Billionen Menschen des Reiches zu schützen, mit allem ihm als Soldat zur Verfügung stehenden Mitteln, wie sich bald möglicherweise zeigen wird.
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Hari
Zum Abschluss kommen wir noch einmal auf Hari Seldon zu sprechen, der in dieser Foundation-Folge eine wundersame Verwandlung durchlebt. Dank Kalles Kräften (siehe dazu oben) erhält Hari Seldon einen neuen Körper. Der Sinn dahinter ist klar: Die Serienmacher möchten die Figur stärker in die Handlung integrieren und sie deutlicher positionieren. Der Vorteil an der Neuausrichtung ist natürlich, dass er nun im wahrsten Sinne des Wortes antastbar geworden ist, was den Mythos um den Mann ins Extreme steigern dürfte. Ob der Twist indes wirklich notwendig für die Handlung war, muss sich erst noch zeigen.
Fazit
Der versetzte Fokus fort von Gaal und Salvor hin zu Hober Mallow und Bel Riose tut dem Storytelling der Serie sichtlich gut. Zum einen wird die Übermacht der beiden überzeichneten Figuren abgemildert, zum anderen wird sich zwangsläufig der Fokus ändern. Mallow und Riose einzuführen sollte konsequenterweise beinhalten, dass diese wichtigen Protagonisten angemessene Screentime erhalten.
Das kann wiederum dazu führen, dass die Geschichte insgesamt ausgewogener erzählt wird, als in der bisherigen zweiten Season. Voraussetzung dafür ist, dass mit der Etablierung nicht erneut eine stark übertriebene Charakterzeichnung mit überzogenen Fähigkeiten einhergeht. Dafür - und für die tolle Optik - gibt es von uns diesmal vier von fünf Klonen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 28. Juli 2023(Foundation 2x03)
Schauspieler in der Episode Foundation 2x03
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